2010
    Steht auf der Seite des Herrn
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    Steht auf der Seite des Herrn

    Nach „Von Freund zu Freund“, Kinderstern, April 1999, Seite 3f.

    President Dieter F. Uchtdorf

    Als Kind habe ich in Zwickau gewohnt. Meine Großmutter hatte eine Freundin mit feinem, weißem Haar. Sie hieß Schwester Ewig und lud meine Großmutter in die Kirche ein. Als wir alle hingingen, sahen wir, dass es dort viele Kinder gab. Wir waren von der Musik tief beeindruckt, vor allem von den Liedern. Das Lied „Ein Sonnenstrahl Jesu“ drang mir tief ins Herz.1 Ich fühlte mich Jesus ganz nahe, als wir es sangen. Ich wusste, dass ich ein Sonnenstrahl für Jesus sein sollte. Dieses Lied gefällt mir immer noch sehr – ich verdanke ihm ein Zeugnis vom Erlöser.

    Meine ganze Familie – außer mir, weil ich erst sechs Jahre alt war – ließ sich taufen und schloss sich der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage an. Als ich acht Jahre alt war, wurde ich von meinem Vater in einem Schwimmbad getauft.

    Als ich elf Jahre alt war, musste meine Familie Ostdeutschland verlassen. Wir zogen nach Frankfurt, im Westen. Wir besuchten den Zweig in Frankfurt, der nicht so groß war wie der in Zwickau. Auch das Gemeindehaus in Frankfurt war klein, unser Unterricht fand im Keller statt. Die Missionare lehrten uns wichtige Grundsätze des Evangeliums.

    Ein Missionar, Elder Stringham, hinterließ einen nachhaltigen Eindruck bei mir, als er über die Köstliche Perle sprach, vor allem darüber, wie Mose erfuhr, dass er ein Sohn Gottes war (siehe Mose 1:3,4). Elder Stringham brachte mir auch diese Schriftstelle bei: „Ist Gott für uns, wer ist dann gegen uns?“ (Römer 8:31.) Das hat mir Trost geschenkt und Mut gemacht, denn zu der Zeit sah die Zukunft düster aus. Frankfurt lag in Trümmern, viele Gebäude waren ausgebombt. Diese Schriftstelle hat mich mein Leben lang begleitet. Sie hat mir gezeigt, dass ich auf der Seite des Herrn stehen muss. Ich kann es mir nicht leisten, nicht auf der Seite des Herrn zu stehen.

    Ich fordere euch Kinder auf, die Worte der Propheten zu beherzigen. Wenn ihr das tut, findet ihr die Antwort auf eure Fragen, ob ihr nun sechs, neun, elf, neunzehn oder – wie ich – 69 Jahre alt seid.

    Hintergrund: Illustration von Dilleen Marsh; Buch © Getty Images