Handbücher und Berufungen
DIE SCHÜLER VERSTEHEN


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DIE SCHÜLER VERSTEHEN

Denken Sie an den letzten Unterricht, den Sie gehalten haben. Woran haben Sie bei der Vorbereitung und beim Unterrichten gedacht? An den Lehrstoff? An diejenigen, die Sie unterrichten? Wie viel haben Sie über jeden Schüler wirklich gewusst? Und selbst wenn Sie sie nicht gekannt haben, hätte wenigstens ein bisschen Information den Unterricht anders gemacht?

Ein Berater des Aaronischen Priestertums hat Folgendes gesagt:

„Als Berater des Kollegiums der Diakone habe ich etliches über 12- und 13jährige Jungen gelernt. Ich weiß, womit sie zu kämpfen haben, was für Möglichkeiten, Erlebnisse und Fragen ein junger Mensch dieses Alters hat. Ich weiß auch, dass jeder von ihnen erst vor kurzem das Priestertum empfangen hat und gerade eben lernt, wie man es würdig ausübt.

Ich kenne auch jeden Diakon persönlich – ich weiß, was er mag und was er nicht mag, ich kenne seine Talente und seine Sorgen, und ich weiß, was gerade in seinem Leben vorgeht.

Wenn ich nun eine Lektion vorbereite und die Jungen unterrichte, versuche ich, die Evangeliumsgrundsätze so zu vermitteln, dass sie ihrem Verständnis und ihrer Erfahrung entsprechen. Um den einen Jungen mit einzubeziehen, stelle ich vielleicht zu irgendeinem Teilbereich der Lektion eine Frage, in der es ums Fußballspielen geht. Um einen anderen Jungen anzusprechen, erzähle ich vielleicht von einer Wanderung, die vor kurzem unternommen wurde und wobei ein Evangeliumsgrundsatz verdeutlicht wird. Weil ich diese Jungen verstehe, kann ich besser Mittel und Wege finden, um den Unterricht auf sie zuzuschneiden.“

Die gemeinsamen Merkmale und Erfahrungen der Schüler kennen lernen

Zwar ist jeder Mensch einzigartig, doch haben die Menschen, die Sie unterrichten – Erwachsene, Jugendliche oder Kinder – vieles gemeinsam. Zunächst einmal ist jeder ein Kind des himmlischen Vaters. Jeder hat göttliche Fähigkeiten. Jeder möchte geliebt werden. Jeder möchte von den anderen unterstützt und wegen seines Beitrags geschätzt werden.

Neben diesen allgemeinen Merkmalen machen Ihre Schüler wohl auch ähnliche Erfahrungen durch. Viele Teilnehmer der Evangeliumslehreklasse für Erwachsene sind etwa Eltern, die durch die Kindererziehung wesentliche Erfahrungen und Einsichten gewonnen haben. Im Ältestenkollegium haben wahrscheinlich etliche Brüder eine Vollzeitmission erfüllt. Viele Hohe Priester haben in Verwaltungsaufgaben in der Gemeinde oder im Pfahl gedient. Viele Junge Männer oder Junge Damen besuchen die gleiche oder eine ähnliche Schule.

Es gibt immer Gemeinsamkeiten unter denjenigen, die Sie unterweisen. Sie müssen diese gemeinsamen Merkmale und Erfahrungen Ihrer Schüler herausfinden und dann Mittel und Wege suchen, um auf diesen Gemeinsamkeiten aufzubauen. Denn dann werden Ihre Schüler das Gefühl haben, dass Ihr Unterricht bedeutsam ist und ihren Bedürfnissen und Interessen entspricht. Sie arbeiten mehr mit und tragen zuversichtlicher zum Unterricht bei.

Information über die gemeinsamen Merkmale der verschiedenen Altersgruppen finden Sie in Teil C, „Die verschiedenen Altersgruppen unterweisen“, (Seite 107ff.).

Jeden einzelnen Schüler kennen lernen

Selbst bei all den gemeinsamen Merkmalen Ihrer Schüler kommt doch jeder Mensch aus anderen Lebensumständen und aus einem anderen Umfeld. Keine zwei sind völlig gleich. Jeder hat andere Fähigkeiten, andere Vorlieben und Abneigungen. Jeder hat andere Freuden, andere Möglichkeiten und andere Herausforderungen erlebt.

Als Regionalrepräsentant hat Elder Neal A. Maxwell Folgendes gesagt: „In jeder Gruppe, jedem Kollegium und jeder Klasse in der Kirche gibt es vielleicht jemand, der sich gerade langweilt, jemand, der, ohne dass man es ihm ansieht, gerade eine schwierige und entscheidende Phase in seiner Beziehung zur Kirche durchmacht, jemand, der vielleicht nur heute gekommen ist und von diesem einen Besuch abhängig macht, was er in Zukunft von der Kirche hält und ob er wiederkommen wird, jemand, dessen Begeisterung nachgelassen hat, aber auch viele … gutunterrichtete Teilnehmer, die in der Kirche Gottes, obwohl sie voll schwacher Menschen ist, Freude und Wachstum finden und mit Enttäuschungen umgehen können.

Wenn man als Führungs- oder Lehrkraft nun unpersönlich oder unterschiedslos … auf die unvermeidliche Vielzahl an Individuen reagiert, widmet man sich offensichtlich nicht ‚voll Eifer einer guten Sache‘. Wer nachlässig und gleichgültig führt oder lehrt, sieht sich bloß als Türsteher an einer Tür, durch die, wie er meint, alle Mitglieder hindurch müssen. Solch eine Art des Führens vernachlässigt die Unterschiede zwischen den Menschen, und es fehlt die echte, persönliche Wärme.“ („ … A More Excellent Way“ [1973], Seite 56f.)

In dem Maß, wie Sie den Einzelnen kennen und verstehen lernen, können Sie den Unterricht besser auf die Lebensumstände der Teilnehmer abstimmen. Ihr Wissen um den Einzelnen hilft Ihnen, Mittel und Wege zu finden, wie Sie jeden in das Unterrichtsgespräch oder andere Lernaktivitäten mit einbeziehen können. (Siehe „Auf jeden Einzelnen eingehen“, Seite 35f.) Sie werden besser wissen, wem man zutrauen kann, dass er eine bestimmte Frage beantwortet, wer vielleicht eine glaubensstärkende Geschichte oder eine eigene Erfahrung erzählen kann oder wer etwas erlebt hat, wodurch ein bestimmter Gedanke der Lektion veranschaulicht wird. Sie werden die Antworten, die im Unterrichtsgespräch gegeben werden, besser zuordnen und den Unterricht entsprechend anpassen können.

Bei der Unterrichtsvorbereitung auf Gemeinsamkeiten und Unterschiede der Schüler achten

Denken Sie an einen Unterricht, den Sie demnächst halten werden. Versuchen Sie sich vorzustellen, wer alles da sein und wo jeder sitzen wird. Vielleicht fällt Ihnen da spontan jemand ein, der immer am gleichen Platz sitzt. Was wissen Sie über ihn, und wie kann Ihnen dieses Wissen helfen, herauszufinden, welchen Hauptgedanken Sie besonders hervorheben sollen? Welche Erfahrungen hat er beziehungsweise sie gemacht, die jemand anders helfen können, einen Evangeliumsgrundsatz besser zu verstehen? Dieses Wissen wirkt sich auf das aus, was Sie vorbereiten und im Unterricht erwähnen. Sie müssen daher nicht nur die Lektion verstehen, Sie müssen auch die Menschen verstehen, die Sie belehren – Kinder Gottes, die zu einer bestimmten Altersgruppe gehören und zudem noch Einzelwesen sind.