Liahona
Das Mondfest
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Das Mondfest

„Ich werde euch nicht als Waisen zurücklassen, ich komme zu euch.“ (Johannes 14:18)

Lauf nicht zu weit weg!“, rief Papa. „Es wird dunkel und ich möchte nicht, dass du hinfällst.“

Vincent blieb stehen und drehte sich um. „Aber ihr lauft so langsam. Ich möchte beim Fest sein, bevor alle Mondkuchen weg sind!“

„Es wird genug Mondkuchen geben“, sagte Papa, als er und Mama aufgeholt hatten. „Zumindest bis du kommst!“

Vincent konnte Trommeln hören, als sie dem Park näher kamen. Bunte Lampionketten hingen zwischen den Bäumen und erleuchteten die dunkle Nacht. Viele Familien saßen auf Decken, um bei einem Picknick zusammen den Vollmond anzuschauen.

Mama fand einen freien Platz auf der Wiese und legte eine Decke hin. Sie gab Vincent ein paar Münzen, damit er etwas zum Essen kaufen konnte.

„Danke!“ Vincent konnte es kaum erwarten, sich alles anzuschauen. Er zählte beim Gehen die Münzen. Zwanzig Ringgit! Das reichte für einen Mondkuchen. Aber was für eine Sorte wollte er? Schinken? Eigelb? Durian? Er entschied sich für einen Kuchen mit schwarzer Sesampaste als Füllung. Während er aß, ging er von Stand zu Stand und sah sich die verschiedenen Speisen an. Es gab unzählige Hähnchen am Spieß. Und riesige Töpfe mit scharfer Nudelsuppe. Vielleicht könnte er mit den übrigen Münzen Schneeeis mit Sirup kaufen!

Bald war er in einer Gegend, wo nicht mehr so viele Lampions hingen. Die Dunkelheit brachte ihn auf eine Idee.

„Wie weit kann ich wohl mit geschlossenen Augen gehen?‟ Er schloss die Augen und machte einen Schritt nach vorn. Dann noch einen. Und dann stolperte er über etwas. Er fiel hin!

Autsch! Sein Kinn landete auf etwas Hartem. Es war ein Kanaldeckel. Er tastete sein Kinn ab. Es blutete.

„Papa? Mama?“, rief er laut. Er lief schnell zu den Lampions zurück, und jemand half ihm, seine Eltern zu finden.

„Wir haben uns schon Sorgen gemacht!“, sagte Mama. Dann sah sie sein Gesicht. „Wir müssen ins Krankenhaus.“

Bald darauf saß Vincent mit Mama und Papa im Wartezimmer im Krankenhaus. Er hatte große Angst. Würde er wieder gesund werden?

Er schlang seine Arme um sich und dachte an Jesus. Er war mit seiner Familie vor ein paar Monaten getauft worden. Die Missionare hatten gesagt, dass Jesus ihm Trost verschaffen konnte.

Jesus Christus wird mir helfen. Jesus Christus wird mir helfen, dachte er immer und immer wieder. Bald wurde er etwas ruhiger. Er spürte, dass der Heilige Geist bei ihm war.

Papa drückte seine Hand.

„Alles wird gut“, versicherte seine Mutter.

Vincent nickte. Er wusste, dass sie recht hatte.

Dann kam die Ärztin und nähte sein Kinn. Es tat weh, aber nicht sehr. Sie sagte Vincent, dass wahrscheinlich eine Narbe bleiben würde. Aber das machte ihm nichts aus. Er würde dann jedes Mal an Mondkuchen, das Mondfest und den Moment denken, als er sich von Jesus und dem Heiligen Geist getröstet gefühlt hatte. ●