2000–2009
Nutzen wir die erhabene Gabe des Gebets
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Nutzen wir die erhabene Gabe des Gebets

Das Gebet ist eine erhabene Gabe, die jeder Mensch vom Vater im Himmel erhalten hat.

Diese Konferenz begann mit der tief bewegenden Darbietung des bekannten Liedes „Wie schön die Stund“ durch den großartigen Tabernakelchor. Der geläufige Text erinnert uns daran, dass das Gebet die Quelle von Trost, Schutz und Hilfe ist, die uns unser liebevoller, mitfühlender himmlischer Vater gern gewährt.

Die Gabe des Gebets

Das Gebet ist eine erhabene Gabe, die jeder Mensch vom Vater im Himmel erhalten hat. Bedenken Sie: Das absolut höchste Wesen, er, der allwissend und allmächtig ist und alles sieht, ermuntert Sie und mich, so unbedeutend wir sind, mit ihm als unserem Vater zu sprechen. Eigentlich gebietet er es uns sogar, weil er weiß, wie dringend wir seine Führung brauchen: „Du sollst sowohl laut als auch in deinem Herzen beten, ja, sowohl vor der Welt als auch im Verborgenen, sowohl in der Öffentlichkeit als auch, wenn du allein bist.“1

Es kommt nicht auf unsere Lebensumstände an – ob wir demütig oder arrogant, arm oder reich, frei oder versklavt, gebildet oder unwissend, geliebt oder vergessen sind: Wir können ihn ansprechen. Wir brauchen keinen Termin. Unser Gebet kann kurz sein oder so lange dauern, wie wir brauchen. Wir können ausführlich unsere Liebe und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen oder in einer Notsituation schnell um Hilfe bitten. Er hat unzählige Universen geschaffen und sie mit Welten bevölkert, und doch können Sie und ich mit ihm persönlich sprechen und er antwortet immer.

Wie sollen Sie beten?

Wir beten zu unserem himmlischen Vater im heiligen Namen seines geliebten Sohnes, Jesus Christus. Mit dem Gebet kann man am meisten erreichen, wenn man danach strebt, rein und gehorsam zu sein, richtige Beweggründe hat und willens ist, das zu tun, was Gott verlangt. Ein demütiges, vertrauensvolles Gebet schenkt Orientierung und Frieden.

Machen Sie sich keine Sorgen, wenn Sie Ihre Gefühle vielleicht etwas ungeschickt ausdrücken. Sprechen Sie einfach mit Ihrem mitfühlenden, verständnisvollen Vater. Sie sind sein wertvolles Kind, das er auf vollkommene Weise liebt und dem er helfen möchte. Wenn Sie beten, soll Ihnen bewusst sein, dass der Vater im Himmel nah ist und zuhört.

Ein Schlüssel zu einem besseren Gebet: Lernen Sie, die richtigen Fragen zu stellen. Überlegen Sie, ob Sie nicht mehr darum bitten wollen, was Sie gern möchten, sondern lieber aufrichtig in Erfahrung bringen wollen, was er für Sie möchte. Wenn Sie dann seinen Willen kennen, bitten Sie darum, dass Sie die Kraft erhalten, dem gerecht zu werden.

Sollten Sie sich einmal fern von unserem Vater fühlen, kann das viele Gründe haben. Woran es auch liegen mag – wenn Sie weiterhin um Hilfe flehen, wird er Sie dazu führen, das zu tun, was Ihnen die Sicherheit zurückbringt, dass er nahe ist. Beten Sie auch dann, wenn Sie nicht den Wunsch dazu haben. Manchmal haben Sie sich vielleicht wie ein Kind falsch verhalten und glauben nun, dass Sie mit einem Problem nicht an Ihren Vater herantreten können. Gerade dann brauchen Sie das Gebet am dringendsten. Fühlen Sie sich nie zu unwürdig zum Beten.

Ich frage mich, ob wir wohl je die immense Macht des Gebets ergründen können, ehe wir vor einem überwältigenden, dringenden Problem stehen und erkennen, dass wir außerstande sind, es zu lösen. Dann wenden wir uns an unseren Vater und erkennen demütig an, dass wir ganz und gar von ihm abhängig sind. Es ist gut, einen abgeschiedenen Ort zu suchen, wo wir unsere Gefühle in Worte fassen können, so lang und so intensiv wie nötig.

Ich habe das getan. Einmal habe ich etwas erlebt, was in mir größte Angst auslöste. Das hatte nichts mit Ungehorsam oder Übertretung zu tun, sondern mit einer immens wichtigen zwischenmenschlichen Beziehung. Einige Zeit schüttete ich mein Herz in innigem Gebet aus. Doch so sehr ich mich bemühte, konnte ich keine Lösung finden, und der mächtige Aufruhr in mir ließ nicht nach. Ich flehte um Hilfe von dem ewigen Vater, den ich kennen gelernt habe und dem ich vollständig vertraue. Ich konnte keinen Weg erkennen, der mir die Ruhe verschaffen würde, mit der ich im Allgemeinen gesegnet bin. Schlaf überkam mich. Als ich erwachte, war ich von Frieden erfüllt. Nochmals kniete ich mich in feierlichem Gebet nieder und fragte: „Herr, wie ist das geschehen?“ In meinem Herzen wusste ich die Antwort: seine Liebe und seine Sorge um mich. Dies ist die Macht eines aufrichtigen Gebets an einen mitfühlenden Vater.

Ich habe viel über das Gebet gelernt, indem ich Präsident Hinckley zugehört habe, wie er in unseren Sitzungen betet. Auch Sie können von ihm lernen, indem Sie sich intensiv mit dem außergewöhnlichen öffentlichen Gebet befassen, das er am Ende der Konferenz im Oktober 2001 für die Kinder des himmlischen Vaters in aller Welt gesprochen hat. Er sprach von Herzen, nicht nach einem vorbereiteten Manuskript. (Der Einfachheit halber ist das Gebet am Ende dieser Ansprache abgedruckt.)2

Befassen Sie sich mit diesem Gebet und Sie werden feststellen, dass es keine unnötigen Wiederholungen gibt, keine Posen, die andere beeindrucken sollen, wie es manchmal geschieht. Er verbindet redegewandt einfache Wörter. Er betet als demütiger, vertrauensvoller Sohn, der seinen geliebten Vater im Himmel gut kennt. Er weiß mit Sicherheit, dass der Herr dann antworten wird, wenn es am nötigsten ist. Jedes Gebet ist auf seinen Zweck zugeschnitten. Er sagt deutlich, wofür eine Lösung gebraucht wird, und dankt auch ausführlich für konkrete Segnungen, die er als solche anerkennt. Seine spontanen Gebete sind wie geschliffene Juwelen, ein stiller Zeuge für die große Bedeutung, die das Gebet in seinem Leben schon seit vielen Jahren hat.

Wie erhalten wir Antwort auf unsere Gebete?

Einige Wahrheiten darüber, wie wir Antwort auf unsere Gebete erhalten, sind vielleicht hilfreich.

Wenn wir um Hilfe in einer wichtigen Sache beten, schickt uns der himmlische Vater häufig sanfte Eingebungen, die erfordern, dass wir nachdenken, Glauben ausüben, arbeiten, manchmal auch kämpfen und dann handeln. Es ist ein schrittweiser Vorgang, der es uns ermöglicht, inspirierte Antworten zu erkennen.

Ich habe festgestellt, dass das, was uns manchmal als undurchdringliche Wand erscheint, die jede Verständigung blockiert, tatsächlich ein großer Schritt ist, den wir vertrauensvoll gehen müssen. Selten werden Sie sofort eine vollständige Antwort erhalten. Sie kommt Stück für Stück, portionsweise, sodass Ihre Fähigkeiten erweitert werden. Wenn Sie jedes Stück glaubensvoll umsetzen, werden Sie zum nächsten geführt, bis Sie dann die ganze Antwort haben. Dieser Vorgang erfordert, dass Sie daran glauben, dass unser Vater Ihnen antworten kann. Auch wenn es manchmal schwer ist, so führt dies doch zu bedeutendem persönlichen Wachstum.

Er wird Ihre Gebete immer erhören und wird stets darauf antworten. Allerdings wird er selten antworten, während Sie noch auf den Knien sind und beten, auch wenn Sie um eine sofortige Antwort ringen. Vielmehr wird er Ihnen in einem stillen Augenblick etwas eingeben, wenn der Geist am besten Ihren Verstand und Ihr Herz erreichen kann. Daher brauchen Sie Zeiten der Ruhe, damit Sie es erkennen können, wenn Sie unterwiesen und gestärkt werden. Seine Vorgehensweise bringt Sie dazu, zu wachsen.

Präsident David O. McKay hat bezeugt: „Es ist richtig, dass die Antwort auf unsere Gebete nicht immer so direkt und zu der Zeit, auch nicht auf die Weise, erfolgt, wie wir es erwarten; aber die Antwort kommt, und zwar zu einer Zeit und auf eine Weise, wie es für den, der die Bitte ausspricht, am besten ist.“3 Seien Sie dankbar, dass Gott Sie manchmal lange Zeit ringen lässt, ehe die Antwort kommt. Ihr Charakter wird gestärkt, Ihr Glaube nimmt zu. Es gibt einen Zusammenhang zwischen diesen beiden: Je größer Ihr Glaube ist, desto stärker ist Ihr Charakter, und ein stärkerer Charakter vergrößert Ihre Fähigkeit, noch mehr Glauben auszuüben.

Gelegentlich erhalten Sie auch eine Antwort, ehe Sie überhaupt fragen. Das kann geschehen, wenn Ihnen eine Gefahr nicht bewusst ist oder Sie etwas Falsches tun und irrtümlicherweise meinen, es sei richtig.

Es ist wirklich schwer, wenn ein aufrichtiges Gebet um etwas, was man sich sehr wünscht, nicht so erhört wird, wie man es gern hätte. Man kann nur schwer verstehen, dass das erhoffte Ergebnis ausbleibt, obwohl man doch tiefen und aufrichtigen Glauben übt und gehorsam ist. Jesus hat gelehrt: „Was auch immer ihr den Vater in meinem Namen bittet, das wird euch gegeben werden, was für euch ratsam ist.“4 Manchmal ist es schwer zu verstehen, was für uns auf lange Sicht am besten oder ratsam ist. Ihr Leben wird leichter, wenn Sie akzeptieren, dass das, was Gott in Ihrem Leben tut, zu Ihrem ewigen Besten ist.

Sie sind angehalten, nach Antworten auf Ihre Gebete zu trachten.5 Halten Sie sich an den Rat des Meisters: „Du musst es mit deinem Verstand durcharbeiten.“6 Häufig wird Ihnen eine Lösung einfallen. Wenn Sie dann um die Bestätigung bitten, dass Ihre Antwort richtig ist, erhalten Sie Hilfe. Das kann durch Ihre Gebete geschehen oder als Eingebung vom Heiligen Geist und manchmal durch den Einfluss anderer.7

Dieser Rat hinsichtlich des Gebets, der Oliver Cowdery gegeben wurde, kann auch Ihnen helfen: „Siehe, … du hast gemeint, ich würde es dir geben, obschon du dir keine Gedanken gemacht hast, außer mich zu bitten. …

Du musst es mit deinem Verstand durcharbeiten; dann … mich fragen, ob es recht ist, und wenn es recht ist …, [wird] dein Herz in dir [brennen]; darum wirst du fühlen, dass es recht ist.“8

Dann kommt die Antwort als Gefühl, verbunden mit Gewissheit. Der Erretter nennt zwei verschiedene Arten: „Ich werde es dir in deinem Verstand und in deinem Herzen durch den Heiligen Geist sagen.“9

Antworten an den Verstand und das Herz sind Botschaften des Heiligen Geistes an unseren Geist. Für mich ist eine Antwort an den Verstand sehr konkret, wie diktierte Worte, während eine Antwort an das Herz eher ein allgemeines Gefühl ist, beispielsweise, dass ich mehr beten soll.10

Dann stellt der Herr klar: „Wenn es [was du dem Herrn vorlegst] aber nicht recht ist, wirst du … eine Gedankenstarre haben.“11 Bei mir ist das ein beunruhigendes, unangenehmes Gefühl.

Oliver Cowdery wurde noch eine andere Möglichkeit gezeigt, wie man eine zustimmende Antwort erhält: „Habe ich deinem Sinn nicht Frieden in dieser Angelegenheit zugesprochen?“12 Das Gefühl des Friedens ist die häufigste Bestätigung, die ich persönlich erlebt habe. Wenn mir eine wichtige Sache viele Sorgen bereitete und ich ohne Erfolg um eine Lösung rang, dann setzte ich voller Glauben diese Bemühungen fort. Später kam ein alles durchdringender Friede, der meine Sorgen wegnahm, wie der Herr es verheißen hat.

Einige Missverständnisse über das Gebet kann man klären, wenn man erkennt, dass in den heiligen Schriften zwar Grundsätze für wirksame Gebete erklärt werden, jedoch nicht gesagt wird, wann die Antwort gegeben wird. Der Herr antwortet eigentlich immer auf eine von drei Arten. Erstens können Sie den Frieden, den Trost und die Sicherheit fühlen, dass Ihre Entscheidung richtig ist. Oder zweitens: Sie haben dieses ruhelose Gefühl, eine Gedankenstarre, die zeigt, dass Ihre Entscheidung falsch ist. Oder drittens – und das ist der schwierige Fall: Sie können keine Antwort wahrnehmen.

Was machen Sie, wenn Sie sich gut vorbereitet haben, inbrünstig gebetet haben, eine angemessene Zeit auf eine Antwort gewartet haben und trotzdem keine Antwort empfinden? Sie können Ihre Dankbarkeit ausdrücken, wenn das geschieht, denn es ist ein Beweis seines Vertrauens. Wenn Sie würdig leben und Ihre Entscheidung mit den Lehren des Erlösers übereinstimmt und Sie handeln müssen, dann fahren Sie vertrauensvoll fort. Wenn Sie für die Eingebungen des Geistes empfänglich sind, wird das eine oder andere sicherlich zur gegebenen Zeit eintreten: Entweder wird eine Gedankenstarre folgen, als Hinweis auf eine falsche Entscheidung, oder Sie werden den Frieden oder das Brennen im Herzen fühlen, das bestätigt, dass Ihre Entscheidung richtig war. Wenn Sie rechtschaffen leben und vertrauensvoll handeln, wird Gott Sie nicht zu weit gehen lassen, ohne Sie zu warnen, wenn Sie die falsche Entscheidung getroffen haben.

Dankbarkeit für die Gabe des Gebets

Ein wichtiger Aspekt beim Gebet ist Dankbarkeit. Jesus hat gesagt: „Und in nichts beleidigt der Mensch Gott, … ausgenommen diejenigen, die nicht seine Hand in allem anerkennen und nicht seinen Geboten gehorchen.“13 Wenn wir über die unvergleichliche Gabe des Gebets nachdenken und die unbegrenzten Segnungen, die daraus hervorgehen, werden unser Verstand und unser Herz von aufrichtiger, überfließender Dankbarkeit erfüllt. Sollten wir daher nicht beständig und von ganzem Herzen, so gut es nur geht, unserem geliebten Vater unsere grenzenlose Dankbarkeit bekunden für die erhabene Gabe des Gebets und für seine Antworten, die unseren Bedürfnissen gerecht werden und uns gleichzeitig anspornen zu wachsen?

Ich bezeuge, dass unser Vater Ihnen immer auf die Art und zu der Zeit Antwort gibt, wie es für Sie in ewiger Hinsicht am besten ist. Im Namen Jesu Christi. Amen.

  1. LuB 19:28

  2. „O Gott, unser ewiger Vater, du großer Richter aller Völker, der du der Herrscher des Universums bist, der du unser Vater und Gott bist und dessen Kinder wir sind: Wir blicken in dieser finsteren, ernsten Zeit glaubensvoll zu dir auf. Bitte, lieber Vater, segne uns mit Glauben. Segne uns mit Liebe. Segne uns mit Nächstenliebe im Herzen. Segne uns mit dem Geist der Ausdauer, damit wir die schrecklichen Übel in der Welt ausmerzen können. Beschütze und führe diejenigen, die aktiv am Kriegsgeschehen beteiligt sind. Segne sie, bewahre ihr Leben, schütze sie, dass sie nicht Schaden nehmen und kein Übel sie befällt. Erhöre die Gebete ihrer Angehörigen, die um ihre Sicherheit beten. Wir beten für die großen Demokratien auf Erden, über die du gewacht hast, als ihre Regierungen entstanden sind, und in denen Frieden und Freiheit und demokratische Verfahrensweisen hochgehalten werden.

  3. Frühjahrs-Generalkonferenz 1969

  4. LuB 88:64, Hervorhebung hinzugefügt; siehe auch Vers 63,65

  5. Siehe LuB 6:23,36; LuB 8:2,3,10; LuB 9:9

  6. LuB 9:8

  7. Siehe Spencer W. Kimball, The Teachings of Spencer W. Kimball, Hg. Edward L. Kimball, 1982, Seite 252

  8. LuB 9:7,8; Hervorhebung hinzugefügt

  9. LuB 8:2; Hervorhebung hinzugefügt

  10. Siehe Enos 1:3-5,9,10

  11. LuB 9:9

  12. LuB 6:23; Hervorhebung hinzugefügt

  13. LuB 59:21