1990–1999
Schlüssel, die niemals rosten
Fußnoten

Hide Footnotes

Farbschema

Schlüssel, die niemals rosten

Ich gebe allen Mitgliedern der Kirche den ernsten Rat: Folgt den Lehren und dem Rat derer, die jetzt als Propheten, Seher und Offenbarer die Schlüssel innehaben.

Vor einigen Monaten gingen Elder Holland und seine Frau, meine Frau und ich mit einer Gruppe in die faszinierende Altstadt von Jerusalem; wir suchten nach der Tür, in die der Name Hyde eingeritzt ist. Der bezaubernde Duft der offenen Gewürzgefäße, der Lärm der Händler - das war aufregend. Als wir das Kloster des Heiligen Erretters betraten und nach der Tür Ausschau hielten, betraten wir alte, von Steinmauern eingesäumte Wege. Man sagte uns, daß diese Mauern teilweise aus der Zeit der Kreuzfahrer stammen. An einer Mauer hing eine Anzahl uralter, rostiger Schlüssel. Einige davon waren riesig. Alle waren größer als die, die wir heute verwenden. Viele waren reich verziert. Viele Türen, die diese Schlüssel einmal aufschlossen, gibt es nicht mehr, und falls es sie doch noch geben sollte, wären die Schlüssel und die Schlösser zu rostig, als daß sie noch schließen würden.

Heute spreche ich von Schlüsseln, die nicht aus Metall sind; von Schlüsseln, die niemals rosten. Es sind die Schlüssel des Lebens und der Errettung im Reich Gottes. Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Ich gebe dir einen Schlüssel, der niemals rostet: Wenn du dich an die Mehrheit der Apostel und an die Aufzeichnungen der Kirche hältst, wirst du niemals vom Wege abgebracht werden."1

Ferner hat der Prophet gesagt: „Das Priestertum ist immerwährend. Der Erretter und Mose und Elija gaben Petrus, Jakobus und Johannes die Schlüssel - auf dem Berg, als sie vor ihm verwandelt wurden."2 Petrus, Jakobus und Johannes übergaben die Schlüssel des Gottesreiches Joseph Smith und ordinierten ihn zu einem Apostel und besonderen Zeugen für den Namen des Erretters und dazu, die Schlüssel seines geistlichen Dienstes innezuhaben.3 Die Schlüssel für die Sammlung Israels, die der Evangeliumszeit Abrahams und, was besonders wichtig ist, die Schlüssel der Siegelung wurden dem Propheten 1836 von Mose, Elias und Elija übertragen.4

Vor seinem Märtyrertod hat der Prophet Joseph, zweifellos mit einer gewissen Vorahnung, Vorbereitungen für sein Ableben getroffen. Präsident Joseph Fielding Smith bemerkt dazu:

„Der Prophet sagte, er kenne den Grund für dieses Gebot nicht, aber der Herr habe ihn geheißen, die Zwölf mit diesen Schlüsselvollmachten und diesem Priestertum auszurüsten, und nachdem dies geschehen war, frohlockte er und sagte sinngemäß:, Wenn man mich jetzt umbringt, habt ihr alle Schlüsselvollmachten und könnt sie auf andere übertragen, und die Macht des Satans wird nicht imstande sein, das Reich Gottes so schnell niederzureißen, wie ihr es aufbauen könnt. Auf euren Schultern wird die Verantwortung ruhen, dieses Volk zu führen."5

Als Wilford Woodruff vom Tod des Propheten Joseph und des Patriarchen Hyrum erfahren hatte, traf er sich mit Brigham Young, der damals Präsident des Kollegiums der Zwölf Apostel war. Er berichtet darüber: „Brigham Young war gerade nach Boston zurückgekehrt, und ich traf ihn auf der Straße gegenüber von Schwester Voces Haus. Wir gaben einander die Hand, aber wir waren beide nicht in der Lage, auch nur ein Wort zu sprechen. … Nachdem wir einige Tränen vergossen hatte, unterhielten wir uns. … Im Verlaufe des Gesprächs schlug er [Brigham Young] sich mit der Hand auf den Oberschenkel und sagte:, Gott sei Dank, die Schlüssel des Reiches sind hier."'6

Als Brigham Young nach Nauvoo zurückkehrte, stellte Sidney Rigdon, der ein Ratgeber Joseph Smiths gewesen war, die Führungsrolle Brigham Youngs in Frage. Da sagte Brigham Young den damals versammelten Heiligen: „Wenn die Leute Präsident Rigdon als Führer haben wollen, dann sollen sie ihn haben; ich aber sage euch, daß das Kollegium der Zwölf die Schlüssel des Reiches in aller Welt besitzt." Er fuhr fort: „Ich weiß, wo die Schlüssel 'des Reiches sind und wo sie ewig sein werden. Ihr könnt keinen Menschen als Prophet berufen; ihr könnt Eider Rigdon nicht über die Zwölf setzen. Wenn es so sein soll, dann muß er von ihnen ordiniert werden."7

Brigham Young, der Präsident des Kollegiums der Zwölf, wurde später Präsident der Kirche und Nachfolger des Propheten Joseph Smith. So ist es auch mit Präsident Howard W. Hunter, der nach dem Ableben von Präsident Ezra Taft Benson dessen Nachfolger wurde. Präsident Joseph Fielding Smith schreibt:

„Es ist kein Geheimnis, wie der Nachfolger des Präsidenten der Kirche bestimmt wird. Der Herr hat das vor langer Zeit geregelt, und der dienstälteste Apostel wird automatisch der präsidierende Beamte der Kirche. Er wird darin vom Rat der Zwölf bestätigt, der die präsidierende Körperschaft der Kirche ist, wenn es keine Erste Präsidentschaft gibt. Der Präsident wird nicht gewählt, sondern er muß sowohl von seinen Brüdern im Rat als auch von den Mitgliedern der Kirche bestätigt werden."8

Am 5. Juni 1994 trat das Kollegium der Zwölf, dessen Präsident Howard W. Hunter war und das gemeinsam alle Schlüssel des Reiches innehat, im Salt-Lake-Tempel zusammen. Sodann wurde Präsident Hunter von den Zwölf ordiniert und eingesetzt, wobei Präsident Gordon B. Hinckley als Sprecher für die Zwölf füngierte. So wurde Präsident Hunter der Präsident und gesetzmäßige Verwalter der Kirche, der einzige Mensch, der die Vollmacht hat, alle Schlüssel des Gottesreiches auf Erden zu übertragen, zu beaufsichtigen und anzuwenden. Er besitzt diese Schlüssel nun in der Nachfolge von Joseph Smith, Brigham Young, John Taylor, Wilford Woodruff, Lorenzo Snow, Joseph F. Smith, Heber J. Grant, George Albert Smith, David O. McKay, Joseph Fielding Smith, Harold B. Lee, Spencer W. Kimball und Ezra Taft Benson.

Die Schlüssel, die der Erretter Petrus, Jakobus und Johannes übergab und die sie wiederum dem Propheten Joseph Smith übergaben, sind nicht verrostet. Sie öffnen alle geistigen Türen in der Evangeliumszeit der Fülle. Heute wendet Präsident Howard W. Hunter die Schlüssel an, zusammen mit seinen Ratgebern in der Ersten Präsidentschaft und dem Kollegium der Zwölf, das unter der Weisung der Ersten Präsidentschaft fungiert.

Wie lange werden diese Schlüssel bestehen? Präsident Wilford Woodruff hat gesagt: „Als der Herr die Schlüssel des Gottesreiches, die Schlüssel des Melchisedekischen Priestertums, des Apostelamtes gab, da siegelte er sie auf das Haupt von Joseph Smith. Er siegelte sie auf sein Haupt, damit sie bis zum Kommen des Menschensohnes auf Erden blieben. … Er hatte sie inne bis zu dem Tag, an dem er starb. Dann ruhten sie auf einem anderen Mann. Auch er hatte die Schlüssel inne bis zur Stunde seines Todes. Dann fielen sie der Reihenfolge oder, mit anderen Worten, der Vorsehung Gottes gemäß Wilford Woodruff zu.

Ich sage den Heiligen der Letzten Tage: Die Schlüssel des Gottesreiches sind hier, und sie werden auch hier bleiben, bis der Menschensohn kommt. Ganz Israel soll das verstehen. Vielleicht ruhen sie nur kurze Zeit auf mir, doch dann ruhen sie auf einem anderen Apostel, und nach diesem auf einem weiteren, und so wird es sein, bis der Herr Jesus Christus in den Wolken des Himmels kommt, um alle Menschen gemäß den Taten zu richten, die sie im sterblichen Leib getan haben."9

Es gibt nur ein Oberhaupt dieser Kirche, und das ist der Herr Jesus Christus. Er ist das Haupt aller. Ihm untersteht Präsident Howard W. Hunter, der Mann, den der Herr erwählt hat, an der Spitze der Kirche zu stehen, mit seinen Ratgebern in der Ersten Präsidentschaft und dem Kollegium der Zwölf. Alle anderen Organisationen der Kirche sind denjenigen untergeordnet, die diese Schlüssel innehaben.

Warum sind diese geistigen Schlüssel so wichtig? Diese geistigen Schlüssel sind das „Recht, sich der segensreichen Verbindung mit dem Himmel zu erfreuen, sowie die Vollmacht und Befugnis, die heiligen Handlungen des Evangeliums Jesu Christi zu vollziehen, das Evangelium der Umkehr zu verkündigen und Taufe durch Untertauchen zur Vergebung der Sünden zu predigen".10 Das Aaronische Priestertum hat das Recht auf die Schlüssel des Dienstes der Engel.11 Das höhere Melchisedekische Priestertum hat den „Schlüssel der Geheimnisse des Reiches inne, nämlich den Schlüssel der Gotteserkenntnis".12 Jede im Rahmen der Kirche vollzogene Handlung muß unter der Vollmacht der Schlüssel zur richtigen Zeit, am richtigen Ort und in der angemessenen Weise und Ordnung vollzogen werden, damit sie wirksam und gültig ist. Die Vollmacht und Macht, alle Arbeiten im Gottesreich auf Erden zu leiten - das macht die Schlüssel des Priestertums aus. Wer diese Schlüssel innehat, der hat das Recht, innerhalb seines Aufgabenbereichs zu präsidieren und die Angelegenheiten der Kirche zu lenken.

Warum ist es so wichtig, denen zu folgen, die die Schlüssel der Priestertumsvollmacht innehaben? Der Grundsatz, der diese Kirche und ihre Mitglieder von Anfang an geleitet hat, ist Offenbarung. Unter den Mitgliedern der Kirche waren die lebenden Wahrworte Gottes, welche die Schlüssel zur Leitung seines heiligen Werkes innehatten. Ohne Propheten, Seher und Offenbarer können die Kirche und das Gottesreich nicht wachsen und gedeihen.

Im Jahre 1170 erkannte Petrus Waldes aus Lyon in Frankreich, daß apostolische Weisung nötig ist. Er war ein reicher Mann, doch er entsagte dem Reichtum, damit er das schlichte Leben eines Nachfolgers der Apostel Christi führen konnte. Er wirkte hauptsächlich unter den Armen in und um Lyon, und er ließ Teile der Bibel in die Sprache dieser Menschen übersetzen. Er und seine Anhänger reisten zu zweit umher und lehrten die einfachen Wahrheiten aus der Bibel. Einige von ihnen überquerten die Alpen und ließen sich in den Tälern von Piemont in Italien nieder.13

Die Angehörigen dieser tapferen Gruppe, die als Waldenser oder Vaudois bekannt sind, wurden von ihren Zeitgenossen als gefährliche Abweichler betrachtet. Im Lauf der Jahrhunderte wurden sie „am Pfahl verbrannt, lebendig begraben, gesteinigt, … erhängt, in krankheitsverseuchte Verliese gepfercht [und] … über Felsen, Schluchten und eisbedeckte Berge gejagt".14 Und doch blieben diese Menschen standhaft und wehrten ganze Armeen der Tyrannen ab, um ihr kostbares Erbe zu bewahren, nämlich den Glauben an die frühen Apostel, welche die Schlüssel besaßen, die niemals rosten.

Im Jahre 1655 verfügte ihr Landesherr, der Herzog von Savoyen, daß sie entweder zu widerrufen hätten oder abgeschlachtet würden. Das folgende Gemetzel weckte schließlich das Gewissen einiger ihrer Mitmenschen, darunter auch John Milton, der englische Dichter. Abgestoßen von dieser Untat schrieb er das Sonnet On the Late Massacre in Piedmont. Darin heißt es:

„Räche, o Herr, deine gemordeten

Heiligen, deren Knochen verstreut liegen auf den kalten Bergen der

Alpen."15

1850 erstieg Eider Lorenzo Snow vom Rat der Zwölf Apostel der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage den hohen Berg bei LaTour, um die Waldenser von Piemont zu besuchen. Er und seine beiden Begleiter standen auf einem kühn aufragenden Felsen und verkündigten, daß Joseph Smith den Vater und den Sohn gesehen und das Evangelium in seiner Fülle und Vollständigkeit wiederhergestellt hatte. Er bezeugte, daß die Schlüssel des heiligen Apostelamtes wiederhergestellt worden waren. Er bezeugte auch, daß es tatsächlich wieder lebende Apostel und Propheten auf Erden gab. Viele glaubten dieser erstaunlichen Botschaft und schlössen sich der Kirche an.

Bewegt von dem, was er bei den Waldensern in den Alpentälern erlebt hatte, schrieb Präsident Snow das aufrüttelnde Lied:

Für der Berge Kraft wir preisen dich, unsrer Väter Gott, du machst deine Kinder mächtig in des stolzen Gebirges Hort.16

John Daniel Malan wurde am 27. Oktober 1850 als erster Waldenser getauft, später folgten die Familien Cardon, Stalle, Beuse, Pon, Malan, Gaudin, Chatelains und viele andere. Einige von den Waldensern waren in den ersten Handkarrengruppen, die Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts ins Salzseetal kamen. Die Familien verbanden sich durch Heirat mit wohlbekannten Familien der westlichen Vereinigten Staaten, beispielsweise mit den Familien Larson, Maughan, Crockett, Miner, Budge, Thatcher, Steed und Parkinson.17 Mit der Kraft, die sie aus ihren Wurzeln in den Bergen zogen, pflegten viele ihrer Nachkommen den Weinberg der kurz zuvor wiederhergestellten Kirche, und heute leisten sie einzigartige Beiträge für die weltweite Kirche; sie glauben wie ihre Vorfahren, daß die Apostel die Schlüssel innehaben, die niemals rosten.

Ich gebe allen Mitgliedern der Kirche den ernsten Rat: Folgt den Lehren und dem Rat derer, die jetzt als Propheten, Seher und Offenbarer die Schlüssel innehaben. Es sind diejenigen, die uns dazu inspirieren, mit den Wechselfällen des heutigen Lebens zurechtzukommen. Ich bitte Sie alle: Versuchen Sie nicht, willkürlich Evangeliumsgrundsätze und Schriftstellen aus dem Zusammenhang zu lösen, um fälschlicherweise geistigen Ungehorsam zu rechtfertigen! Versuchen Sie nicht, sich selbst gegen den Rat derer, die in der Kirche prophetisches Gewicht haben, von der Verpflichtung gegen die Bündnisse und Verordnungen zu distanzieren. Die heiligen Schriften und die Lehren der Kirche dürfen nicht, wie Petrus sagt, eigenmächtig ausgelegt werden.18

Große Kraft in zeitlicher und geistiger Hinsicht erwächst den Menschen, die denjenigen folgen, die in dieser Zeit die Schlüssel des Gottesreiches innehaben. Persönliche Kraft und Macht kommt davon, daß man den ewigen Grundsätzen gehorcht, die von den lebenden Vertretern des Herrn gelehrt werden. Möge der Geist Gottes auf uns ruhen, wenn wir den lebenden Wahrworten folgen.

Nun, da diese historische Konferenz dem Ende zugeht, gebe ich gern der Welt Zeugnis von einer sehr bedeutenden Sache. Als ein besonderer Zeuge des Herrn Jesus Christus bestätige ich, daß unter denen, die die Schlüssel des Reiches Gottes auf Erden innehaben, völlige Einigkeit, Liebe und gegenseitige Achtung herrschen. Vorbehaltlos bestätigen und unterstützen wir Präsident Howard W. Hunter, Präsident Gordon B. Hinckley und Präsident Thomas S. Monson als die Erste Präsidentschaft. Diese völlige Einigkeit und Unterstützung für die Erste Präsidentschaft kam vergangenen Donnerstag im Salt-Lake-Tempel zum Ausdruck, und zwar in einem Beschlußantrag, den Präsident Boyd K. Packer im Namen der Zwölf vortrug. Präsident Rex D. Pinegar stimmte dem Antrag für die Siebziger zu, und Bischof Merrill J. Bateman tat es für die Präsidierende Bischofschaft. Sodann stimmten alle Generalautoritäten zu, Präsident Packers Vorlage anzunehmen und damit die Erste Präsidentschaft ebenso wie einander völlig zu unterstützen. In dieser Einigkeit werden die Pforten der Hölle nicht gegen uns obsiegen. Das bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.