1990–1999
Das Einfache
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Das Einfache

Wir dürfen nicht versäumen, das Einfache und Leichte zu tun,das das Evangelium von uns fordert, denn sonst versagen wir unseren Familien die großen Segnungen, die der Herr verheißen hat.

Präsident Hunter, ich liebe und unterstütze Sie von ganzem Herzen und it ganzer Seele, wie es auch alle anderen Siebziger tun. Wir verkünden allen unser Zeugnis, daß Jesus Christus wirklich lebt und Sie in dieser Zeit als sein Prophet berufen sind.

Ich bin Präsident Howard W. Hunter zum erstenmal 1967 begegnet, als ich sein Büro aufsuchte, um für eine neue Berufung eingesetzt zu werden. Wir sprachen kurz über meine neue Aufgabe und dann überraschte er mich, indem er sinngemäß folgendes sagte: „Bruder Pinegar, wir brauchen nicht jemand, der in dieser Berufung dient. Wissen Sie, was wir brauchen?" Ich saß da und wußte nicht, was ich antworten sollte. Ich fragte mich, ob ich im Hinblick auf meine Berufung etwas falsch verstanden hatte. In seiner freundlichen Art sagte er, wenn wir die nächsten hundert Mitglieder, die vor dem Verwaltungsgebäude der Kirche vorbeigingen, anhalten würden, wären fast alle von ihnen fähig und gewillt, in dieser selben Berufung zu dienen. „Was wir brauchen", sagte er, „sind Heimlehrer; Menschen, die bereit sind, füreinander dazusein. Das ist es, was die Kirche heute so dringend braucht."

Dann sagte er mit einem Lächeln: „In Ordnung, Bruder Pinegar, ich werde Sie trotzdem einsetzen." Als er mir die Hände auflegte, war ich mir nicht sicher, was er sagen würde. Ich dachte, er würde mich vielleicht als Heimlehrer einsetzen. Auf seine liebevolle, beruhigende Art gab er mir den Segen, daß ich in der Lage sein würde, meine Berufung zu erfüllen. - Ich gelobte mir, ein besserer Heimlehrer zu werden.

Was Präsident Hunter damals über die Heimlehrer gesagt hat, stimmt völlig damit überein, daß er heute auf die einfachen Botschaften des Evangeliums Jesu Christi so viel Wert legt. Das große Werk des Herrn wird vor allem durch kleine, liebevolle Taten vollbracht, die beispielhaft sind für die grundlegenden Lehren seines Evangeliums. Das Einfache folgsam zu tun war schon immer die Methode, die Segnungen des Herrn zu erlangen.

Denken Sie an die Geschichte von Naaman, den Feldherrn des Königs von Aram. Er „galt viel bei seinem Herrn …, denn durch ihn hatte der Herr den Aramäern den Sieg verliehen. Der Mann war tapfer, aber an Aussatz erkrankt." (2 Könige 5:1.)

Auf Anweisung des Königs wurde Naaman zum Propheten Elischa geschickt, der ihn von seiner furchtbaren Krankheit heilen sollte.

„So kam Naaman mit seinen Pferden und Wagen und hielt vor dem Haus Elischas. Dieser schickte einen Boten zu ihm hinaus und ließ ihm sagen: Geh und wasch dich siebenmal im Jordan! Dann wird dein Leib wieder gesund, und du wirst rein.

Doch Naaman wurde zornig … und sagte: Ich dachte, er würde herauskommen, vor mich hintreten, den Namen Jahwes, seines Gottes, anrufen, seine Hand über die kranke Stelle bewegen und so den Aussatz heilen. …

Doch seine Diener traten an ihn heran und redeten ihm zu: Wenn der Prophet etwas Schweres von dir verlangt hätte, würdest du es tun; wieviel mehr jetzt, da er zu dir nur gesagt hat: Wasch dich, und du wirst rein.

So ging [Naaman] also zum Jordan hinab und tauchte siebenmal unter, wie ihm der Gottesmann befohlen hatte. Da wurde sein Leib gesund wie der Leib eines Kindes, und er war rein." (2 Könige 5:9-11,13,14.)

Sind wir nicht manchmal wie Naaman und halten Ausschau nach großen oder wichtigen Werken, die zu tun sind, und übersehen dabei das Einfache, das unser Leben ändern und uns von unseren Bedrängnissen heilen kann?

Bei einer Fireside an der Brigham Young University sagte Präsident Hunter: „Wenn Sie das Gefühl haben, daß das, was Sie in diesem Jahr oder in den kommenden Jahren tun, Sie nicht sehr berühmt machen wird, dann fassen Sie Mut: Die meisten der besten Menschen, die je gelebt haben, waren ebenfalls nicht sehr berühmt."

Ein andermal sagte er: „Wahre Größe zu erlangen, ist ein langfristiger Vorgang …, der wohl immer regelmäßige, beständige, kleine und manchmal ganz gewöhnliche, alltägliche Schritte erfordert, und das über einen langen Zeitraum."

Der Herr hat gesagt: „… aus etwas Kleinem geht das Große hervor." (LuB 64:33.)

Präsident David O. McKay hat auch einmal über die Kraft von kleinen und einfachen Taten gesprochen.

„Es gibt keine einmalige große Tat, durch die wir ewiges Leben erlangen können, und mir scheint, die bedeutende Lektion, die wir heute leinen müssen, ist, in den kleinen Taten und Aufgaben des Lebens die herrlichen Grundsätze des Evangeliums anzuwenden. Wir dürfen nicht meinen, nur weil manches von dem, was heute gesagt wurde, einfach und banal zu sein scheint, sei es unwichtig. Schließlich besteht das Leben aus kleinen Dingen. Unser Leben, unser körperliches Dasein hier auf der Erde, besteht aus kleinen Herzschlägen. Lassen Sie das kleine Herz aufhören zu schlagen, und es gibt kein Leben mehr in dieser Welt." Präsident McKay fuhr fort: „Die große Sonne ist eine mächtige Kraft im Universum, doch wir empfangen ihre Strahlung als kleine Sonnenstrahlen, die zusammengenommen die ganze Welt mit Licht erfüllen. Die dunkle Nacht wird durch den Schimmer von scheinbar kleinen Sternen erhellt. Und ebenso besteht ein wahres christliches Leben aus vielen kleinen christlichen Taten, die jetzt, in dieser Stunde, in dieser Minute in der Familie, im Kollegium, in einer Organisation, in der Stadt verrichtet werden, wo auch immer wir leben und handeln." (Generalkonferenz, 1914.)

Wenn wir uns darauf konzentrieren, die einfachen Botschaften des Erretters in unserer Familie zu lehren und zu verwirklichen, werden wir zu besseren Menschen, und unsere Familie wird stärker. Dann werden wir die Zerstörung der Familie erfolgreich bekämpfen, die ja, wie Präsident Hunter gesagt hat, in unserer Welt heute die größte Herausforderung darstellt. Wenn wir uns selbst vervollkommnen, dann vervollkommnen wir auch unsere Gesellschaft. Die vorderste Verteidigungslinie in einer Welt des geistigen und sittlichen Verfalls ist und bleibt die Familie.

Christusähnliche Eigenschaften, die schon früh im Leben erworben werden, legen Wertmaßstäbe fest, die dazu führen, daß wir richtige Entscheidungen treffen und richtig handeln.

Jemand hat gesagt: „Kinder sind wie feuchter Beton; was auch darauf fällt, hinterläßt einen Eindruck." (Haim Ginott.)

Als Teenager begann ich, für einen Bauunternehmer zu arbeiten, und half mit, das Betonfundament für Häuser zu gießen. Ich lernte, daß Beton eine Mischung aus ganz einfachen Bestandteilen ist, die für sich genommen für ein Fundament nicht stabil genug wären. Doch wenn sie in der richtigen Reihenfolge und Zusammensetzung vermischt werden, bilden winzige Sandkörner, kleine Kieselsteine, Wasser und Zement eine einzigartige Substanz von außerordentlicher Festigkeit und Beständigkeit. Nachdem der Beton angerührt ist, kann er einige Stunden lang in jede gewünschte Form gegossen werden. Am Anfang, wenn er noch nicht vollständig getrocknet ist, kann selbst der winzigste Vogel, der über die weiche Oberfläche hüpft, einen Abdruck hinterlassen. Später jedoch wird der Beton so fest, daß ein Elefant darüber laufen kann, ohne eine Spur zu hinterlassen.

So wie ein paar einfache Bestandteile, die in der richtigen Weise zusammengefügt werden, ein starkes Fundament für ein Haus bilden, so sind die einfachen Lehren des Evangeliums miteinander verbunden, um ein starkes Fundament für unser Leben zu bilden.

Im Gegensatz dazu muß uns aber auch bewußt sein, daß es kleine Dinge gibt, die uns zerstören können, anstatt uns aufzubauen und zu stärken. Streut man winzige Salzkörner auf Beton, kann das tatsächlich dazu führen, daß er bricht und zerfällt, wenn sie nicht entfernt werden. In ähnlicher Weise werden kleine Schritte in die falsche Richtung, die ignoriert oder nicht berichtigt werden, uns schwächen und zerstören. Große Probleme entstehen aus der Meinung, daß es auf Kleinigkeiten nicht ankäme.

Wie damals Naaman, sind auch wir von unseren Propheten angewiesen worden, etwas Einfaches zu tun, worauf es sehr wohl ankommt. Wir haben einfache Anweisungen erhalten, die jeder von uns befolgen kann, um die Familie zu stärken, uns von unseren geistigen Bedrängnissen zu heilen und in Gedanken und Tat Nachfolger Jesu zu werden.

Den Eltern wird der Rat gegeben, einen Abend in der Woche darauf zu verwenden, ihre Kinder in den grundlegenden Evangeliumsprinzipien zu unterweisen.

Die Erste Präsidentschaft hat erklärt:

„Keine Organisation der Kirche kann die Eltern ersetzen und ihnen diese Aufgabe abnehmen. Die Kirche kann bestenfalls jede erdenkliche Hilfe anbieten, damit die Eltern keine Entschuldigung dafür haben, sich dieser überaus heiligen und lebenswichtigen Aufgabe zu entziehen, nämlich in der Familie eine stabile Grundlage zu errichten. …" (1974 Family Home Evening Manual.)

Wenn der Prophet uns bitten würde, etwas Großartiges zu tun, um diese große Segnung zu erlangen, würden wir es dann tun? Regelmäßig den Familienabend abzuhalten ist etwas ganz Einfaches, das wir tun können, um diese großen Segnungen zu erlangen.

Es gibt noch etwas Einfaches, was wir alle tun können, um dem Erretter näherzukommen und seine Führung zu erlangen, und das ist das tägliche Familiengebet. Der Erretter selbst hat gelehrt: „Betet in euren Familien immer in meinem Namen zum Vater, damit eure Frauen und Kinder gesegnet seien." (3 Nephi 18:21.)

Miteinander beten, danach trachten, den Willen des Vaters im Himmel zu erfahren, und sich die Kraft wünschen, seinen Willen auch zu tun, das bringt ihn uns näher. Außerdem werden dadurch die einzelnen Familienmitglieder in einer gemeinsamen Zielrichtung und Absicht vereint. Wie einfach der Herr es uns macht! Wir müssen nichts weiter tun, als in seinem Namen voll Glauben zu bitten, und er wird unsere Gebete hören und beantworten. Ja, wenn der Prophet uns bitten würde, etwas Großartiges für diese Segnungen zu tun, würden wir es dann nicht tun? Das regelmäßige Familiengebet ist etwas ganz Einfaches, wodurch wir große Segnungen erlangen.

Präsident Ezra Taft Benson hat verheißen, daß unsere Kinder uns und dem Herrn nahe bleiben und daß wir „ungeahnten Segen" empfangen werden, wenn wir gewissenhaft das Buch Mormon gemeinsam lesen und „die Weisungen befolgen". (Der Stern, Bericht von der 156. Frühjahrs-Generalkonferenz, 1986, Seite 78.) Er sagte, daß wir im Buch Mormon „Kraft, Trost und Schutz finden". (Der Stern, Januar 1987, Seite 4.)

Wenn wir vom Herrn lesen, seine Worte hören und seine Lehren kennenlernen, empfangen wir in der Familie und im Herzen den friedevollen Geist der Wahrheit und des Glaubens. Dann erfahren wir, was Jesus möchte, daß wir tun und sagen sollen.

Wenn der Prophet etwas Großartiges von uns verlangt hätte, damit wir diese Segnungen erlangen, würden wir es nicht tun? Täglich im Buch Mormon zu lesen ist eine ganz einfache Voraussetzung dafür, so große Segnungen zu empfangen.

Im Buch Mormon erklärt der Prophet Nephi seinem Volk, warum so viele der Kinder Israel in der Wildnis zugrunde gingen, nachdem sie Ägypten verlassen hatten. Wegen ihres Übeltuns sandte der Herr „feurige fliegende Schlangen unter sie; und nachdem sie gebissen worden waren, bereitete er ein Mittel, daß sie geheilt werden konnten; und sie brauchten nichts zu tun, als zu schauen; aber weil das Mittel so einfach war, ja, weil es so leicht war, gab es viele, die zugrunde gingen" (l Nephi 17:41).

Brüder und Schwestern, wir dürfen nicht versäumen, das Einfache und Leichte zu tun, das das Evangelium von uns fordert, denn sonst versagen wir unserer Familie die großen Segnungen, die der Herr verheißen hat.

Auf der Generalkonferenz im April hat Eider Neal A. Maxwell vom Kollegium der Zwölf gefragt: „In Anbetracht der gegenwärtigen Umstände - sind die Eltern bereit, auf nur eine einzige Sache zu verzichten und die gesparte Zeit und die Talente statt dessen der Familie zu widmen?" (Der Stern, Juli 1994, Seite 80.)

Charles Francis Adams, der Enkel des zweiten Präsidenten der Vereinigten Staaten, war ein erfolgreicher Rechtsanwalt, Mitglied des Repräsentantenhauses und US-Botschafter in England. Bei seinen vielen Aufgaben blieb ihm wenig Zeit. Dennoch führte er ein Tagebuch. An einem Tag schrieb er: „Heute bin ich mit meinem Sohn angeln gegangen - ein vergeudeter Tag!"

Unter demselben Datum hatte Charles Adams' Sohn, Brooks Adams, in seinem Tagebuch vermerkt: „Heute bin ich mit meinem Vater angeln gegangen - der schönste Tag in meinem Leben." (Daily Guideposts -1994, Scott Walker.)

Präsident Hunter hat gesagt: „Häufig sind es gerade die gewöhnlichen Aufgaben, die den größten positiven Einfluß auf das Leben anderer haben." (BYU 1986/87 Fireside Speeches, „What is True Greatness?", Seite 115.)

Ich bete, daß wir wie unser Prophet den Glauben haben, dem Erretter darin zu folgen, daß wir das Einfache tun, das sein Evangelium von uns fordert. Denn wenn der Prophet des Herrn von uns verlangt hätte, irgend etwas Großartiges zu tun, um die großen Segnungen des Herrn zu empfangen, wer von uns würde es nicht tun? Im Namen Jesu Christi. Amen.