„Epheser“, Hilfen für das Schriftstudium: Neues Testament, 2024
Hilfen für das Schriftstudium
Epheser
Paulus schreibt an die Heiligen in Ephesus über das Thema Vorherordinierung und über die Evangeliumszeit der Fülle. Er erklärt, dass das Blut Jesu Christi sowohl die Juden als auch die Heiden errettet. Der Herr beruft Apostel, Propheten und andere zum Dienst in der Kirche. Ihre Aufgabe ist es, die Heiligen zu vervollkommnen, die Kirche aufzubauen und die Heiligen zur Einheit im Glauben zu führen. Paulus ermahnt die Heiligen, den „alten Menschen des … Trugs“ abzulegen und durch Christus ein neuer Mensch zu werden, in Rechtschaffenheit und Heiligkeit geschaffen. Er rät Ehemännern und Ehefrauen, einander zu lieben und zu ehren. Er empfiehlt ihnen, auf den Erretter zu blicken und dessen Beispiel nachzueifern. Paulus lehrt die Heiligen auch, die Waffenrüstung Gottes anzulegen, um sich vor dem Bösen zu schützen.
Material
Hinweis: Wird eine Quelle zitiert, die nicht von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage herausgegeben wurde, bedeutet dies nicht, dass diese Quelle oder ihr Verfasser von der Kirche unterstützt wird oder den offiziellen Standpunkt der Kirche vertritt.
Hintergrund und Kontext
Für wen wurde der Brief an die Epheser geschrieben und zu welchem Zweck?
Es gibt Belege dafür, dass Paulus diesen Brief für die Heiligen in und um Ephesus geschrieben hat. Ephesus war quasi der Hauptsitz des Paulus während seiner dritten Missionsreise. Die Epheser lagen Paulus sehr am Herzen.
Ephesus war eine wichtige Stadt in Kleinasien. Es hatte einen Hafen und war ein wichtiges Handelszentrum. Wegen seiner Lage wurde es „zu einem natürlichen Zentrum der christlichen Kirche in Kleinasien“. Paulus besuchte Ephesus gegen Ende seiner zweiten Missionsreise und blieb während seiner dritten Missionsreise zwei Jahre dort.
Es ist schwierig, das genaue Datum des Briefes des Paulus an die Epheser zu bestimmen. Paulus gab an, dass er zu der Zeit, als er ihn schrieb, ein Gefangener war. Paulus könnte den Brief während seiner ersten Gefangenschaft in Rom geschrieben haben, etwa zwischen 60 und 62 n. Chr., zur gleichen Zeit, als er an Philemon und die Kolosser schrieb.
Paulus wendete sich in seinem Brief an die nichtjüdischen Mitglieder der Kirche, die sich wohl erst kurz zuvor der Kirche angeschlossen hatten. Seine Hauptabsicht beim Schreiben bestand darin, ihnen zu helfen, durch Offenbarung in ihrer Erkenntnis von Gott und der Kirche zu wachsen. Paulus war besorgt über die mangelnde Einigkeit unter den Mitgliedern, insbesondere zwischen nichtjüdischen und jüdischen Heiligen, und innerhalb der Familien. Er forderte die Heiligen auf, den Mächten des Bösen zu widerstehen.
Warum bezeichnete Paulus die Mitglieder der Kirche als Heilige?
Paulus bezeichnete die Mitglieder der Kirche häufig als Heilige. Das griechische Wort für Heiliger bedeutet „heilig, … hingebungsvoll, geweiht“. Das Wort Heilige bezieht sich auf diejenigen, die sich einem heiligen Zweck verschrieben haben. Indem Paulus die Mitglieder der Kirche als Heilige bezeichnete, lehrte er, dass jeder, der Jesus Christus nachfolgt, durch diesen geheiligt wird. Heilige bemühen sich, ein heiligeres Leben zu führen.
Was bedeutet es, „im Voraus dazu bestimmt [zu sein], seine Söhne zu werden“?
Vergleiche Römer 8:29,30
Das griechische Wort für vorherbestimmen (proorizō) „beschreibt den Akt, etwas im Voraus zu bestimmen“. Im Neuen Testament wird dieser Akt nur Gott zugeschrieben.
Aus dieser Schriftstelle geht hervor, dass die Gläubigen zur Kindschaft durch Jesus Christus vorherbestimmt oder vorherordiniert sind. Paulus erklärt im Römerbrief die Bedeutung des Begriffs Kindschaft. Dort schreibt er, dass wir in Christus „den Geist der Kindschaft empfangen“ und „Kinder Gottes“ werden (Römer 8:15,16; siehe auch Galater 4:1-9) und damit Erben der celestialen Herrlichkeit. Vorherordinierte Segnungen sind nicht bedingungslos garantiert, sondern hängen von der rechtschaffenen Ausübung der Entscheidungsfreiheit in diesem Leben ab.
Was ist unter der Evangeliumszeit der „Fülle der Zeiten“ zu verstehen?
„Eine Evangeliumszeit ist eine Zeit, in welcher der Herr wenigstens einen bevollmächtigten Diener auf der Erde hat, der die Schlüssel des heiligen Priestertums trägt. Adam, Henoch, Noach, Abraham, Mose, Jesus Christus, Joseph Smith und andere haben jeder eine neue Evangeliumszeit begonnen. Wenn der Herr eine neue Evangeliumszeit einläutet, wird das Evangelium erneut offenbart. So müssen sich die Menschen in dieser Zeit nicht auf vergangene Evangeliumszeiten verlassen. Sie kennen selbst den Erlösungsplan. Die Evangeliumszeit, die mit Joseph Smith begonnen hat, ist als die ‚Evangeliumszeit der Fülle der Zeiten‘ bekannt.“
Joseph Smith hat erklärt, dass diese Evangeliumszeit „all das ans Licht [bringt], was in allen früheren Evangeliumszeiten offenbart worden war, dazu noch Weiteres, was vorher noch nicht offenbart wurde. Er wird den Propheten Elija senden usw. und wird alles in Christus wiederherstellen.“ Die Evangeliumszeit der Fülle der Zeiten ist die letzte Evangeliumszeit und bereitet die Welt auf das Zweite Kommen Jesu Christi vor.
Wie sichert der Heilige Geist der Verheißung künftige Segnungen zu?
„Der Heilige Geist der Verheißung ist die bestätigende Macht des Heiligen Geistes.“ Wenn wir heilige Handlungen und Bündnisse in Rechtschaffenheit empfangen und halten, bestätigt der Heilige Geist, dass sie für den Herrn annehmbar sind. Elder David A. Bednar hat gesagt, den Heiligen Geist der Verheißung zu empfangen sei so, als würde man eine „offizielle Bestätigung“ des Heiligen Geistes erhalten. Paulus hat erklärt, der Heilige Geist der Verheißung sei auch wie ein Unterpfand oder eine Garantie dafür, dass wir ewiges Leben, also ein Erbteil im celestialen Reich, empfangen werden. Mit anderen Worten: Der Heilige Geist der Verheißung gibt uns die Zusicherung, dass wir die Fülle eines himmlischen Lohnes erhalten werden.
Was ist die Bedeutung eines Ecksteins?
„Ein Eckstein ist der erste Stein, der auf das Fundament eines Gebäudes gelegt wird, in einer Ecke des Bauwerks. …
Ein Eckstein trägt einen Großteil des Gewichts der äußeren Struktur eines Gebäudes und verbindet zwei Wände. Nachdem er platziert ist, werden alle anderen Steine und ihre Winkel von ihm aus gemessen. …
In alter Zeit war ein Eckstein normalerweise einer der größten und stabilsten Steine, die ein Baumeister setzen musste. Der Baumeister untersuchte seine Steine sorgfältig und wählte den besten als Eckstein aus. Er sortierte alle Steine aus, die nicht geeignet schienen.“
Welches Geheimnis kannte Paulus?
Das griechische Wort für Geheimnis ist mystērion. Es beschreibt eine heilige Wahrheit, die nur durch Offenbarung erkannt werden kann. Das Geheimnis, das Paulus erwähnte, besteht darin, dass durch Christus sowohl Juden als auch Heiden Erben des Bundes mit Abraham werden können. Dieses Geheimnis wurde „Paulus an jenem denkwürdigen Tag offenbart, als er nach Damaskus reiste (siehe Apostelgeschichte 9:3-5)“.
Was sind Evangelisten und Hirten?
Paulus führte die Ämter des Evangelisten und des Pastors als Teil der Organisationsstruktur der Kirche auf. Ein Evangelist ist „jemand, der die gute Nachricht des Evangeliums Jesu Christi bezeugt oder verkündigt.“ In neuzeitlichen Offenbarungen werden Patriarchen als „Evangelisten“ bezeichnet. Der Prophet Joseph Smith hat erklärt: „Ein Evangelist ist ein Patriarch. … Wo auch immer die Kirche Jesu Christi auf Erden aufgerichtet wird, muss es auch einen Patriarchen zum Nutzen der Nachkommenschaft der Heiligen geben. So war es auch mit Jakob, als er seinen Söhnen den Patriarchalischen Segen gab.“
Ein Pastor ist ein Hirte oder jemand, der eine Herde führt. Jesus Christus bezeichnete sich selbst als den guten Hirten, weil er seine Schafe kennt und liebt. In dieser Hinsicht ähneln die Hirten des Neuen Testaments den Bischöfen und Zweigpräsidenten in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage.
Was hat Paulus über Zorn gesagt?
In der Joseph-Smith-Übersetzung von Epheser 4:26 wird erläutert: „Könnt ihr zornig sein und nicht sündigen?“ Diese Änderung bringt den Vers mit anderen Worten des Paulus über das Thema Zorn in Einklang.
Paulus riet den Heiligen, am Abend erst dann zu Bett zu gehen, wenn sie ihre zornigen Gedanken überwunden hätten. Der Erretter hat Ähnliches über Zorn gelehrt.
Was ist die Botschaft des Paulus über die Unterordnung in der Ehe?
Paulus behandelt in seinen Schriften immer wieder das Thema Unterordnung. In diesen Versen spricht Paulus über die Unterordnung in der Familie, insbesondere in der Ehe. Da das Wort Unterordnung sowohl positiv als auch negativ konnotiert sein kann, ist es wichtig, sich klarzumachen, wie Paulus das Wort verwendet.
Bevor Paulus über die Ehe spricht, fordert er alle in der Familie eindringlich auf, sich einander unterzuordnen. Es soll eine gegenseitige Unterordnung sein, die in der Familie eine „versöhnliche“ Einstellung fördert. Paulus forderte die Familienmitglieder auch auf, einander „im Hinblick auf die Beziehung eines jeden zu [Gott]“ zu betrachten.
In diesem Zusammenhang sollen die Ehepartner „aus Ehrfurcht vor Christus einander untertan sein“. Paulus forderte die Ehefrauen auf, sich ihrem Mann freiwillig unterzuordnen, aus Liebe zu Jesus Christus und nicht aufgrund von Zwang oder Dominanz.
Paulus führte die liebevolle Beziehung Jesu Christi zur Kirche als Vorbild für die Ehe an. Ein Mann solle seine Frau demgemäß auf die gleiche Weise lieben, wie Jesus Christus seine Kirche liebt und für sie Opfer bringt. Mit dem Erretter als Vorbild gibt es in der Ehe einfach keine Rechtfertigung für Unterdrückung, Missachtung, Missbrauch oder Misshandlung.
Paulus stellt Jesus Christus in den Mittelpunkt und gibt damit deutlich vor, wie der Begriff Unterordnung zu verstehen ist. Aus dem Leben Jesu Christi lernen wir, dass Unterordnung eine göttliche Eigenschaft sein kann, wenn sie Demut, Sanftmut, Milde und Gehorsam gegenüber Gott mit sich bringt. In diesem Zusammenhang erfordert „Unterordnung bemerkenswerte Charakterstärke, Hingabe an Bündnisse, ungewöhnliche Weisheit und selbstlose Liebe, die an den vorbildlichen Fügsamen erinnert“.
In der Kultur zur Zeit des Paulus hatte die Frau oft eine eingeschränkte Rolle, und der Ehemann und Vater galt als die oberste Autorität in einer Familie. Die Botschaft des Paulus stellte diese kulturellen Normen in Frage. „Auch wenn christliche Haushalte nach wie vor recht patriarchalisch und hierarchisch aufgebaut waren, drängten diese Veränderungen sie zu mehr Gleichheit und Achtung vor jedem Einzelnen.“
War Paulus mit der Sklaverei einverstanden?
Zur Zeit des Neuen Testaments war die Sklavenhaltung im gesamten Römischen Reich gang und gäbe. Viele Mitglieder der Kirche waren entweder Sklaven oder hatten selbst Sklaven. Menschen wurden versklavt, weil sie im Krieg gefangen genommen wurden, weil sie verkauft wurden, um Schulden zu zahlen, oder weil sie entführt wurden. Der Rat des Paulus darüber, wie Sklaven sich verhalten sollten, bedeutet nicht, dass er die Institution der Sklaverei guthieß. Er erklärte den Mitgliedern der Kirche, die in einer Kultur mit Sklaven und Herren lebten, wie das Evangelium Jesu Christi diese Beziehungen lenken sollte.
Mehr dazu
Vorherordinierung
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Steven R. Bangerter, „Zum Dienen vorherordiniert“, Liahona, Mai 2024, Seite 56–59
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John C. Pingree Jr., „Ich habe eine Arbeit für dich“, Liahona, November 2017, Seite 32–35
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Themen und Fragen, „Vorherordinierung“, Archiv Kirchenliteratur
Apostel und Propheten – das Fundament
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Themen und Fragen, „Propheten“, Archiv Kirchenliteratur
Eheliche Beziehung
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Ulisses Soares, „In Partnerschaft mit dem Herrn“, Liahona, November 2022, Seite 42–45
Medien
Videos
„Dispensations: The Pattern of Apostasy and Restoration“ (6:52; in englischer Sprache)
„The armor of God“ (2:06; in englischer Sprache)