1990–1999
Gottes Verehrung durch Musik
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Gottes Verehrung durch Musik

Das Singen der Kirchenlieder ist eine der besten Methoden,wie wir uns mit dem Geist des Herrn in Einklang bringen können.

Präsident Hunter, Ihre inspirierten Worte sind uns ins Herz gedrungen, wir haben Sie lieb. Wir beglückwünschen auch die neuberufenen Generalautoritäten und führenden Beamten der Kirche. Unser Herz hat in den temperamentvollen Gesang des Mormon Youth Chorus eingestimmt, der Charles Wesleys inspirierte Worte gesungen hat „Freut euch, der Herr regiert! Gebt eurem König Ehr!" Im Laufe dieser feierlichen Versammlung haben wir auch die überwältigende Dankbarkeit verspürt, die in unserem gern gesungenen Lied „Wir danken dir, Herr, für Propheten" zum Ausdruck kommt. Wir haben uns gefreut, daß wir Präsident Howard W. Hunter als Präsidenten der Kirche und Präsident Hinckley und Präsident Monson als seine Ratgeber bestätigen konnten. In dieser weltweiten Versammlung haben wir uns verpflichtet, zu beten und unser Bestes zu tun, um diese Männer zu unterstützen, die der Herr berufen hat, seine Kirche zu führen. Ich bezeuge: Was wir getan haben, ist in den Himmeln aufgezeichnet worden, und wir werden alle vor Gott Rechenschaft darüber ablegen müssen, wie wir auf die Führer hören, denen wir auf diese feierliche und heilige Weise unsere Unterstützung ausgesprochen haben.

Im vergangenen Frühjahr bin ich zum ersten Mal nach Brasilien gereist. Über 3000 Heilige waren zu einer Regionskonferenz zusammengekommen. Das gedruckte Programm führte die Lieder auf, aber die Worte auf portugiesisch hatten für mich keinerlei Bedeutung. Sobald aber der schöne Chor mit dem Singen begann, überwand die Musik alle sprachlichen Barrieren und sprach zu meiner Seele:

Der Morgen naht, die Schatten fliehn, seht, Zions Banner ist enthüllt! Es dämmert über jenen Höhn zum schönen Tag der ganzen Welt. (Hymns, 1985, Nr. 1.)

Durch das Wunder heiliger Musik stieg der Geist des Herrn auf uns herab, und wir waren bereit, uns im Evangelium unterweisen zu lassen und Gott anzubeten.

Die Erste Präsidentschaft hat gesagt:

„Geistliche Musik ist ein wesentlicher Bestandteil der Versammlungen der Kirche. Die Kirchenlieder laden den Geist des Herrn ein, schaffen ein Gefühl der Andacht, vereinigen uns als Mitglieder und bieten uns eine Möglichkeit, den Herrn zu preisen.

Einige der größten Predigten werden durch das Singen von Kirchenliedern vermittelt. Die Kirchenlieder bewegen uns zu Umkehr und zu guten Werken, festigen das Zeugnis und den Glauben, stärken die Müden, trösten die Trauernden und inspirieren uns, bis ans Ende auszuharren." (Hymns, 1985, Seite IX.)

Das Singen der Kirchenlieder ist eine der besten Methoden, wie wir uns mit dem Geist des Herrn in Einklang bringen können. Ich frage mich, ob wir in unseren Versammlungen, im Unterricht und zu Hause von diesem gottgesandten Hilfsmittel ausreichend Gebrauch machen.

Im vergangenen Juli besuchte ich das Polynesische Kulturzentrum der Kirche auf Hawaii. Vor der Abend Vorführung, in der Tanz und Musik verschiedener Inselkulturen dargeboten wurden, ging ich hinter die Kulissen, um den Künstlern zu danken.

Ich traf sie gerade in den hektischen Augenblicken unmittelbar vor der Aufführung an. Zahllose Ausführende waren mit ihren letzten Vorbereitungen zugange, um ihre Anstrengungen für die dynamische Aufführung zu koordinieren. Ich fragte mich, wie der Regisseur diesen Tumult zur Ruhe bringen sollte, so daß ich einige kurze Worte sagen konnte.

Es geschah wie durch ein Wunder. Auf ein Zeichen begann eine starke Stimme zu singen, und die Melodie des Liedes „Wir danken dir, Herr, für Propheten" schwoll schnell zu einem schönen Chor an, als die talentierten jungen Menschen ihre Gedanken auf den Herrn einstimmten.

In unserer Familie hatten wir ein ähnliches Erlebnis. Im vergangenen Frühjahr unternahmen wir mit einigen unserer Kinder und vierzehn unserer Enkelkinder einen Familienausflug in die Berge. Im Rahmen des Ausflugs versammelten wir uns, um von Erlebnissen zu erzählen und Zeugnis zu geben. Wir kamen zum vereinbarten Zeitpunkt zusammen, aber die Kleinen waren nur körperlich anwesend. Die großen Geister in diesen kleinen Körpern verlangten nach mehr Aktivitäten im Freien, an denen sie so viel Spaß gehabt hatten. Die Hütte, in der wir zusammenkamen, war zu klein, als daß sie sie alle fassen konnte, und es schien, als ob ein Dutzend ruheloser Kinder und ihre Entrüstung in alle Richtungen von den Wänden abprallte. Die Großeltern können verstehen, mit welchen Ängsten ich versuchte, in diesem Rahmen etwas Ernstes zu bewerkstelligen.

Plötzlich rettete die instinktive Weisheit junger Mütter unsere Bemühungen. Zwei Mütter begannen, ein Lied zu singen, das die Kinder kannten. Andere stimmten ein, und innerhalb von ein paar Minuten hatte sich die Stimmung gewandelt, und alle Geister waren in sich gekehrt und für Geistiges bereit. Ich sprach ein stilles Dankgebet für die Lieder der Kirche und für die Mütter, die sie einzusetzen verstanden!

Das Singen der Kirchenlieder ist eine der besten Methoden, die Lehre des wiederhergestellten Evangeliums zu lernen. Eider Stephen D. Nadauld hat diese einzigartige Kraft in einigen Zeilen zusammen gefaßt, die er in einer Versammlung der Generalautoritäten vorgetragen hat.

Sollt' ich mit Macht verkünden den Evangeliumsplan; die Menschen zu bereiten, fing' mit Musik ich an.

Um dann noch einzuprägen das Wort in ihren Sinn, war'n Zions heü'ge Lieder ein himmlischer Gewinn.

Die Schrift bestätigt wiederholt, daß das Singen von Kirchenliedern eine herrliche Art der Gottesverehrung ist. Bevor der Erretter und seine Apostel den Raum im Obergeschoß verließen, wo sie das erhabene Erlebnis des letzten Abendmahls gehabt hatten, sangen sie einen Lobgesang (siehe Matthäus 26:30).

Der Apostel Paulus riet den Kolossern, sie sollten einander belehren und ermahnen und Gott in ihrem Herzen Psalmen, Hymnen und Lieder singen (siehe Kolosser 3:16; siehe auch Alma 26:8).

Die neuzeitliche Offenbarung bestätigt die Bedeutung sakraler Musik. In einer der ersten Offenbarungen an den Propheten Joseph Smith beauftragte der Herr Emma Smith „eine Auswahl von heiligen Liedern zu treffen, wie es ihr eingegeben werden wird, und wie es mir gefällt, daß sie in meiner Kirche verwendet werden.

Denn meine Seele erfreut sich am Lied des Herzen; ja, das Lied der Rechtschaffenen ist ein Gebet zu mir, und es wird ihnen mit einer Segnung auf ihr Haupt beantwortet werden." (LuB 25:11,12.)

In einer Offenbarung an einen weiteren Propheten eine Generation später gebot der Herr seinen Heiligen, den Herrn mit Gesang und mit Musik zu preisen (siehe LuB 136:28).

Die Anweisung, den Herrn mit Gesang zu preisen, beschränkt sich nicht auf große Versammlungen. Wenn die Apostel des Herrn heute zusammenkommen, ist das Singen von Liedern der Kirche Bestandteil ihrer Versammlungen. Die wöchentlichen Sitzungen der Ersten Präsidentschaft und des Rates der Zwölf Apostel beginnen immer mit einem Lied. Eider Russell M. Nelson begleitet dann an der Orgel. Die Mitglieder der Ersten Präsidentschaft wählen abwechselnd das Anfangslied aus. Die meisten von uns notieren sich das Datum, an dem ein Lied gesungen wird. Meinen Aufzeichnungen zufolge wurde in meiner Zeit als Apostel das Lied „Ich brauch dich allezeit" am häufigsten gesungen. Stellen Sie sich vor, welche Wirkung es hat, wenn eine Handvoll von Knechten des Herrn das Lied singt, ehe sie um Führung bei der Erfüllung ihrer gewaltigen Aufgaben bitten.

Der Schleier ist im Tempel sehr dünn, vor allem, wenn wir Gott gemeinsam durch Musik verehren. Bei Tempel Weihungen habe ich mehr Freudentränen gesehen, die durch die Musik hervorgerufen wurden als durch das gesprochene Wort. Ich habe davon gelesen, daß Engelschöre in diesen Lobgesang einstimmten, und ich denke, ich habe dies mehr als einmal erlebt. Bei Weihungssessionen mit gutgeschulten Chören mit etwa 30 Sängern und Sängerinnen ist es vorgekommen, daß ich anscheinend 10 mal dreißig Stimmen Gott auf eine Weise und mit einem Gefühl lobpreisen hörte, wie es erlebt aber nicht erklärt werden kann. Der eine oder andere, der mich heute hört, wird wissen, was ich meine.

Sakrale Musik hat das einzigartige Vermögen, unsere Liebe zum Herrn zum Ausdruck zu bringen. Diese Art der Kommunikation kann auf wunderbare Weise zum Gottesdienst beitragen. Vielen fällt es schwer, Gefühle der Andacht in Worte zu kleiden, aber jeder kann einstimmen und solche Gefühle durch die inspirierten Worte unserer Lieder ausdrücken.

Wenn die Versammelten Gott durch Singen verehren, sollen sich alle Anwesenden beteiligen. Hier möchte ich von einem weiteren Erlebnis berichten. Eines Sonntagmorgens hatte ich einen Sonderauftrag in Salt

Lake City erledigt und wollte eine Abendmahlsversammlung besuchen. Ich hielt bei einem Versammlungshaus, das mir gelegen kam, und schlich mich unbemerkt in eine der letzten Reihen, als die Versammelten gerade die folgenden heiligen Worte des Abendmahlliedes anstimmten:

Wie süß des Menschen Lied erklingt, wenn er des Heilands Lieb besingt, der litt und starb in tiefster Pein, er wollte uns Erlöser sein! (Hymns, 1985, Nr. 177.)

Mir schwoll das Herz, als wir dieses andachtsvolle Lied sangen und der Erneuerung unser Bündnisse durch unsere Teilnahme am Abendmahl entgegensahen. Unsere Stimmen ließen die abschließende Melodie erklingen:

Der Heiland starb auf Golgatha für alle Menschen fern und nah! Ein Hosianna, Freudensang, im Himmel und auf Erden klang.

Als wir diese Worte sangen, schaute ich auf die Mitglieder in der Versammlung und war wie vor den Kopf gestoßen, als ich feststellte, daß etwa ein Drittel nicht mitsang. Wie war das möglich? Wollten diejenigen, die nicht einmal die Worte lautlos formten, andeuten, daß es für sie nicht süß war, des Heilands Liebe zu besingen oder seinem Namen Hosanna zu singen? Was bringen wir zum Ausdruck, was geht in uns vor, wenn wir im Gottesdienst nicht mitsingen?

Ich glaube, manch einer von uns in Nordamerika wird nachlässig in seiner Gottesverehrung, auch im Singen der Kirchenlieder. Mir ist aufgefallen, daß die Heiligen anderswo dabei eifriger sind. Wir in den zentralen Zionspfählen sollten unsere inständige Teilnahme beim Singen der Zionslieder erneuern.

Es gibt einige Konventionen, die wir alle beachten sollen, wenn wir Gott durch die Musik verehren. Beim Singen sollen wir über die Aussage des Liedes nachdenken. Unsere Kirchenlieder enthalten unvergleichliche Predigten, die in ihrem Wahrheitsgehalt und ihrer poetischen Wirkung nur von der heiligen Schrift übertroffen werden.

Wir brauchen unsere Gesangsleiter und Organisten, damit sie uns im richtigen Tempo leiten. Zu langsames oder zu schnelles Singen kann die ehrfürchtige Stimmung stören.

Wir müssen bei der Auswahl der Musik für unsere Versammlungen behutsam vorgehen, damit sie zur Gottesverehrung beiträgt. Viele Musikstücke, die in einem anderen zuträglichen Rahmen angebracht sind, eignen sich nicht für Kirchenversammlungen.

Unsere Kirchenlieder sind ausgewählt worden, weil sie sich als geeignet erwiesen haben, den Geist des Herrn einzuladen. Eine Tochter, die Geige spielt, schildert den Sachverhalt so: „Ich spiele gern klassische Musik, aber wenn ich unsere Kirchenlieder spiele, dann fühle ich einfach den Geist des Herrn dort, wo ich übe."

Wer ein Solo gibt, soll daran denken, daß die Musik im Gottesdienst nicht der Darstellung dient, sondern der Gottesverehrung. Gesangs- und Instrumentaleinlagen sollen ausgewählt werden, um die Gottesverehrung zu erleichtern, und nicht, um Künstlern, ganz gleich, wie gut sie sind, Gelegenheit zum Auftritt zu geben.

Unsere sakrale Musik macht uns bereit, in den Wahrheiten des Evangeliums unterwiesen zu werden. Darum wählen wir sorgfältig aus, welche Musik und welche Instrumente wir in unserem Gottesdienst einsetzen. Darum ermuntern wir auch unsere Chöre, sich das Gesangbuch als Grundlage zu nehmen. Wir können mit Umsicht andere Musik verwenden, die mit dem Geist unserer Kirchenlieder im Einklang steht, wie Charles Gounods wunderbares Lied „Göttlicher Erlöser", das zur Beisetzung Präsident Bensons gesungen wurde. Jedoch ist ein Lied der Kirche oft das inspirierendste und am besten geeignete Musikstück für einen Chor, einen Sänger oder einen Instrumentalsolisten (siehe Michael F. Moody, Ensign, August 1994, Seite 79).

Sakrale Musik kann uns helfen, auch wenn sie nicht formell dargeboten wird. Beispielsweise, wenn Versuchung naht, können wir ihr entgegenwirken, indem wir ein Lieblingslied summen oder den Text aufsagen (siehe Boyd K. Packer, Ensign, Januar 1974, Seite 25f.).

Unsere Kirchenlieder können ihre wundersame Wirkung auch dann entfalten, wenn nur wenige singen und das Lied kaum zu hören ist. Das verspürte ich vor einigen Monaten, als ich an einer Musikvorführung teilnahm, wie ich sie im meiner Zeit in der Kirche noch nicht erlebt hatte. Ich war gebeten worden, auf einer HLT- Gehörlosenkonferenz zu sprechen, zu der die Gehörlosengemeinde des Pfahles Salt Lake Park eingeladen hatte. Mehr als 300 gehörlose Brüder und Schwestern waren anwesend. Die Mitglieder der Pfahlpräsidentschaft und ich waren nahezu die einzigen Erwachsenen in der Versammlung, die hören konnten und sich bemühten, deutlich zu singen. Der Rest dieser großen Versammlung sang mit den Händen. Kaum eine Lippe bewegte sich, und kaum ein Laut war zu hören, außer der Orgel und den vier schwachen Stimmen auf dem Podium. Im Versammlungsraum bewegten sich alle Hände synchron mit dem Gesangsleiter, während die Anwesenden das Lied „Der Geist aus den Höhen gleich Feuer und Flammen" gestikulierten. Während wir so gemeinsam sangen, stieg der Geist des Herrn auf uns nieder, und wir waren bereit für das Gebet. Unsere sakrale Musik ist eine machtvolle Vorbereitung auf das Gebet und die Evangeliumsunterweisung.

Wir müssen unsere Lieder mehr dazu nutzen, uns mit dem Geist des Herrn in Einklang zu bringen, uns einig zu werden und uns zu helfen, daß wir unsere Lehre lehren und lernen. Wir müssen unsere Lieder beim Missionieren, im Evangeliumsunterricht, in den Kollegiumsversammlungen, beim Familienabend und bei unseren Heimlehrbesuchen besser nutzen. Die Musik ist ein wirksames Mittel, den himmlischen Vater und seinen Sohn, Jesus Christus, zu verehren. Wir müssen die Kirchenlieder nutzen, wenn wir geistige Kraft und Inspiration brauchen.

Wir, denen uns „so zumute gewesen ist, das Lied der erlösenden Liebe zu singen" (Alma 5:26), wir müssen weitersingen, daß wir uns noch mehr ihm nahen, der zu sakraler Musik inspiriert und der geboten hat, daß sie zu seiner Verehrung verwendet werde.

Mögen wir dabei eifrig sein, darum bete ich demütig, und ich tue es mit dem Zeugnis davon, daß das Evangelium Jesu Christi wahr ist und daß diejenigen, die wir heute bestätigt haben, von Gott berufen sind. Im Namen Jesu Christi. Amen.