1990–1999
Kostbare und überaus große Verheißungen
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Kostbare und überaus große Verheißungen

Je mehr sich unsere Lebensführung voll der Lebensführung der Welt entfernt, desto mehr Menschen flüchten sich in die Kirche.

Liebe Brüder und Schwestern, ich danke Ihnen für Ihre Unterstützung bei der Abstimmung. Demütig stehe ich heute vor Ihnen, im Herzen noch die Trauer um unseren geliebten Propheten, Präsident Ezra Taft Benson, der ja erst vor kurzem verstorben ist. Er war mir ein lieber Freund, und ich trauere sehr um ihn, vor allem in Anbetracht der neuen Aufgaben, die mir heute übertragen worden sind.

Ich habe viele Tränen vergossen und aufrichtig zum himmlischen Vater gebetet, um diese hohe und heilige Berufung erfüllen zu können. Ich habe darum gebetet, daß ich würdig sein möge, diese Verantwortung zu übernehmen, die in unserer Evangeliumszeit schon dreizehn Propheten vor mir übernommen haben. Vielleicht können nur sie auf der anderen Seite des Schleiers verstehen; wie schwer die Verantwortung auf mir tastet und wie sehr ich auf den Herrn angewiesen bin, um diese heilige Berufung erfüllen zu können.

Während der vergangenen Monate war mein festes Zeugnis, nämlich daß dieses Werk das Werk Gottes und nicht das Werk

quelle. Jesus Christus ist das Oberhaupt dieser Kirche und führt sie in Wort und in Tat. Ich fühle mich über die Maßen geehrt, daß ich eine Zeitlang ein Werkzeug in seinen Händen sein und über seine Kirche präsidieren darf. Aber ohne die Gewißheit, daß Christus das Oberhaupt dieser Kirche ist, könnte ich niemals die Last der Verantwortung tragen, die diese Berufung mit sich bringt. Niemand kann das.

Wenn ich darüber nachdenke, wird mir bewußt, wie wundersam Gott in meinem Leben gewirkt hat. Er hat mich oft beschützt und mir Kraft gegeben; er hat mich von der Schwelle des Todes zurückgezogen und es mir gestattet, meinen Dienst hier auf Erde noch eine Zeitlang fortzusetzen. Ich habe mich schon manchmal gefragt, warum der Herr mich so beschützt hat. Aber jetzt ist diese Frage nicht mehr wichtig, und ich bitte nur noch um den Glauben und die Gebete der Mitglieder, damit wir gemeinsam - ich mit Ihnen - daran arbeiten können, den Willen Gottes zu dieser Zeit zu erfüllen.

Ich bin auch dankbar für die Gebete und den Glauben meiner Frau, meiner Familie, der Generalautoritäten und der vielen glaubenstreuen Mitglieder, die für mich gebetet, sich um mich gesorgt und sich für meine Gesundheit interessiert haben.

Es ist jetzt 35 Jahre her, daß ich als Mitglied des Kollegiums der Zwölf bestätigt wurde. So habe ich viel Zeit gehabt, um mich auf die mir jetzt übertragene Aufgabe vorzubereiten. Ich habe Nord- und Südamerika, West - und Osteuropa, Asien, Australien, Afrika und die Inseln des Meeres bereist und den Mitgliedern dort Zeugnis gegeben. Ich bin auch oft im Heiligen Land gewesen und habe die Stätten besucht, wo Jesus gewirkt hat. Heute bereitet mir das Gehen Schwierigkeiten, aber mein Sinn ist klar, und mein Geist ist jung.

Ich nehme die Berufung des Herrn, seine Kirche zu leiten, gerne an - voller Dankbarkeit für die Offenbarungen, durch

die das Führungssystem der Kirche geschaffen wurde.

Jeder Bruder, der zum Apostel ordiniert und als Mitglied des Kollegiums der Zwölf eingesetzt wird, wird als Prophet, Seher und Offenbarer bestätigt. Die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel, die berufen und ordiniert worden sind, die Schlüssel des Priestertunis inne - zuhaben, sind bevollmächtigt und beauftragt, die Kirche zu führen, ihre heiligen Handlungen zu vollziehen, ihre Lehren zu verkünden und ihren Verhaltens grundsätzen Geltung zu verschaffen und sie zu bewahren.

Wenn der Präsident der Kirche krank oder nicht in der Lage ist alle Aufgaben zu erfüllen, die zu seinem Amt gehören, so übernehmen seine beiden Ratgeber, die gemeinsam mit ihm das Kollegium der Ersten Präsidentschaft bilden, alte Aufgaben, die zur Präsidentschaft gehören. Alle wichtigen Fragen, Richtlinien, Programme und Lehren werden gebeterfüllt in den Ratsversammlungen mit den Ratgebern in der Ersten Präsidentschaft sowie mit dem Kollegium der Zwölf Apostel erörtert. Jede verbindliche Entscheidung der Ersten Präsidentschaft und des Kollegiums der Zwölf muß einstimmig getroffen werden.

Dieses inspirierte Vorgehen ermöglicht es, daß die Kirche ohne Unterbrechung voranschreiten kann. Die Führung der Kirche und die Ausübung der prophetischen Gaben obliegen stets der apostolischen Vollmacht, die alle Schlüsselgewalt des Priestertums innehat und ausübt.

Ich empfinde dasselbe wie Präsident Joseph F Smith der vor vielen Jahren in einer ähnlichen Situation gesagt hat:

,,Ich schlage vor, meine Ratgeber und Mitpräsidenten in der Ersten Präsidentschaft sollen sich mit mir die Verantwortung einer jeden Handlung teilen, die ich von Amts wegen vornehme. Ich habe nicht vor, die Zügel allein in die Hand zu nehmen und zu tun, was mir beliebt; sondern ich beabsichtige, das auszuführen, worin meine Brüder mit mir übereinstimmen und was mir der Geist des Herrn kundtut. Ich bin seit jeher der Ansicht gewesen und werde es immer bleiben, daß es nicht recht ist, wenn nur ein Mann die ganze Vollmacht und Macht der Präsidentschaft in der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage allein ausübt. Ich wage nicht, eine solche Verantwortung auf mich zu nehmen. Ich werde dies auch gar nicht tun, solange Männer wie diese mir mit ihrem Rat zur Seite stehen. Mit ihnen kann ich die Arbeiten, die wir zu erledigen haben, besprechen, ebenso alles andere, was dem Frieden, Fortschritt und Glück des Gottesvolkes und dem Aufbau Zions dient."

Und weiter hat Präsident Smith gesagt:

,,Sollten meine Brüder im Apostelamt jemals bemerken, daß ich dazu neige, von diesem Grundsatz abzuweichen, oder sollten sie sehen, daß ich dieses feierliche Versprechen vergesse, das ich heute vor dieser Priestertumsversammlung gebe, dann bitte ich sie im Namen des Vaters im Himmel daß sie als meine Brüder, als Ratgeber im Priestertum und als Wächter auf den Türmen Zions zu mir kommen und mich an dieses Gelöbnis und Versprechen erinnern, das ich heute vor der ganzen Kirche ablege, die hier zur Konferenz versammelt ist.

Der Herr hat nie beabsichtigt, daß ein Mann allein alle Verantwortung haben soll. Aus diesem Grund hat er in seiner Kirche Präsidenten, Apostel, Hohe Priester, Siebziger, Älteste und die einzelnen Beamten des geringeren Priestertums eingesetzt. Diese alle sind in ihrer Ordnung und an ihrem Platz wesentlich, je nach der Vollmacht, die ihnen übertragen ist." (Joseph E Smith, Evangeliums lehre, Seite 20t 202.)

Diese Worte Präsident Smiths spiegeln wider, was ich heute empfinde.

So wie meinen Brüdern vor mir, ist auch mir die Gewißheit zuteil geworden, daß Gott seinen Propheten führen wird. Ich nehme diese Berufung demütig an und rufe mit dem Psalmisten aus:, ,Der Herr ist meine Kraft und mein Schild, mein Herz vertraut ihm. Mir wurde geholfen." (Psalm 28:7.)

Als ich zu diesem Amt berufen wurde, bat ich die Mitglieder der Kirche, zweierlei zu tun. Diese Aufforderung möchte ich heute noch einmal wiederholen.

Erstens bitte ich alle Mitglieder der Kirche, dem Leben und dem Beispiel des Herrn Jesus Christus noch mehr Beachtung zu schenken, vor allem der Liebe und der Hoffnung, die sein Leben so sehr ausgezeichnet haben. Ich bete darum, daß wir freundlicher, höflicher und geduldiger miteinander umgehen mögen, immer bereit, einander zu vergeben.

Denjenigen, die übertreten haben oder gekränkt wurden, legen wir ans Herz: Kommen Sie zurück! Der Weg der Umkehr - so schwer er manchmal auch sein mag - ist der Weg nach oben und führt zu vollständiger Vergebung.

Denjenigen, denen Schmerz zugefügt wurde, die ringen und Angst empfinden, rufen wir zu: Lassen Sie es zu, daß wir Ihnen beistehen und Ihre Tränen trocknen! Kommen Sie zurück. Gehen Sie mit uns zur Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage. Nehmen Sie die Aufforderung des Herrn, ihm nachzufolgen, ganz wörtlich. (Siehe Matthäus 16:24; 19:2t Markus 8; l0:2 Lukas 9:23; 18:22; Johannes 21:22; LuB 38:22.)Der Herr ist der einzig sichere Weg; er ist das Licht der Welt.

Wir werden auch weiterhin - und Sie erwarten das sicher auch gar nicht anders - die Verhaltensmaßstäbe hochhalten, die einen Heiligen der Letzten Tage auszeichnen. Denn der Herr selbst hat uns diese Maßstäbe gegeben, und wir dürfen sie nicht außer Kraft setzen.

Wir wollen uns mit allen Lehren des Herrn befassen und seinem Beispiel noch williger nacheifern. Er hat uns ja alles gegeben,, ,was für unser Leben und unsere Frömmigkeit gut ist". Er hat uns zu, ,Herrlichkeit und Kraft berufen" und uns, ,die kostbaren und überaus großen Verheißungen geschenkt, damit wir dadurch, ,an der göttlichen Natur Anteil" erhalten. (Siehe 2 Petrus 1:3,4.)

Ich glaube an diese, ,kostbaren und überaus großen" Verheißungen' und ich bitte alle, die mich heute hören, sich diese zu eigen zu machen. Wir müssen danach streben,, ,an der göttlichen Natur Anteil" zu erhalten, denn nur dann können wir wahrhaft darauf hoffen,, ,Frieden in dieser Welt und ewiges Leben in der zukünftigen Welt" zu finden. (Siehe LuB 59:23.)

In diesem Sinne fordere ich die Heiligen der Letzten Tage auf, den Tempel des Herrn als Symbol ihrer Mitgliedschaft in der Kirche zu sehen. Ich wünsche mir aus tiefstem Herzen, daß jedes Mitglied der Kirche würdig sein möge, in den Tempel zu gehen. Der Herr würde sich sehr freuen, wenn jedes erwachsene Mitglied würdig wäre und einen Tempelschein besäße. All das, was wir tun beziehungsweise unterlassen müssen, um einen Tempelschein erhalten zu können, stellt nämlich sicher, daß wir mit uns selbst zufrieden und mit unserer Familie glücklich sind.

Wir wollen ein Volk sein, das in den Tempel geht. Gehen Sie so oft in den Tempel, wie die Umstände es erlauben. Hängen Sie zu Hause ein Bild vom Tempel auf, damit Ihre Kinder es immer sehen.. Erklären Sie Ihnen den Zweck des Hauses des Herrn. Arbeiten Sie von klein auf mit ihnen darauf hin, daß sie in den Tempel gehen und immer für diese Segnung würdig sein werden.

Wenn der nächstgelegene Tempel so weit entfernt ist daß Sie eher selten dorthin fahren können, dann vertiefen Sie sich in die Geschichte Ihrer Familie, und bereiten Sie die Namen Ihrer Angehörigen für die heiligen Handlungen vor, die nur im Tempel vollzogen werden. Genealogie ist wichtig für die Tempelarbeit und wer Genealogie betreibt, wird gewiß gesegnet werden.

Wir möchten unserem Volk den Tempel näherbringen. Deshalb haben wir den Bau weiterer Tempel angekündigt und auch schon begonnen. Andere Tempel sind noch in der Planungsphase. Schon bald werden wir den Orlando - Tempel in Florida und den Bountiful –Tempel in Utah weihen können.

Im Rahmen der heiligen Handlungen im Tempel wird die Grundlage für die ewige Familie geschaffen. Die Kirche hat die Aufgabe - und die Vollmacht-, die Familie, die ja die Grundlage der Gesellschaft bildet, zu bewahren und zu schützen. Die Familie, schon vor der Erschaffung der Welt in ihrer Form festgesetzt, ist dazu ausersehen, daß Kinder auf die Welt kommen und von Eltern erzogen werden, die vor dem Gesetz miteinander verheiratet sind. Die Elternschaft ist eine heilige Aufgabe und eine Gabe Gottes, denn Kinder sind, ,eine Gabe des Herrn" (Psalm 127:1)

Die Menschen merken jetzt mit Besorgnis, daß die Auflösung der Familie genau die Folgen nach sich zieht, die die Propheten vorhergesagt haben. Alle weltlichen Versuche etwas daran zu ändern, werden nur dann von Erfolg gekrönt sein, wenn wir den Begriff, ,Familie" ausschließlich so verstehen, wie er mit den Offenbarungen des Herrn in Einklang steht. Denn, ,wenn nicht der Herr das Haus baut, müht sich jeder umsonst, der daran baut" (Psalm 127:1).

Je mehr sich unsere Lebensführung von der Lebensführung der Welt entfernt, desto mehr Menschen - Hunderte und Tausende flüchten sich jedes Jahr zu uns und sagen:

,,Kommt, wir ziehen hinauf zum Berg des Herrn und zum Haus des Gottes Jakobs. Er zeige uns seine Wege, auf seinen Pfaden wollen wir gehen. Denn von Zion kommt die Weisung des Herrn, aus Jerusalem sein Wort." (Jesaja 2:3.)

Liebe Brüder und Schwestern, ich gebe Zeugnis, daß die Eingebungen des Heiligen Geistes mich beim Nachdenken über diese Fragen geleitet haben. Gott, der ewige Vater, lebt. Jesus Christus, unser Erretter und Erlöser, führt seine Kirche durch seine Propheten.

Lassen Sie uns gemeinsam nach den, ,kostbaren und überaus großen Verheißungen" streben., ,Und gib, heiliger Vater, daß … sie in dir aufwachsen und eine Fülle des Heiligen Geistes empfangen und sich gemäß deinen heiligen Gesetzen organisieren und bereit sind, alles zu erlangen, was nötig ist." (LuB 109:14,~5.)

Ich erbitte den Segen des Herrn für Sie - für lhre Familie, für Ihre Arbeit und für Ihren Dienst in der Kirche.

Ich will dem Herrn mein Leben weihen und ihm mit aller Kraft und ganzer Seele dienen. Mögen wir auf ihn hören, und mögen wir den Mut haben, ihm nachzufolgen. Darum bitte ich demütig im Namen Jesu Christi. Amen.