2000–2009
Wir müssen unser Herz öffnen
Heruntergeladene Inhalte
Diese Seite (MP3)
Fußnoten

Hide Footnotes

Farbschema

Wir müssen unser Herz öffnen

Zu unseren täglichen Bestrebungen muss gehören, dass wir unser Herz dem Geist öffnen.

Heute möchte ich darüber sprechen, dass wir dem Heiligen Geist unser Herz öffnen müssen.

Nach der Taufe werden wir konfirmiert und empfangen den Heiligen Geist. Dies ist eine himmlische Gabe. Der Heilige Geist tröstet, belehrt, warnt, erleuchtet und inspiriert uns. Nephi drückte es sehr einfach aus: „Wenn ihr auf dem Weg eintretet und den Heiligen Geist empfangt, wird er euch alles zeigen, was ihr tun sollt.“1 Wir brauchen die Hilfe des Heiligen Geistes, wenn wir einen sicheren Weg durch diese, wie der Apostel Paulus es ausdrückt, „schweren Zeiten“2 finden wollen.

Der Heilige Geist ist eine Person aus Geist, deshalb kann er in unserem Herzen wohnen und direkt zu unserem Geist3 sprechen. Die Stimme des Geistes wird als leise, sanft und flüsternd4 beschrieben. Wie kann eine Stimme leise sein? Warum wird sie mit einem Flüstern verglichen? Weil der Geist fast immer Herz und Verstand anspricht5 und nicht mit den Ohren zu vernehmen ist. Präsident Boyd K. Packer hat gesagt: „Der Heilige Geist spricht mit einer Stimme, die man eher spürt als hört.“6

Wir fühlen mit dem Herzen. In den heiligen Schriften erklären die Propheten, dass persönliche Offenbarung eng mit dem Herzen verbunden ist. Ein paar Beispiele.

Mormon hat deutlich gemacht: „Und auf Sanftmut und Herzensdemut hin kommt der Besuch des Heiligen Geistes.“7

Alma sagte: „Darum empfängt der, der sein Herz verhärtet, das kleinere Maß des Wortes; und wer sein Herz nicht verhärtet, dem wird das größere Maß des Wortes gegeben.“8

Mormon schrieb über die Nephiten: „Ihre Seele [wurde] mit Freude und Trost erfüllt, …und [dies] kommt zustande, wenn man sein Herz Gott hingibt.“9

Und der Psalmist schreibt ganz schlicht: „Nahe ist der Herr den zerbrochenen Herzen.“10

Ist das nicht etwas, wonach wir alle trachten, Brüder und Schwestern: dass wir vom Heiligen Geist besucht werden, dass der Herr sich uns naht, dass wir Freude und Trost im Leben finden? Wenn dem so ist, kommen wir nicht umhin, regelmäßig zu beurteilen, wie es um unser Herz bestellt ist.

Das Herz ist sehr empfindsam. Es spricht stark auf verschiedene Einflüsse an, seien sie nun positiv oder negativ. Andere können es verletzen. Sünde kann es abstumpfen. Liebe kann es erweichen. Schon früh im Leben lernen wir, auf unser Herz achtzugeben. Gewissermaßen errichten wir um unser Herz einen Zaun mit einem Eingangstor. Niemand kann durch das Tor eintreten, wenn wir es nicht erlauben.

In manchen Fällen könnte man den Zaun, den wir um unser Herz ziehen, mit einem kleinen Lattenzaun vergleichen, über dessen Tor „Willkommen“ steht. Andere sind im Herzen so verletzt oder von Sünde abgestumpft, dass sie sich hinter einem drei Meter hohen Maschendrahtzaun, der oben auch noch mit Stacheldraht versehen ist, verschanzen. Das Tor hat ein Vorhängeschloss und ein großes Schild, worauf „Kein Zutritt“ steht.

Spannen wir nun, da wir uns diesen Zugang zum Herzen vorstellen, den Bogen zur persönlichen Offenbarung. Nephi hat erklärt: „Wenn jemand durch die Macht des Heiligen Geistes spricht, so trägt die Macht des Heiligen Geistes es den Menschenkindern ins Herz.“11 Elder David A. Bednar hat das etwas relativiert: „Beachten Sie bitte, dass die Macht des Geistes die Botschaft zwar ins Herz trägt, dort aber nicht unbedingt verankert. … Doch der Inhalt der Botschaft und das Zeugnis des Heiligen Geistes können letztlich nur dann ins Herz dringen, wenn der Empfänger es zulässt.“12

Warum wird es lediglich hineingetragen, ohne das Herz auch zu durchdringen? Die Entscheidungsfreiheit des Einzelnen ist so heilig, dass der himmlische Vater das menschliche Herz trotz seiner unbegrenzten Macht niemals zwingen wird. Der Mensch mag es versuchen, Gott jedoch wird es nie tun. Um es anders auszudrücken: Gott erlaubt uns, Wächter und Hüter des Tors zu unserem Herzen zu sein. Wir müssen das Herz dem Geist aus freien Stücken öffnen, er wird sich uns niemals aufzwingen.

Wie öffnen wir nun unser Herz?

In der Bergpredigt hat der Erretter gesagt: „Selig, die ein reines Herz haben; denn sie werden Gott schauen.“13 Wenn etwas rein ist, dann ist es nicht von irgendetwas verunreinigt oder befleckt, was nicht dorthin gehört. Ein reines Herz ist sicherlich eine der wichtigsten Voraussetzungen, um Inspiration von Gott empfangen zu können. Keiner von uns ist im Herzen vollkommen; je eifriger wir jedoch bestrebt sind, Unreinheit und alles, was nicht hineingehört, zu entfernen, desto mehr öffnen wir unser Herz dem Heiligen Geist. Beachten Sie die wunderbare Verheißung des Propheten Jakob: „O ihr alle, die ihr im Herzen rein seid, hebt das Haupt empor und empfangt das angenehme Wort Gottes und weidet euch an seiner Liebe.“14

Im Gefängnis zu Liberty erhielt der Prophet Joseph Smith eine Offenbarung, die beschreibt, wie es bei so manchem im Herzen aussieht:

„Siehe, viele gibt es, die berufen sind, aber wenige werden erwählt. Und warum werden sie nicht erwählt?

Weil sie ihr Herz so sehr auf die Dinge dieser Welt gesetzt haben und nach den Ehren der Menschen streben.“15

Viele Menschen auf der Welt leben derzeit in Wohlstand und Frieden. Im Buch Mormon führte der Wohlstand die Menschen oft vom Herrn fort. Mormon warnte: „Wir können sehen, genau zu der Zeit, wenn er sein Volk gedeihen lässt, ja, indem ihre Felder, ihr Kleinvieh und ihre Herden und ihr Gold und ihr Silber und allerlei Kostbarkeiten jeder Gattung und Art zunehmen; … dann ist die Zeit, dass sie ihr Herz verhärten und den Herrn, ihren Gott, vergessen.“16

Der Herr erwähnte drei natürliche Folgen, die eintreten, wenn wir unser Herz auf die Dinge dieser Welt setzen: Erst versuchen wir, unsere Sünden zu verbergen, anstatt davon umzukehren. Dann wollen wir unseren Stolz und eitlen Ehrgeiz befriedigen, anstatt nach dem zu trachten, was von Gott ist. Schließlich beginnen wir, ungerechte Herrschaft über andere auszuüben.17

Beachten Sie, dass Stolz eine natürliche Folge ist, wenn wir unser Herz auf die Dinge dieser Welt setzen. Stolz macht unser Herz schnell unempfänglich für geistige Eingebungen. So sagte der Herr beispielsweise: „Ich, der Herr, habe kein Gefallen an meinem Knecht Sidney Rigdon; er hat sich in seinem Herzen erhöht und nicht Rat angenommen, sondern den Geist betrübt.“18 Vergleichen Sie das mit dieser Verheißung: „Sei demütig, dann wird der Herr, dein Gott, dich an der Hand führen und dir auf deine Gebete Antwort geben.“19

In der Offenbarung im Gefängnis von Liberty beschrieb der Herr auch, wie es sich auswirkt, wenn man im Herzen weltlich gesinnt ist: „Siehe, … die Himmel [ziehen sich] zurück, der Geist des Herrn ist betrübt, und … siehe, ehe [der Betreffende] es gewahr wird, ist er sich selbst überlassen.“20 Brüder und Schwestern, in diesen äußerst schweren Zeiten können wir es uns nicht leisten, den Geist zu betrüben und uns selbst überlassen zu werden.

Ich sage es noch einmal: Die Einstellung unseres Herzens hat direkte Auswirkungen auf unsere Empfänglichkeit für Geistiges. Zu unseren täglichen Bestrebungen muss gehören, dass wir unser Herz dem Geist öffnen. Weil wir die Wächter unseres Herzens sind, liegt diese Entscheidung ganz bei uns. Wir bestimmen, was wir einlassen und was wir aussperren. Zum Glück möchte der Herr uns gern helfen, eine kluge Wahl zu treffen.

Mein abschließendes Zeugnis sind zwei seiner Verheißungen an diejenigen, die danach trachten, zu ihm zu kommen: „Darum, meine geliebten Brüder, betet mit der ganzen Kraft des Herzens zum Vater, dass ihr von [seiner] Liebe erfüllt werdet, … damit wir rein gemacht werden, so wie er rein ist.“21

Und hier noch eine bewegende Aussage von Paulus, dem Apostel: „Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt.“22

Mögen wir Christus immer bitten, uns im Herzen Kraft zu geben und es mit seiner Liebe zu erfüllen, darum bete ich im Namen Jesu Christi. Amen.