„Apostelgeschichte 10 bis 15“, Hilfen für das Schriftstudium: Neues Testament, 2024
Hilfen für das Schriftstudium
Apostelgeschichte 10 bis 15
In Cäsarea trägt ein Engel dem Kornelius, einem Heiden, auf, Petrus holen zu lassen. In Joppe empfängt Petrus eine Offenbarung, in der ihm geboten wird, auch Heiden in die Kirche aufzunehmen. Petrus unterweist Kornelius und seinen Haushalt und tauft sie, und sie empfangen den Heiligen Geist. Herodes Agrippa tötet Jakobus und verhaftet Petrus. Ein Engel befreit Petrus aus dem Gefängnis. Paulus und Barnabas brechen zu ihrer ersten Mission auf. Trotz Widerstands geben sie Zeugnis für Christus. In Antiochia kommt ein Streit wegen der Beschneidung auf. Die Apostel und andere Führer der Kirche kommen in Jerusalem zusammen und legen fest, dass Heiden nicht beschnitten sein müssen, wenn sie sich der Kirche Jesu Christi anschließen.
Material
Hintergrund und Kontext
Was war bedeutsam an der Bekehrung des Kornelius zum Christentum?
Der Bund, der ursprünglich Abraham und Sara gegeben wurde, sah eine Ausbreitung dieses Bundes vor, sodass „alle Familien der Erde gesegnet sein“ würden. Aber im Laufe der Zeit scheint dieses Verständnis bei den Juden verlorengegangen zu sein. Vor der Entstehung des Christentums schotteten die meisten Juden sich und ihre Religion von Nichtjuden, oder Heiden, ab. Diese Trennung wurde nach der babylonischen Gefangenschaft noch deutlicher, als die Juden versuchten, „fremde religiöse Einflüsse“ einzuschränken. Zur Zeit des Neuen Testaments war in Jerusalem „eine negative Einstellung zum Umgang mit Heiden weit verbreitet“. Diese Einstellung muss auch unter den ersten jüdischen Christen verbreitet gewesen sein.
Kornelius, ein römischer Heerführer, war Heide. Lukas beschreibt ihn als jemanden, der „fromm und gottesfürchtig“ war. Das bedeutet, dass Kornelius ein Heide war, der „mit dem Judentum sympathisierte und Jehova anbetete, aber die Vorschriften des mosaischen Gesetzes, insbesondere die Beschneidung, nicht einhielt“. Kornelius’ Taufe ebnete den Weg dafür, dass Heiden sich der Kirche des Erretters anzuschließen konnten, ohne sich zuvor zum Judentum zu bekehren und sich an die Vorschriften des mosaischen Gesetzes zu halten.
Was bedeutete die Vision des Petrus?
Unter dem Gesetz des Mose galten bestimmte Tiere als unrein und durften nicht verzehrt werden. Diese Speisevorschriften „hatten große Auswirkungen auf das gesamte religiöse und gesellschaftliche Leben [der Juden]“. Als Petrus geboten wurde, verbotene Tiere zu töten und ihr Fleisch zu essen, widersprach dies also tief verwurzelten religiösen und kulturellen Überzeugungen. Zunächst verstand Petrus die Bedeutung dieser Vision nicht. Erst nachdem Petrus dem Kornelius, einem Heiden, begegnet war, begann er, die Anweisung des Herrn zu verstehen, alle Menschen zu unterweisen und zu taufen. Präsident Boyd K. Packer hat gesagt: „Die ersten Apostel wussten zunächst nicht, dass das Evangelium für alle Menschen, auch für die Heiden, bestimmt ist. Dann hatte Petrus eine Vision. …Diese Vision und ihr unmittelbar darauffolgendes Erlebnis überzeugten die Apostel von ihrer Aufgabe; so begann das große Missionswerk der gesamten Christenheit.“
Was bedeutet es, „dass Gott nicht auf die Person sieht“?
Das griechische Wort, das mit „auf die Person sehen“ übersetzt wird, bezeichnet jemanden, der bestimmte Personen bevorzugt behandelt oder parteiisch ist. Durch eine Vision und sein Erlebnis mit Kornelius erfuhr Petrus, dass Gott weder Menschen aufgrund ihres gesellschaftlichen Standes, ihrer Nationalität oder ihres Besitzes bevorzugt behandelt noch parteiisch ist. Präsident Boyd K. Packer hat gesagt: „Niemand darf sich selbst für wertvoller halten als die anderen. … Denken Sie daran, dass er ein Vater ist – unser Vater. Der Herr sieht nicht auf die Person.“ Gott bevorzugt niemanden nach äußeren Maßstäben, aber er nimmt diejenigen an, die ihn ehren und sich bemühen, das Rechte zu tun.
Warum wurden ersten Heiligen Christen genannt?
Die Jünger Jesu Christi wurden zuerst von den Menschen in Antiochia Christen genannt. Anfangs mag die Bezeichnung Christ „ein spöttischer Spitzname“ gewesen und „etwa so“ verwendet worden sein „wie die Bezeichnung Mormone in der Anfangszeit unserer gegenwärtigen Evangeliumszeit“. Irgendwann übernahmen die Mitglieder der Kirche dann diesen Begriff, wenn sie von sich sprachen.
Wer war König Herodes?
Bei dem in Lukas 12 erwähnten Herodes handelt es sich um Herodes Agrippa den Ersten, den Enkelsohn von Herodes dem Großen. Er war bei seinen jüdischen Untertanen allgemein beliebt, weil er die jüdischen Bräuche streng einhielt. Möglicherweise ordnete er den Tod des Jakobus an, um sich die Zustimmung der jüdischen Führer zu sichern. Agrippa starb 44 n. Chr., im selben Jahr, in dem Jakobus den Märtyrertod erlitt. Lukas sah in dem plötzlichen Tod Agrippas das Strafgericht Gottes durch einen Engel des Herrn.
Welcher Jakobus wurde von Herodes getötet?
Im Neuen Testament gibt es mehrere Personen mit dem Namen Jakobus. Der Jakobus, der von Herodes Agrippa I. getötet wurde, war der Bruder des Apostels Johannes und einer der ursprünglichen Zwölf Apostel. Er war auch einer der drei besonderen Zeugen mehrerer heiliger Ereignisse mit dem Erretter.
Wer war Johannes Markus?
Johannes Markus war wahrscheinlich der Verfasser des Markusevangeliums. Er war der Sohn einer Frau namens Maria, die eine der führenden Frauen in der Urkirche in Jerusalem war. (Die Gläubigen trafen sich bei ihr zuhause, und Petrus kehrte dorthin zurück, nachdem er aus dem Gefängnis befreit worden war.) Markus wurde als Mitarbeiter von Paulus und Barnabas (eines Cousins des Markus) ausgewählt, als diese zu ihrer ersten Missionsreise aufbrachen. Er ist wahrscheinlich der Markus, von dem Petrus als „mein Sohn“ sprach.
Was bedeutete das Handauflegen für die christliche Urkirche?
Im Neuen Testament gibt es zahlreiche Stellen, in denen das Händeauflegen als frühchristliche Verordnung bezeichnet wird. In einigen Schriftstellen im Alten Testament wird das Händeauflegen als Brauch im alten Israel beschrieben.
Der Ritus des Händeauflegens im Alten und Neuen Testament wurde als „Zeichen der Übertragung“ angesehen. Der bevollmächtigte Priestertumsträger übertrug durch diese rituelle Handlung „Macht, geistige Gaben und Vollmacht“ auf einen anderen. Dieser Brauch wurde auch angewandt, wenn jemand für eine bestimmte Aufgabe in der Kirche Jesu Christi berufen wurde, wie man an der Berufung von Paulus und Barnabas als Missionare sehen kann.
Warum wurde Saulus später Paulus genannt?
Nach dieser Stelle in der Apostelgeschichte wird Saulus Paulus genannt. Saulus ist ein hebräischer Name. Paulus ist ein römischer Name. „Es handelt sich nicht um zwei Namen, die mit zwei Lebensabschnitten verbunden sind, sondern um zwei Kulturkreise. Wenn Paulus mit Menschen jüdischer Herkunft zu tun hatte, nannte er sich Saulus; als seine Reisen ihn in nichtjüdische Gebiete führten, nannte er sich Paulus.“
Was sind die „Heilsgaben, [die] David fest zugesagt“ wurden?
Als Paulus für die Auferstehung Jesu Christi Zeugnis gab, verwendete er den Ausdruck „Heilsgaben, [die] David fest zugesagt [wurden]“. Diese Formulierung geht auf Jesaja 55:3 zurück. „Paulus setzt diese Formulierung mit der Auferstehung gleich (siehe Apostelgeschichte 13:34). David wusste, dass der Herr ihn durch die Auferstehung vom endlosen Tod erlösen würde. … Die Barmherzigkeit des Herrn gegenüber David, die eine fest zugesagte Verheißung war, wird allen Menschen zuteil.“
Was bedeutet es, gerecht gemacht zu werden?
Das griechische Wort dikaioō kann mit „rechtfertigen“ oder „für rechtschaffen erklären“ übersetzt werden. Mit anderen Worten: Gerechtfertigt zu sein bedeutet, „von der Strafe für Sünde begnadigt und für schuldlos erklärt zu werden. Man wird durch die Gnade des Erretters gerechtfertigt, wenn man Glauben an ihn hat. Dieser Glaube zeigt sich durch Umkehr und Gehorsam gegenüber den Gesetzen und Verordnungen des Evangeliums. Das Sühnopfer Jesu Christi befähigt die Menschen, umzukehren und gerechtfertigt oder von der Strafe begnadigt zu werden, die sie sonst empfangen würden.“ Paulus hat erklärt, dass uns nur durch Jesus Christus „die Vergebung der Sünden verkündet [wird] und [wir] in allem [gerecht gemacht werden], worin [uns] das Gesetz des Mose nicht gerecht machen konnte“.
Warum schüttelten Paulus und Barnabas den Staub von ihren Füßen?
Siehe „Matthäus 10:14. Was bedeutet es, „den Staub von euren Füßen“ zu schütteln?“
Gehörten Paulus und Barnabas dem Kollegium der Zwölf Apostel an?
Das griechische Wort apostolos bedeutet „Bote“ oder „Gesandter“. Diese weit gefasste Definition könnte auf jeden Zeugen für den Erretter angewandt werden, zum Beispiel auf Missionare. Apostel ist zudem der Titel, „den Jesus den Zwölfen gab, die er dazu erwählte und ordinierte, seine vertrautesten Jünger und Helfer während seines geistlichen Wirkens auf der Erde zu sein (Lukas 6:13; Johannes 15:16). … Sowohl in alter Zeit als auch im Kollegium der Zwölf Apostel in der wiederhergestellten Kirche heutzutage ist ein Apostel ein besonderer Zeuge für Jesus Christus in aller Welt, der dessen Göttlichkeit und dessen Auferstehung von den Toten bezeugt (siehe Apostelgeschichte 1:22; Lehre und Bündnisse 107:23).“
Offenbar verstand Paulus unter dem Begriff Apostel einen „Gesandten“ im weiten Sinne. Aus diesem Grund ist Vorsicht geboten, wenn wir den Begriff Apostel, wie ihn Paulus verwendet, dahingehend auslegen, dass er ein Mitglied des Kollegiums der Zwölf Apostel war. Die deutlichsten Hinweise im Neuen Testament darauf, dass er zu den Zwölf Aposteln gehört haben könnte, finden sich in Apostelgeschichte 14:4,14 und Galater 1:1. Präsident Joseph Fielding Smith war der Meinung, dass Paulus ein ordinierter Apostel war und … er den Platz eines der anderen Brüder in diesem Rat der Zwölf einnahm. Heute ist der Titel eines Apostels den Mitgliedern der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf Apostel vorbehalten. Diese 15 präsidierenden Männer werden als Propheten, Seher und Offenbarer bestätigt.
Was führte zum Apostelkonzil in Jerusalem?
Die frühen jüdischen Christen hielten es für notwendig, das Gesetz des Mose zu befolgen, einschließlich der Beschneidung. Daher waren einige jüdische Mitglieder beunruhigt über die Nachricht, dass Petrus mit Heiden Umgang pflegte und diese taufte, darunter auch Kornelius.
Dieser Widerstand verstärkte sich nach den erfolgreichen Missionsbemühungen von Paulus und Barnabas unter den Heiden. Als sie nach Antiochia zurückkehrten und bezeugten, dass Gott „den Heiden die Tür zum Glauben geöffnet hatte“, stießen sie auf heftigen Widerstand von denen, die glaubten, man könne nur errettet werden, wenn man sich „nach der Weise des Mose beschneiden“ lässt. Nach einer Auseinandersetzung mit denjenigen, die die Beschneidung für notwendig hielten, fühlte sich Paulus veranlasst, diese Angelegenheit den Führern der Kirche in Jerusalem vorzulegen. Eine zentrale Frage lautete: „Ist Gehorsam gegenüber dem Gesetz des Mose mit all den dazugehörigen Verrichtungen für die Errettung erforderlich, nachdem Jesus Christus nun ja sein Sühnopfer vollbracht hat?“
Wer war der Jakobus, der beim Apostelkonzil in Jerusalem sprach?
Jakobus hatte beim Apostelkonzil in Jerusalem eine tragende Rolle inne. Er war der Sohn Josefs und Marias und der Halbbruder Jesu Christi. Zu dieser Zeit war er offenbar der führende Älteste der Kirche in Jerusalem. Wegen der Bedeutung Jerusalems war die Stellung, die Jakobus in der Kirche innehatte, sehr geachtet. Paulus nannte ihn einen Apostel. Wahrscheinlich war er der Verfasser des Jakobusbriefes.
Wie wurde der Beschluss des Apostelkonzils in Jerusalem von den Mitgliedern aufgenommen?
Obwohl die Führer der Kirche beschlossen hatten, dass die Heiden vor der Taufe nicht beschnitten werden müssen, gab es viele Mitglieder der Kirche, die diesen Beschluss nicht gleich verstanden oder bereitwillig annahmen. Es sollte Jahre dauern, bis die Kultur und die Einstellung der Mitglieder der Kirche mit dem inspirierten Wandel in Einklang standen. Während seines gesamten geistlichen Wirkens verkündete Paulus immer wieder, dass man durch Treue bei Gott Gefallen findet.
Worin bestand die Auseinandersetzung zwischen Paulus und Barnabas?
Eine Meinungsverschiedenheit zwischen Paulus und Barnabas nahm seinen Anfang, als Barnabas vorschlug, dass sie „Johannes, genannt Markus“, auf eine Mission mitnehmen sollten, um alle Zweige der Kirche zu besuchen, die sie gegründet hatten. Markus, ein Verwandter des Barnabas, hatte Paulus und Barnabas auf ihrer ersten Mission begleitet, war damals jedoch vorzeitig wieder abgereist. Obwohl nur wenig darüber bekannt ist, warum Markus fortging oder worin der Streit zwischen Barnabas und Paulus bestand, trennten sich die Apostel. Paulus und Markus scheinen sich später wieder versöhnt zu haben.
Wer war Silas?
Silas war vermutlich der „Silvanus“, den Paulus in mehreren Briefen erwähnt hat. Silas war ein bekannter Führer der Kirche in Jerusalem. Paulus erwählte ihn als Mitarbeiter auf seiner zweiten Missionsreise aus. Anscheinend war Silas (Silvanus) der Schreiber des Buches 1 Petrus.
Mehr dazu
Das Evangelium ist für alle Menschen gedacht
-
Joseph W. Sitati, „Alle können die Segnungen des Evangeliums erlangen“, Liahona, November 2009, Seite 103ff.
Über das Christsein
-
Robert D. Hales, „Ein christlicherer Christ sein“, Liahona, November 2012, Seite 90ff.
Was wir aus dem Rat in Jerusalem lernen können
-
D. Todd Christofferson, „Die Lehre von Christus“, Liahona, Mai 2012, Seite 86–90
Medien
Videos
„Petrus wird offenbart, er solle das Evangelium den Heiden verkünden“ (9:08)
Bilder
Der Traum des heiligen Petrus, Darstellung von Jeremias Falck nach einem Gemälde von Domenico Fetti
Paulus und Barnabas in Lystra, Darstellung von Nicolaes Pietersz Berchem