1990–1999
Wie Jesus uns sieht
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Wie Jesus uns sieht

Er hat durch sein großherziges Sühnopfer alles bereitet, was wir brauchen, um unser Versagen, unsere Fehler, unsere Sünden und Enttäuschungen auszugleichen.

Wenn ich nun sage, wie viel es mir bedeutet, mit Ihnen diese historische Konferenz zu erleben und unseren geliebten Propheten und seine Mitarbeiter bestätigen zu dürfen, so muß ich auch Danke sagen, und zwar zuerst dem Herrn dafür, daß ich in dieser heiligen Berufung dienen darf, und dann all denen, die mich genährt, belehrt und unterstützt haben. Meine Familie - und da besonders Sharon, meine Frau - war immer für mich da. Viele Freunde und Kollegen innerhalb und außerhalb der Kirche haben zu verstehen versucht, was diese Aufgabe für mich bedeutet; sie waren äußerst rücksichtsvoll und haben mir Mut gemacht. Die Führer der Kirche waren besonders geduldig und freundlich, und ich werde denjenigen auf immer dankbar sein, die mir liebevoll durch diese vielen Wochen der Selbstbeurteilung und Umstellung geholfen haben.

Während dieses Vorgangs der Selbstprüfung habe ich mich zugegebenermaßen auch gefragt, was andere Menschen wohl über den Auftrag denken mögen, der mir zuteil geworden ist. Ich habe über ein Wort des Dichters Robert Burns nachgedacht, das ich - mit allem Respekt - wie folgt abwandeln möchte: „O welch eine Gabe ist es doch, sich selbst zu sehen, wie man gesehen wird." (An eine Laus.) Wenn es für uns doch interessant und wichtig ist, zu erfahren, wie andere Menschen uns sehen - und ganz besonders diejenigen, die uns am meisten bedeuten -, was für eine Gabe muß es dann erst sein, wenn man versteht, wie der Erretter uns sieht.

Und woher sollen wir wissen, wie Jesus Christus uns sieht? Wir sehen es daran, wie gut wir uns an die Maßstäbe halten, die er für uns gesetzt hat, und daran, wie rein die Absichten unseres Herzens sind. Er ist das vollkommene Vorbild und der vollkommene Maßstab für die ganze Menschheit, und zwar nicht allein durch das, was er ist und was er getan hat, sondern durch die überzeugend klare Frage und Aufforderung: „Was für Männer sollt ihr sein? Wahrlich, ich sage euch: So, wie ich bin." (3 Nephi 27:27.) Wir können seiner Zustimmung sicher sein, wenn wir tun, was er möchte, und so sind, wie wir sein sollen. Eine andere Verhaltensweise würde ihn enttäuschen.

Er, der uns am besten kennt und am meisten liebt, hat durch sein großherziges Sühnopfer alles bereitet, was wir brauchen, um unser Versagen, unsere Fehler, unsere Sünden und Enttäuschungen auszugleichen. Wir müssen nur die Einladung des Herrn annehmen und zu ihm kommen, und zwar auf dem engen und schmalen Pfad, den seine Propheten beschrieben haben (siehe 2 Nephi 31), und wir müssen die Segnungen empfangen, die er durch seine bevollmächtigten Vertreter all denen verfügbar gemacht hat, die danach streben.

Denjenigen unter uns, die den Erretter lieben und sich bemühen, ihm zu gefallen, hat Präsident Gordon B. Hinckley früher einmal gesagt: „Als seine Jünger können wir nichts tun, was gemein, schäbig oder unfreundlich ist, ohne dem Bild Christi Schaden zuzufügen. Andererseits können wir nicht gut, freundlich oder großzügig sein, ohne dem Ehre zu machen, dessen Namen wir auf uns genommen haben." (Be Thou An Example, Deseret Book, Salt Lake City, 1981, Seite 90.)

Im Gleichnis vom barmherzigen Samariter hat der Sohn Gottes klargemacht, was er von allen Menschen erwartet, die wie er sein wollen (siehe Lukas 10:30-37). Er hat nicht nur die Einstellung und die Verhaltensweise verkörpert und gelehrt, die er von jedem von uns erwartet, sondern er hat auch die Verordnungen und Bündnisse verfügbar gemacht, durch die wir durch seine rechtmäßig ernannten Diener all die unmittelbaren und die zeitlosen Segnungen erlangen können, der er verheißen hat.

Aufgrund seines Mitgefühls und seiner Macht konnte der Erretter auf wundersame Weise Tausende von Menschen speisen, als die Umstände es erforderten (siehe Lukas 9:10-17), aber er nahm sich auch die Zeit, einem einzelnen Sünder von angeblich niedrigem Stand „lebendiges Wasser" zu spenden, das zu ewigem Leben führt (siehe Johannes 4:7-26). Wohlwollend predigte er großen Menschenmengen das Evangelium, aber er nahm sich auch gern Zeit für den scheinbar unbedeutenden Natanael und seine persönlichen Fragen (siehe Johannes 1:45-51).

Er, der auf Weisung des Vaters die Welt erschaffen hat und buchstäblich alles selbst tun könnte, nimmt andere in seinen Dienst. Am Kreuz bat er Johannes, den Lieblingsjünger, sich seiner Mutter, Maria, so anzunehmen, als sei sie die Mutter des Johannes (siehe Johannes 19:25-27). In unserer Zeit erschienen Jesus Christus und sein Vater persönlich dem Propheten Joseph Smith, und doch hatte Moroni die Ehre, im Auftrag Christi das Buch Mormon hervorzubringen. Dies ist die Kirche des Erretters, und doch hat er Präsident Gordon B. Hinckley berufen, zu dieser Zeit über uns zu präsidieren. Ich bestätige dankbar, aber auch mit hoffentlich angemessener Ehrfurcht, daß der Herr Sie und mich berufen hat, ihn auf verschiedene Weise in verschiedenen wichtigen Aufgaben zu vertreten, ganz gleich, ob diese uns nun groß oder gering erscheinen.

Während wir uns bemühen, zu verstehen, wie Jesus uns sieht, und während wir unsere Versuche überdenken, so zu leben, wie der Erlöser es möchte, wollen wir uns erinnern, was er uns gelehrt hat und wie umfassend es sich auf buchstäblich alles anwenden läßt, was wir tun. Er sagt nämlich: „Wenn ihr mich liebt, werdet ihr meine Gebote halten." (Johannes 14:15.) Und: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüder getan habt, das habt ihr mir getan." (Matthäus 25:40.) Im Namen Jesu Christi. Amen.