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Antworten auf Fragen zum Evangelium
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Antworten auf Fragen zum Evangelium

Der Herr hat uns geboten: „Trachtet nach Wissen, ja, durch Studium und auch durch Glauben.“ (Lehre und Bündnisse 88:118.) Dieser Rat gilt besonders, wenn wir Fragen oder Bedenken bezüglich einer Lehre oder einer in der Kirche üblichen Praxis haben. Der Erretter hat schlicht und einfach gesagt: „Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet!“ (Matthäus 7:7.)

Überblick

Der Herr hat uns geboten: „Trachtet nach Wissen, ja, durch Studium und auch durch Glauben.“ (Lehre und Bündnisse 88:118.) Dieser Rat gilt besonders, wenn wir Fragen oder Bedenken bezüglich einer Lehre oder einer in der Kirche üblichen Praxis haben. Joseph Smith erfuhr schon in jungen Jahren, dass man Offenbarung und größere Erkenntnis der Wahrheit erlangen kann, wenn man voll Glauben Fragen stellt.1 Der Erretter hat schlicht und einfach gesagt: „Bittet und es wird euch gegeben; sucht und ihr werdet finden; klopft an und es wird euch geöffnet!“ (Matthäus 7:7.)

Von Zeit zu Zeit äußern sich Führer der Kirche zu einer Frage, die wir uns vielleicht auch selbst schon gestellt haben. Es ist jedoch weder sinnvoll noch möglich, dass die Führungsverantwortlichen jede Frage, die uns vielleicht in den Sinn kommt, für uns beantworten. Wenn wir verstehen, wie man durch Studium und durch Glauben nach Erkenntnis strebt, werden wir eigenständiger und sind besser imstande, göttlich inspirierte Antworten auf unsere Fragen zu erhalten. Und wir können treu bleiben, auch wenn manche Bedenken noch nicht ausgeräumt sind. Präsident Boyd K. Packer hat erklärt: „Geistige Eigenständigkeit ist die stützende Kraft der Kirche. … Wenn wir all Ihre Fragen immer sogleich beantworten und Ihnen vielerlei Möglichkeiten bieten, all Ihre Probleme zu lösen, schwächen wir Sie womöglich, anstatt Sie zu stärken.“2

Durch Studium und Glauben nach Wissen trachten

Für das Studium des Evangeliums braucht man zwar keine akademische Ausbildung, doch Vernunft und geistige Anstrengung sind dennoch vonnöten. Der Herr erwartet von uns, dass wir „eifrig [suchen]“3. Auf unserer Suche nach Wahrheit lesen wir, wägen Informationen ab und prüfen, ob sie glaubwürdig sind, und nehmen uns Zeit für gezieltes Nachdenken. Wir beleuchten sowohl die Annahmen anderer als auch unsere eigenen Gedanken und bringen Begriffe und Sachverhalte in den richtigen Zusammenhang. Wir sind kritisch und umsichtig und machen uns bewusst, dass unser Wissen zwar nicht vollkommen ist, aber doch zunimmt.

Da unser Blickwinkel und unser Wissen begrenzt sind, eröffnen sich uns geistige Wahrheiten nur dann, wenn wir bei der Suche auch unseren Glauben einsetzen. Der Glaube verlangt uns mentale und geistige Anstrengung ab und fußt auf zuversichtlicher Hoffnung, nicht auf negativen Zweifeln. Unseren Glauben drücken wir durch das aus, was wir sagen, und dadurch, dass wir uns entsprechend der Wahrheit verhalten, die wir empfangen. Dadurch wächst dann unser Glaube, und durch den Heiligen Geist und unsere Erfahrungen erlangen wir weitere Erkenntnis. Die Hoffnung, die wir durch unseren Glauben erlangen, dient unserer Seele als Anker. Durch sie werden wir fest und standhaft, während wir weiter dazulernen.4

Um unseren Glauben zu stärken, gibt es neben dem Vertrauen in das Gebet und die Führung des Heiligen Geistes noch weitere Grundsätze, die uns eigenständiger machen, sodass wir uns durch Glauben und Studium Erkenntnis aneignen.

Man braucht sich nicht zu schämen oder für unwürdig zu halten, wenn man Fragen oder Bedenken hat

So gut wie jeder hat hin und wieder Fragen oder Bedenken. Präsident Thomas S. Monson hat erläutert: „Mit jedem neuen Tag, den wir erleben, laufen wir fast unweigerlich Gefahr, dass unser Glaube herausgefordert wird.“5 Präsident Dieter F. Uchtdorf hat festgestellt: „Manch einem ist es peinlich oder er fühlt sich unwürdig, weil er eine dringende Frage zum Evangelium hat, doch es gibt keinen Grund dafür. Fragen zu stellen ist kein Zeichen von Schwäche, sondern führt zu Wachstum.“6

Bedenken Sie jedoch, dass das Wort Frage nicht mit dem Begriff Zweifel gleichzusetzen ist. Fragen und Zweifel sind nicht ein und dasselbe. Der Herr und seine Propheten rufen uns nicht dazu auf, etwas anzuzweifeln. Ganz im Gegenteil! In den heiligen Schriften kommt der Zweifel nie in einem positiven Zusammenhang vor. Präsident Thomas S. Monson hat bekräftigt: „Zweifel erzeugen niemals Glauben.“7 Deshalb betont der Herr mit Nachdruck: „Zweifelt nicht.“8 Er weiß, dass Zweifel unser Gottvertrauen beeinträchtigen können. Der Erretter hat verheißen: „Und wer auch immer an meinen Namen glaubt und in nichts zweifelt, dem werde ich alle meine Worte bestätigen.“9 Moroni wandte sich an die, die nicht an Christus glaubten, und mahnte: „Zweifelt nicht, sondern seid gläubig“.10

Wegen Fragen oder Bedenken braucht sich keiner zu schämen oder sich unwürdig zu fühlen. Wir sollen einfach darangehen, das Problem zu lösen, dabei jedoch immer in Erinnerung behalten, dass unsere Fragen zu der vom Herrn bestimmten Zeit beantwortet werden und wir daher geduldig sein müssen. Zweifel führen nicht zum Glauben. Wenn wir jedoch bestrebt sind, durch Studium und Glauben zu lernen, nehmen sowohl unsere Erkenntnis als auch unser Glaube zu.

Dem treu bleiben, was man bereits durch den Heiligen Geist als wahr erkannt hat

Wenn man zu einer Lehre oder einer in der Kirche üblichen Praxis Fragen oder Bedenken hat, kann man nach Antworten suchen, ohne dabei das Zeugnis beiseitezuschieben, das man bereits besitzt. Paulus hat Timotheus den weisen Rat erteilt, er solle weiterhin bei dem bleiben, wovon er sich überzeugt hatte.11 Präsident Dallin H. Oaks hat erklärt: „Wenn wir uns nicht sicher sind, was einen bestimmten Evangeliumsgrundsatz oder ein künftiges Ereignis betrifft, empfiehlt es sich für gewöhnlich, dass wir uns gemäß der Kenntnis verhalten, die wir bereits besitzen, und darauf vertrauen, dass der liebevolle Vater im Himmel uns weitere Erkenntnis schenkt, wenn wir sie wirklich brauchen.“12

So etwas wie Glauben, der einem Zweifel entspringt, gibt es nicht. Durch Glauben konnte der Apostel Petrus auf dem Wasser gehen, bis ihn Furcht und Zweifel übermannten und er unterzugehen drohte.13 In den Anfangstagen der Wiederherstellung wurde den Führern und Mitgliedern verkündet: „Wo Zweifel und Verunsicherung herrschen, besteht kein Glaube – er kann dort nicht bestehen.“14

Elder Jeffrey R. Holland gab den Rat: „Wenn Angst, Zweifel und schwierige Zeiten hereinbrechen, hält man das Gelände, das man bereits eingenommen hat, auch wenn es begrenzt ist. … Wenn diese Zeit kommt und Probleme auftreten, deren Lösung sich nicht unmittelbar aufdrängt, halten Sie an dem fest, was Sie schon wissen, und bleiben Sie standhaft, bis Sie weitere Erkenntnis erlangen. … Es geht nicht darum, wie groß Ihr Glaube ist oder wie viel Sie wissen – es geht darum, wie konsequent Sie an dem Glauben, den Sie bereits besitzen, und der Wahrheit, die Sie bereits kennen, festhalten.“15

Denen, die wegen eines Ereignisses aus der Geschichte der Kirche oder wegen einer negativen Begegnung mit einem anderen Mitglied aufgewühlt sind, hat Elder David A. Bednar diesen Rat gegeben: „Meine Hoffnung ist – ganz besonders für diejenigen, die sich durch solche Ereignisse beunruhigen lassen –, dass sie sich diese Frage stellen: ‚Will ich wirklich die Fülle der wiederhergestellten Wahrheit aufgrund von geschichtlichen Ereignissen, von denen wir vielleicht nicht einmal alle wesentlichen Informationen besitzen, oder aufgrund einer unangenehmen Erfahrung mit anderen Mitgliedern der Kirche beiseiteschieben oder ganz und gar verlieren?‘ Für eine kluge Einschätzung müssen wir das Evangelium Jesu Christi als Ganzes in Betracht ziehen, und zwar alle Wahrheiten, die in der Evangeliumszeit der Fülle offenbart worden sind.“16 Elder Neil L. Andersen hat treffend bemerkt: „Wir verwerfen nicht etwas, was wir als wahr erkannt haben, bloß weil es etwas anderes gibt, was wir noch nicht verstehen.“17

Fragen aus dem ewigen Blickwinkel des Erlösungsplans betrachten

Durch den Propheten Jesaja hat der Herr erklärt: „So hoch der Himmel über der Erde ist, so hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege und meine Gedanken über eure Gedanken.“18 Der Apostel Paulus mahnte, unser Glaube solle sich „nicht auf Menschenweisheit stütze[n], sondern auf die Kraft Gottes“19.

Elder Dallin H. Oaks hat zudem gesagt: „Fragen wie ‚Woher kommen wir?, Warum sind wir hier?, Wohin gehen wir?‘ werden im Evangelium Jesu Christi beantwortet. Die Propheten nennen es den Plan der Errettung und den ‚großen Plan des Glücklichseins‘ (Alma 42:8). Durch Inspiration können wir diese Straßenkarte, die zur Ewigkeit führt, verstehen und unseren Weg im Erdenleben daran ausrichten.“20

Präsident Boyd K. Packer hat erklärt: „Die meisten schwierigen Fragen, mit denen wir in der Kirche zurzeit zu tun haben – und dazu gehören etwa Abtreibung und Ähnliches sowie all die Fragen dazu, wer das Priestertum trägt und wer nicht –, lassen sich ohne einen gewissen Kenntnisstand von diesem Plan nicht beantworten.“ 21 Fragen oder Bedenken sollten wir also möglichst vor dem Hintergrund des Erlösungsplans klären, denn dann können wir sie aus dem Blickwinkel der Ewigkeit angehen.

Wir können uns also fragen: Welchen Stellenwert hat diese Frage oder Lehre im Rahmen des Erlösungsplans? Wie wirkt sie sich auf meine Freude im Erdenleben und auf meine Errettung in der Ewigkeit aus? Was erfahren wir aus den heiligen Schriften oder von neuzeitlichen Propheten zu diesem Thema?

Bedenken durch aufrichtiges Beten ausräumen

Den Propheten zufolge sollen wir uns Gott aufrichtig im Gebet nähern und nicht mit einer zynischen oder skeptischen Einstellung. Nephi rief seinen Brüdern, die von Fragen und Zweifeln geplagt waren, die Worte des Herrn in Erinnerung: „Wenn ihr euer Herz nicht verhärtet und mich im Glauben bittet, im Vertrauen darauf, dass ihr empfangen werdet, mit Eifer im Halten meiner Gebote, so wird euch dies gewisslich kundgetan werden.“22 Zwar lassen sich auf Bedenken jedenfalls Antworten dadurch finden, dass man sich eingehend mit dem Thema befasst; ein solches Studium bringt allerdings nur dann etwas, wenn der Wahrheitssuchende auch bemüht ist, Gottes Gebote zu halten, und ihm seine Anliegen im Gebet vorträgt.

Der Apostel Jakobus hat dargelegt, wie man Antwort auf seine Fragen erhält. Denen, die nach Wahrheit suchen, riet er, sie sollten sich dessen bewusst sein, dass ihr Glaube geprüft werden könne, und sie sollten daher geduldig sein und „von Gott erbitten“. Eine Antwort aus göttlicher Quelle müssen wir somit „im Glauben [er]bitten und nicht zweifeln“23. Wir müssen also mit zuversichtlicher Erwartung und voll Hoffnung an die Sache herangehen und nicht mit einer ablehnenden Einstellung voll Zweifel, Zynismus oder Skepsis.

Präsident Dieter F. Uchtdorf hat bezeugt: „Ich aber sage Ihnen: Sie sind Gott wichtig. Er hört zu und er gibt Antwort, wenn Sie Fragen haben. Die Antworten auf Ihre Gebete kommen auf seine eigene Weise und zu seiner eigenen Zeit. Daher müssen Sie lernen, wie man seine Stimme vernimmt.“24

Außerdem muss uns klar sein, dass Offenbarung für die Kirche als Ganzes nur durch die auserwählten Führer des Herrn an die Kirche ergeht und nie durch ein einzelnes Mitglied. In einer Offenbarung an Oliver Cowdery hat der Herr verkündet: „Niemand wird bestimmt werden, Gebote und Offenbarungen in dieser Kirche zu empfangen, ausgenommen mein Diener Joseph Smith Jr.“25 Joseph Smith hat erklärt: „Es widerspricht der Ordnung Gottes, dass ein Mitglied der Kirche oder sonst jemand eine Anweisung erhält für jemanden, der eine höhere Vollmacht innehat als er selbst. Man ersieht daraus, dass es nicht recht wäre, eine solche Anweisung zu beachten.“26

Den Erretter zum Mittelpunkt des Lebens machen

Helaman erinnerte seine beiden Söhne Nephi und Lehi daran, dass die Grundlage ihres Lebens der Erretter sein müsse, damit sie in schwierigen Zeiten nicht ins Wanken gerieten. Er sagte: „Denkt daran, dass unser Erlöser – und das ist Christus, der Sohn Gottes – der Fels ist, auf dem ihr eure Grundlage bauen müsst; damit, wenn der Teufel seine mächtigen Winde aussenden wird, ja, seine Blitzstrahlen im Wirbelsturm, ja, wenn all sein Hagel und sein mächtiger Sturm an euch rütteln, dies keine Macht über euch haben wird, euch in den Abgrund des Elends und des endlosen Wehs hinabzuziehen, und zwar wegen des Felsens, auf den ihr gebaut seid, der eine sichere Grundlage ist, und wenn die Menschen auf dieser Grundlage bauen, können sie nicht fallen.“27

Präsident Howard W. Hunter hat einer Gruppe Studenten gegenüber einst zum Ausdruck gebracht: „Wenn unser Leben und unser Glaube auf Jesus Christus und sein wiederhergestelltes Evangelium gegründet sind, kann nichts auf Dauer schiefgehen. Wenn unser Leben hingegen nicht auf den Erretter und auf seine Lehren gegründet ist, kann kein anderweitiger Erfolg auf Dauer richtig sein.“28

Elder Richard G. Scott hat gesagt: „Wir sind doch genau deshalb zur Erde gekommen, um durch Prüfungen zu wachsen. … Das Sühnopfer Jesu Christi macht es uns möglich, all diese Herausforderungen auszuhalten [siehe 2 Nephi 2:2]. Ich bezeuge: Wenn wir bewusst zu ihm kommen, können wir jede Versuchung, jede Seelenqual, jede Herausforderung, die uns begegnet, aushalten.“29

Wir richten unser Leben auf Christus aus, wenn wir bestrebt sind, immer an ihn zu denken, täglich zu beten, uns mit dem Wort Gottes zu befassen und darüber nachzusinnen, seine Gebote zu befolgen und unserer Familie und unseren Mitmenschen zu dienen.

Sich häufig mit dem Wort Gottes befassen

Regelmäßiges, ja tägliches Evangeliumsstudium festigt unser Zeugnis jederzeit, insbesondere auch dann, wenn uns Fragen, Bedenken oder Zweifel bedrängen. Nephi sagte zu Laman und Lemuel, „wer auf das Wort Gottes höre und daran festhalte, der werde niemals zugrunde gehen; auch könnten die Versuchungen und die feurigen Pfeile des Widersachers sie nicht mit Blindheit schlagen, um sie weg ins Verderben zu führen“30.

Der Erretter versicherte seinen Aposteln vor alters: „Wer mein Wort wie einen Schatz hütet, wird sich nicht täuschen lassen.“31 Präsident Henry B. Eyring hat erklärt: „Wir häufen das Wort Gottes nicht wie einen Schatz auf, wenn wir die Worte in den heiligen Schriften bloß flüchtig lesen, sondern nur, wenn wir sie gründlich studieren. Wir werden vielleicht mehr genährt, wenn wir über einige wenige Worte nachsinnen und zulassen, dass der Heilige Geist daraus für uns einen Schatz macht, als wenn wir rasch und oberflächlich ganze Kapitel in den heiligen Schriften überfliegen.“32

Gottes Wort ist nicht nur „[unserem] Fuß eine Leuchte, ein Licht für [unsere] Pfade“33, sondern kann uns auch dann nähren, wenn unser Zeugnis durch Bedenken und beunruhigende Fragen bedroht ist. „Das Wort Gottes lässt unsere Hingabe erwachen“, sagte Elder Quentin L. Cook, „und wirkt wie ein heilender Balsam gegen Kränkung, Wut und Ernüchterung.“34

Präsident Ezra Taft Benson hat verkündet: „Das Wort Gottes, wie es in den Schriften steht, wie es von den lebenden Propheten Gottes kommt und wie es uns in persönlicher Offenbarung zuteilwird, hat die Kraft, die Heiligen zu stärken und sie mit dem Heiligen Geist zu wappnen, damit sie dem Bösen widerstehen, am Guten festhalten und in diesem Leben Freude finden können.“35

Den Propheten folgen, die ja die gesalbten Diener des Herrn sind

Der Erretter hat Propheten und Apostel erwählt, die heutzutage seine Kirche führen. Er vertraut ihnen und steht hinter dem, was sie sagen: „Was ich, der Herr, gesagt habe, das habe ich gesagt, und ich entschuldige mich nicht; und mögen auch die Himmel und die Erde vergehen, mein Wort wird nicht vergehen, sondern wird sich gänzlich erfüllen, sei es durch meine eigene Stimme oder durch die Stimme meiner Diener, das ist dasselbe.“36 Am 6. April 1830, als die Kirche offiziell gegründet wurde, sagte der Herr den Heiligen über den Propheten Joseph Smith: „Denn sein Wort sollt ihr empfangen, als sei es aus meinem eigenen Mund, voller Geduld und Glauben.“37 Dieser Grundsatz gilt auch für jeden der nachfolgenden Propheten bis zum heutigen Tag.

Elder Neil L. Andersen hat gesagt: „Es ist nachvollziehbar, wenn man das, was man in den Nachrichten hört, in Zweifel zieht. Man [braucht] dies jedoch nie mit dem Zeugnis eines Propheten Gottes [zu] tun.“38 Der Grund dafür liegt darin, dass die Propheten uns niemals in die Irre führen. Präsident Thomas S. Monson hat uns zugesichert: „Wenn Sie den Propheten folgen, bewegen Sie sich auf sicherem Gebiet.“39 Zu diesem Grundsatz hat auch Elder M. Russell Ballard eine Verheißung ausgesprochen: „[Wir] fragen … uns vielleicht: ‚Gibt es denn eine deutliche, unverdorbene, vorurteilsfreie Stimme, auf die wir uns immer verlassen können? Gibt es eine Stimme, die uns immer klare Anweisungen gibt, durch die wir unseren Weg durch diese unruhige Welt finden?‘ Die Antwort ist: Ja! Diese Stimme ist die Stimme des lebenden Propheten und der Apostel. … Ich gebe Ihnen heute eine Verheißung. Sie ist sehr einfach, aber trotzdem wahr. Wenn Sie auf den lebenden Propheten und die Apostel hören und auf unseren Rat achten, werden Sie nicht in die Irre gehen.“40

Die Stimme des Geistes erkennen und beachten lernen

Wenn wir die Eingebungen des Heiligen Geistes erkennen und ihnen folgen, lassen wir uns nicht durch die allseits verbreiteten Spitzfindigkeiten der heutigen Gesellschaft täuschen. Jesus sagte seinen Aposteln zur Zeit des Neuen Testaments, dass sie den Beistand empfangen würden, nämlich den Heiligen Geist, und dieser Beistand werde sie alles lehren und sie an alles erinnern, was er ihnen gesagt hatte.41 Der Erretter hat auch deutlich gemacht, dass uns der Heilige Geist „in der ganzen Wahrheit leiten“42 wird.

Präsident Henry B. Eyring hat erläutert, weshalb wir den ständigen Einfluss des Heiligen Geistes brauchen:

„So wie uns der Heilige Geist gegen das Böse wappnet, verleiht er uns auch die Macht, Wahrheit von Unwahrheit zu unterscheiden. All die Wahrheiten, die wirklich zählen, lassen sich nur durch Offenbarung von Gott beweisen. Der menschliche Verstand und der Einsatz der fünf Sinne reichen nicht aus. Wir leben in einer Zeit, da selbst den Weisesten die Unterscheidung zwischen Wahrheit und raffinierter Täuschung schwerfällt. … Da uns jederzeit Unwahrheiten und Lügen vorgesetzt werden können, muss der Geist der Wahrheit ständig auf uns Einfluss haben, um uns jeden Anflug von Zweifel zu ersparen.“43

Voreilige Schlüsse vermeiden, da Wahrheit nach und nach erkannt wird

Der Erretter hat deutlich erklärt, dass es seine Art ist, uns Schritt für Schritt zu unterweisen:

„Ich werde den Menschenkindern Zeile um Zeile geben, Weisung um Weisung, hier ein wenig und dort ein wenig; und gesegnet sind diejenigen, die auf meine Weisungen hören und meinem Rat ihr Ohr leihen, denn sie werden Weisheit lernen; denn dem, der empfängt, werde ich mehr geben; und denen, die sprechen: Wir haben genug, denen wird selbst das weggenommen, was sie haben.“44

Joseph Smith hat erklärt, weshalb Wahrheit nur Stück für Stück vermittelt wird. „Es wäre nicht weise, wenn uns alle Erkenntnis auf einmal vorgelegt würde“, sagte er, „vielmehr sollte dies nach und nach geschehen; denn dann können wir sie erfassen.“45

Johannes der Täufer hat dafür Zeugnis gegeben, dass der Herr Jesus Christus ebenfalls Schritt für Schritt dazulernte, bis er schließlich alles wusste:

„Und ich, Johannes, sah, dass er zuerst nicht von der Fülle empfing, sondern Gnade um Gnade empfing;

und er empfing zuerst nicht von der Fülle, sondern ging von Gnade zu Gnade, bis er eine Fülle empfing;

und so wurde er der Sohn Gottes genannt, weil er zuerst nicht von der Fülle empfing.“46

Wir orientieren uns also am Beispiel des Erretters und können Zeile um Zeile dazulernen und bei dem, was wir noch nicht wissen, geduldig sein, anstatt voreilige Schlüsse zu ziehen, die vielleicht gar nicht stimmen und unnötige Fragen und Zweifel aufwerfen.

In den heiligen Schriften werden wir aufgefordert, „in der Erkenntnis der Wahrheit [zu] wachsen“47. Joseph Smith hat anschaulich erläutert, was es bedeutet, in der Erkenntnis der Wahrheit zu wachsen:

„Wenn man eine Leiter erklimmt, muss man unten beginnen und Sprosse um Sprosse emporsteigen, bis man oben ankommt. So ist es auch mit den Grundsätzen des Evangeliums – man beginnt mit dem ersten und macht weiter, bis man schließlich alle Grundsätze der Erhöhung beherrscht. Aber es wird noch eine ganze Weile dauern, nachdem wir durch den Schleier gegangen sind, bis wir sie alle erlernt haben. Man kann nicht alles in dieser Welt verstehen; es wird noch ein großes Stück Arbeit sein, alles in Bezug auf unsere Errettung und Erhöhung auch noch nach dem Tod in Erfahrung zu bringen.“48

Jakob hat festgestellt, dass Gotteserkenntnis äußerst umfassend ist und es „unmöglich [ist], dass der Mensch alle seine Wege herausfinden kann“. Er erinnert uns daran, dass uns das, was wir über Gottes Wege in Erfahrung bringen, durch Offenbarung zuteilwird. „Darum“, mahnte Jakob, „verachtet nicht die Offenbarungen Gottes.“49 Offenbarung ist der Schlüssel, wie man Zeile um Zeile in der Erkenntnis der Wahrheit wächst.

In glaubwürdigen und verlässlichen Quellen nachschlagen und die Beweggründe der Autoren im Auge behalten

Informationen, die früher nicht allgemein zugänglich waren, stehen heutzutage im Internet so gut wie jedermann zur Verfügung. Präsident Dieter F. Uchtdorf hat auf diesen Umstand hingewiesen:

„Noch nie in der Geschichte sind wir so leicht an so viele Informationen herangekommen – manche richtig, manche falsch und viele teilweise richtig. Infolgedessen war es auch noch nie in der Geschichte so wichtig, zwischen Wahrheit und Irrtum richtig zu unterscheiden.“50

Eine grundlegende Fähigkeit beim Lernen im Evangelium besteht darin, dass man glaubwürdige und verlässliche Quellen erkennt und die Beweggründe der Verfasser beurteilt. Es wäre unklug, wollte man sämtliche Quellen als gleichermaßen glaubwürdig und verlässlich einstufen, besonders jene aus dem Internet. Wir müssen Beweggründe und Absichten ebenso wie den Wissensstand derer hinterfragen, die Zweifel säen. Auch feine Unterschiede in den Aussagen sowie die Richtung, in die ihre Überlegungen gehen, sollten wir beachten. Geht es ihnen darum, den Glauben zu stärken oder zu schwächen? Denken Sie daran: „An ihren Früchten also werdet ihr sie erkennen.“51

Elder D. Todd Christofferson hat erläutert: „In einigen Glaubensrichtungen nehmen Theologen für sich die gleiche Lehrautorität in Anspruch wie ihre kirchlichen Führer, und so kann es zwischen ihnen zu einem Wettstreit der Meinungen bezüglich der Lehre kommen. Manch einer stützt sich auf die ökumenischen Konzile des Mittelalters und die dort postulierten Glaubensbekenntnisse. Andere legen vor allem Wert auf die Überlegungen von Theologen aus nachapostolischer Zeit oder auf Hermeneutik und Exegese der Bibel. Wir schätzen es, wenn die Wissenschaft zu mehr Verständnis beiträgt, doch ist es in der heutigen Kirche genau wie ehedem: Das Festlegen der Lehre von Christus oder die Korrektur von Abweichungen in der Lehre geschieht durch Offenbarung von Gott und ist denen vorbehalten, die der Herr mit apostolischer Vollmacht ausstattet.“52

Präsident Harold B. Lee hat eine Empfehlung dazu abgegeben, wie man glaubwürdige Quellen ausmacht: „Ich will Ihnen sagen, was ich tue, wenn ich die vielen Bücher lese, die herausgegeben werden (und meiner Ansicht nach brauchen wir heutzutage mehr denn je einen kritischeren Umgang mit unserem Lesestoff). Darf ich also eine Methode vorschlagen? Wenn Sie ein Buch lesen, ganz gleich, von wem, dann lesen Sie es aufmerksam durch, und dort, wo die Lehren völlig in Einklang mit den Offenbarungen des Herrn und den Lehren aus den heiligen Schriften stehen, dort nehmen Sie sie als Tatsache an. Doch dort, wo sich der Autor in Phantastereien, Vermutungen oder Spekulationen ergeht, die sich nicht zur Gänze anhand der heiligen Schriften beweisen lassen, da schreiben Sie den Namen des Autors am Rand. Es ist nämlich seine persönliche Meinung. Machen Sie einen Unterschied zwischen persönlichen Ansichten und dem, was von den heiligen Schriften untermauert wird.“53

Hier einige glaubwürdige und verlässliche Quellen, die Sie heranziehen können, wenn Sie sich durch Studium und Glauben mit dem Evangelium befassen:

  1. die heiligen Schriften

  2. Botschaften von Führern der Kirche

  3. Lehren der Präsidenten der Kirche

  4. Evangeliumsthemen

  5. Institutsleitfäden für den Schüler

  6. Offenbarungen im Zusammenhang

  7. Joseph Smith Papers (nur auf Englisch)

  8. history.ChurchofJesusChrist.org

Teilwahrheiten und aus dem Zusammenhang gerissene Aussagen erkennen lernen

Die Begleitumstände geschichtlicher Ereignisse sind ja nicht immer im Detail aufgezeichnet worden und werden daher für gewöhnlich von jedem Autor etwas anders ausgelegt. Deshalb müssen wir im Hinterkopf behalten, dass solche Informationen auch subjektiv und voreingenommen dargestellt werden können. Elder Neal A. Maxwell hat einmal gesagt: „Einige wollen sich mit der Kirche unbedingt [nur] aus der Sicht eines Abtrünnigen befassen – das ist so, als würde man Judas befragen, um Jesus kennenzulernen.“54

Leider wird immer wieder etwas behauptet, was gar nicht stimmt, oder etwas wird so dargestellt, dass es glaubhaft erscheint, obwohl es nichtsdestotrotz falsch ist. Korihor etwa wurde vom Teufel getäuscht und gestand: „Ich habe seine Worte gelehrt; und ich habe sie gelehrt, weil sie für den fleischlichen Sinn angenehm waren; und ich habe sie gelehrt, ja, bis ich viel Erfolg hatte, sodass ich wirklich glaubte, sie seien wahr; und aus diesem Grund habe ich der Wahrheit widerstanden.“55

Präsident Russell M. Nelson erzählte von einem Fall, als eine Tatsache aus dem Zusammenhang gerissen wurde und daher einen falschen Eindruck erweckte:

„Ich muss da an ein persönliches Erlebnis denken, das Sie vielleicht amüsant finden. Damals war ich als Berater für die Regierung der Vereinigten Staaten im staatlichen Zentrum der Seuchenschutzbehörde in Atlanta tätig. Die Besprechungen waren zu Ende, und während ich auf das Taxi wartete, das mich zum Flughafen bringen sollte, legte ich mich noch kurz draußen auf den Rasen, um ein wenig Sonne zu tanken, bevor mich der Winter in Utah wieder in Empfang nehmen sollte. Später wurde mir per Post ein Foto zugeschickt, das ein Fotograf mit einem Teleobjektiv geschossen hatte und das den Augenblick festhielt, als ich entspannt auf dem Rasen lag. Unter dem Bild stand: ‚Regierungsberater vor der Seuchenschutzbehörde.‘ Das Foto war echt, die Bildunterschrift stimmte auch, und doch wurde hier mittels einer Tatsache ein falscher Eindruck erweckt. Ja, man kann sogar Wahrheit dazu einsetzen, eine Lüge zu vermitteln.“56

Joseph F. Smith hat schlicht gesagt, „dass es unklug ist, nur ein Bruchstück der Wahrheit aufzunehmen und es so zu behandeln, als sei es das Ganze“57.

Anderen bei deren Fragen oder Bedenken zur Seite stehen

Ihre Kinder oder auch Freunde und Bekannte wenden sich vielleicht an Sie, wenn sie Fragen oder Bedenken zur Geschichte der Kirche, zu einer Lehre oder einer in der Kirche gängigen Praxis haben. Wenn Sie ihnen helfen, Bedenken auszuräumen, sollten Sie diese Grundsätze und Richtlinien im Hinterkopf behalten:

Einfühlsam sein

Der Erretter war einfühlsam, als Petrus zweifelte. Matthäus berichtet: Als Petrus im Wasser unterging, streckte Jesus „sofort die Hand aus [und] ergriff ihn“58. Wie der Erretter können auch Sie sogleich einfühlsam sein und nach bestem Vermögen denjenigen zur Seite stehen, die Fragen oder Zweifel haben. Versichern Sie ihnen stets, dass Sie sie liebhaben und respektieren. Lassen Sie sie wissen, dass es keine Sünde ist, Fragen oder Bedenken zu haben. Vermitteln Sie ihnen, dass sich ihre Bedenken lösen lassen, wenn sie aufrichtig beten, über die heiligen Schriften und die Worte der lebenden Propheten nachsinnen und auf die Eingebungen des Heiligen Geistes hören.

Gut zuhören

Hören Sie gut zu, wenn jemand Fragen und Bedenken äußert und erklärt, was ihn beunruhigt. Tun Sie keine ernstgemeinte Frage oder tatsächliche Sorge als unwichtig, belanglos, schlecht oder sündhaft ab. Denken Sie daran, dass die Wiederherstellung des Evangeliums mit einer ernstgemeinten Frage begann, mit der sich Joseph Smith glaubensvoll an Gott wandte. Ihnen bietet sich in so einem Fall die Chance, jemanden mithilfe der Führung durch den Geist aufzurichten und zu stärken, also „diejenigen zu trösten, die des Trostes bedürfen“59.

Den Glauben stärken

Der Herr hat gesagt: „Und da nicht alle Glauben haben, so sucht eifrig und lehrt einander Worte der Weisheit; ja, sucht Worte der Weisheit aus den besten Büchern.“60

Ermutigen Sie diejenigen, die Fragen oder Bedenken haben, weiterhin täglich um Inspiration von Gott zu beten, in den heiligen Schriften zu lesen, besonders im Buch Mormon, Ansprachen von Propheten und Aposteln zu lesen, die Kirche zu besuchen und ihren Mitmenschen zu dienen. Helfen Sie ihnen, Falschinformationen, die sie gelesen oder gehört haben, richtigzustellen, damit ihr Glaube auf einer soliden Grundlage weiter wachsen kann.

Verwandte Themen

Aus den heiligen Schriften

Schriftstellen

Studienhilfen

Botschaften von Führern der Kirche

Weitere Botschaften

Videos

„Jugendliche auf ein Gespräch vorbereiten“

„Das Lernen und Lehren zu Hause und in der Kirche: zu Hause“

Lernmaterial

Zeitschriften der Kirche

Keith A. Erekson, „Durch Studium und Glauben Einblicke in die Geschichte der Kirche erlangen“, Liahona, Februar 2017

„Hausaufgaben beanspruchen einen Großteil meiner Zeit. Wie kann ich da Zeit für Aktivitäten in der Kirche, den Familienabend und das Schriftstudium finden?“, Liahona, Februar 2017

John Heath, „New Resources for Understanding Church History“, Ensign, Februar 2017

Margaret Willden, „5 hilfreiche Fragen, wenn Gebete scheinbar nicht erhört werden“, Liahona, Januar 2017

„I Have a Question!“, Friend, Januar 2017

„7 Keys to Keeping Your Cool in Conversations“, New Era, November 2016

Angela Peterson Fallentine, „Five Ways to Help Youth Tackle Tough Social Issues“, Ensign, Oktober 2016

Helen Marie Parsons, „Brett’s Quest“, New Era, Oktober 2016

„Is it OK to have doubts about the gospel?“, New Era, August 2013

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