Handbücher und Berufungen
Andacht


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Andacht

Elder Boyd K. Packer hat gesagt: „Wenn wir zusammenkommen, um die Lehren des Evangeliums zu lernen, dann muss das voll Ehrfurcht geschehen. …

Die Welt wird immer lärmender. . … Dieser Trend hin zu mehr Lärm, mehr Aufregung, mehr Streit, weniger Zurückhaltung, weniger Würde, weniger Formalität ist nicht zufällig oder unschuldig oder harmlos.

Ein militärischer Befehlshaber, der eine Invasion starten will, gibt als erstes den Befehl, die Kommunikationskanäle des Landes, das er erobern will, zu unterbrechen.

Mangel an Ehrfurcht nützt den Absichten des Widersachers, da sie die empfindlichen Kanäle der Offenbarung in Sinn und Geist blockiert. …

… Ehrfurcht [führt] zu Offenbarung.“ (Der Stern, Januar 1992, Seite 19f.)

Präsident David O. McKay hat gesagt: „Andacht ist tiefe Achtung, gepaart mit Liebe“. (Improvement Era, Juni 1967, Seite 82.)

Elder L. Tom Perry hat die „Ehrfurcht … als tief empfundene Verehrung und Achtung vor der Gottheit“ bezeichnet. (Der Stern, Januar 1991, Seite 66.)

Präsident Spencer W. Kimball hat uns geraten: „Wahre Ehrfurcht ist eine grundlegende Eigenschaft, und doch verschwindet sie rasch, denn in der Welt erweitern die Kräfte des Bösen ihren Wirkungsbereich. Wir können gar nicht recht ermessen, welche Macht zum Guten daraus entsteht, wenn Millionen Mitglieder der wahren Kirche Christi ehrfürchtiges Verhalten an den Tag legen. Wir können uns gar nicht vorstellen, wie viele Menschen wir dadurch zusätzlich berühren können. Und was noch wesentlicher ist: Wir können nicht vorhersehen, wie es sich geistig auf die Familien der Kirche auswirken wird, wenn wir so ehrfürchtig werden, wie wir wissen, dass wir als Volk sein müssen.“ (The Teachings of Spencer W. Kimball, Hrsg. Edward L. Kimball [1982], Seite 224f.)

Aus diesen Zitaten neuzeitlicher Propheten, Seher und Offenbarer geht hervor, dass Andacht mehr ist, als im Unterricht still zu sein und ruhig dazusitzen. Andacht ist eine Geisteshaltung, die jedes rechtschaffene Verhalten durchdringt. Sie zeigt sich in der Achtung und Liebe, die wir Gott gegenüber und für einander haben. In einem PV-Lied heißt es schon:

Andacht ist mehr, als nur ruhig zu sitzen, denn Andacht ist Liebe zum Herrn. Dem himmlischen Vater fühl ich mich ganz nahe, ich denke an ihn ja so gern. [Kinderliederbuch, Seite 12]

Ein Beispiel der Andacht geben

Wer andere lehren will, wie man andächtig ist, muss selbst andächtig sein. Wir müssen das widerspiegeln, was Präsident McKay unter Andacht versteht: „tiefe Achtung, gepaart mit Liebe“. Die folgenden Anregungen helfen Ihnen vielleicht zu beurteilen, wie andächtig Sie sind:

  • Halten Sie die Bündnisse des Abendmahls, nämlich immer an den Herrn zu denken und seinen Namen auf sich zu nehmen. (Siehe LuB 20:77,79,) Bemühen Sie sich, immer an ihn und an seine Güte zu denken und „allzeit und in allem … als Zeugen Gottes aufzutreten“. (Mosia 18:9.)

  • Verwenden Sie den Namen Gottes nur angemessen und ehrfürchtig. Elder Dallin H. Oaks hat gesagt: „Wenn der Name Gott Vaters und seines Sohnes, Jesus Christus, voll Ehrfurcht und mit Vollmacht verwendet werden, rufen sie eine Macht hervor, die über das hinausgeht, was sich ein sterblicher Mensch vorzustellen vermag. Es muss doch jedem Gläubigen klar sein, dass diese mächtigen Namen – durch die Wunder gewirkt werden, durch die die Welten geformt wurden und der Mensch erschaffen wurde und durch die wir errettet werden können – heilig sind und mit äußerster Ehrfurcht ausgespro- chen werden müssen.“ (Conference Report, April 1986, Seite 67.)

  • Zeigen Sie die rechte Achtung vor Generalautoritäten, Gebietsautorität- Siebzigern, Präsidentschaften der Hilfsorganisationen sowie örtlichen Priestertumsführern und den Führern und Führerinnen der Hilfsorganisationen. Gebrauchen Sie stets deren Titel, etwa „Präsident“, „Elder“, „Bischof“ oder „Schwester“, wenn Sie sie ansprechen oder über sie spre- chen. Bezeichnen Sie andere Erwachsene in der Kirche, mit denen oder über die sie sprechen, immer mit „Bruder“ oder „Schwester“.

  • Gebrauchen Sie keine derbe Sprache oder Ausdrücke, die einen anderen herabsetzen, verunglimpfen oder kritisieren. Bedienen Sie sich einer höflichen Ausdrucksweise, sagen Sie sowohl im Familienkreis als auch zu Außenstehenden „bitte“, „danke“ oder „Entschuldigung“.

  • Zeigen Sie angemessene Achtung im Umgang mit der heiligen Schrift und dem Eigentum des Herrn (Gebäude und Liegenschaften der Kirche, Einrichtungsgegenstände und Bücher).

Wie man andachtsvolles Benehmen lehren kann

Oft genügt schon Ihr gutes Beispiel, damit auch andere andächtig sind, doch bisweilen müssen Sie vielleicht konkret lehren, wie man sich andächtig benimmt. Das ist besonders häufig bei Kindern und Jugendlichen der Fall.

Eine Lehrerin der 10- und 11jährigen Mädchen hat erlebt, dass man manchmal ganz konkret über Andacht sprechen muss. Während eines Unterrichts über das Wirken und den Märtyrertod des Propheten Joseph Smith machten die Mädchen dumme, respektlose Bemerkungen. Die Lehrerin konnte kaum glauben, was sie da hörte. Sie war traurig und überlegte kurz, was sie dagegen tun könne. Mit viel Gefühl erklärte sie dann sehr fest, dass die Mädchen sie durch ihre Bemerkungen und ihr Kichern beleidigten, da sie für Joseph Smith und seine Erlebnisse tiefe Ehrfurcht empfand. Die Mädchen wurden sofort still. Sie sagte ihnen, dass sie sie liebe und gern ihre Lehrerin sei, dass sie aber ein solches Benehmen nicht dulden könne. Es war für die Mädchen und für die Lehrerin ein ernüchternder Augenblick.

Die folgenden Anregungen können vielleicht dazu beitragen, dass ein anderer andächtig wird.

  • Setzen Sie Grenzen. Legen Sie fest, welches Verhalten akzeptabel ist und welches nicht. Lassen Sie beispielsweise nicht zu, dass über Heiliges leichtfertig gesprochen wird oder dass gemeine, derbe oder unfreundliche Ausdrücke verwendet werden. Stellen Sie unhöfliches Benehmen ab, etwa, während des Unterrichts zu essen oder ständig ausund einzugehen. Fordern Sie die Schüler auf, im Umgang mit Ihnen und miteinander zuzuhören, ohne zu unterbrechen. Bitten Sie sie, sich höflich auszudrücken und beispielsweise „bitte“, „danke“ oder „Entschuldigung“ zu sagen.

  • Organisieren und bereiten Sie alles soweit wie möglich vor, damit möglichst wenig Durcheinander entsteht. Wenn Sie eine Klasse unterrichten, kommen Sie frühzeitig ins Klassenzimmer.

  • Beginnen Sie rechtzeitig, und machen Sie rechtzeitig Schluss. Dadurch zeigen Sie Achtung vor den Schülern.

  • Seien Sie nett und höflich. Begrüßen Sie die Schüler mit einem Lächeln.

  • Danken Sie den Lernenden für ihre Beiträge zum Unterrichtsgespräch.

  • Wenn Sie Kinder unterrichten, können Sie schon im Voraus etwas Einfaches festlegen, das die Kinder daran erinnert, andächtig zu sein. Vielleicht lässt sich die Andacht wiederherstellen, wenn Sie leise ein andächtiges Lied singen oder summen oder ein Bild zeigen oder ein Zeichen geben, das die Kinder zur Andacht ruft.

  • Denken Sie daran, dass es den Kindern besonders schwerfällt, lange stillzusitzen. Helfen Sie den Kindern, zuzuhören und sich aktiv zu beteiligen. Machen Sie von Zeit zu Zeit eine Pause.

  • Nehmen Sie sich Zeit, besonders den Kindern zu erklären, wie wichtig die Andacht ist. Erklären Sie, wozu das Vorspiel da ist. Sprechen Sie darüber, warum es wichtig ist, dass wir zuhören, mitsingen und nur flüstern. Erklären Sie den Kindern, dass sich der himmlische Vater über jedes andächtige Verhalten freut. Erklären Sie ihnen, dass man sich wohlfühlt, wenn man andächtig ist, und dass dadurch das Zeugnis wächst.

  • Geben Sie für andächtiges Verhalten keine Belohnungen oder Süßigkeiten. Führen Sie keine Wettbewerbe durch, bei denen es darum geht, wer am andächtigsten ist. So etwas betont meistens das Falsche. Lehren Sie, was der wahre Lohn der Andacht ist, etwa, dass man etwas besser versteht und vom Geist geführt wird.

  • Verwenden Sie Musik. Elder Boyd K. Packer hat gesagt:

    „Musik kann die Atmosphäre schaffen, die der Gottesverehrung angemessen ist und die den Geist der Offenbarung, des Zeugnisses einlädt.“ (Der Stern, Januar 1992, Seite 20.) Schaffen Sie durch ein Vorspiel eine andächtige Stimmung. Verwenden Sie Musik im Unterricht.

  • Helfen Sie den Lernenden, den Einfluss des Geistes zu erkennen. Geben Sie Zeugnis, wenn Sie sich dazu gedrängt fühlen.

  • Stellen Sie in all Ihren Unterweisungen den Erretter in den Mittelpunkt. Hängen Sie im Klassenzimmer ein Bild vom Erretter auf.