2000–2009
Lasst Tugend immerfort eure Gedanken zieren
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Lasst Tugend immerfort eure Gedanken zieren

Eurem Potenzial sind keine Grenzen gesetzt. Wenn ihr euer Leben in die Hand nehmt, ist die Zukunft voller Gelegenheiten und Freude.

Meine lieben Jungen Damen, was für ein wunderbarer Anblick ihr in diesem großen Saal doch seid. Ihr seid in Begleitung eurer Mütter, Großmütter und eurer Lehrerinnen hier. Außerhalb dieses Konferenzzentrums sind noch Hunderte und Tausende andere überall in der Welt versammelt. Sie werden uns in mehr als zwanzig Sprachen hören. Was wir sagen, wird in ihre Muttersprache übersetzt. Die Gelegenheit, zu euch zu sprechen, ist eine überwältigende Aufgabe. Aber es ist auch eine wunderbare Gelegenheit. Ich bete darum, dass der Heilige Geist mich bei dem, was ich sage, führen möge.

Andere sind bereits wortgewandt auf das Motto dieser Versammlung eingegangen. Ich erwähne es nur. Es ist das offenbarte Wort des Herrn, das wir im 121. Abschnitt des Buches Lehre und Bündnisse finden, und zwar:

„Lass Tugend immerfort deine Gedanken zieren; dann wird dein Vertrauen in der Gegenwart Gottes stark werden, und die Lehre des Priestertums wird auf deine Seele fallen wie der Tau vom Himmel.

Der Heilige Geist wird dein ständiger Begleiter sein und dein Zepter ein unwandelbares Zepter der Rechtschaffenheit und Wahrheit, und deine Herrschaft wird eine immerwährende Herrschaft sein, und ohne Nötigung wird sie dir zufließen für immer und immer.“(LuB 121:45,46.)

Kann man eine größere Verheißung erlangen als diese bemerkenswerten Offenbarungsworte des Herrn? Dies sind die Worte Gottes, die dem Propheten Joseph Smith in einer Offenbarung gegeben wurden. Sie schließen eine herrliche Verheißung an all jene mit ein, die Tugend immerfort ihre Gedanken zieren lassen.

Ihr Jungen Damen steht an der Schwelle des Lebens. Ihr seid alt genug, dass ihr euch taufen lassen konntet. Ihr seid jung genug, dass die künftige Welt, von der ihr träumt, noch immer vor euch liegt. Jede ist ein Kind Gottes. Jede von euch ist ein göttliches Wesen. Ihr seid buchstäblich Töchter des Allmächtigen. Eurem Potenzial sind keine Grenzen gesetzt. Wenn ihr euer Leben in die Hand nehmt, ist die Zukunft voller Gelegenheiten und Freude. Ihr könnt es euch nicht leisten, eure Talente oder eure Zeit zu vergeuden. Großartige Möglichkeiten liegen vor euch.

Ich gebe euch jetzt ein ganz einfaches Rezept, mit dem ihr euer Glück sichern könnt, sofern ihr euch daran haltet. Es ist eine Anleitung in vier einfachen Schritten. Sie heißen: 1.) beten, 2.) studieren, 3.) den Zehnten zahlen und 4.) die Versammlungen besuchen.

Beginnen wir mit dem ersten Punkt – das persönliche Gebet. Ihr seid ja Töchter des himmlischen Vaters. Er ist euer Vater im Himmel. Sprecht mit ihm. Geht jeden Abend und Morgen auf die Knie und sagt ihm, wofür ihr ihm von Herzen dankt. Sprecht von den Segnungen, die ihr euch wünscht und braucht. Vergesst niemals, dass diese Kirche mit dem demütigen Gebet des Jungen Joseph Smith in einem Wäldchen auf der Farm seines Vaters ihren Anfang nahm. Aus diesem bemerkenswerten Erlebnis, das wir die erste Vision nennen, ist dieses Werk erwachsen, das heute in 160 Ländern mit über 12 Millionen Mitgliedern Fuß gefasst hat. Es ist die buchstäbliche Erfüllung der Vision Daniels von einem Stein, der sich ohne Zutun von Menschenhand vom Berg gelöst hat, um die ganze Erde zu erfüllen (siehe Daniel 2:44,45).

Ihr könnt nicht nur euer persönliches Gebet sprechen, sondern auch eure Eltern dazu anspornen, als Familie zu beten, wenn sie das nicht bereits tun. Das Gebet ist die Brücke, über die wir uns dem Vater im Himmel nahen. Es kostet nichts. Man muss lediglich Glauben haben und sich die Mühe machen. Es gibt nichts Lohnenderes, als im demütigen Gebet zu knien. Es zeugt von Liebe zu Gott als demjenigen, der uns alles Gute gibt. Es zeugt von Selbstachtung. Es gibt keinen Ersatz dafür. Es ist ein persönliches Gespräch mit Gott.

Der zweite Punkt auf meiner Liste ist das Studieren. Was umfasst dieses einfache Wort mit neun Buchstaben? Zunächst ist da das Studium der heiligen Schriften. Vielleicht lest ihr das Alte Testament nur in Auszügen, aber es enthält großartige Lehren. Das Neue Testament ist eine Goldmine. Es enthält die vier Evangelien – Matthäus, Markus, Lukas und Johannes – sowie die Apostelgeschichte und andere Schriften. Versucht einfach, eines der Evangelien zu lesen – vielleicht das Johannesevangelium. Wenn ihr damit fertig seid, nehmt das Buch Mormon zur Hand.

Vor zwei Jahren habe ich die ganze Kirche aufgefordert, das Buch Mormon bis zum Jahresende durchzulesen. Es ist erstaunlich, wie viele dies in die Tat umgesetzt haben. Jeder, der das getan hat, ist für seine Mühe gesegnet worden. Als die Mitglieder sich in diesen weiteren Zeugen unseres Erlösers vertieften, wurde ihr Herz belebt und ihr Geist berührt. Einige von euch waren damals zu jung, um es durchzulesen, aber ihr seid nicht zu jung, um jetzt damit anzufangen.

Neben dem religiösen Studium steht die Herausforderung, sich zu bilden. Nehmt euch jetzt, solange ihr noch jung seid, fest vor, euch so viel Bildung anzueignen, wie ihr nur könnt. Wir leben in einem sehr wettbewerbsorientierten Zeitalter, und diese Tendenz wird sich noch verstärken. Bildung ist der Schlüssel zum Tor der Möglichkeiten.

Ihr mögt die Absicht haben zu heiraten und darauf hoffen, aber es ist nicht sicher, dass sich die Gelegenheit bieten wird. Und auch wenn ihr heiratet, wird euch Bildung von großem Nutzen sein. Lebt nicht einfach in den Tag hinein, ohne euch zu verbessern. Der Herr wird euch segnen, wenn ihr euch anstrengt. Euer Leben wird bereichert und euer Blickwinkel erweitert, wenn sich euer Verstand neuen Einsichten und neuem Wissen öffnet.

Der nächste Punkt ist das Zehntenzahlen. Herrlich ist die Verheißung des Herrn in Bezug auf diejenigen, die den Zehnten zahlen. Er sagt in neuzeitlicher Offenbarung, dass sie „nicht verbrannt werden“ (siehe LuB 64:23).

Seine großartige Verheißung ist in den Worten Maleachis zu finden. Er sagt: „Darf der Mensch Gott betrügen? Denn ihr betrügt mich. Doch ihr sagt: Womit betrügen wir dich? Mit den Zehnten und Abgaben! …

Bringt den ganzen Zehnten ins Vorratshaus, damit in meinem Haus Nahrung vorhanden ist. Ja, stellt mich auf die Probe damit, spricht der Herr der Heere, und wartet, ob ich euch dann nicht die Schleusen des Himmels öffne und Segen im Übermaß auf euch herabschütte.“ (Maleachi 3:8,10.)

Dann spricht er weiter und sagt etwas sehr Interessantes. Hört euch das an:

„Den Fresser wehre ich von euch ab, damit er nicht die Früchte eurer Äcker vertilgt und damit der Weinstock auf eurem Feld nicht ohne Ertrag bleibt, spricht der Herr der Heere.

Dann werden alle Völker euch glücklich preisen; denn ihr seid ein glückliches Land.“ (Maleachi 3:11,12.)

Der Zehnte wird zwar mit Geld gezahlt, doch noch wichtiger ist, dass er auch mit Glauben gezahlt wird. Ich habe nie einen Menschen getroffen, der ehrlich den Zehnten zahlte und sich darüber beklagte. Vielmehr setzte er sein Vertrauen in den Herrn, und der Herr ließ ihn nie im Stich.

Als ich ein kleiner Junge war, nahm mein Vater uns alle jeden Dezember mit zur Zehntenerklärung zu Bischof Duncan, der auf der anderen Straßenseite wohnte. Der Bischof hatte kein Büro im Gemeindehaus, also musste er das Geschäftliche zu Hause erledigen. Wir saßen dann alle in seinem Wohnzimmer, und er bat einen nach dem anderen ins Esszimmer. Unser Zehnter betrug vielleicht 25 Cents oder 50 Cents, aber es war der volle Zehnte. Er stellte eine Empfangsbestätigung aus und vermerkte den Betrag im Gemeindebericht. Der Betrag war vielleicht so klein, dass die Berichtführung mehr kostete, als was er einbrachte. Aber es wurde dadurch eine Gewohnheit geschaffen, die all die Jahre bestehen blieb. Mit dem Zahlen des Zehnten kamen unzählige Segnungen, wie der Herr es verheißen hat.

Ich heiratete in der Zeit der Weltwirtschaftskrise, als Geld knapp war, aber wir zahlten unseren Zehnten, und irgendwie mussten wir nie hungern, und es mangelte uns auch nie an etwas, was wir brauchten.

Der vierte Punkt – besucht die Versammlungen, die Abendmahlsversammlung. Es gibt keinen Ersatz dafür, vom Abendmahl des Herrn zu nehmen. Es ist etwas Feierliches, Heiliges und Wunderbares, vom Brot und vom Wasser nehmen zu können, um des Leibes und des Blutes des Erretters der Menschheit zu gedenken.

Kein anderes Ereignis in der Geschichte der Menschheit ist von solch großer Tragweite wie das Sühnopfer unseres göttlichen Erlösers. Nichts kommt dem gleich. Ohne es hätte das Leben keinen Sinn. Es wäre eine Reise, die in einer Sackgasse endet.

Das Sühnopfer sichert uns ewiges Leben. Der Tod ist nicht das Ende, sondern vielmehr ein Übergang in einen herrlicheren Daseinszustand.

All das kommt symbolisch darin zum Ausdruck, dass man vom Abendmahl nimmt. Alles Weitere in unseren Versammlungen ist – gemessen an den Symbolen für das Opfer unseres Herrn – von geringerer Bedeutung.

Wenn ihr diese vier Punkte beherzigt, verheiße ich euch, dass euer Leben ertragreich sein wird, dass ihr sehr glücklich sein werdet und dass eure Leistungen in jeder Hinsicht herausragend und befriedigend sein werden.

Möge der Herr euch segnen, meine lieben jungen Schwestern. Möge sein Segen euch jederzeit und in allen Lebenslagen begleiten. Wir haben euch lieb. Wir beten für euch. Möge der Himmel auf euch herablächeln. Darum bete ich demütig im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.