2000–2009
„Ich bin rein“
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„Ich bin rein“

Seien Sie rein – was Sprache, Gedanken, Körper und Kleidung betrifft.

Liebe Brüder im Priestertum, es ist inspirierend, in die Gesichter der 21 000 zu blicken, die sich hier im Konferenzzentrum versammelt haben. Dabei weiß ich, dass in aller Welt Millionen weitere in Gemeindehäusern und an anderen Orten versammelt sind. Ich bedauere, dass ich zu einer Zeit, in der das Leben immer aufregender wird, so alt bin.

Wie Sie alle wissen, wurde ich vor zwölf Jahren als Präsident der Kirche ordiniert und eingesetzt, genauer gesagt am 12. März 1995. Elder Ballard hat einige Zahlen zu diesen zwölf Jahren zusammengetragen. Ich zitiere aus seiner Aufstellung:

  • 387.750 Missionare sind auf Mission gegangen, das entspricht etwa 40 Prozent aller Missionare, die bisher in dieser Evangeliumszeit gedient haben – das sind 40 Prozent in den letzten 12 von 177 Jahren, seit die Kirche gegründet wurde.

  • 3.400.000 Bekehrte haben sich taufen lassen, was mehr als einem Viertel der momentanen Gesamtzahl der Mitglieder der Kirche entspricht.

  • Die Gesamtzahl der Missionen der Kirche ist von 303 auf 344 gestiegen, drei weitere werden bald dazukommen.

  • Die Aktiverhaltung, gemessen an der Anwesenheit in der Abendmahlsversammlung, Ordinierungen im Priestertum und der Zehntentreue, hat sich deutlich verbessert.

Und auch wenn dies alles äußerst bedeutend ist, bin ich überzeugt, dass mit ein wenig mehr Hingabe diese wunderbare nahe Vergangenheit nur der Prolog für eine noch bessere Zukunft sein könnte.

Lassen Sie uns alle die Schulter an das Rad stemmen; schieben und erfüllen wir unsere Pflicht mit Gesang. Für dieses Werk ist Arbeit notwendig, niemand darf sich drücken, stemmen Sie die Schulter an das Rad und schieben Sie mit. (Siehe „Stemmt die Schulter an das Rad“, Gesangbuch, Nr. 165.)

Ich möchte mich jetzt einem anderen Thema zuwenden. Ich habe darüber vor vielen Jahren schon einmal gesprochen. Ich wiederhole es, denn diejenigen, die es gehört haben, haben es schon längst wieder vergessen, und diejenigen, die es nicht gehört haben, müssen es hören. Es geht um Präsident Joseph F. Smith, der von 1901 bis 1918, insgesamt also 17 Jahre lang, Präsident der Kirche war.

Joseph F. Smith war der Sohn von Hyrum Smith, dem Bruder des Propheten Joseph, der mit diesem zusammen in Carthage ermordet worden war. Joseph F. wurde am 13. November 1838 in Far West, Missouri, geboren. Er war noch ein Säugling, als er Missouri verließ. Als kleiner Junge, noch nicht einmal sechs Jahre alt, hörte er ein Klopfen am Fenster des Hauses seiner Mutter in Nauvoo. Es war ein Mann, der in aller Eile von Carthage geritten kam und Schwester Smith mitteilte, dass ihr Mann an diesem Nachmittag getötet worden war.

Als er neun war, fuhr er mit seiner Mutter ein Ochsengespann über die Prärie in das Salzseetal. Mit 15 Jahren wurde er auf Mission nach Hawaii berufen. Er fuhr nach San Francisco und arbeitete dort in einer Fabrik für Dachschindeln, um sich das Geld für eine Schiffsreise zu den Inseln zu verdienen.

Damals war Hawaii noch kein Touristenzentrum. Es war von den eingeborenen Hawaiianern bewohnt, die meistenteils arm waren, aber großzügig mit dem, was sie hatten. Er erlernte ihre Sprache und schloss sie ins Herz. Während er dort diente, hatte er einen bemerkenswerten Traum. Ich zitiere aus seinem Bericht darüber. Er erzählt:

„Während meiner Mission war ich sehr niedergeschlagen. Ich war fast nackt und hatte keine Freunde außer einem armen, unwissenden … Volk. Ich fühlte mich minderwertig, weil ich arm, dumm und unwissend war, bloß ein Junge, der es kaum wagte, einem … Menschen ins Gesicht zu blicken.

Während ich mich also in diesem Zustand befand, träumte ich [eines Nachts], ich sei auf einer Reise, und ich hatte den Eindruck, ich müsse mich beeilen – mit ganzer Kraft beeilen, weil ich fürchtete, ich käme zu spät. Ich eilte so schnell wie möglich vorwärts, und so weit ich weiß, trug ich nur ein kleines Bündel bei mir, ein Tuch, in das etwas eingewickelt war. Ich beeilte mich, so sehr ich konnte, und ich wusste nicht …, was ich da bei mir trug. Endlich kam ich zu einem wunderschönen Haus. … Irgendwie wusste ich, dass ich am Ziel war. Ich ging darauf zu, so schnell ich konnte, da sah ich ein Schild, [auf dem] ‚Bad‘ [stand]. Ich ging schnell in das Bad und wusch mich, bis ich rein war. Ich öffnete das kleine Bündel, das ich bei mir hatte, und fand darin weiße, saubere [Kleidung]; so etwas hatte ich schon lange nicht mehr gesehen, denn die Menschen, bei denen ich mich aufhielt, hielten nicht viel davon, etwas übermäßig sauber zu machen. Aber diese [Kleidung war] sauber und ich zog [sie] an. Dann eilte ich aufetwas zu, was wie eine große Öffnung, eine Tür, aussah. Ich klopfte, und die Tür ging auf, und der Mann, der dort stand, war der Prophet Joseph Smith. Er sah mich ein bisschen vorwurfsvoll an, und als Erstes sagte er: ‚Joseph, du kommst spät.‘ Aber ich fasste Mut und [erwiderte]:

‚Ja. Aber ich bin rein – ich bin rein!‘

Da fasste er mich an der Hand und zog mich in das Zimmer, und hinter mir schloss sich die Tür. Ich spürte seine Hand so deutlich, wie ich je die Hand eines Menschen gespürt hatte. Ich kannte ihn, und als ich eintrat, sah ich meinen Vater und Brigham [Young] und Heber [C. Kimball] und Willard [Richards] und andere gute Männer, die ich gekannt hatte, in einer Reihe stehen. Es kam mir so vor, als schaute ich über dieses Tal hinweg, und es schien mit vielen, vielen Menschen gefüllt zu sein, aber hier waren alle Menschen, die ich gekannt hatte. Meine Mutter saß dort mit einem Kind auf dem Schoß; ich sah mehr Leute dort sitzen, als ich mit Namen nennen könnte, und sie schienen alle zu den Erwählten, den Erhöhten zu gehören. …

[Als ich diesen Traum hatte,] lag ich allein auf einer Matte, hoch oben in den Bergen von Hawaii – niemand war bei mir. Aber in der Vision drückte ich die Hand des Propheten, und ich sah ihn über das ganze Gesicht lächeln. …

Als ich am Morgen erwachte, war ich ein Mann, auch wenn ich [noch immer] nur ein Junge war. [Danach] fürchtete ich nichts mehr auf der Welt. Ich konnte jedem Mann, jeder Frau, jedem Kind ins Gesicht sehen – in dem tiefen Bewusstsein, dass ich ein ganzer Mann war. Diese Vision, diese Kundgebung, das Zeugnis, das mir damals zuteil wurde, hat mich zu dem gemacht, was ich bin, wenn ich denn überhaupt gut, rein und untadelig vor dem Herrn bin, wenn es denn etwas Gutes in mir gibt. Das hat mir in jeder Prüfung und in jeder Schwierigkeit geholfen.“ (Gospel Doctrine, 5. Auflage, 1939, Seite 542f.)

Der Kern dieses bedeutenden Traums liegt in dem Tadel, den Joseph Smith an den jungen Mann richtete. Der Prophet sagte: „Joseph, du kommst spät.“

Und Joseph F. Smith entgegnete: „Ja. Aber ich bin rein – ich bin rein!“

Infolge des Traums wurde aus dem Jungen ein Mann. Seine Aussage „Ich bin rein“ schenkte ihm Zuversicht und Mut, und zwar gegenüber jedem Menschen und in jeder Situation. Ihm wurde die Stärke zuteil, die mit einem guten Gewissen einhergeht, worin ihn der Prophet Joseph Smith ja noch bestärkt hatte.

In diesem prophetischen Traum steckt etwas für jeden Mann und jeden Jungen, der heute Abend in dieser großen Versammlung sitzt. Eine alte Redensart unter uns besagt: „Reinlichkeit kommt gleich nach Göttlichkeit.“

Der Prophet Jesaja hat gesagt:

„Wascht euch, reinigt euch! Lasst ab von eurem üblen Treiben! Hört auf, vor meinen Augen Böses zu tun!

Lernt, Gutes zu tun! …

Kommt her, wir wollen sehen, wer von uns Recht hat, spricht der Herr. Wären eure Sünden auch rot wie Scharlach, sie sollen weiß werden wie Schnee. Wären sie rot wie Purpur, sie sollen weiß werden wie Wolle.“ (Jesaja 1:16-18.)

In einer neuzeitlichen Offenbarung hat der Herr gesagt: „Seid rein, die ihr die Gefäße des Herrn tragt.“ (LuB 133:5.)

In einer Welt, die sich im Schmutz suhlt, seien Sie rein – was Sprache, Gedanken, Körper und Kleidung betrifft.

Ich sage einem jeden von Ihnen: Seien Sie rein in Ihrer Redeweise. Es gibt in unserer Zeit so viele schmutzige, niedere Ausdrücke. Wenn Sie sich nicht auf reine Weise ausdrücken können, ist das ein Zeichen dafür, dass Sie nur über einen sehr begrenzten Wortschatz verfügen. Als Jahwe die Steintafeln beschrieb, sagte er den Kindern Israels: „Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr lässt den nicht ungestraft, der seinen Namen missbraucht.“ (Exodus 20:7.)

Der Herr hat dieses Gebot in einer neuzeitlichen Offenbarung bekräftigt: „Denkt daran: Das, was von oben kommt, ist heilig und muss mit Sorgfalt und unter dem Drängen des Geistes gesprochen werden.“ (LuB 63:64.)

Haben Sie reine Gedanken. Der Herr hat gesagt: „Lass alles in Reinlichkeit vor mir geschehen.“ (LuB 42:41.)

Ein schmutziger Sinn tut sich in schmutziger und gotteslästerlicher Redeweise kund. Ein reiner Sinn zeigt sich in einer Redeweise, die positiv und aufbauend ist, und in Taten, die das Herz glücklich machen.

Seien Sie rein, was den Körper, die Kleidung und das Benehmen betrifft. Lassen Sie sich nicht tätowieren. Wenn Sie es doch tun, werden Sie es eines Tages bereuen. Eine Tätowierung lässt sich nur durch eine schmerzhafte und teure Prozedur entfernen.

Seien Sie rein, gepflegt und ordentlich. Schlampige Kleidung führt zu schlampigem Benehmen. Mir ist nicht so wichtig, was Sie tragen, sondern vielmehr, dass es sauber und ordentlich ist. Denken Sie an den Traum von Joseph F. Smith. Als er auf das Haus zueilte, hatte er ein in ein kleines Tuch gewickeltes Bündel dabei. Als er sich badete und es öffnete, stellte er fest, dass es saubere Kleidung enthielt. Wann immer Sie das Abendmahl segnen oder austeilen, sehen Sie so gut aus, wie Sie nur können. Achten Sie darauf, dass Sie rein sind.

Und so, meine lieben Brüder, könnte ich fortfahren. Ich könnte mit Ihnen darüber sprechen, was im Internet geschieht und wie die Nutzung von Computern zu entwürdigenden Gedanken und Taten führen kann. Es genügt zu sagen, dass dies für Sie, die Sie das Priestertum Gottes tragen, völlig indiskutabel ist. Sie sind seine erwählten Knechte, Sie sind zu etwas Heiligem und Wunderbarem ordiniert. Sie können nicht in der Welt leben und an der Lebensweise der Welt teilhaben. Sie müssen über dem allen stehen.

Nun, meine lieben Brüder, möge der Herr Sie segnen. Euch Jungen sage ich: Bringt eure Ausbildung voran. Wenn ihr heiratet, habt ihr die Pflicht, für eure Familie zu sorgen. Vor euch liegt eine Welt voller Möglichkeiten, und Bildung ist der Schlüssel, der die Tür dorthin öffnet. Es wird die Tür des Hauses sein, von dem Joseph F. Smith träumte, als er als Junge auf einem Berg in Hawaii schlief.

Gott segne Sie, meine lieben Brüder! Sprechen Sie mit dem Herrn im Gebet. Pflegen Sie das Verhältnis zu ihm, Sie sind von seiner Art. Er ist der Allmächtige, der die Macht hat, uns emporzuheben und zu helfen. Ich bete darum, dass dies so sein möge. Im Namen Jesu Christi. Amen.