Geschichte der Kirche
Globalisierung der Kirche


Globalisierung der Kirche

Von Anfang an gingen die ersten Mitglieder der Kirche, darunter Joseph Smith, davon aus, dass sich das wiederhergestellte Evangelium in alle Welt verbreiten würde. Joseph empfing 1831 eine Offenbarung mit der Verheißung, dass das Evangelium „bis an die Enden der Erde hinrollen“ werde, was die Heiligen der Letzten Tage in ihren Bemühungen, zu predigen und sich in Zion zu sammeln, umfassend und ernsthaft zu erfüllen suchten. Im Laufe ihrer Geschichte wuchs die Kirche zu einer weltweiten Glaubensgemeinschaft heran, ein Prozess, der sowohl von größeren historischen Entwicklungen als auch von der Weisung der Führer der Kirche und dem hingebungsvollen Dienst der Mitglieder der Kirche geprägt wurde.

Die Anfänge und das frühe Wachstum der Kirche fielen mit einem weltweiten Anstieg der Bevölkerung und der Zunahme von Reisemöglichkeiten, Einwanderung, Kommunikation, Industrie und Alphabetisierung auf der ganzen Welt zusammen. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts hatten die europäischen, amerikanischen und asiatischen Staaten und Kolonien ihre maximale geografische Größe erreicht, indem sie das Territorium praktisch aller Landmassen der Erde beanspruchten und die Regierungsgewalt über ihre Bewohner ausübten. Menschen aus allen Teilen der Erde konnten zunehmend über weite Entfernungen hin und auf unterschiedlichste Weise miteinander in Kontakt treten. Einige globale Ereignisse hatten für die große Mehrheit der Weltbevölkerung im 20. und 21. Jahrhundert spürbare Folgen, wie zum Beispiel die beiden Weltkriege und der langwierige Prozess der Entkolonialisierung, bei dem ehemalige koloniale Regierungen durch unabhängige, eigene Regierungen ersetzt wurden. Durch Missionarsarbeit, Migration und kontinuierlichen geistlichen Dienst bauten die Heiligen der Letzten Tage in diesen Zeiten eine eigene globale Gemeinschaft auf.

Nicht alle Teile der Welt waren für die ersten Missionare der Heiligen der Letzten Tage und ihre Botschaft zugänglich. Die Mitglieder der Kirche erreichten Angehörige und Bekannte über persönliche Netzwerke, die sich zunächst auf ihre Heimatländer beschränkten, oder auf Kommunikationswegen, die sich ihnen durch reisende Tätigkeiten wie dem Militärdienst, dem Handel oder dem Tourismus eröffnet hatten. Die ersten Gebiete, die sich den Heiligen der Letzten Tage öffneten, waren die Vereinigten Staaten, Kanada, die Britischen Inseln, Kontinentaleuropa und die Pazifischen Inseln. Persönliche Netzwerke entwickelten sich von diesen Zonen aus weiter, indem neue Mitglieder sowie ihre Familien und Freunde das Evangelium weitergaben. Schon als die Führer der Kirche in den 1890er Jahren die Neubekehrten dazu aufforderten, nicht in den nordamerikanischen Westen auszuwandern, sondern ihre Pfähle in der Heimat zu stärken, hatten sich Gemeinden in Nordamerika, Europa und Ozeanien gebildet.

Die internationale Lage und die verbesserten Reisemöglichkeiten der frühen 1900er Jahre ermöglichten es einer steigenden Zahl von Missionen, ihre Bemühungen zum Verkünden des Evangeliums weiter ins Ausland auszudehnen, was zu neuen Methoden der Strukturierung von Missionen, Distrikten und Zweigen führte. In den 1920er Jahren arbeiteten die Missionare daran, die Distrikte so zu stärken, dass die Mitglieder vor Ort ihre Gemeinden eigenständig leiten konnten. Als die Mitgliederzahl weiter wuchs, wurden Einheiten der Kirche geteilt, um die vielen Mitglieder unterzubringen, wodurch sich die Zahl der Gemeinden und Pfähle auf der ganzen Welt vervielfachte. Die Apostel setzten ihren besonderen Auftrag fort, „allen Nationen die Tür des Himmelreichs auf[zu]schließen“, indem sie sich bei den Behörden um die Erlaubnis bemühten, die Kirche in neuen Ländern aufzubauen. Schon in den 1940er Jahren gab es vierzig Missionen in Europa, Nordamerika und Südamerika, auf den Pazifischen Inseln und in Teilen Asiens.

Nach dem Zweiten Weltkrieg halfen Soldaten, die der Kirche angehörten, beim Aufbau oder bei der Wiederherstellung der Kirche dort, wo sie stationiert waren, insbesondere in Japan, Korea, den Philippinen, Vietnam und Thailand. Präsident David O. McKay, der als junger Apostel aus erster Hand erlebt hatte, mit welchen Herausforderungen die Mitglieder außerhalb Nordamerikas konfrontiert waren, leitete ein umfangreiches Bauprogramm für Gemeindehäuser und Tempel, um Gemeinden in aller Welt besser zu unterstützen. Zwischen 1945 und 1955 wurden 630 Versammlungshäuser gebaut, die größtenteils von den Heiligen der Letzten Tage vor Ort errichtet wurden. Als sich die Pfähle im Ausland zu vermehren begannen, folgten bald auch Tempel. Zwischen 1955 und 1985 wurden achtzehn Tempel in Europa, Ozeanien, Mittel- und Südamerika, Ostasien und dem Süden Afrikas gebaut. Der Bau von Tempeln nahm im 21. Jahrhundert rasch zu, und 2024 waren hunderte von Tempeln auf der ganzen Welt in Betrieb.

Die rasante Zunahme der grenzüberschreitenden Migration und die Fortschritte im Reiseverkehr zwischen den 1990er und frühen 2000er Jahren veränderten die Arbeit der Missionare weltweit. Rundfunkmedien und Internet-Streaming-Technologien ermöglichen es der Kirche, ihre Kommunikationskanäle in mehr Sprachen als je zuvor zu nutzen. Die Übersetzungsabteilung entwickelte sich zu einer bedeutenden Größe und trägt dazu bei, die heiligen Schriften, Tempelzeremonien, Ansprachen der Generalkonferenz und Veröffentlichungen für das sprachlich vielfältige Publikum der gesamten Kirche zugänglich zu machen. Ab den 2020er Jahren wurden die Programme, Initiativen und Materialien in der Regel mit Blick auf die globale Mitgliederschaft der Kirche gestaltet und initiiert.

Verwandte Themen: Wachstum der Kirche, Ausweitung der Missionsarbeit, Zweige für Mitglieder im Militärdienst, Interreligiöser Dialog, Politische Neutralität, Gemeinden und Pfähle