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Der göttliche Zweck der sexuellen Intimität
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Der göttliche Zweck der sexuellen Intimität

Wenn wir den Zweck der gottgegebenen Gabe der Sexualität im Plan des Glücklichseins verstehen, erkennen wir auch, wie wichtig das Gesetz der Keuschheit ist

Foto des Paares vor dem Bountiful-Utah-Tempel von Janae Bingham

Der Zweck unseres Erdenlebens besteht darin, wie unsere himmlischen Eltern zu werden. Um das zu erreichen, ist es unabdingbar, dass wir die sexuelle Intimität aus Gottes Blickwinkel verstehen und gebrauchen.

Das Gesetz der Keuschheit ist ein ewiges Gesetz, das der Vater im Himmel in jedem Zeitalter allen seinen Kindern gegeben hat. Es ist heutzutage genauso in Kraft und anwendbar wie in früheren Zeiten. Wie die anderen Gebote auch, hat der Vater im Himmel dieses Gesetz gegeben, damit seine Kinder gesegnet werden und ihr göttliches Potenzial besser entfalten können. Zum Gesetz der Keuschheit gehört, dass man vor der Ehe keinerlei sexuelle Beziehungen hat und in der Ehe vollkommen treu bleibt. Sexuelle Beziehungen sind der Ehe zwischen Mann und Frau vorbehalten.1

Der Vater im Himmel hat die sexuelle Beziehung in der Ehe zur Zeugung von Kindern, als Ausdruck der Liebe zwischen Ehemann und Ehefrau und zur Stärkung ihrer Bindung auf seelischer, geistiger und körperlicher Ebene vorgesehen. Die sexuelle Intimität in der Ehe soll Ehemann und Ehefrau vereinen und das Vertrauen zueinander und die Hingabe und den Respekt füreinander stärken.2 Bei der sexuellen Beziehung in der Ehe muss stets die Entscheidungsfreiheit beider Partner respektiert werden. Sie darf nicht genutzt werden, um Kontrolle oder Dominanz auszuüben.

Manchmal fragen wir uns jedoch vielleicht, warum wir uns an das Gesetz der Keuschheit halten sollen. Warum ist Gott an unserem sittlichen Verhalten interessiert? Um diese Fragen zu beantworten, hat Gott Lehren offenbart, die uns – wenn wir sie richtig verstehen – motivieren, das Gesetz der Keuschheit zu befolgen und uns dafür zu entscheiden, unserer Sexualität nur in den von Gott vorgegebenen Grenzen Ausdruck zu verleihen.3 Wie es bei allen Geboten Gottes der Fall ist, verstehen wir auch das Gesetz der Keuschheit am besten, wenn wir es im Zusammenhang mit dem Plan betrachten, den der Vater im Himmel zur Erlösung und Erhöhung seiner Kinder aufgestellt hat (siehe Alma 12:32). Das Gesetz der Keuschheit zu befolgen bringt außerordentliche Segnungen mit sich.

Foto der Familie vor dem Kona-Hawaii-Tempel von Denise Renee Bird

Bemerkenswerte Verheißungen

Alle Menschen sind geliebte Geistsöhne und -töchter himmlischer Eltern und haben ein göttliches Wesen und eine ewige Bestimmung. Wir haben einen Körper bekommen, damit wir, auf unser göttliches Wesen aufbauend, eines Tages unsere ewige Bestimmung erreichen können.4 Der Vater im Himmel möchte, dass wir auf der Erde Erfahrung sammeln, auf die Vollkommenheit hinarbeiten und letzten Endes die Fülle der Freude empfinden, die er empfindet. Er weiß, dass wir diese beständige Freude dann empfinden, wenn wir uns an den Weg halten, den er vorgegeben hat, und seine Gebote befolgen.

Daher müssen wir unbedingt verstehen, dass die Beziehungen in der Familie nach diesem Leben in der Ewigkeit weiterbestehen sollen. Den Treuen ist verheißen, dass sie nach diesem Leben „an den Engeln … vorbeigehen zu ihrer Erhöhung und Herrlichkeit …, und diese Herrlichkeit wird eine Fülle und ein ewiger Fortbestand der Nachkommenschaft sein, für immer und immer.

Dann werden sie Götter sein, weil sie kein Ende haben.“ (Lehre und Bündnisse 132:19,20.)

Die Lehre der ewigen Familie, wie sie in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage dargelegt wird, ist im Christentum einzigartig. Wir wurden nicht nur erschaffen, damit wir irgendeinen unfassbaren Gott preisen und anbeten und ihm dienen.5 Wir wurden von liebevollen himmlischen Eltern erschaffen, damit wir heranwachsen und einmal wie sie werden.6 Es wurden männliche und weibliche Geister erschaffen, um sich zu ergänzen. Deswegen ist das Geschlecht in der Ewigkeit nicht veränderlich – es ist die Grundlage für die größte Gabe, die der Vater im Himmel uns geben kann, nämlich seine Art zu leben.7

Damit wir diesen Segen erhalten können, hat der Vater im Himmel geboten, dass sexuelle Intimität der ehelichen Beziehung zwischen Mann und Frau vorbehalten ist.8 Die Ehe ist von Gott dazu bestimmt, „dass Mann und Frau völlig miteinander eins werden – in Herz, Hoffnungen, Leben, Liebe, Familie, Zukunft, allem. [Und] sie sollten in ihrem gemeinsamen Leben ‚ein Fleisch‘ sein.“9 Wir können das Leben, das der Vater im Himmel genießt, nicht aus eigener Kraft erreichen, und auch nicht, ohne unserem Ehemann oder unserer Ehefrau gemäß Gottes Plan vollkommen treu zu sein.

Gott lässt uns die Wahl, wie wir unser Leben gestalten wollen. Er zwingt uns nicht, den Weg zu gehen, den er vorgegeben hat, obwohl er weiß, dass dieser uns zu höchstem Glück führen wird. Der Weg, über den wir volle Erben seines Reichs und Miterben Jesu Christi werden können, besteht aus Gottes Geboten und Bündnissen (siehe Römer 8:17). Wenn wir rechtschaffene Entscheidungen treffen, entwickeln wir das göttliche Wesen in uns. In unseren sexuellen Beziehungen kommt „unser göttliches Wesen … in höchstem Maße zum Ausdruck“10. Wenn wir unserer Sexualität angemessen Ausdruck verleihen, kann sich Gottes Plan auf Erden und in der Ewigkeit entfalten,11 und dies befähigt uns, wie unser Vater im Himmel zu werden.12 Gott verheißt den Treuen ewiges Leben. Dazu gehören die ewige Ehe, Kinder und alle weiteren Segnungen einer ewigen Familie.13

Verwirrende Philosophien und Täuschungen des Satans

Verzerrte Denkweisen sowie Täuschungen des Satans haben Philosophien hervorgebracht, die verwirren und Gottes Gebote als hinfällig darstellen, vor allem das Gesetz der Keuschheit. Der Satan verbreitet seine widersetzlichen Ansichten mit aller Kraft. Seine Philosophien sind oft verlockend. Im Buch Mormon haben einige diese Philosophien vertreten, um andere zu täuschen und aus dieser Täuschung Gewinn zu schlagen. So verkündete Nehor den Nephiten, „alle Menschen würden am letzten Tag errettet werden, und [das Volk] brauche sich nicht zu fürchten und nicht zu zittern, sondern es solle das Haupt erheben und sich freuen; denn der Herr … habe auch alle Menschen erlöst; und am Ende würden alle Menschen ewiges Leben haben“ (Alma 1:4).

Würden wir Nehors Philosophie folgen, hätten wir keinen Anreiz, unsere sexuellen Begierden zu beherrschen, weil dies keine Auswirkungen auf die Ewigkeit hätte. Und wenn wir gegen das Gesetz der Keuschheit verstoßen? Kein Problem, denn die Anhänger Nehors „glaubte[n] nicht an die Umkehr von [ihren] Sünden“ (Alma 15:15). Viele finden diese verlockende Philosophie reizvoll: Wir können tun, was immer wir wollen – es hat keine Auswirkungen auf die Ewigkeit.

Im Buch Mormon lesen wir noch von anderen falschen Lehrern. Diese verkündeten, wir würden, wenn wir an Jesus Christus und sein Sühnopfer glauben und seine Gebote halten, uns „Torheiten“ unterjochen, die den „törichte[n] Überlieferungen [unserer] Väter“ entspringen (Alma 30:13,14). Sie erklärten gar, dass es schlicht von einer psychischen oder seelischen Störung herrühre, der „Auswirkung eines wirren Sinnes“, wenn wir auf „eine Vergebung [unserer] Sünden“ hoffen (Alma 30:16). Die zwangsläufige Schlussfolgerung dieser Lehren ist, dass der Erfolg jedes Menschen im Leben auf seiner „Begabung“ und „Kraft“ beruht, und „was auch immer jemand tue, kein Verbrechen sei“ (Alma 30:17). In diesen falschen Lehren wird gesagt, man müsse sich nicht an das Gesetz der Keuschheit halten, weil die Vorstellung, es gäbe richtig und falsch, veraltet sei.

Kein Wunder, dass diese Philosophien immer noch beliebt sind! Keinerlei Verantwortung für unsere Entscheidungen klingt nach uneingeschränkter Freiheit. Wenn wir die meisten weltlichen Folgen durch Geheimhaltung und Vorsicht vermeiden können, worin liegt dann der Schaden? Vor diesem Hintergrund wirkt das Gesetz der Keuschheit altmodisch, prüde und unnötig.

Foto von May Bo Hubbard

Ewige Gesetze

Gottes Gesetze sind nicht verhandelbar. Er gestattet uns, sie nicht zu beachten. Aber wir haben ebenso wenig die Freiheit, uns unsere eigenen Regeln für die Ewigkeit zurechtzulegen, wie jemand die Freiheit hat, sich eigene physikalische Gesetze zu schaffen. Gott möchte, dass wir würdige Erben seines Reichs sind. Wer denkt, dass er das himmlische Erbe Gottes erwarten kann, obwohl er einen anderen Weg geht als Gott vorgegeben hat, ist naiv.

Bevor ich, Elder Renlund, in den Vollzeitdienst in der Kirche berufen wurde, kümmerte ich mich um Patienten mit schwerer Herzinsuffizienz. In der Kardiologie gibt es im Bereich Herzinsuffizienz und Transplantation festgelegte Vorgehensweisen, wie man das beste Ergebnis erreicht, nämlich ein längeres Leben und bessere Lebensqualität. Wenn man Patienten anders behandelt, erhält man nicht das beste Ergebnis. Es war erstaunlich, dass einige Patienten bei ihrer Behandlung verhandeln wollten. Einige sagten: „Ich möchte lieber keine Medikamente einnehmen.“ Andere: „An mir sollen nach der Transplantation keine Herzbiopsien vorgenommen werden.“ Natürlich steht es den Patienten frei, ihre eigene Therapie zu wählen, aber sie können nicht eine minderwertige Strategie verfolgen und dabei das beste Ergebnis erwarten.

Das gilt auch für uns. Wir können unseren Lebensweg frei wählen, aber wir können uns nicht aussuchen, wohin es führt, wenn wir unseren eigenen Regeln folgen, ganz gleich, wie oft uns gesagt wird, das sei sehr wohl möglich. Wir können dem Vater im Himmel keine Vorwürfe machen, wenn wir aufgrund von Ungehorsam nicht die Segnungen erhalten, die mit dem Gesetz der Keuschheit einhergehen.

Der Erretter hat in dieser Evangeliumszeit gelehrt, dass die ewigen Gesetze unveränderlich sind und nicht zur Debatte stehen. Er hat gesagt: „Und weiter, wahrlich, ich sage euch: Was durch Gesetz regiert wird, das wird auch durch Gesetz bewahrt und durch dasselbe vollkommen gemacht und geheiligt.

Was aber ein Gesetz bricht und sich nicht an das Gesetz hält, sondern danach trachtet, für sich selbst ein Gesetz zu werden, … das kann weder durch Gesetz noch durch Barmherzigkeit, Gerechtigkeit noch Richterspruch geheiligt werden.“ (Lehre und Bündnisse 88:34,35; Hervorhebung hinzugefügt.) Wir können die ewigen Gesetze genauso wenig durch unsere eigenen Regeln ersetzen wie jemand, der in glühende Kohlen fasst und sich nicht mehr dafür entscheiden kann, nicht zu verbrennen.

Wenn wir nicht gehorsam sind, werden wir uns nur „dessen … erfreuen, was [wir] bereit sind zu empfangen, weil [wir] nicht bereit waren, [uns] dessen zu erfreuen, was [wir] hätten empfangen können“ (Lehre und Bündnisse 88:32). Unsere Bereitschaft, alles Notwendige zu tun, um die außerordentlichen Segnungen zu erlangen, die mit der ewigen Familie verknüpft sind, zeigen wir unter anderem dadurch, dass wir uns an das Gesetz der Keuschheit halten.

Foto von Denise Renee Bird

Gottes Gesetze sind letzten Endes immer gerecht

Nicht alle Kinder des Vaters im Himmel erhalten in diesem Leben die Gelegenheit, sexuelle Intimität in einer Ehe zu erleben, wie Gott sie geboten hat. Manche werden nicht die Gelegenheit haben zu heiraten. Andere sind überzeugt davon, dass ihre einzigartigen Umstände es so schwierig machen, nach dem Gesetz der Keuschheit zu leben, dass es ungerecht und daher in Ordnung ist, es zu übergehen.

Ob etwas gerecht ist, muss jedoch aus einem ewigen Blickwinkel beurteilt werden, also aus dem Blickwinkel des Vaters im Himmel und Jesu Christi.14 Der Erretter hat sein Volk aufgefordert, nicht zu beurteilen, was gerecht oder ungerecht ist, bis er am großen Tag erklärt, wer sein besonderes Eigentum ist (siehe Maleachi 3:17,18). Das sind nämlich diejenigen, die trotz zeitweiliger oder vermeintlicher Ungerechtigkeit oder anderer Hindernisse seine Gebote halten.

Wenn wir das Gefühl haben, unsere Umstände wären ungerecht, folgen wir am besten dem Rat König Benjamins. Er hat gesagt: „Und weiter wünschte ich, ihr würdet den gesegneten und glücklichen Zustand derjenigen betrachten, die die Gebote Gottes halten. Denn siehe, sie sind gesegnet in allem, sowohl zeitlich als auch geistig, und wenn sie bis ans Ende getreulich aushalten, werden sie in den Himmel aufgenommen, sodass sie dadurch mit Gott in einem Zustand nie endenden Glücks weilen.“ (Mosia 2:41; Hervorhebung hinzugefügt.)

Schlussendlich lässt sich nichts mit der grenzenlosen Ungerechtigkeit vergleichen, die der Erretter erduldete. Dennoch wird er, wenn wir treu sind, jegliche Ungerechtigkeit, die wir erleiden, ausgleichen und wir werden einen Zustand nie endenden Glücks erreichen.

Wenn wir uns entscheiden, uns an die Gebote Gottes – und damit auch an das Gesetz der Keuschheit – zu halten, werden wir Freude „und Frieden in dieser Welt und ewiges Leben in der künftigen Welt [empfangen]“ (Lehre und Bündnisse 59:23)15, weil wir Teil einer ewigen Familie sein werden, mit Vorfahren und Nachkommen.16 Werden ein Ehemann und eine Ehefrau durch die Vollmacht des Priestertums für die Ewigkeit aneinander gesiegelt, werden sie erhöht, empfangen eine Fülle der Herrlichkeit und ewige Nachkommenschaft.17

Foto von Jamie Dale Johnson

Versuchung und Umkehr

Gott hat vorhergesehen, dass wir in unserem Bemühen, nach dem Gesetz der Keuschheit zu leben, versucht werden würden. Deswegen hat er uns seinen Sohn als Erretter und Erlöser gegeben. Wir können durch Jesus Christus und sein Sühnopfer Stärke empfangen, um Versuchungen zu widerstehen. Alle Kinder Gottes, die Versuchungen erleiden – egal welcher Art –, können den Erretter um Hilfe bitten.18 Jesus Christus versteht, was wir durchmachen, denn er wurde „in allem wie wir versucht“. Deshalb sind wir angehalten, „voll Zuversicht hinzutreten zum Thron der Gnade, damit wir Erbarmen und Gnade finden und so Hilfe erlangen zur rechten Zeit“ (Hebräer 4:15,16).

Wenn wir stolpern, müssen wir daran denken, dass wir durch Glauben an Jesus Christus und durch aufrichtige Umkehr wieder rein werden können.19 Umkehr bringt Freude, denn „sind [unsere] Sünden wie Scharlach, weiß wie Schnee werden sie“ (Jesaja 1:18). Der Erretter wird uns nicht nur vergeben; er wird unsere Sünden vergessen.20 Hilfe bei Versuchung, Vergebung nach Umkehr – was könnten wir uns noch wünschen? Wir brauchen keine Angst davor haben, umzukehren, auch wenn der Satan versucht, „uns daran [zu] hindern, auf Jesus Christus zu blicken, der mit offenen Armen dasteht, voller Hoffnung und bereit, uns zu heilen, zu vergeben, zu läutern, zu stärken, zu reinigen und zu heiligen“21.

Zeugnis

Gott hat seine Gesetze in Kraft gesetzt, damit wir vollendetes Glück erlangen. Er möchte, dass wir unseren Körper und unsere Sexualität in der Weise gebrauchen, wie er es bestimmt hat, damit wir wie er werden können. Da wir nach dem Gesetz der Keuschheit leben, wurden wir in unserer Ehe mit gegenseitigem Vertrauen gesegnet. Unser Vertrauen ineinander und in unseren Vater im Himmel wächst durch das beständige Befolgen dieses Gebotes immer weiter. Gottes Plan ist der einzige Weg, über den wir das volle Maß an Freude erleben können. Wir verheißen Ihnen, dass auch Sie erkennen können, dass Gott Sie liebt. Wenn Sie seine Gebote befolgen, werden Sie auf ewig gesegnet sein.