2000–2009
Töchter des himmlischen Vaters
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Töchter des himmlischen Vaters

Der himmlische Vater kennt und liebt euch. Ihr seid seine besonderen Töchter. Er hat einen Plan für euch.

Unser Schwiegersohn sagte seiner 3-jährigen Tochter Eliza, dass sie beim Familienabend über ein ganz besonderes Thema sprechen würden. Sie begann zu strahlen und versuchte, die Überraschung zu erraten. „Dann wird es wohl um mich gehen“, meinte sie, „denn ich bin etwas ganz Besonderes!“ Eliza weiß genau, wer sie ist – ein ganz besonderes Kind Gottes. Das hat sie von ihrer Mutter gelernt, die Eliza von klein auf unser Eröffnungslied, „Ich bin ein Kind von Gott“ (Gesangbuch, Nr. 202), als Schlaflied gesungen hat.

Auf der ganzen Welt und in fast jeder Sprache erklären Junge Damen zwischen 12 und 18 Jahren das Gleiche: „Wir sind Töchter unseres himmlischen Vaters, der uns liebt und den wir lieben.“ („Der JD-Leitgedanke“, Mein Fortschritt: Programm für Junge Damen, Seite 5,) Wenn sie jedoch älter werden, wird ihnen oft das selbstsichere Wissen der dreijährigen Eliza fremd, dass sie etwas ganz Besonderes sind. Jugendliche durchleben oft eine Identitätskrise, in der sie sich fragen, wer sie wirklich sind. Wenn sie Teenager sind, findet auch eine Art „Identitätsdiebstahl“ statt, denn die weltlichen Vorstellungen, Philosophien und Täuschungen verwirren uns, werfen uns hin und her und versuchen, uns des Wissens um unsere wahre Identität zu berauben.

Eine wunderbare Junge Dame sagte zu mir: „Manchmal bin ich mir nicht sicher, wer ich bin. Ich kann die Liebe des himmlischen Vaters nicht spüren. Mein Leben erscheint mir schwer. Die Dinge entwickeln sich nicht so, wie ich es wollte, wie ich es mir erhofft und erträumt habe.“ Jeder einzelnen Jungen Dame sage ich heute, was ich ihr damals sagte: Ich weiß ohne Zweifel, dass du eine Tochter Gottes bist. Er kennt dich, er liebt dich und er hat einen Plan für dich. Ich weiß, dass der himmlische Vater möchte, dass ich euch dies sage.

Die neuzeitlichen Propheten und Apostel bezeugen unser göttliches Wesen. In der Proklamation an die Welt über die Familie heißt es: „Jeder [von uns] ist ein geliebter Geistsohn beziehungsweise eine geliebte Geisttochter himmlischer Eltern und hat dadurch ein göttliches Wesen und eine göttliche Bestimmung.“ (Liahona, Oktober 2004, Seite 49.) Auch Präsident Gordon B. Hinckley hat gesagt:

„Niemand kommt euch gleich. Ihr seid Töchter Gottes.

Etwas Schönes, Heiliges und Göttliches ist euch mitgegeben. Vergesst das nie. Euer ewiger Vater ist der große Herr des Universums. Er herrscht über alles, und doch hört er die Gebete seiner Töchter, und er achtet auf das, was ihr ihm sagt. Er erhört eure Gebete. Er lässt euch nicht allein.“ („Bleibt auf dem rechten Weg“, Liahona, Mai 2004, Seite 112.)

Wenn ihr die Erkenntnis, dass ihr eine Tochter Gottes seid, tief in eurer Seele verankert, wird sie euch zum Trost, stärkt euren Glauben und beeinflusst euer Verhalten. Wenn ihr diese tugendhafte Wahrheit immerfort eure Gedanken zieren lasst, werdet ihr Vertrauen in der Gegenwart Gottes haben, wie das Motto für die gemeinsamen Aktivitäten verspricht (siehe LuB 121:45).

Wie kann jede von uns wissen und spüren, dass sie eine Tochter des himmlischen Vaters ist? Zwischen Himmel und Erde befindet sich, sobald wir geboren sind, ein Schleier, ein „Schlaf und ein Vergessen“ (William Wordsworth, „Ode: Intimations of Immortality from Recollections of Early Childhood“, 5. Strophe, Zeile 58). Dies ist notwendig, denn so können wir „die Erfahrungen des irdischen Lebens machen, um [uns] auf die Vollkommenheit hin weiterzuentwickeln und letztlich als Erben ewigen Lebens [unsere] göttliche Bestimmung zu verwirklichen.“ (Liahona, Oktober 2004, Seite 49.) Der himmlische Vater liebt uns und möchte uns helfen, an ihn zu denken; deshalb gewährt er uns Einblicke in die Ewigkeit. Der Apostel Paulus lehrte: „So bezeugt der Geist selber unserem Geist, dass wir Kinder Gottes sind.“ (Römer 8:16.) Der Geist gibt uns einen kleinen Einblick, wer wir wirklich sind. Oft spricht der Geist dann zu uns, wenn wir beten, in den heiligen Schriften lesen, über Gottes Barmherzigkeit nachsinnen,Priestertumssegen empfangen, anderen dienen oder deren Liebe und Bestätigung erfahren.

Mose erfuhr durch eine machtvolles geistiges Erlebnis, wer er war. Er sprach von Angesicht zu Angesicht mit Gott und erfuhr, dass er Gottes Sohn war und eine besondere Aufgabe zu erfüllen hatte. Nach diesem Erlebnis wurde Mose vom Satan bedrängt. Weil Mose jedoch die Herrlichkeit Gottes gespürt hatte, erkannte er, dass der Satan keine Herrlichkeit besaß. Da Mose wusste, dass er Gottes Sohn war und Gott einen Auftrag für ihn hatte, besaß er die Macht und die Fähigkeit, dem Satan zu widerstehen, rechtschaffene Entscheidungen zu treffen, Gott um Stärke zu bitten und weiterhin den Geist des Herrn bei sich zu haben (siehe Mose 1).

Dies lässt sich ebenso auf uns anwenden. Wenn wir erkennen und spüren, wer wir wirklich sind, können wir den Unterschied zwischen Gut und Böse erkennen und sind in der Lage, der Versuchung zu widerstehen. Eine Möglichkeit, den von Gott für uns vorgesehenen Auftrag zu verstehen, bietet sich uns durch den Patriarchalischen Segen. Er ist eine sehr konkrete persönliche Botschaft, die ein jeder von uns durch die Macht des Priestertums empfangen kann.

Eine andere Möglichkeit, geistige Einsichten über unsere ewige Natur zu erhalten, besteht darin, dass unsere Eltern oder Führer in der Kirche uns dank inspirierter Ahnungen Gewissheit geben können, wer wir wirklich sind. Der Geist hat mir gelegentlich sehr ausdrücklich etwas über die wahre Identität meiner Kinder zugeflüstert. Ich erinnere mich noch, wie ich in der Nacht, bevor eines unserer Kinder geboren wurde, das deutliche Gefühl hatte, dass dieses Baby jedem seiner Geschwister ein großartiger Freund und Helfer sein würde. Dies hat sich als absolut wahr erwiesen. Ein anderes Mal, als einer unserer Teenager sehr niedergeschlagen war, weil er in einen Autounfall verwickelt gewesen war, hörte ich im Geist deutlich folgende Worte: „Ich liebe dieses Kind und werde sein Leben führen.“ So war es auch. Solche Eindrücke hatte ich immer wieder. Wenn meine Kinder Ermutigung gebraucht haben, wurde ich mit Einblicken gesegnet, welche großartigen und edlen ewigen Geister meine Kinder doch sind.

Haben eure Mutter oder euer Vater euch jemals, wenn ihr das Haus verlassen habt, ermahnt: „Vergiss nie, wer du bist!“? Was meinen sie damit? „Denk daran, dass du zu einer Familie gehörst, deren Ruf es zu wahren gilt!“ Und, das ist sogar noch wichtiger: „Denk daran, dass du ein Kind Gottes bist und dich dementsprechend verhalten musst!“ Missionare tragen ein Namensschild als ständige Erinnerung, dass sie Repräsentanten der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind. Dadurch werden die Missionare daran erinnert, sich anständig und ansprechend zu kleiden, andere Menschen höflich zu behandeln und sich um das Abbild Christi in ihrem Gesichtsausdruck zu bemühen. Sie müssen dies tun, denn mit diesem Namensschild tragen sie ihre Identität offen zur Schau. Durch ein Bündnis haben auch wir alle den Namen Christi auf uns genommen. Sein Name sollte uns in unser Herz geschrieben sein. Und so wird auch von uns erwartet, uns wie würdige Kinder des himmlischen Vaters zu verhalten, der uns zumindest im übertragenenSinne mit der Ermahnung zur Erde gesandt hat: „Vergiss nicht, wer du bist!“

Als ich dazu berufen wurde, euch, den Jungen Damen dieser Kirche, zu dienen, wusste ich, dass ich mich entsprechend zu verhalten hatte. Eines Tages erhielt meine Tochter einen Strafzettel, weil sie ihr Auto, dessen Zulassungsplakette abgelaufen war, auf der Straße geparkt hatte. Ich nahm die Sache selbst in die Hand und marschierte in das Gebäude der Stadtverwaltung, um zu erklären, dass die Zulassungspapiere noch auf dem Postweg zu uns unterwegs waren. Als ich entschlossen durch die Tür ging, sagte jemand zu mir: „Ich weiß, wer Sie sind.“ Das ließ mich innehalten und erinnerte mich daran, dass auch ich nicht vergessen durfte, wer ich bin – nicht nur die JD-Präsidentin, sondern vor allem eine Tochter Gottes.

In allen Beziehungen müssen wir daran denken, dass die anderen ebenfalls Kinder des himmlischen Vaters sind. Als wir frisch verheiratet waren, sagte mein Mann mir des Öfteren: „Ich habe dich nicht wegen deines Aussehens geheiratet.“ Schließlich zog ich ihn ein wenig auf, indem ich antwortete: „Das klingt ja nicht besonders schmeichelhaft.“ Er erklärte mir, was ich eigentlich bereits wusste – dass dies das höchste Lob sei, das er aussprechen könne. Er sagte: „Ich liebe dich aufgrund deines wahren und ewigen Wesens.“ Der Herr hat gesagt: „Sieh nicht auf sein Aussehen und seine stattliche Gestalt, … Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“ (1 Samuel 16:7.) In der Familie, im Freundeskreis, bei Verabredungen und in der Ehe sollten wir nicht nur auf Schönheit und bisherige Leistungen achten, sondern vielmehr auf Charakter, wahre Werte und unser ererbtes göttliches Wesen.

Junge Damen in einem Pfahl in Chile taten dies bei einem Zeltlager, indem sie über die Tugenden der anderen Buch führten. Jeden Tag lernten sie sich besser kennen und schrieben die inneren Werte nieder, die ihnen an jeder der Anwesenden auffielen. Am Ende des Lagers sprachen sie über ihre Gedanken und halfen jeder Einzelnen, mehr Göttliches in sich selbst zu erkennen. Ihre Leiterin sagte: „Wir sonnten uns buchstäblich in diesem wunderbaren Geist der Güte und des guten Willens. Ich kann ehrlich sagen, dass ich keine einzige Klage von den Mädchen gehört habe! Im besonderen Geist gegenseitiger Anerkennung, der unter Mädchen im Teenageralter nicht oft zu finden ist, blühten sie förmlich auf. Es gab keine Konkurrenzkämpfe, keinen Streit. Unser Lager war ein kleines Stück Himmel geworden.“ (Persönliche Korrespondenz.) Die Mädchen erkannten und bestätigten das göttliche Wesen der anderen, und der Geist erfüllte das Zeltlager, als diesen tugendhaften Gedanken Ausdruck verliehen wurde.

Von C. S. Lewis stammt das kluge Wort: „Es ist eine ernste Angelegenheit, in einer Welt von möglichen Göttern und Göttinnen zu leben und sich ständig vor Augen zu halten, dass auch der langweiligste und uninteressanteste Mensch, mit dem wir hier zu tun haben, eines Tages ein Geschöpf sein könnte, das wir, wenn wir es jetzt schon wüssten, ernsthaft versucht wären zu verehren. … Es gibt keine gewöhnlichen Menschen. … Unser Nächster [ist] das Heiligste, was sich uns in den Weg stellt.“ (C. S. Lewis, Der Innere Ring, „Das Gewicht der Herrlichkeit“, Seite 107f.)

Junge Damen in aller Welt, die wissen, dass sie und die anderen Töchter eines liebenden himmlischen Vaters sind, zeigen, dass sie ihn lieben, indem sie ein rechtschaffenes, beispielhaftes Leben führen und anderen dienen. Ich war sehr beeindruckt von den Jungen Damen, die in einem sehr heißen und feuchten Teil von Brasilien anständige Kleidung trugen. Sie sagten: „Anstand ist keine Frage des Klimas. Es ist eine Sache des Herzens.“ Diese Jungen Damen wussten, dass sie Töchter Gottes sind.

Ich war sehr berührt, als ich erfuhr, was für gute Mitglieder die fünf Schüler aus Idaho waren, die kürzlich bei einem schrecklichen Unfall ertranken. Sie waren unter ihresgleichen und dort, wo sie wohnten, dafür bekannt gewesen, dass sie nach rechtschaffenen Grundsätzen lebten und geradezu vorbildlich tugendhaft und gesund waren. Diese Jugendlichen wussten, dass sie Söhne und Töchter Gottes sind.

Tief beeindruckt hat mich das Beispiel einer anderen Jungen Dame, deren Eltern sich scheiden ließen. Sie will nicht, dass ihr jüngerer Bruder und ihre jüngeren Schwestern sich ungeliebt fühlen, deshalb betet sie jeden Abend mit ihnen und sagt ihnen, dass sie sie liebt. Diese Junge Dame weiß, dass sie eine Tochter des himmlischen Vaters ist, der sie liebt, und sie liebt ihn, indem sie ihren Geschwistern Liebe erweist.

Ich war bewegt, als ich erfuhr, was Junge Damen in einem von Armut gezeichneten und politisch unterdrückten Gebiet der Welt taten. Trotz ihrer eigenen Schwierigkeiten trafen sich diese Jungen Damen zu einem Lager und überlegten, wie sie andere aufbauen konnten. Sie packten Hygienepäckchen für bedürftige Frauen. Sie dienten auch im Gemeinwesen, in Krankenhäusern und in Heimen. Durch ihr Verhalten zeigen diese Jungen Damen, dass sie verstanden haben, was es heißt, eine Tochter Gottes zu sein. Mein Herz quillt vor Liebe über für diese Jungen Damen und für die Jungen Damen in aller Welt. Ich weiß, dass ihr Töchter Gottes seid, der euch liebt.

Zum Abschluss möchte ich euch von einem Erlebnis berichten, das mir kostbar, ja sogar heilig ist. Als ich neu als JD-Präsidentin berufen war, hatte ich große Angst und fühlte mich völlig unzulänglich. Nächtelang lag ich wach und machte mir Sorgen, übte Umkehr und weinte. Nach mehreren solchen Nächten machte ich eine sehr bewegende Erfahrung. Ich begann über meine Nichten im JD-Alter nachzudenken, dann über die Jungen Damen in meiner Nachbarschaft und Gemeinde, dann über die Jungen Damen, die ich regelmäßig an der Highschool sah, und dann stellte ich mir die Jungen Damen in aller Welt vor, insgesamt mehr als eine halbe Million. Ein wundervolles, warmes Gefühl begann mich einzuhüllen und zu durchdringen. Ich verspürte eine ganz besondere Liebe für jedes einzelne dieser Mädchen, für jede von euch, und ich wusste, dass das, was ich verspürte, die Liebe des himmlischen Vaters für sie war. Es war machtvoll und allumfassend. Erstmals verspürte ich Frieden, denn nun wusste ich, was der himmlische Vater von mir erwartete.Er wollte, dass ich euch bezeuge, dass er euch über alle Maßen liebt. Und darum bezeuge ich euch noch einmal, dass ich ohne jeden Zweifel weiß, dass der himmlische Vater euch kennt und liebt. Ihr seid seine besonderen Töchter. Er hat einen Plan für euch, und er ist immer da, um euch zu führen, zu leiten und zu begleiten (siehe „Ich bin ein Kind von Gott“). Ich bete aufrichtig darum, dass ihr dies wisst und spürt. Im Namen Jesu Christi. Amen.