2000–2009
Das Wunder des Glaubens
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Das Wunder des Glaubens

“Der Glaube ist die Grundlage unseres Zeugnisses. Der Glaube begründet die Treue zur Kirche. Der Glaube steht für Opfer, die gern erbracht werden, um das Werk des Herrn voran zu bringen.”

Ich danke dem Chor für diese wunderbare Darbietung. Es ist zwar zu Lasten meiner Zeit gegangen, aber für eine so außergewöhnlich schöne Musik verzichte ich gern. Danke, Bruder Ballard, dass Sie meine Ansprache noch einmal gegeben haben.

Liebe Brüder und Schwestern, wo auch immer Sie sich an diesem Sonntagmorgen befinden, ich bin in meinem Herzen bei Ihnen. Ich fühle mich Ihnen allen verbunden, den Mitgliedern der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Ich liebe dieses Werk und staune immer wieder, wie es wächst, wie stark es ist und auf welche Weise es das Leben der Menschen in aller Welt beeinflusst. Es stimmt mich sehr demütig, zu Ihnen zu sprechen. Ich habe den Herrn gebeten, meine Gedanken und Worte zu leiten.

Wir sind gerade von einer langen Reise von Salt Lake City nach Montevideo in Uruguay zurückgekehrt, wo wir einen Tempel geweiht haben, den 103., den die Kirche in Betrieb genommen hat. Die Mitglieder dort haben sich sehr darüber gefreut. Tausende haben sich in diesem wunderschönen und heiligen Gebäude und in umliegenden Gemeindehäusern versammelt.

Eine Sprecherin erzählte eine Geschichte, die Sie so oder ähnlich schon oft gehört haben werden. Wenn ich mich recht erinnere, erzählte sie von der Zeit in ihrem Leben, als die Missionare an ihre Tür klopften. Sie hatte nicht die leiseste Ahnung, wovon sie sprachen. Trotzdem bat sie sie herein, und sie und ihr Mann lauschten der Botschaft.

Für sie war es eine unglaubliche Geschichte. Sie erzählten von einem Jungen, der im Bundesstaat New York lebte. Als er vierzehn Jahre alt war, las er im Buch Jakobus: “Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten; Gott wird sie ihm geben, denn er gibt allen gern und macht niemand einen Vorwurf.” (Jakobus 1:5.)

Er wünschte sich Weisheit, und weil viele unterschiedliche Glaubensgemeinschaften behaupteten, die Wahrheit zu haben, entschloss sich der junge Joseph Smith, in den Wald zu gehen und zum Herrn zu beten.

Das tat er, und die Antwort auf sein Gebet war eine Vision. Gott Vater und sein Sohn, Jesus Christus, der auferstandene Herr, erschienen ihm und sprachen mit ihm.

Weitere Kundgebungen folgten. Dazu gehörte auch der Erhalt von goldenen Platten, die sich in der Nähe seines Zuhauses in einem Hügel befanden, und die er durch die Gabe und Macht Gottes übersetzte.

Himmlische Boten erschienen ihm und übertrugen auf ihn die Schlüssel des Priestertums und die Vollmacht, im Namen Gottes zu sprechen.

Wie konnte jemand so eine Geschichte glauben? Sie klang absurd. Und doch glaubten diese Leute das, was ihnen berichtet wurde. Der Glaube zog in ihr Herz ein, und so konnten sie das annehmen, was gelehrt wurde. Es war ein Wunder. Es war eine Gabe Gottes. Sie konnten es nicht glauben und taten es doch.

Nach ihrer Taufe wuchs ihr Wissen über die Kirche. Sie erfuhren mehr über die Tempelehe, darüber, dass Familien durch die Vollmacht des heiligen Priestertums in alle Ewigkeit zusammen sein können. Sie waren fest entschlossen, diese Segnung zu erhalten. Aber es gab keinen Tempel in ihrer Nähe. Sie knauserten und sparten. Als sie genug Geld beisammen hatten, reisten sie mit ihren Kindern den ganzen Weg von Uruguay nach Utah, um hier als Familie im Bund der ewigen Ehe aneinander gesiegelt zu werden. Die Frau ist heute Assistentin der Tempeloberin im neuen Montevideo-Tempel, ihr Mann ist Ratgeber in der Tempelpräsidentschaft.

Ich bin nicht überrascht, dass sich von der großen Zahl derer, die von den Missionaren angesprochen werden, verhältnismäßig wenige der Kirche anschließen. Da ist kein Glaube vorhanden. Andererseits bin ich überrascht, dass es doch so viele tun. Es ist wunderbar und erstaunlich, dass Tausende durch das Wunder des Heiligen Geistes berührt werden, dass sie glauben, das Evangelium annehmen und Mitglieder werden. Sie lassen sich taufen. Ihr Leben ändert sich für immer zum Guten. Wunder geschehen. Ein Samen des Glaubens gelangt in ihr Herz. Er wächst in dem Maß, wie sie lernen. Und sie lernen Grundsatz um Grundsatz, bis sie alle Segnungen erhalten haben, die derjenige erlangen kann, der gläubig in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage vorangeht.

Der Glaube ist es, der bekehrt und verwandelt. Der Glaube ist es, der belehrt.

So ist es von Anfang an gewesen.

Ich bewundere den Charakter der Männer und Frauen, die das Zeugnis von Joseph Smith angenommen und sich der Kirche angeschlossen haben. Zu ihnen gehören Männer wie Brigham Young, die Brüder Pratt, Willard Richards, John Taylor, Wilford Woodruff, Lorenzo Snow, die Frauen dieser Männer und eine ganze Schar anderer. Das waren wertvolle Menschen. Viele von ihnen waren gut ausgebildet. Sie wurden vom Herrn mit Glauben gesegnet, so dass sie die Geschichte glauben konnten, als sie sie hörten. Als sie die Botschaft vernahmen, als die Gabe des Glaubens ihr Leben berührte, ließen sie sich taufen. Die Brüder gaben bereitwillig das auf, was ihre Beschäftigung war, und folgten mit Unterstützung ihrer Familie dem Ruf, den Ozean zu überqueren und zu verkünden, was sie selbst im Glauben angenommen hatten.

Ich habe vor kurzem erneut den Bericht von Parley P. Pratt gelesen, wie er das Buch Mormon gelesen hat und zur Kirche gekommen ist. Er sagte:

“Ich öffnete es begierig und las das Deckblatt. Dann las ich das Zeugnis der verschiedenen Zeugen in Bezug auf die Art und Weise, wie es gefunden und übersetzt worden war. Danach las ich den Inhalt der Reihe nach. Ich las den ganzen Tag lang, Essen war eine Last, ich hatte kein Bedürfnis nach Speisen, Schlafen war eine Last, als die Nacht kam, denn ich zog Lesen dem Schlafen vor.

Als ich las, war der Geist des Herrn bei mir und ich wusste und verstand, dass das Buch wahr war, so klar und deutlich wie ein Mensch versteht und weiß, dass er existiert.” (Autobiography of Parley P. Pratt, Parley P. Pratt jun., Hg. [1938], Seite 37.)

Die Gabe des Glaubens hat sein Leben berührt. Er konnte nicht genug tun, um dem Herrn das zurückzugeben, was ihm gegeben worden war. Er verbrachte den Rest seines Lebens damit, als Missionar zu dienen. Er starb als Märtyrer für dieses große Werk und das Reich Gottes.

Wunderschöne neue Tempel werden zur Zeit in Nauvoo im Bundesstaat Illinois und in Winter Quarters in Nebraska erbaut. Sie werden als Zeugen für den Glauben und die Glaubenstreue Tausender Heiliger der Letzten Tage dastehen, die Nauvoo erbauten und später verließen, um unter großen Leiden durch ein Gebiet zu ziehen, das jetzt der Bundesstaat Iowa ist, hin zu ihren vorübergehenden Aufenthaltsorten Council Bluffs und Winter Quarters, nördlich von Omaha.

Das Grundstück des Winter-Quarters-Tempels grenzt an den Friedhof, auf dem viele begraben sind, die ihr Leben diesem großen Ziel opferten, das für sie kostbarer war als das Leben selbst. Die Reise ins Große Salzseetal war ein unvergleichliches Unternehmen. Das Leid, das sie ertrugen, und die Opfer, die sie brachten, wurden der Preis, den sie für ihren Glauben zahlten.

In meinen Büro steht eine kleine Statue, die meinen Großvater darstellt, einen Pionier, der seine Frau und ihren Bruder, die beide am selben Tag gestorben waren, am Wegesrand begrub. Er nahm dann seine kleine Tochter, die noch ein Säugling war, und trug sie in dieses Tal.

Glauben? Daran besteht kein Zweifel. Wenn Zweifel aufkamen, wenn Tragödien geschahen, erklang die leise Stimme des Glaubens in der Stille der Nacht genauso sicher und bestätigend wie der Polarstern immer an der gleichen Stelle am Himmel auftaucht.

Es war diese unbegreifliche und wunderbare Kundgebung des Glaubens, die Bestätigung brachte, die Gewissheit gab, die wie ein Geschenk Gottes war für dieses große Werk in den Letzten Tagen. Unzählige, ja wahrhaft unzählige Geschichten aus der Pionierzeit der Kirche bringen dies zum Ausdruck. Aber aufgehört hat es nicht.

So wie es damals war, ist es auch noch heute. Diese kostbare und wunderbare Gabe des Glaubens, diese Gabe Gottes, unseres ewigen Vaters, macht noch immer die Stärke dieses Werkes aus und verleiht seiner Botschaft im Stillen ihre Lebendigkeit. Der Glaube ist die Grundlage all dessen. Der Glaube ist der Grund- und Angelpunkt von allem. Ob jemand auf Mission geht, das Wort der Weisheit hält oder den Zehnten zahlt, das spielt keine Rolle. Es ist der Glaube in uns, der in allem zum Ausdruck kommt, was wir tun.

Unsere Kritiker können das nicht verstehen. Und weil sie es nicht verstehen, greifen sie uns an. Mit überlegten Fragen und einem stärkeren Drang, die Grundlagen der Ergebnisse aufzudecken, würde sich mehr Verständnis und Wertschätzung einstellen.

In einer Nachrichtensendung wurde ich einmal gefragt, wie wir die Menschen dazu bringen, ihren Beruf und ihr Zuhause zu verlassen und der Kirche zu dienen.

Ich antwortete, dass wir sie einfach fragen und wissen, was sie antworten werden.

Wie unbegreiflich und wunderbar ist die machtvolle Überzeugung, dass die Kirche wahr ist. Sie ist das heilige Werk Gottes. Er regiert über alles in seinem Reich und über das Leben seiner Söhne und Töchter. Darin liegt der Grund für das Wachstum der Kirche. Die Stärke dieser Sache und dieses Reiches liegt nicht in seinem zeitlichen Besitz, so beeindruckend dieser auch sein mag. Sie liegt im Herzen der Mitglieder. Aus diesem Grund ist die Kirche so erfolgreich. Aus diesem Grund ist sie stark und wächst. Aus diesem Grund ist sie in der Lage, eben diese großartigen Dinge zu bewerkstelligen. All dies entstammt der Gabe des Glaubens, die der Allmächtige seinen Kindern gibt, die nicht zweifeln und sich nicht fürchten, sondern vorwärts gehen.

Neulich saß ich abends in einer Versammlung in Aruba. Ich wage zu behaupten, dass die meisten, die mich jetzt hören, nicht wissen, wo Aruba liegt, und dass es überhaupt einen solchen Ort gibt.

Es ist eine Insel vor der Küste Venezuelas, ein niederländisches Protektorat. Es ist ein winziges Land in einer riesigen Welt. Bei der Versammlung waren etwa 180 Personen anwesend. In der ersten Reihe saßen acht Missionare, sechs Elders und zwei Sisters. Unter den Anwesenden waren Männer und Frauen, Jungen und Mädchen, die unterschiedlichen Rassen angehörten. Man sprach ein wenig Englisch, viel Spanisch und einige Ausdrücke in anderen Sprachen. Als ich in die Gesichter der Anwesenden blickte, dachte ich an den Glauben, der in ihnen zum Ausdruck kam. Sie lieben diese Kirche. Sie wissen alles, was sie tut, zu schätzen. Sie stehen auf und geben Zeugnis, dass Gott Vater und sein auferstandener, geliebter Sohn existieren. Sie geben Zeugnis vom Propheten Joseph Smith und vom Buch Mormon. Sie dienen, wenn sie dazu aufgefordert werden. Sie sind Männer und Frauen des Glaubens, die das wahre und lebendige Evangelium des Herrn angenommen haben, und in ihrer Mitte sind diese acht Missionare. Ich bin sicher, dass dies ein einsamer Ort für sie ist. Aber wegen ihres Glaubens tun sie, wozu sie aufgefordert worden sind. Die beiden jungen Frauen waren hübsch und glücklich. Als ich sie ansah, sagte ich zu mir selbst: “Achtzehn Monate sind eine lange Zeit an einem abgelegenen Ort wie diesem.” Aber sie beklagten sich nicht. Sie berichteten von großartigen Erlebnissen, die sie hier haben, und von wunderbaren Menschen, denen sie begegnen. Durch all ihr Dienen schimmerte der bestätigende Glaube hervor, dass das Werk, in dem sie arbeiten, wahr ist, und dass der Dienst, den sie tun, für Gott ist.

Genauso ist es mit unseren Missionaren, wo auch immer sie dienen, sei es hier in Salt Lake City oder in der Mongolei. Sie gehen und dienen, das Herz mit Glauben erfüllt. Da ist eine wunderbare, große Macht, die ihnen zuflüstert: “Diese Sache ist wahr, und du bist verpflichtet zu dienen, was auch immer der Preis sein mag.”

Und doch können es die Menschen nicht verstehen, dass diese klugen und fähigen jungen Männer und Frauen ihr gesellschaftliches Leben aufgeben, die Ausbildung unterbrechen und selbstlos dorthin gehen, wohin auch immer sie gesandt werden, um das Evangelium zu verkünden. Sie gehen durch die Macht des Glaubens, sie lehren durch die Macht des Glaubens, und sie pflanzen hier und dort Samen des Glaubens, die wachsen und zu starken und fähigen Bekehrten heranreifen.

Der Glaube ist die Grundlage unseres Zeugnisses. Der Glaube begründet die Treue zur Kirche. Der Glaube steht für Opfer, die gern erbracht werden, um das Werk des Herrn voran zu bringen.

Der Herr hat uns Folgendes geboten: “Ergreift den Schild des Glaubens, mit dem ihr alle feurigen Pfeile der Schlechten auslöschen könnt.” (LuB 27:17.)

Im Geist des Glaubens, von dem ich gesprochen habe, bezeuge ich, dass dies das Werk des Herrn ist, dass dies sein Reich ist, das in unserer Zeit auf der Erde wiederhergestellt worden ist, um die Söhne und Töchter Gottes in allen Generationen zu segnen.

O Vater, hilf uns, dass wir dir und unserem wunderbaren Erlöser treu sind, dass wir dir in Wahrheit dienen, damit der Dienst ein Ausdruck unserer Liebe ist. Dies ist mein demütiges Gebet, im Namen Jesu Christi, amen.