2000–2009
Unser Talent für unsere geistige Gesinnung entwickeln

Unser Talent für unsere geistige Gesinnung entwickeln

Geistig gesinnt sein bedeutet, dass man lernt, auf den Geist zu hören und sich von ihm leiten zu lassen.

Wer von euch hat sich schon einmal gewünscht, ein neues Talent zu entwickeln? Habt ihr schon einmal Klavierunterricht genommen oder beim Fußballtraining mitgemacht? Ich möchte heute zu euch über die Entwicklung eines Talents sprechen, nicht irgendeines Talents, sondern eines ganz besonderen Talents – und ich wette, ihr habt euch darüber noch nie Gedanken gemacht. Ich möchte zu euch darüber sprechen, wie ihr euer Talent für eure geistige Gesinnung entfalten könnt.

Wusstet ihr, dass die geistige Gesinnung ein Talent ist? Elder Bruce R. McConkie vom Kollegium der Zwölf Apostel hat einmal gesagt: “Über allen Talenten, … als oberste aller Begabungen, steht das Talent der geistigen Gesinnung.” (The Millennial Messiah [1982], 234.) Geistig gesinnt sein bedeutet, dass wir lernen, auf den Geist zu hören, und dass wir uns dann von ihm leiten lassen.

Wie lernen wir denn, auf den Geist zu hören? Nun, als Erstes müssen wir wissen, was der Geist ist. Als Zweites wollten wir uns Mädchen ansehen, die gelernt haben, den Geist zu erkennen. Als Mitgliedern der Kirche sind uns zwei geistige Gaben gegeben worden: das Licht Christi, das jeder Menschen bei seiner Geburt erhält, und die besondere Gabe des Heiligen Geistes, die wir bei der Taufe erhalten haben. Sie ermöglicht es uns, “durch die Macht des Heiligen Geistes zu leben, welches die Macht der Offenbarung und … des Zeugnisses ist” (Bruce R. McConkie, Doctrines of the Restoration: Sermons and Writings of Bruce R. McConkie, Hg. Mark L. McConkie [1989], 93). Wenn wir erst einmal wissen, was der Geist ist, wie erkennen wir ihn dann, wenn wir ihn spüren? Dies ist der schwierigste Teil.

Ich kann mich erinnern, dass mir das erste Mal bewusst wurde, was der Geist ist, als ich vierzehn war. Ich ging sehr gern zur Kirche, besonders zur Abendmahlsversammlung. Ich hatte immer ein sehr warmes und friedliches Gefühl. Das war der Geist. Ich weiß nicht, ob ich wirklich wusste, wie wichtig das war. Ich wusste nur, dass ich dabei ein gutes Gefühl hatte. Als Erwachsene habe ich begriffen, dass der Geist uns nicht nur ein gutes Gefühl gibt, sondern dass er uns belehrt, uns Zeugnis gibt und uns von Sünden reinigt. Er kann uns vor Gefahr warnen und uns helfen, uns an vieles zu erinnern.

Manche Mädchen kämpfen darum, den Geist zu erkennen. Ein Mädchen schrieb:

“Ich habe bisher eigentlich noch keine Erfahrung mit dem Heiligen Geist gemacht und das ist hauptsächlich mein Verschulden, denn ich habe nicht so gelebt, wie ich sollte. Doch ich strenge mich an und hoffe, dass ich bald die Gelegenheit haben werde, den Heiligen Geist [und seinen tröstlichen Einfluss] zu verspüren.” (Brief liegt dem JD-Büro vor.)

Das ist ein ganz normales Gefühl. Dieses Mädchen weiß es vielleicht nicht, doch der Heilige Geist gibt ihr den Wunsch, den Geist zu verspüren. Der Geist gibt uns nicht immer ein warmes, angenehmes Gefühl. Meistens ist die Stimme der Inspiration eine leise Stimme, eine ruhige, sanfte Stimme.

Ich denke an das, was der Erretter den Nephiten sagte, als er die Neue Welt besuchte: “Ich bin mir bewusst, dass ihr schwach seid, dass ihr nicht alle meine Worte verstehen könnt… . Geht nach Hause und denkt über das nach, was ich gesagt habe und bittet den Vater … damit ihr verstehen … könnt.” (3 Nephi 17:2,3.)

Die Worte des Erretters sind für uns niedergeschrieben worden. Es ist in Ordnung, wenn wir schwach sind, solange wir nicht schwach bleiben, solange wir etwas dagegen tun. Katie ist ein Mädchen, das genau das getan hat. Ich möchte euch ihre Geschichte erzählen.

“Mein Leben lang wollte ich gut sein, doch ich kam an den Punkt, an dem ich mich fragte: Wie kann überhaupt irgendjemand wirklich wissen, dass die Kirche wahr ist?’ Ich nahm Moronis Aufforderung ernst und betete und las fünf Monate lang jeden Tag in den heiligen Schriften. Eines Abends saß ich auf meinem Bett, war den Tränen nahe und wollte aufgeben. Ich beschloss zu beten und sagte: Vater im Himmel, bitte lass mich ganz einfach wissen, dass du da bist. Was die Kirche betrifft, habe ich getan, was du verlangst, und ich brauche einfach die Gewissheit.’ Im selben Moment hatte ich das Gefühl, als würde mich jemand in die Arme nehmen. Ich hörte keine laute Stimme und sah auch keinen Engel, doch ich spürte, wie der Vater im Himmel mir sagte: Liebe Katie, das weißt du doch schon längst.’ Es war, als würde ein Vater sein kleines Mädchen trösten.” (Aus einem Brief .)

Eine der Hauptaufgaben des Heiligen Geistes ist es, von der Wahrheit Zeugnis zu geben. Der Geist hat Katie bezeugt, dass das Evangelium wahr ist. Katie hat ihren Teil dazu getan. Wie der Erretter es gesagt hat, ging sie nach Hause, studierte sein Wort und betete – fünf Monate lang. Katie hat das Talent ihrer geistigen Gesinnung entwickelt. Sie kann sich von dieser Gabe leiten lassen.

Talente sind dazu gedacht, dass wir andere daran teilhaben lassen. Wenn ihr Klavierspielen gelernt habt, könnt ihr andere mit eurer Musik erfreuen. Wenn ihr das Talent eurer geistigen Gesinnung entwickelt, könnt ihr diese Gabe nutzen, um eurer Familie ein Segen zu sein. Ist euch bewusst, dass auch ihr mit die Verantwortung dafür tragt, dass eure Familie glücklich ist? Es ist nicht nur die Aufgabe eurer Mutter oder eures Vaters, die Familie glücklich zu machen. Auch ihr könnt dazu beitragen. Hört euch an, wie Brooke andere am Talent ihrer geistigen Gesinnung teilhaben ließ.

“Meine achtjährige Schwester hatte Angst davor, dass Fremde in unser Haus kommen könnten. Eines Abends kam sie in mein Zimmer, und ich versuchte ihr klar zu machen, dass sie niemanden herumlaufen hörte. Mir fiel ein, dass mein Seminarlehrer uns aufgefordert hatte, immer bemüht zu sein, den Geist des himmlischen Vaters mit uns zu haben. Ich betete daher im Stillen um Hilfe, dass ich nicht genervt sein würde. Im selben Augenblick kam mir eine Schriftstelle in den Sinn. Ich schlug die heiligen Schriften auf und bat meine Schwester, die Stelle vorzulesen. Danach gab ich ihr Zeugnis vom Heiligen Geist und bezeugte, dass sie, wenn sie Frieden haben wollte, auf die Knie gehen und beten müsse und der Geist dann kommen würde. Sie umarmte mich, gab mir einen Kuss und ging ins Bett. Da fiel mir meine zehnjährige Schwester oben im Etagenbett ein. Sie sagte mir, dass sie bisher nicht gewusst habe, dass man, wenn man einen derartigen Wunsch habe, beten könne und der Geist einem Frieden schenken würde. Ich weiß, dass der Heilige Geist mich dazu inspiriert hat, dies zu sagen.” (Aus einem Brief.)

Ihr könnt eurer Familie auf vielerlei Weise ein Segen sein. Brooke hat drei wichtige Dinge getan: Sie hat Zeugnis gegeben, sie hat für ihre Schwester gebetet und sie war für ihre andere Schwester, die oben im Etagenbett lag, ein Vorbild. All dies hat auch ihre geistige Gesinnung gestärkt.

Der Erretter fordert uns auf, Zeugnis zu geben. Er hat gesagt: “Geht hin in alle Welt, predigt das Evangelium jedem Geschöpf.” (LuB 68:8.)

Viele von euch finden es schön, im Zeltlager Zeugnis zu geben. Aber ihr müsst nicht auf das Zeltlager warten. Ihr könnt eurer Familie oft auf ganz einfache Weise Zeugnis geben.

Als mich meine Enkelkinder besuchten und wir ein Bild von Präsident Hinckley sahen, sagte ich: “Ich habe Präsident Hinckley sehr gern. Ich bin so dankbar, dass wir heute auf der Erde einen lebenden Propheten haben.” Es dauert nur etwa zehn Sekunden, doch meine Enkelkinder lernten dadurch, und wir alle verspürten den Geist.

Wir geben tagtäglich durch unser Beispiel Zeugnis. Als ich letzten Monat diese Ansprache vorbereitete, kam meine Tochter Jill nach Hause, bereitete voller Freude das Essen und wusch das Geschirr ab. Dieser besondere Geist, den sie im Herzen trägt, ist ein Segen für unsere Familie. Ich weiß, dass sie Jesus liebt, weil sie mir zeigt, dass sie mich liebt. Wir können auch durch unser Beten zeigen, dass wir Jesus Christus lieben. Präsident Hinckley hat gesagt: “Jede Familie in dieser Kirche soll zusammen beten.” (Der Stern, August 1997, 7.) “Ihr tägliches Gespräch mit ihm wird Ihrem Herzen Frieden und Ihrem Leben Freude schenken, die Sie aus keiner anderen Quelle erhalten können.” (Teachings of President Gordon B. Hinckley [1997], 216.)

Ihr könnt dazu beitragen, dass eure Familie nicht vergisst zu beten. Das Gebet ist wie ein Regenschirm in den Stürmen des Lebens. Als beschäftigte Mutter von sieben Kindern war ich immer dankbar, wenn eines meiner Kinder sagte: “Wir haben das Familiengebet vergessen!” Manchmal haben wir an der Hintertür gestanden und gebetet, dann erst sind die Kinder zur Schule gerannt. Es hat jedes Mal die geistige Gesinnung in unserer Familie gestärkt.

Außerdem könnt ihr für eure Familie beten. Wenn es Streit gibt, betet für Frieden im Herzen. Egal was geschieht, der himmlische Vater wird euch mit Frieden im Herzen segnen. Das Gebet ist ein Wunder, es kann dazu beitragen, die geistige Gesinnung in eurer Familie zu stärken.

Vor kurzem hat unser Prophet, Präsident Hinckley, für die Jugend der Kirche gebetet. Das war ein Erlebnis, das wir nie vergessen werden.

Könnt ihr euch vorstellen, wie wunderbar es wäre zu wissen, dass Jesus für uns betet? Als er bei den Nephiten war, “kniete … er auf dem Boden nieder; und … er betete zum Vater … niemand kann die Freude ermessen, die unsere Seele erfüllt hat zu der Zeit, da wir ihn für uns zum Vater beten gehört haben” (3 Nephi 17:15, 17).

Würde es euch genauso gehen wie den Kindern der Nephiten? Als der Erretter ihnen diente, löste er “ihnen die Zunge, und sie sprachen … Großes und Wunderbares, ja sogar Größeres, als er dem Volk offenbart hatte” (3 Nephi 26:14).

Mit der Macht des Geistes könnt auch ihr in euer Familie Großes und Wunderbares aussprechen.

Diese Kinder “sahen Engel aus dem Himmel herabkommen, gleichsam inmitten von Feuer; und sie kamen herab und stellten sich im Kreis um die Kleinen … und die Engel dienten ihnen” (3 Nephi 17:24).

Ihr werdet vielleicht niemals Engel aus dem Himmel herabkommen sehen, aber ich kann euch versprechen, dass, wenn ihr Zeugnis gebt und in eurer Familie betet, unsichtbare Engel euch dienen werden. Wenn ihr andere an eurem Talent der geistigen Gesinnung teilhaben lasst, werdet ihr spüren, dass die Wärme und die Macht des Geistes euch leiten.

Die Propheten haben Recht. Ihr Jungen Damen [gehört] der bedeutendsten Generation an …, die es je gab (Der Stern, September 1996, 3). Ihr könnt großen Einfluss auf eure Familie haben. Es ist ein wahrer Grundsatz, dass der Herr durch die Familie wirkt.

Ihr habt jetzt gelernt, wie der Geist wirkt, und wie ihr als Junge Damen ihn nutzen könnt, um eurer Familie ein Segen zu sein. Wir beten jetzt darum, dass ihr eure geistige Gesinnung entfaltet. Der Vater im Himmel ist bereit, diese große Macht zu entfesseln. Ich bitte darum, dass der Heilige Geist euch segnet, damit ihr euer Talent der geistigen Gesinnung entwickelt. Im Namen Jesu Christi, amen.