1990–1999
Fettfreies Genießen
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Fettfreies Genießen

Die heiligen Schriften … werden euch erleuchten, erheben, trösten, stärken. Sie werden euch mit Gottes Liebe umgeben wie mit einer warmen Decke.

Gibt es einen schöneren Anblick als Mütter und Töchter so beieinander sitzen zu sehen? Wenn ich das Meer von Gesichtern hier im Tabernakel betrachte und mir vorstelle, wie viel mehr Junge Damen in Gemeindehäusern in aller Welt versammelt sind, bin ich voller Bewunderung. Für ein Mädchen, das von einer Farm in Herriman, Utah, stammt, ist dies wahrhaftig ein Anblick, der demütig stimmt.

Schwestern, ich möchte euch ein Geheimnis verraten. Ich esse sehr gern. Ihr nicht? t Wenn ein Essen mit Krautern vollkommen abgeschmeckt wurde, wenn es genau richtig gekocht wurde, wenn es serviert wird wie ein Kunstwerk, dann fühle ich mich wie im Himmel. Ich nehme schon zu, wenn ich nur die Speisekarte lese.

Und habt ihr gewußt, daß der Herr gar nicht von uns erwartet, eine Diät einzuhalten? Vertraut mir! Schlagt 2 Nephi 9:51 auf, und seht euch die letzte Zeile an. Da heißt es: „Laßt eure Seele an Fettem sich erfreuen!" Aber woran sollen wir uns gütlich tun? An Schokolade? Seht genau hin: Labt euch am Wort. Wann habt ihr euch das letzte mal am Wort gelabt? Habt ihr gewußt, daß man sich gütlich tun kann, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben?

Ein erfreulicher Teil meiner neuen Berufung ist, wenn wir als Präsidentschaft zusammenkommen und uns gütlich tun. Wir, beginnen unsere Sitzungen, indem wir die Schrift studieren. Schwester Haies beginnt mit der Frage: „Hat jemand eine Schriftstelle?" Es gibt immer jemand. Wir schauen Querverweise nach, suchen im Stichwortverzeichnis, beziehen die Gedanken auf unser Leben, und wir denken an euch.

Wenn wir die heiligen Schriften auf diese Weise genießen, laden wir den Geist ein. Es ist eine Zeit, die uns verbindet, denn wir teilen nicht nur den roten Buntstift miteinander, sondern lassen einander an den Empfindungen unseres Herzens, an unserer Erkenntnis und unseren Wünschen teilhaben. Wir sind einiger, besser in der Lage, euch zu dienen. Labt ihr euch in dieser Weise in euren Sitzungen als Klassenpräsidentschaft oder JD-Leitung? Bemüht euch, diese Sitzungen mit einem Gedanken aus der Schrift zu beginnen. Ihr werdet sicher überrascht sein, was für einen Geist es mit sich bringt, wenn man gemeinsam in der Schrift liest.

Als Mädchen war ich nicht gerade eifrig dabei, die Schrift zu studieren. leb wünschte, ich hätte es getan! Erst als ich in Seattle im Bundesstaat Washington wohnte, erkannten eine Freundin und ich, daß Wir danach hungerten, das zu wissen, was geistig starke Frauen in unserer Gemeinde wußten. Wir wünschten uns rechtschaffene Kinder, die von ihrer Mutter gelehrt wurden, gläubig zu sein (siehe Alma 56:47). Wie es bei einem guten Essen der Fall ist, so wird auch das Evangelium noch viel interessanter, wenn wir es mit einer Freundin genießen. Ich hatte Louise Nelson. Wir labten .. uns gemeinsam.

Ich erinnere mich, wie ich auf einem alten abgewetzten Sofa saß und meinen Söhnen Geschichten aus der Schrift vorlas. Als wir anfingen zu studieren, begann eine Macht unser Leben zu durchdringen. Ich erfuhr, daß Ruth ihre Familie verließ, um sich den Gläubigen anzuschließen, daß Saria ihre Kinder in der Wildnis großzog, daß Esther ihr Leben aufs Spiel setzte, um andere zu retten und daß, was am wichtigsten war, Maria in einem mit Stroh ausgelegten Stall einen Sohn zur Welt brachte, den sie in eine Krippe legte. Ich erfuhr, daß Gott im Leben anderer Wunder gewirkt hatte und auch in meinem Leben Wunder wirken konnte.

Ich habe die heiligen Schriften später entdeckt als andere. Aber ich habe sie entdeckt. Und nun hungere ich, wie beim Lesen einer guten Speisekarte, immer noch nach ihren weisen Worten. Warum sollen wir nicht ein bißchen an geistigem Gewicht zulegen?

Es ist nicht immer leicht, und es gibt immer noch so manches, was ich nicht verstehe. Aber wenn ich darüber hinaussehe, mich nach der Gemeinschaft mit dem Herrn sehne, dann erfüllen die Schriften meinen Geist mit seinem Geist. Das tun sie auch bei euch. Sie werden euch erleuchten, erheben, trösten, stärken. Sie werden euch mit Gottes Liebe umgeben wie mit einer warmen Decke. Woher ich das weiß? Weil es bei mir so ist. Der himmlische Vater hat es uns verheißen. Wir speisen am Tisch des Herrn.

Liebe Schwestern, ich lade euch ein, einen Versuch mit dem Wort zu machen, euch zu laben. Wie Jesus gesagt hat: „Erforscht die Schriften, … gerade sie legen Zeugnis über mich ab." (Johannes 5:39.)

Ich weiß, daß er lebt und uns liebt und daß seine Hand noch immer ausgestreckt ist. Möge ich euch und ihm dienen, das erbitte ich im Namen Jesu Christi. Amen.