2009
Sei den Gläubigen ein Vorbild

Sei den Gläubigen ein Vorbild

Aus den kleinen und einfachen Dingen, für die ihr euch heute entscheidet, erwachsen morgen große und herrliche Segnungen.

Ann M. Dibb

Ich freue mich, heute bei euch zu sein. Eure Rechtschaffenheit stimmt mich demütig. Ihr seid ein inspirierender und wunderschöner Anblick. Ich hoffe, dass meine Mutter oder Schwester Dalton in meinem Heft Mein Fortschritt Punkt vier zum Ideal Wissenserwerb unterschreiben werden, denn diese Ansprache erfüllt wohl die Bedingung, fünf Minuten über einen Evangeliumsgrundsatz zu sprechen (siehe Mein Fortschritt, Seite 35).

Die Jungen Damen liegen mir sehr am Herzen, auch meine Jungen Damen, und ebenso das JD-Programm. Das JD-Programm und der Aktivitätenabend waren ein wichtiger Bestandteil meiner Jugend. Ich genoss die Freundschaften, den Unterricht, die Jugendtagungen und Zeltlager. Meine Führerinnen liebten mich und brachten mir die wahren Lehren des Evangeliums nahe. Sie waren ein zweiter Zeuge für die Evangeliumsgrundsätze, die meine Eltern mir beigebracht hatten. Meine Eltern, mein Bischof und meine lieben JD-Führerinnen waren „den Gläubigen ein Vorbild, in [ihren] Worten, in [ihrem] Lebenswandel, in der Liebe, im Glauben, in der Lauterkeit“ (1 Timotheus 4:12). Ich folgte ihrem Vorbild bereitwillig, weil ich so sein wollte wie sie.

Wenn ich an meine JD-Zeit zurückdenke, wird mir klar, dass ich damals die Bedeutung dessen, was da vor sich ging, nicht verstand. Mir war nicht bewusst, dass meine Teilnahme an sämtlichen Aktivitäten in der Kirche mir half, ein Verhaltensmuster für mein Leben und den Vorsatz zu entwickeln, die Lehren Jesu Christi zu befolgen. Ich merkte nicht, dass mich dies alles auf mein künftiges Leben als Frau, Ehefrau, Mutter und Führerin vorbereitete. Ich verstand nicht, dass ich mit meinem Bemühen, das Rechte zu wählen, mein Taufbündnis in Ehren hielt, Glauben ausübte, tugendhafter wurde und mich auf den Tempel vorbereitete. Damals habe ich all das nicht erkannt, aber in ganz kleinen Schritten wurde ich eine Gläubige – und „den Gläubigen ein Vorbild“.

Wir hatten zwar noch nicht das Programm Mein Fortschritt, wie ihr es heute kennt, aber etwas ganz Ähnliches. Wir bekamen die Gelegenheit, etwas zu lernen, zu üben und dann zu berichten, wie wir nach den Grundsätzen des Evangeliums lebten. Erst kürzlich wurde ich an diese Zeit erinnert, als mir Schwester Kathy Andersen, die mir Freundin und Vorbild ist, ihr Handbuch für Bienenkorbmädchen zeigte. Ich möchte euch gern ein paar Punkte aus Schwester Andersens vielbenutztem Heft nennen.

Im Bereich „Entwickle Liebe zur Wahrheit“ wurde man aufgefordert:

„1. Sei im Unterricht höflich und beteilige dich.

2. Sei in allem, was du tust, ehrlich. Es ist wichtig, dass du in der Schule fleißig lernst, aber es ist auch wichtig, ehrenhaft und rechtschaffen zu handeln und nicht zu betrügen. Wenn du bei einer Prüfung mit Schummeln zwar ,durchkommst‘, charakterlich aber ,durchfällst‘, hast du nicht erkannt, was Wahrheit wirklich bedeutet.

3. Tratsche diesen Monat nicht und höre dir keinen Tratsch an. Bemühe dich, dir dies für den Rest deines Lebens zur Gewohnheit zu machen.

4. Achte auf das Gute bei Familienmitgliedern und Freunden und sag ihnen ehrlich und aufrichtig, was du beobachtet hast. Sie werden dich mehr mögen. Versuch es aber nicht mit Schmeicheleien.“ (Beehive Girl’s Handbook, 1967/1968, Seite 59.)

Was ich euch vorgelesen habe, mag verstaubt klingen, aber es enthält Wahrheit. Gläubige Junge Damen müssen höflich sein, ehrlich sein, freundlich sprechen und aufrichtig sein. All das mag unbedeutend und einfach scheinen, aber der Prophet Alma im Buch Mormon hat gesagt: „Nun magst du meinen, dies sei Torheit von mir; aber siehe, ich sage dir: Durch Kleines und Einfaches wird Großes zustande gebracht; und kleine Mittel beschämen in vielen Fällen die Weisen.“ (Alma 37:6.)

Vor kurzem folgte ich dem Rat unserer lebenden Propheten und arbeitete an dem neuen JD-Ideal Tugendhaftigkeit. Das hört sich vielleicht nach einer kleinen und einfachen Sache an, aber ich bezeuge, dass Erfahrung Nummer drei bereits großen Einfluss auf mein Leben hatte. Zur Aufgabe gehört, dass man Alma, Kapitel 5, liest. Dann soll man aufschreiben, was man tun will, um sich darauf vorzubereiten, in den Tempel zu gehen und die Segnungen zu empfangen, die der himmlische Vater verheißen hat. (Siehe Mein Fortschritt, Einlage, 2009, Seite 3.)

Als ich mich mit Almas Worten befasste, fühlte ich mich sehr demütig, weil ich so vieles tun muss, damit ich zur Herde des guten Hirten gezählt werden kann. Unter anderem habe ich in mein Tagebuch geschrieben:

„Ich muss geistig aus Gott geboren sein und sein Abbild in meinen Gesichtsausdruck aufnehmen [siehe Vers 14].

Ich muss Glauben ausüben an die Erlösung durch ihn, der mich erschaffen hat [siehe Vers 15].

Ich muss von den Schlechten herauskommen und mich absondern [siehe Vers 57].

Ich muss den Stolz ablegen, demütig genug sein und vor Gott untadelig wandeln [siehe Vers 27, 28].

Ich muss mich ändern, umkehren und die Einladung des Herrn annehmen, zu ihm zu kommen und von der Frucht des Baumes des Lebens zu essen [siehe Vers 34].“

In meinem Tagebuch stehen jetzt diese Ziele. Manche davon spiegeln, zugegeben, meine eigenen Schwierigkeiten wider:

„Ich will beim Schriftstudium mehr darauf achten, das Gelesene auf mein Leben zu beziehen.

Ich will eine positive Einstellung haben und nicht jammern.

Ich will andere respektieren und mich nicht über sie lustig machen.

Ich will Dankbarkeit zeigen, besonders denen, die mir nahestehen.

Ich will ordentlicher sein, damit der Heilige Geist in meinem Zuhause und in meinem Leben zu spüren ist.

Ich will umkehren, demütiger werden und auf meinen Herzenszustand achten.

Um Almas Worte auf mich zu übertragen: Ich werde mich ändern. Ich werde mich stärker verpflichten, ,den Gläubigen ein Vorbild‘ zu sein.“

Durch diese „kleine und einfache“ Aufgabe zur Tugendhaftigkeit sind mein Zeugnis von den Propheten und meine Entschlossenheit, Jesus Christus nachzufolgen, gewachsen. Nachdem ich diese Aufgabe erfüllt hatte, war ich in der Kirche und im Tempel viel empfänglicher für den Geist. Jedes Mal, wenn ich nachlese, was ich in mein Tagebuch geschrieben habe, spüre ich den Geist und weiß wieder, was ich empfand, als ich an meinem Küchentisch saß und diese Aufgabe erfüllte. Jetzt ist Alma 5 eines meiner Lieblingskapitel. Ich wurde wirklich sehr gesegnet, weil ich diese Erfahrung aus dem JD-Programm gemacht habe.

Ich erwähnte vorhin Schwester Andersen und ihr Handbuch für Bienenkorbmädchen. Sie ist die Frau von Elder Neil L. Andersen von der Präsidentschaft der Siebziger [nun Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel], Mutter und Großmutter. Mir gefällt die Vorstellung, dass sie trotz vieler Umzüge immer wusste, wo ihr Handbuch für Bienenkorbmädchen und ihre Schärpe für besondere Leistungen war. Schwester Andersen stand ihrem Mann zur Seite und lehrte überall auf der Welt das Evangelium. Sie war zudem beispielhaft als Frau und beispielhaft rechtschaffen, als treues Mitglied der Kirche.

Als Elfjährige konnte Schwester Andersen es kaum abwarten, zu den Jungen Damen zu kommen. Als ihr Geburtstag endlich gekommen war, bekam sie das Handbuch für Bienenkorbmädchen. Schwester Andersen berichtet:

„Ganz vorn im Heft stand: ,Setz dir als Bienenkorbmädchen und für den Rest deines Lebens hohe Ziele.‘ (Beehive Girls Handbook, Seite 12.)Ich wusste, dass das für mich sehr spannend werden würde. Ich nahm das Heft mit nach Hause und las es sofort von vorne bis hinten durch, um zu erfahren, welche Ziele ich in den kommenden zwei Jahren erreichen sollte.

Ich sah, dass 80 mögliche Ziele zur Auswahl standen. Voller Begeisterung meinte ich, alle Ziele in meinem Heft erreichen zu können, wenn ich mich sehr anstrengte – alle, bis auf eines, nämlich in den Tempel zu gehen und mich für Verstorbene taufen zu lassen (siehe Beehive Girl’s Handbook, Seite 140). Ich konnte mich nicht für Verstorbene taufen lassen, weil wir in Florida keinen Tempel hatten.“

Schwester Andersen beschloss, ihrem Vater davon zu erzählen. Sie schreibt weiter:

„Mein Vater zögerte nur einen Augenblick. Wir hatten im Westen keine Angehörigen, also keinen weiteren Grund, nach Utah zu fahren. Nachdenklich sagte er zu mir: ,Kathy, wenn du alle anderen Aufgaben in deinem Heft erfüllst, dann reisen wir die 4000 Kilometer zum Tempel in Salt Lake City, damit du die Taufen für Verstorbene machen und dein letztes Ziel erreichen kannst.‘

Ich arbeitete in den folgenden zwei Jahren an den Zielen in meinem Heft und erfüllte 79 Aufgaben. Mein Vater arbeitete in diesen zwei Jahren hart, um genügend Geld für die Reise zum Tempel zu sparen. Er hielt sein Versprechen.

Eine Flugreise war damals für unsere Familie zu teuer, und so fuhren wir 8000 Kilometer mit dem Auto nach Salt Lake City und zurück, damit ich mein letztes Bienenkorbziel erreichen konnte. Wie groß war meine Freude, als ich in den Salt-Lake-Tempel ging und mein Vater mich für Verstorbene taufte! Dieses Erlebnis werde ich nie vergessen.

Ich werde meinen Eltern immer dankbar sein, dass sie bereit waren, den Tempel zu einem so wichtigen Teil meines Lebens zu machen. … Sie waren weise und verstanden, dass mein Glaube gestärkt wurde, wenn ich an meinen JD-Zielen arbeitete. Der Glaube meiner Eltern und das Opfer, das sie für die lange Reise nach Salt Lake City brachten, haben mich und die nachfolgenden Generationen bedeutend beeinflusst.“ („I Can Complete All of the Goals – Except One“, unveröffentlichtes Manuskript.)

Als junges Mädchen bemühte sich Schwester Andersen, kleine und einfache Dinge zu tun, die ihr helfen sollten, eine vorbildliche Frau zu werden – „den Gläubigen ein Vorbild“ – und das ist sie geworden. Jede von euch hat diese Möglichkeit. Aus den kleinen und einfachen Dingen, für die ihr euch heute entscheidet, erwachsen morgen große und herrliche Segnungen. Wenn ihr jeden Tag „den Gläubigen ein Vorbild“ seid, werdet ihr eher glücklich und bekommt mehr Selbstvertrauen. Euer Zeugnis wird gestärkt, ihr werdet euer Taufbündnis leichter halten können und ihr werdet darauf vorbereitet, die Segnungen des Tempels zu empfangen, sodass ihr schließlich zu eurem himmlischen Vater zurückkehren könnt.

Mögen wir alle uns bemühen, „den Gläubigen ein Vorbild“ zu sein. Mögen wir nach dem Evangelium Jesu Christi leben und alles tun, was von uns verlangt wird, und mögen wir dies voller Glauben und mit reinem und tugendhaftem Herzen tun und nicht zweifeln. Das ist mein aufrichtiges und demütiges Gebet im Namen Jesu Christi. Amen.