„Apostelgeschichte 16 bis 21“, Hilfen für das Schriftstudium: Neues Testament, 2024
Hilfen für das Schriftstudium
Apostelgeschichte 16 bis 21
Geleitet vom Heiligen Geist begibt sich Paulus auf seine zweite Missionsreise durch die Gebiete, die heute als Türkei und Griechenland bekannt sind. Viele nehmen das Evangelium Jesu Christi an. Paulus gründet Gemeinden in Philippi, Thessalonich, Beröa und Korinth. Auf dem Areopag in Athen hält er eine bedeutende Predigt. Ausgangspunkt der dritten Missionsreise des Paulus ist Ephesus. Dort bleibt er ungefähr drei Jahre. Die dortigen Kaufleute und Anbeter der Göttin Diana fühlen sich durch den Erfolg des Paulus bedroht. Kurz vor Ende seiner dritten Missionsreise warnt Paulus die Führer der Kirche in Ephesus vor drohenden Gefahren und Abfall vom Glauben in der Kirche.
Material
Hinweis: Wird eine Quelle zitiert, die nicht von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage herausgegeben wurde, bedeutet dies nicht, dass diese Quelle oder ihr Verfasser von der Kirche unterstützt wird oder den offiziellen Standpunkt der Kirche vertritt.
Hintergrund und Kontext
Apostelgeschichte 16:1 bis 18:22
Was wissen wir über die zweite Missionsreise des Paulus?
Als Paulus zu seiner zweiten Missionsreise aufbrach, nahm er Silas mit. Als Erstes kamen sie nach Derbe und Lystra. In Lystra forderte Paulus den Timotheus auf, sich ihm und Silas bei ihrer Missionsarbeit anzuschließen. Sie verkündeten das Evangelium kurz in Thessalonich. Die nächste Station ihrer Missionsreise war Athen. Im Anschluss verbracht Paulus mindestens 18 Monate in Korinth. In Korinth arbeitete er als Zeltmacher und lehrte am Sabbat in Synagogen. Wahrscheinlich verfasste er während seines Aufenthalts in Korinth auch die beiden Briefe an die Thessalonicher. Als Paulus Korinth wieder verließ, blieben Silas und Timotheus vor Ort, um weiterhin die Menschen dort zu unterweisen. Paulus blieb kurz in Ephesus, kehrte dann aber nach Jerusalem und schließlich nach Antiochia zurück. Auf seiner zweiten Missionsreise verkündete Paulus das Evangelium, stärkte die Kirche und verbreitete die Nachricht von dem Beschluss, der beim Apostelkonzil in Jerusalem gefasst worden war. Diese Missionsreise dauerte ungefähr dreieinhalb Jahre (um 50 bis 52 n. Chr.).
Warum beschnitt Paulus den Timotheus?
Beim Apostelkonzil in Jerusalem war der Beschluss gefasst worden, dass nichtjüdische Bekehrte zu ihrer Errettung weder beschnitten werden noch das Gesetz des Mose befolgen mussten. Viele Mitglieder der Kirche waren mit dieser Entscheidung jedoch nicht einverstanden. Möglicherweise dachten sie, einem unbeschnittenen Missionar fehle es an Achtung vor Gott und dessen Gesetzen. Also beschnitt Paulus vor Antritt ihrer Missionsreise den Timotheus, damit dieser unter den Mitgliedern der Kirche besser wirken konnte.
Hat Lukas den Paulus auf dessen Missionsreisen begleitet?
Die heiligen Schriften lassen darauf schließen, dass die Apostelgeschichte von Lukas verfasst wurde. Die in Apostelgeschichte 16:10 verwendeten Pronomen wir und uns sind ein Indiz dafür, dass Lukas Augenzeuge dieser Ereignisse war. Lukas schloss sich Paulus und den anderen Missionaren wohl in Troas an.
Wer war Lydia?
Lydia wohnte in Thyatira. Diese Stadt war für ihre purpurnen Textilien bekannt. Der beste purpurne Farbstoff wurde aus der sogenannten Purpurschnecke gewonnen. „Purpurner Farbstoff war äußerst kostbar und wurde daher für königliche Gewänder verwändet.“ Lydia war Purpurhändlerin und daher höchstwahrscheinlich wohlhabend. Sie hatte ihr eigenes Haus mitsamt Dienerschaft.
Lydia war die erste europäische Bekehrte des Paulus, von der wir wissen. Außerdem war sie die erste, die sich im Verlauf seiner zweiten Missionsreise der Kirche anschloss und namentlich erwähnt wurde. Später versammelten sich die Gläubigen in ihrem Haus zur Gottesverehrung und um unterwiesen zu werden.
Was ist ein Wahrsagegeist?
Eine Magd brachte ihren Herren großen Gewinn ein, indem sie als Wahrsagerin die Zukunft vorhersagte. Wahrsagung war nach dem Gesetz des Mose verboten. Als der böse Geist in der jungen Magd lautstark Paulus und seiner Begleiter als Diener Gottes bezeichnete, gebot Paulus ihm, aus ihr auszufahren. In den heiligen Schriften finden sich noch weitere Begebenheiten, bei denen böse Geister für den Erretter Zeugnis geben und vom Herrn zurechtgewiesen werden.
Welche Glaubensansichten fand Paulus in Athen vor?
In alter Zeit war Athen „die intellektuelle Hauptstadt der Welt“. Ihr entstammen einige der größten Philosophen der Welt, zum Beispiel Sokrates, Platon oder Aristoteles. Als Paulus nach Athen kam, hatte die Stadt noch immer den Ruf einer Hochburg des philosophischen Denkens und des Debattierens. Er traf dort auf mindestens zwei philosophische Gruppen: die Epikureer und die Stoiker.
Die Epikureer leugneten zwar nicht die Existenz Gottes, betrachteten ihn aber, was die Angelegenheiten der Menschen anging, als distanziert und unbeteiligt. Was Paulus über das Wesen Gottes verkündete – dass dieser nämlich für einen jeden persönlich da ist und Anteil an unserem Leben nimmt –, stand im Widerspruch zu den Lehren Epikurs. Die Epikureer waren Materialisten. Sie waren der Ansicht, Körper und Seele bestünden aus Materie. Ihrer Philosophie zufolge konnte eine Seele, da sie aus Materie besteht, nicht für immer fortbestehen. Daher lehrten sie, es gebe keine Unsterblichkeit der Seele. Das mag erklären, warum einige Athener Paulus verspotteten, als er über die Auferstehung sprach.
Auch die Stoiker waren Materialisten. Allerdings glaubten sie, Gott finde in der gesamten Natur Ausdruck, wirke durch sie und sei daher Teil der Welt. Da auch wir Teil dieser Welt sind, waren die Stoiker möglicherweise empfänglicher für das, was Paulus über die Auferstehung sagte. Das mag erklären, warum einige Athener bereit waren, Paulus erneut zuzuhören.
Wenn Paulus zu Menschen sprach, die sich der griechischen Philosophie verschrieben hatten, ging er nicht auf die jüdische Geschichte oder auf die heiligen Schriften ein, wie er es üblicherweise vor einem jüdischen Publikum tat. Nachdem Paulus hervorgehoben hatte, was ihn mit den Athenern verband, ging er auf wichtige christliche Lehren ein.
Wozu hatten die Athener einem unbekannten Gott einen Altar errichtet?
Die Athener hatten Angst davor, einen Gott zu beleidigen. Offenbar hatten sie einen Altar errichtet, um zu vermeiden, irgendeinen Gott zu beleidigen, der ihnen vielleicht nicht bekannt war. Paulus nutzte diesen Altar, um über Jesus Christus zu sprechen und Zeugnis dafür abzulegen, dass dieser der ihnen unbekannte Gott sei.
Was bedeutet es, dass wir „von Gottes Geschlecht“ sind?
Paulus zitiert hier einen griechischen Dichter und verwendet dabei den griechischen Begriff genos, der in der Einheitsübersetzung mit „Geschlecht“ übersetzt ist. Der Begriff bedeutet auch „Abstammung“ oder „Familie“. In der Proklamation zur Familie heißt es: „Alle Menschen – Mann und Frau – sind als Abbild Gottes erschaffen. Jeder Mensch ist ein geliebter Geistsohn oder eine geliebte Geisttochter himmlischer Eltern und hat dadurch ein göttliches Wesen und eine göttliche Bestimmung.“ Im Jahr 1909 hat die Erste Präsidentschaft die folgende Erklärung zur Lehre herausgegeben: „Alle Männer und Frauen sind das Ebenbild des Vaters und der Mutter aller und buchstäblich die Söhne und Töchter dieser Gottheit.“
Was bedeutet es, dass Paulus seine Kleider ausschüttelte?
Als die Juden in der Synagoge in Korinth die Worte des Paulus verwarfen, schüttelte er seine Kleider aus und erklärte: „Euer Blut komme über euer Haupt! Ich bin daran unschuldig.“ Durch das Ausschütteln seiner Kleider zeigte Paulus, dass er keine Schuld an den Sünden seiner Zuhörer trug. Auch im Buch Mormon wird auf diesen Brauch hingewiesen. Näheres ist in dem Abschnitt „Matthäus 10:14. Was bedeutet es, ‚den Staub von euren Füßen‘ zu schütteln?“ zu finden.
Was wissen wir über die dritte Missionsreise des Paulus?
Die dritte Missionsreise des Paulus war – was Dauer und Entfernung betrifft – seine längste. Paulus besuchte Gemeinden, die er auf seinen ersten beiden Missionsreisen gegründet hatte, und blieb dann ungefähr drei Jahre in Ephesus. Ephesus war eine Großstadt und zudem ein wichtiges Handels- und Kulturzentrum, für Paulus also das ideale Umfeld, „seine religiöse Botschaft überall zu verbreiten“. Während dieser Missionsreise schrieb Paulus seine beiden Briefe an die Korinther und den Brief an die Römer. Auch der Brief an die Galater könnte zu dieser Zeit geschrieben worden sein.
Wer war die Diana der Epheser?
Modell des Tempels der Artemis im Miniatürk-Park in Istanbul
Die Epheser legten großen Wert auf die Verehrung der Göttin Diana. Sie ist eine römische Göttin, die die Griechen unter dem Namen Artemis kannten. Außerhalb der Stadtmauern von Ephesus wurde ein Tempel errichtet und nach ihr benannt. Dieser Tempel gilt als eines der sieben Weltwunder der Antike.
Aus dem ganzen Römischen Reich kamen Pilger, um Diana dort im Tempel zu verehren. Die Kaufleute vor Ort verdienten ihren Lebensunterhalt mit dem Verkauf von Lebensmitteln, Weihegaben und Andenken sowie der Bereitstellung von Unterkünften. Paulus war so erfolgreich darin, Menschen in die Kirche des Erretters zu bringen, dass dadurch die Einnahmen der Kaufleute einbrachen, die ja auf die Besucher des Artemistempels angewiesen waren. Silberschmiede, die Bildnisse der Göttin Diana herstellten und verkauften, wiegelten die Bevölkerung zu einem Aufstand gegen Paulus und dessen Evangeliumsbotschaft auf. Paulus wollte sich an die Menge wenden, doch Mitglieder der Kirche sowie hohe Beamte, die um seine Sicherheit fürchteten, hielten ihn davon ab.
Warum nahmen Paulus und andere Jünger am ersten Tag der Woche vom Abendmahl?
Was bedeutete die Warnung des Paulus an die Epheser?
Die an die örtlichen Führer der Kirche gerichtete Prophezeiung des Paulus, bei ihnen würden „reißende Wölfe“ eindringen, bezog sich nicht auf eine physische, sondern auf eine geistige Bedrohung. „Paulus beschreibt hier, wie böse Mächte in die Kirche eindringen und Macht über die Heiligen erlangen.“ Diese Prophezeiung des Paulus ähnelt seiner in 2 Thessalonicher 2:3 ausgesprochenen Warnung vor einem Abfall vom Glauben.
Warum nahm Paulus an Ritualen des mosaischen Gesetzes teil, wenn dies doch gar nicht mehr erforderlich war?
In dem Beschluss bei dem Apostelkonzil in Jerusalem wurde das Gesetz des Mose für Christen nicht ausdrücklich außer Kraft gesetzt. In der Anordnung hieß es, dass nichtjüdische Bekehrte der Kirche zu ihrer Errettung nicht beschnitten werden mussten. Es wurde darin jedoch nicht darauf eingegangen, wie jüdische Mitglieder mit dem Thema Beschneidung umgehen sollten. Aufgrund dieser Unklarheit hielten sich jüdische Christen, die „Eiferer für das Gesetz“ waren, auch weiterhin daran.
Zur Wahrung des Friedens unter diesen jüdischen Christen wurde Paulus von Jakobus und anderen geraten, vor dem Betreten des Tempels öffentlich an zeremoniellen Ritualen teilzunehmen. Als Paulus an den Tempelritualen teilnahm, traten ihm im Tempel Juden aus Asien (keine jüdischen Christen) entgegen und zettelten einen Aufruhr gegen ihn an.
Wer war der Ägypter, mit dem der römische Oberst Paulus verwechselte?
Etwa drei Jahre vor Paulus’ Verhaftung hatte sich ein ägyptischer Jude als Prophet ausgegeben und in der Wüste eine große Anhängerschaft gewonnen. Er führte seine Anhänger zum Ölberg und verhieß ihnen, dass die Mauern Jerusalems fallen und das Römische Reich vernichtet werden würde. Der römische Statthalter Felix befahl daraufhin seinem Heer, die Aufständischen niederzuschlagen. Der ägyptische Anführer war jedoch geflüchtet und konnte nicht gefasst werden.
Mehr dazu
Von Gottes Geschlecht
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Themen und Fragen, „Kinder Gottes“, Archiv Kirchenliteratur
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Tad R. Callister, „Our Identity and Our Destiny“, Andacht an der Brigham-Young-Universität, 14. August 2012, speeches.byu.edu
Medien
Video
„We Are the Offspring of God“ (4:30; in englischer Sprache)
Bilder
Sie schafft mit emsigen Händen, Darstellung von Elspeth Young
Illustration von Dan Burr