1990–1999
Bündnisse feiern
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Bündnisse feiern

Bündnisse helfen mir, das Große und Ganze im Auge zu behalten, nicht bloß das, was direkt vor mir liegt. … Sie helfen mir, andere wirklich zu beeinflussen. Meine Bündnisse stehen niemals zur Debatte.

Präsident Hinckley, als Führerin der Jungen Damen der Kirche möchte ich ihnen in deren Namen sagen, daß wir Sie als unseren Propheten lieben und unterstützen.

Liebe Brüder und Schwestern, wenn ich nun hier stehe, obwohl ich erst so kurz in dieser Berufung diene, ist es mir so, als wäre ich in einen eiskalten Gletschersee geworfen worden - ich habe den Schock noch nicht ganz überwunden. Ich bin nämlich die Mutter von vier Söhnen. Ja, von Söhnen. Da hätte man vielleicht erwartet, daß ich die allgemeine Rudelmutter werde. Statt dessen ist mein langgehegter Wunsch nach Töchtern gleich zweifach in Erfüllung gegangen. Erstens mit unseren vier phantastischen Schwiegertöchtern und zweitens mit einer halben Million Junger Damen in aller Welt. Jede von ihnen ist einzigartig, und der himmlische Vater kennt jede einzelne. Woher ich das weiß? Weil der himmlische Vater zärtlich vom Himmel herab die Hand ausgestreckt und mir, Bonnie Parkin, geholfen hat. Weil das Licht seines Sohnes mir das Herz erwärmt. Weil ich Versprechen abgegeben habe und Bündnisse eingegangen bin, die dadurch, daß ich sie eingehalten habe, mein Leben verändert haben. Haben Bündnisse auch Ihr Leben schon erneuert? Feiern Sie sie?

Wir sind vor kurzem nach Pasadena in Kalifornien gereist, als unsere erste Enkeltochter, Jordan Emily, gesegnet wurde. Das war aus zwei Gründen ein einzigartiges Erlebnis: zum einen hatten mein Mann und ich gemeint, die Parkins bekämen keine Mädchen. Und zweitens war dieser Segen der erste offizielle Schritt in ihrem sterblichen Dasein als Tochter Gottes. Wir sind von Freude erfüllt, wenn wir darüber nachdenken, welche Möglichkeiten das Leben für sie bereithält.

Jordan hatte Glück. Sie hat Eltern bekommen, die im Tempel gesiegelt worden sind - im neuen und immerwährenden Bund. Wenn nun ihre Eltern dieser Übereinkunft treu bleiben, wird Jordan die Nutznießerin dieser Bündnisse sein und in einer Familie aufwachsen, die vorwiegend von Frieden, Liebe, Geborgenheit und Verständnis erfüllt ist. Nicht alle Mitglieder der Kirche sind im Bund geboren, aber die Segnungen des Bundes stehen allen offen, die ihrer würdig sind.

Wir hoffen, daß sich die kleine Jordan in ihrem Leben als glaubenstreue Heilige der Letzten Tage weiterentwickeln wird - von dem Baby, das einen Priestertumssegen erhalten hat, zu einem Kind Gottes, das den Taufbund annimmt, zu einer Jungen Dame, die die ersten Versprechen einhält und sich dafür vorbereitet, würdig zu sein, so daß sie heilige Bündnisse eingehen und halten kann, zu einer Frau, die in den Tempelbund eintritt, zu einer Ehefrau, die durch den Heiligen Geist der Verheißung gesiegelt wird, und schließlich zu einer erhöhten Tochter, die in die offenen Arme des himmlischen Vaters zurückkehrt. Das ist unser Lebensweg als Heilige. Wir sprechen oft davon, daß wir Bündnisse eingehen und halten, aber was genau sind sie? Bei der Taufe zeigen wir, daß wir willens sind, „einer des anderen Last zu tragen, damit sie leicht sei, … mit den Trauernden zu trauern, … diejenigen zu trösten, die Trost brauchen, und … allzeit und in allem, wo auch immer [wir uns befinden mögen], … als Zeugen Gottes aufzutreten" (Mosia 18:8,9). Und das ist erst der Anfang! Im Tempel geloben wir außerdem mit einem Bündnis, gehorsam und opferbereit zu sein, rein und würdig zu bleiben, die Wahrheit zu verbreiten, keusch zu sein, zu beten, nach dem Evangelium zu leben und für immer glaubenstreu zu sein.

Der Vater im Himmel kennt einen jeden von uns. Die Bündnisse, die wir eingehen, geht jeder für sich persönlich ein. Präsident Howard W. Hunter hat einmal gesagt: „Es hat mich schon immer sehr beeindruckt, daß der Herr ganz persönlich mit uns umgeht, mit jedem einzelnen. Wir tun in der Kirche vieles in Gruppen, … aber … das Wichtigste geschieht für den einzelnen. Jedes Baby wird für sich gesegnet, auch wenn es sich um Zwillinge oder Drillinge handelt. Wir taufen und konfirmieren unsere Kinder einzeln. Wir nehmen das Abendmahl, bekommen das Priestertum übertragen und empfangen die heiligen Handlungen des Tempels - als jemand, der selbst eine Beziehung zum Vater im Himmel aufbaut. … Der Himmel legt großen Nachdruck auf jeden einzelnen Menschen." („Eternal Investments", Ansprache vor CES-Religionslehrern, 10. Februar 1989, Seite 4; Hervorhebung hinzugefügt.) Solche persönlichen Verpflichtungen, die wir direkt gegenüber dem himmlischen Vater eingehen, gilt es zu feiern. Und zu weihen! Wissen Sie noch, was geschah, als Alma sein Volk aufforderte, diese Bündnisse einzugehen? Sie feierten! Sie klatschten vor Freude in die Hände (siehe Mosia 18:11). Warum betrachten wir unsere Bündnisse eigentlich so häufig als Verpflichtung statt als Vorzug?

Was für ein Gefühl hatten Sie, als Sie das letzte mal das Abendmahl genommen haben? Haben Sie über die Bündnisse nachgedacht, die im Taufbecken und im Tempel geschlossen werden? Das Abendmahl ermöglicht es uns, unsere Bündnisse zu erneuern. Wenn wir also diese Bündnisse ehrenvoll und genau einhalten, können wir uns genauso neu und rein fühlen wie bei unserer Taufe. Wir können uns unserer Tempelsiegelung genauso verpflichtet fühlen wie einst als Braut und Bräutigam. Wir können die Liebe Gottes genauso sehr fühlen wie die süße kleine Jordan, als sie ihren Namen und Segen erhielt. Unsere Bündnisse erneuern uns ständig.

Ändern diese Bündnisse unser Verhalten im täglichen Leben? Sie sollten es. Auch wenn es uns manchmal schwer fällt, sie einzuhalten.

Wir hören von Mitgliedern, die auch angesichts gewaltiger Schwierigkeiten an ihren Bündnissen festhalten und dadurch eine innere Erneuerung und inneren Frieden finden - und zwar nicht erst im Jenseits, sondern schon in diesem Leben. Denn genauso wie das Übertreten der Bündnisse kann auch das Einhalten der Bündnisse zur Gewohnheit werden.

Wir waren alle schon das Opfer von Bösem und von Unredlichkeit, von Schmerz und Leid. Ich kenne eine Frau, die so ein Opfer war. Ihr Mann entschied sich dafür, ihr untreu zu sein. Sie litt unermeßlich. Es dauerte viele Jahre, aber ihr Leben wurde schließlich besser, weil sie sich dazu entschlossen hatte, ihren Bündnissen treu zu bleiben.

Es gibt im Leben sowohl stürmische See als auch ruhige Gewässer. Aber wie Ether sagt: „Hoffnung kommt aus festem Glauben und wird für die Menschenseelen zum Anker, so daß sie sicher und standhaft werden, immer reich an guten Werken und bewegt, Gott zu verherrlichen." (Ether 12:4.) Bündnisse sind ein sicherer Anker, und so haben auch mitten im Sturm unsere Versprechen ihren Sinn nicht nur für die Ewigkeit, sondern auch für den heutigen Tag. Bewegen Ihre Bündnisse Sie dazu, das Lied der erlösenden Liebe zu singen?

In einer FHV-Versammlung sprachen die Frauen darüber, wie man Jugendliche lehren kann, Bündnisse einzugehen und zu halten. Eine Frau, die es mit ihrer Tochter im Teenageralter sehr schwer hatte, hörte zu, wie die Frauen über Glauben, Beten, gutes Beispiel und die heiligen Schriften sprachen. Schließlich stieß sie hervor: „Das habe ich alles schon ausprobiert, und es hilft nicht!" Leise fügte sie hinzu: „Bei uns hilft zur Zeit nur die Liebe." Diese gute Schwester vertraute darauf, daß ihr Gelöbnis, Nächstenliebe zu üben (auch ihrer Tochter gegenüber), irgendwie etwas bewirken mußte. Und so ist es auch.

Ein Mädchen namens Katie war mit den anderen Mädchen im Zeltlager. Sie war zornig und fühlte sich einsam und verlassen, weil die Probleme in ihrer Familie sie überwältigten. Ihr Zeugnis schwankte und war ernstlich bedroht. Aber ein besorgter Führer, dem seine heilige Berufung sehr wichtig war, schrieb Katie einen Brief, worin es hieß: „Ich habe Dich lieb. Ich glaube an Dich. Du hast ein Zeugnis, ich habe nämlich gehört, wie Du Zeugnis gegeben hast." Und dann erklärte er ihr, was er damit meinte. Der Brief kam gerade zur rechten Zeit; Katie erhielt die Kraft, nach ihren Bündnissen zu leben, weil jemand anders darum bemüht war, nach seinen Bündnissen zu leben.

Mark, ein Oberschüler in meiner Gemeinde, stand vor kurzem in der Zeugnisversammlung auf und erzählte davon, wie er die Kraft fand, nach seinen Bündnissen zu leben. Er faßte seine Gedanken kurz und bündig und prägnant mit diesen Worten zusammen: „Eine Schriftstelle am Tag, und der Satan bleibt fort."

Was ist der Lohn dafür, daß wir unsere Bündnisse einhalten? Der gutherzige König Benjamin hat gesagt: „Wegen des Bundes, den ihr gemacht habt, sollt ihr nun die Kinder Christi genannt werden. … Und unter diesem Haupt seid ihr befreit worden." (Mosia 5:7,8.) Wir werden von Gott erlöst und werden zu denen von der ersten Auferstehung gezählt werden, damit wir ewiges Leben haben (siehe Mosia 18:9).

Brüder und Schwestern, das Einhalten unserer Bündnisse hilft Ihnen, an den einen zu denken, dem Sie verbunden sind, und Ihre Last wird leichter.

Wenn Sie von Ihren Bündnissen abgewichen sind, fassen Sie Mut! Der Herr wünscht sich so sehr, daß wir uns an das halten, was wir versprochen haben, daß er das immerwährende Sühnopfer vollbracht hat. Wenn Ihr Herz derzeit nicht das Lied der erlösenden Liebe singt, dann kehren Sie zu Ihren Bündnissen zurück. Feiern Sie sie. Wie unsere kleine Enkelin können auch Sie rein sein. Die Erneuerung Ihrer Bündnisse wird Sie aufwecken wie kaltes Gletscherwasser an einem heißen Tag. Und dann denken Sie daran, Millionen Mitglieder der Kirche auf dem ganzen Erdenrund halten täglich trotz aller Widrigkeiten an ihren Bündnissen fest. Das können auch Sie.

Wenn Sie nur eins von dem, was ich heute gesagt habe, im Gedächtnis behalten, dann dies: halten Sie an Ihren Bündnissen fest und feiern Sie sie. Meine Bündnisse sind Ausdruck meines Glaubens; wegen meiner Bündnisse stehe ich heute vor Ihnen. Bündnisse helfen mir, das Große und Ganze im Auge zu behalten, nicht bloß das, was direkt vor mir liegt. Als meine Söhne auf Mission waren, habe ich gesehen, wie Bündnisse das Werk des Herrn voranbringen. Bündnisse helfen mir, andere wirklich zu beeinflussen. Meine Bündnisse stehen niemals zur Debatte. Sie machen es mir leichter, mich für die Rechtschaffenheit zu entscheiden. Ich bete von Herzen, unsere Bündnisse mögen uns mehr Anlaß sein, zu feiern und stark zu sein, daß wir untadelig und beständig leben, daß die Hand des Herrn dann auf uns wartet, wenn wir sie am meisten brauchen. Die Bündnisse, die er mit mir gemacht hat, sind mir ein kostbarer Schatz, und ich hoffe von ganzem Herzen, daß ich ihnen treu bleiben kann. Im Namen Jesu Christi. Amen.