Handbücher und Berufungen
DURCH FRAGEN LEHREN


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DURCH FRAGEN LEHREN

Jesus Christus, der Meister des Lehrens, hat oft Fragen gestellt, um die Menschen dazu zu bewegen, dass sie über die Grundsätze, die er lehrte, nachsinnen und sie anwenden. (Siehe beispielsweise Matthäus 16:13–15; Lukas 7:41,42; 3 Nephi 27:27.) Seine Fragen führten dazu, dass man nachdachte, in sich ging und sich verpflichtete.

Allgemeine Richtlinien dafür, wie man Fragen zusammenstellt

In den von der Kirche herausgegebenen Leitfäden sind Fragen vorgeschlagen, die Sie im Unterricht verwenden können. Lesen Sie sie gut durch, um festzustellen, welche davon für die Schüler am geeignetsten sind. Sie können auch eigene Fragen vorbereiten. Bei der Überlegung, welche Fragen Sie im Unterricht verwenden wollen, fragen Sie sich: „Hilft diese Frage den Schülern, den Hauptgedanken der Lektion zu verstehen? Hilft sie ihnen, die Evangeliumsgrundsätze, die gelehrt werden, anzuwenden?“

Die folgenden Vorschläge können Ihnen vielleicht beim Zusammenstellen eigener Fragen helfen:

Fragen, die sich mit Ja oder Nein beantworten lassen

Fragen, die mit Ja oder Nein beantwortet werden können, lassen sich im Evangeliumsunterricht nur begrenzt einsetzen. Stellen Sie solche Fragen hauptsächlich dann, wenn Sie jemand verpflichten wollen oder feststellen möchten, ob der Betreffende mit etwas einverstanden ist oder nicht.

Wissensfragen

Wissensfragen werden gestellt, um grundlegende Tatsachen, die zu einer Schriftstelle, einer Geschichte oder einem Evangeliumsgrundsatz gehören, darzulegen. Es gibt darauf immer eine konkrete Antwort. Sie können dem Lernenden beim anfänglichen Studium einer Schriftstelle helfen, sie können Hauptpunkte verdeutlichen, Gedanken wiederholen oder falsche Vorstellungen ausräumen. Beispielsweise:

  • Was sagte Nephi, sobald ihn seine Brüder um Vergebung baten, weil sie ihn mit Stricken gebunden hatten?

  • Wann und wo wurde die Kirche gegründet?

Stellen Sie nicht nur Wissensfragen. Man muss dazu nicht viel nachdenken, und wer die Antwort nicht kennt, meldet sich wahrscheinlich auch nicht. Wenn Sie Wissensfragen stellen, müssen Sie im allgemeinen auch dafür Sorge tragen, dass die Teilnehmer die Antwort auch finden können.

Ausgehend von einer Wissensfrage lässt sich ein Unterrichtsgespräch beginnen. Sodann können Sie zu Fragen überleiten, die mehr zum Nachdenken anregen und den Lernenden bewusst machen, wie sich der betreffende Evangeliumsgrundsatz anwenden lässt.

Fragen, die zum Nachdenken anregen

Manche Fragen regen dazu an, dass die Lernenden tief über die Bedeutung einer Schriftstelle oder eines Evangeliumsgrundsatzes nachsinnen. Solche Fragen werden meist mit den Fragewörtern was, wie oder warum eingeleitet. Sie lassen sich nicht mit Ja oder Nein beantworten, und es gibt für gewöhnlich nicht nur eine richtige Antwort. Etwa:

  • Warum ist wohl jene Offenbarung gerade damals in der Geschichte der Kirche erteilt worden?

  • Was lernen wir aus dieser Begebenheit darüber, wie der Herr dem hilft, der Hilfe braucht?

  • Wie würden Sie Glauben definieren?

  • Was verstehen wir unter Sanftmut?

  • Inwiefern ist dieser Gegenstand mit dem Evangeliumssgrundsatz vergleichbar, über den wir gerade sprechen? (Das ist eine gute Frage für einen Anschauungsunterricht.)

  • Inwiefern haben Laman und Lemuel anders reagiert als Nephi?

Wenn Sie solche Fragen stellen, müssen Sie für jede Antwort offen sein. (Siehe „Zuhören“, Seite 66– 67.) Regen Sie dazu an, dass die Lernenden über die heilige Schrift und die Evangeliumssgrundsätze, die besprochen werden, nachsinnen und ihre Gedanken dazu äußern. Versuchen Sie nicht, sie dazu zu bringen, dass sie eine ganz bestimmte Antwort geben. Die Schüler merken das nämlich bald und beteiligen sich dann nicht mehr, oder sie erraten, was Sie hören wollen, statt selbst nachzudenken. Wenn Sie eine bestimmte Antwort hören möchten, stellen Sie besser eine Wissensfrage, oder sie bringen die Information auf andere Weise im Unterricht.

Fragen, die dem Lernenden helfen, einen Evangeliumssgrundsatz anzuwenden

Sie müssen auch Fragen stellen, die dem Lernenden helfen, einen Evangeliumssgrundsatz anzuwenden. Etwa:

  • Wie hat sich diese Verheißung des Herrn in Ihrem Leben erfüllt?

  • Inwiefern verfallen auch wir mitunter in denselben Fehler wie die Menschen in dieser Geschichte?

  • Inwiefern kann es für uns ein Segen sein, wenn Gott uns züchtigt?

  • Welche Umstände gleichen heutzutage denen in dieser Schriftstelle?

  • Was würden Sie tun, wenn Sie in solch einer Lage wären?

Bitten Sie die Lernenden, mitzuteilen, wie sie oder jemand anders die soeben besprochenen Evangeliumssgrundsätze angewendet haben. Fordern Sie sie, wie der Geist Sie dazu drängt, auf, Zeugnis von diesen Grundsätzen zu geben.

Allgemeine Richtlinien für das Fragenstellen

Fragen stellen, die von den Lernenden beantwortet werden können

Stellen Sie keine Fragen, um Ihr eigenes Wissen zu zeigen. Stellen Sie Fragen, die die Schüler zu durchdachten Antworten anregen.

Auf eine falsche Antwort höflich und achtungsvoll reagieren

Es kann vorkommen, dass jemand eine falsche Antwort gibt oder etwas sagt, was von wenig Einsicht zeugt. Ein anderer lacht vielleicht darüber. Das ist dem Betreffenden peinlich, und das nächste Mal beteiligt er sich vielleicht nicht mehr am Unterricht. So etwas kann sein Lernen beeinträchtigen.

Reagieren Sie auf eine falsche Antwort höflich und achtungsvoll. Sorgen Sie dafür, dass sich der Betreffende weiterhin gern beteiligt. Sie können die Verantwortung übernehmen, indem Sie etwa sagen: „Tut mir leid, ich habe mich da wohl nicht klar ausgedrückt. Lassen Sie mich die Frage anders stellen.“ Sie können dem Lernenden aber auch zu Hilfe kommen, indem Sie etwa sagen: „Vielleicht denken Sie gerade an etwas anderes“, oder: „Ich bin froh, dass Sie auch diesen Punkt erwähnen, aber ich fürchte, ich habe mich da wohl unklar ausgedrückt.“ Solche Äußerungen führen dazu, dass die Schüler immer lieber mitarbeiten und auch mal eine ihrer Meinung nach falsche Antwort riskieren.

Auf die Antwort warten

Es darf Sie nicht stören, wenn sich auf Ihre Frage nicht gleich jemand meldet. Geben Sie nicht selbst die Antwort, sondern geben Sie den Lernenden Zeit zum Nachdenken. Ein allzu langes Schweigen kann allerdings darauf hindeuten, dass die Frage nicht verstanden wurde und Sie sie anders formulieren müssen.

Fragen zum Nachfassen verwenden

Fragen zum Nachfassen können dem Lernenden helfen, eingehender über einen bestimmten Grundsatz nachzudenken. Wird beispielsweise eine Möglichkeit genannt, wie man eine Begebenheit aus der Schrift auf sich selbst beziehen kann, fragen Sie: „Was können wir daraus noch lernen?“

Jeden zu Wort kommen lassen

Sie können, um mehr Teilnehmer zur Mitarbeit anzuregen, die Fragen zum Nachfassen denjenigen stellen, die noch nichts gesagt haben.

Bei mehreren Wortmeldungen können Sie etwa sagen: „Zuerst bitte Sie, und anschließend dann Sie.“ Dadurch bleibt die Ordnung im Unterricht gewahrt, denn jeder weiß, dass er auch an die Reihe kommen wird.

Den Lernenden helfen, sich auf Fragen vorzubereiten

Um den Lernenden zu helfen, sich auf Fragen vorzubereiten, können Sie bereits im voraus sagen, dass Sie zu dem folgenden Text Fragen stellen werden. (Siehe die Methode „Achten Sie auf…“ und „Lesen Sie nach, was…“ im Abschnitt „Aus der heiligen Schrift lehren“, Seite 55–56.) Sie können beispielsweise sagen: „Ich lese jetzt diesen einen Absatz vor. Hören Sie bitte gut zu, und sagen Sie mir anschließend, was Sie daran interessant finden.“ Oder: „Finden Sie aus dieser Schriftstelle heraus, was der Herr hier über den Glauben sagt.“

Keine Fragen stellen, die zu Auseinandersetzung oder Streit führen können

Der Erretter hat gesagt: „Wer den Geist des Streites hat, ist nicht von mir.“ (3 Nephi 11:29; siehe auch Vers 28 und 30.) Achten Sie darauf, dass Sie keine Fragen stellen, die zu einer Auseinandersetzung führen oder Sensationsgeschichten überbetonen. Stellen Sie keine Fragen, die Zweifel säen oder zu einem unerquicklichen Unterrichtsgespräch führen. Achten Sie darauf, dass die Lernenden durch Ihre Fragen zur Einheit im Glauben und zur Liebe geführt werden. (Siehe Mosia 18:21.) Bemühen Sie sich, wenn eine Meinungsverschiedenheit auftritt, das herauszuarbeiten, worin Übereinstimmung herrscht und was die rechte Lehre ist.

Von Zeit zu Zeit eine Frage stellen, über die man still nachdenken muss

Gelegentlich können Sie eine Frage stellen, über die bloß still nachgedacht wird. Etwa:

  • Was haben Sie heute getan, das Sie dem ewigen Leben näherbringt?

  • Haben Sie heute etwas nicht getan, was Sie dem ewigen Leben näherbringen sollte?

Kreative Methoden der Fragestellung

Fragen lassen sich auch folgendermaßen stellen:

  • Schreiben Sie die Fragen auf Zettel, und kleben Sie auf die Unterseite jedes Stuhls jeweils eine Frage. Bitten Sie während des Unterrichtsgesprächs die Schüler, ihre Frage an sich zu nehmen, zu lesen und zu beantworten.

  • Bitten Sie die Lernenden, jeweils eine Frage zu einem bestimmten Evangeliumsgrundsatz oder einer Schriftstelle aufzuschreiben. Sammeln Sie die Fragen ein, und bespre- chen Sie sie anschließend.

  • Bitten Sie mehrere Teilnehmer, eine Person darzustellen, die in der Lektion vorgekommen ist. Die anderen stellen den Betreffenden sodann Fragen. (Siehe „Rollenspiel“, Seite 176.) Die Methode eignet sich besonders gut bei Kindern.

  • Geben Sie einigen Lernenden schon während der Woche ein paar Fragen, und bitten Sie sie, diese im nächsten Unterricht zu beantworten.

  • Verwenden Sie die folgenden Fragen beim Besprechen eines Evangeliumsgrundsatzes: „Was wissen wir bereits darüber? „Was wollen wir noch wissen?“ „Was haben wir heute gelernt?“ Sie können anhand dieser drei Fragen einen Unterricht gestalten, indem Sie die Antworten in drei Spalten an die Tafel schreiben.

  • Schreiben Sie schon vor Unterrichtsbeginn eine Frage an die Tafel, so dass die Lernenden darüber nachsinnen können, sobald sie die Klasse betreten.

  • Bitten Sie die Lernenden, die Antwort auf eine bestimmte Frage einer Schriftstelle oder einem Kirchenlied zu entnehmen. Bitten Sie sie, als Antwort auf eine Frage ein persönliches Erlebnis zu erzählen.

  • Teilen Sie die Klasse in mehrere kleine Gruppen. Stellen Sie jeder Gruppe ein paar Fragen. Über die Antworten, die jede Gruppe erarbeitet hat, wird sodann vor der gesamten Klasse berichtet.

Zusätzliche Information

Weitere Hinweise finden Sie unter „Ein sinnvolles Unterrichtsgespräch leiten und planen“, Seite 303–304 im Abschnitt „Lehren und Führen im Evangelium“ im Hand- buch Anweisungen der Kirche.