2000–2009
Dankbarkeit – ein Pfad ins Glück
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Dankbarkeit – ein Pfad ins Glück

Dankbarkeit ist ein vom Geist durchdrungener Grundsatz. Sie erschließt unserem Verständnis ein Universum, in dem die Erhabenheit eines lebendigen Gottes allgegenwärtig ist.

Heute Nachmittag habe ich die Ehre, an der Stelle jener FHV-Führerinnen zu stehen, die hier in diesem Tabernakel die Lehren des Reiches lehrten, die Bedeutung der Rolle der Frau zu Hause und in der Familie betonten, einander zum wohltätigen Dienst aufriefen und ihre Schwestern an die Freude erinnerten, die einem rechtschaffenen Leben entspringt.

1870 stellte Eliza R. Snow tausenden Frauen von diesem Rednerpult aus eine Frage, die ich heute gern wiederholen möchte: „Kennt ihr irgendeinen Ort auf der Erde, wo eine Frau mehr Freiheit besitzt und wo sie so große und herrliche Vorzüge genießt wie hier als Heilige der Letzten Tage?“1 Ich gebe Zeugnis davon, dass die Frauen der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage wahrlich große und herrliche Vorzüge genießen.

Ein Korb mit Segnungen

Ich möchte Ihnen eine zu Herzen gehende Geschichte erzählen. Eine Familie machte eine schwere Zeit durch. Sie hatte Mühe, sich von ihren Problemen abzulenken. Die Mutter schrieb: „Unsere Welt war ein Scherbenhaufen, deshalb wandten wir uns um Führung an den himmlischen Vater. Fast augenblicklich bemerkten wir, dass wir von Güte umgeben waren und von allen Seiten angespornt wurden. Als Familie begannen wir, sowohl einander als auch dem Herrn täglich unseren Dank auszudrücken. Ein enger Freund machte mich darauf aufmerksam, dass der ‚Korb‘ mit Segnungen für unsere Familie am Überquellen war. Aus diesem Gespräch entwickelte sich eine Art Spiel, das meine Kinder und ich richtig lieb gewannen. Jeden Abend vor dem Familiengebet sprachen wir darüber, wie unser Tag verlaufen war, und erzählten einander von den vielen Segnungen, die in unserem ‚Korb mit Segnungen‘ dazugekommen waren. Je mehr Dankbarkeit wir zum Ausdruck brachten, desto mehr gab es, wofür man dankbar sein konnte. Wir spürten die Liebe Gottes besondersdeutlich, als sich Gelegenheiten boten, an denen wir wachsen konnten.“2

Wie könnte Ihre Familie von so einem „Korb mit Segnungen“ profitieren?

Ein vom Geist durchdrungener Grundsatz

Dankbarkeit erfordert Bewusstsein und Anstrengung; es reicht nicht, sie zu empfinden, man muss sie auch ausdrücken. Häufig erkennen wir die Hand des Herrn nicht. Wir murren, beschweren uns, widersetzen uns, kritisieren; sehr oft sind wir nicht dankbar. Im Buch Mormon steht, dass jemand, der murrt, „das Walten jenes Gottes nicht [erkennt], der [ihn] erschaffen [hat]“.3 Der Herr mahnt uns, nicht zu murren, weil es sonst für den Geist schwer ist, auf uns einzuwirken.

Dankbarkeit ist ein vom Geist durchdrungener Grundsatz. Sie erschließt unserem Verständnis ein Universum, in dem die Erhabenheit eines lebendigen Gottes allgegenwärtig ist. Dadurch wird uns geistig bewusst, welch Wunder auch die kleinsten Dinge sind, die unser Herz mit ihrer Botschaft von der Liebe Gottes erfreuen. Dieses dankbare Bewusstsein macht uns empfänglicher für göttliche Führung. Wenn wir Dankbarkeit ausdrücken, können wir vom Geist erfüllt sein und uns unseren Mitmenschen und dem Herrn verbunden fühlen. Dankbarkeit macht glücklich und trägt einen göttlichen Einfluss in sich. „[Lebt in Danksagung] an jedem Tag“, sagte Amulek, „für all die große Barmherzigkeit und die vielen Segnungen, die er euch zuteil werden lässt.“4

Barmherzigkeit und Segnungen kommen in verschiedener Form – manchmal als Schwierigkeiten. Und doch sagt der Herr: „Du sollst dem Herrn, deinem Gott, in allem danken.“5In allem bedeutet genau das: Gutes und Schwieriges – nicht nur ein paar Sachen. Der Herr hat uns geboten, dankbar zu sein, weil er weiß, dass uns dies glücklich macht. Dies ist ein weiterer Beweis seiner Liebe.

Wie fühlen Sie sich, wenn Ihnen jemand seinen Dank ausdrückt? Einmal saß ich sonntags in der FHV neben einer Schwester und lernte sie ein bisschen besser kennen. Ein paar Tage später bekam ich eine E-Mail: „Danke, dass Sie sich in der FHV neben meine Tochter gesetzt haben. Sie haben Ihren Arm um sie gelegt. Sie können sich nicht vorstellen, wie viel das ihr und mir bedeutet hat.“6 Die Worte dieser Mutter überraschten mich und machten mich glücklich.

Wie fühlen Sie sich, wenn Sie jemand anderem Ihren Dank ausdrücken? Ich würde gerne jemandem Dank sagen, dem etwas an meinen Enkeln liegt. Vor ein paar Monaten, als ich in Texas war, bat ich den sechsjährigen Thomas, mir etwas von seinem Bischof zu erzählen. Er sagte: „O, Großmutter, den erkennst du. Er trägt einen dunklen Anzug, ein weißes Hemd wie Papa, und er hat glänzende Schuhe und eine rote Krawatte. Er trägt eine Brille und lächelt immer.“ Ich erkannte Thomas‘ Bischof, sobald ich ihn sah. Mein Herz war von Dankbarkeit für ihn erfüllt. Vielen Dank, Bischof Goodman, und vielen Dank an all Sie wunderbaren Bischöfe.

Ein Ausdruck des Glaubens

In Lukas, Kapitel 17, wird beschrieben, was der Erretter erlebte, als er zehn Aussätzige heilte. Wie Sie wissen, kam nur einer der rein gewordenen Aussätzigen zurück, um sich zu bedanken. Ist es nicht interessant, dass der Herr nicht sagte: „Deine Dankbarkeit hat dir geholfen“? Stattdessen sagte er: „Dein Glaube hat dir geholfen.“7

Die Dankbarkeit, die der Aussätzige zum Ausdruck brachte, wurde vom Erretter als ein Ausdruck seines Glaubens anerkannt. Wenn wir beten und dem himmlischen Vater, den wir zwar nicht sehen, der uns aber liebt, danken, bringen wir auch unseren Glauben an ihn zum Ausdruck. Wenn wir dankbar sind, erkennen wir die Hand des Herrn in unserem Leben frohen Herzens an; es ist ein Ausdruck unseres Glaubens.

Dankbarkeit in Drangsal: Verborgene Segnungen

1832 sah es der Herr als notwendig an, die Kirche auf kommende Drangsal vorzubereiten. Drangsal ist beängstigend. Und doch hat der Herr gesagt: „Seid guten Mutes, denn ich werde euch weiter führen. Das Reich ist euer, und seine Segnungen sind euer, und die Reichtümer der Ewigkeit sind euer.

Und wer alles mit Dankbarkeit empfängt, der wird herrlich gemacht werden.“8

Die Art Dankbarkeit, die sogar Drangsal mit Danksagung aufnimmt, erfordert ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist; die Demut, das hinzunehmen, was man nicht ändern kann; die Bereitschaft, alles dem Herrn zu überlassen, selbst, wenn man es nicht versteht, und Dankbarkeit für verborgene Gelegenheiten, die sich noch zeigen müssen. Dann stellt sich innerer Friede ein.

Wann haben Sie dem Herrn zum letzten Mal für eine Prüfung oder Drangsal gedankt? Not zwingt uns auf unsere Knie; kann Dankbarkeit für Widrigkeiten das ebenfalls bewirken?

Präsident David O. McKay hat festgestellt: „In der bitteren Kälte der Not finden wir den wahren Test unserer Dankbarkeit …, die … über das Oberflächliche im Leben hinausgeht, sei es betrüblich oder erfreulich.“9

Zum Abschluss

Ihnen, meinen wundervollen, treuen Schwestern in der Kirche, danke ich, dass Sie die Liebe des Herrn weitergeben, indem Sie auf vielerlei Weise dienen: dass Sie sich der Familien annehmen, die einen lieben Menschen durch den Tod verloren haben; dass Sie als Besuchslehrerinnen aufeinander Acht geben, dass Sie bereit sind, in der PV Kindern ein Zeugnis ins Herz zu pflanzen; dass Sie sich die Zeit nehmen, die Jungen Damen auf das Erwachsensein vorzubereiten. Danke für Ihre Hingabe. Ich habe durch Ihre Glaubenstreue die Liebe des Herrn erfahren. Es war mir ein Segen, unter Ihnen zu dienen; mein Herz fließt vor Dankbarkeit und Liebe zu Ihnen über. Ich empfinde tiefe Dankbarkeit für die Brüder des Priestertums, mit denen ich gedient habe.

Meine tiefste Dankbarkeit gilt meinem Erlöser, einem gehorsamen Sohn, der alles ausführte, was sein Vater ihm auftrug, und der für jeden von uns gesühnt hat. Wenn ich an ihn denke und mir bewusst mache, wie gütig er ist, möchte ich so sein wie er. Mögen wir damit gesegnet werden, dass wir jeden Tag die Liebe des Herrn spüren. „Dank sei Gott für sein unfassbares Geschenk.“10 In seinem heiligen Namen – Jesu Christi. Amen.