2016
    Das Schwierigste am Leben als Missionar
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    Das Schwierigste am Leben als Missionar

    Die Verfasserin lebt in Utah.

    Manchmal ist die größte Schwierigkeit bei der Missionsarbeit nicht die Missionsarbeit selbst.

    The Hardest Part of Being a Missionary

    Illustrationen von Heather Landis

    Ein Missionar sagte einmal zu mir: „Wenn es immer hieß, eine Mission sei schwer, dachte ich, ich müsse vielleicht frieren oder mit schwierigen Lebensbedingungen zurechtkommen oder hätte Probleme, die Sprache zu lernen. Für mich ist das Schwierigste jetzt jedoch das, was in meinem Kopf vorgeht: niedergeschlagen zu sein oder mich über meinen Mitarbeiter zu ärgern oder nicht mit Fremden sprechen zu wollen – einfach mit all den Höhen und Tiefen, der Ablehnung, der Veränderung fertigzuwerden.“

    The Hardest Part of Being a Missionary

    Zur Vorbereitung auf eine Mission kannst und sollst du durchaus die Anleitung Verkündet mein Evangelium! lesen, dich dem Schriftstudium widmen und lernen, wie man kocht und wäscht. Aber du musst auch jetzt schon praktische Erfahrung mit den emotionalen, sozialen und sonstigen Kompetenzen sammeln, die du als Missionar brauchst. Hier sind einige davon aufgeführt. Du kannst eine oder zwei auswählen und gleich damit anfangen, dich darin zu üben.

    Die Kompetenz, demütig zu sein, ohne sich gedemütigt zu fühlen

    Eine Missionarin in Alabama sagte mir: „Ich dachte wohl, dass ich bei meiner Einsetzung irgendwie mit Superkräften ausgestattet werden würde. Es war also ein ziemlicher Schock, als ich im Missionsgebiet feststellte, dass ich immer noch einfach nur ich selbst war. Ich hatte immer noch die gleichen Schwächen, Ängste und Unzulänglichkeiten. Sie sind nicht einfach verschwunden. Ich musste lernen, mit meiner Unzulänglichkeit, das Werk des Herrn zu tun, umzugehen.“

    Ganz gleich, ob du schon viele oder nur wenige Erfolge vorzuweisen hast, wenn du im Missionsgebiet ankommst: Wenn du demütig und lernwillig und bereit bist, am Ball zu bleiben und dich anzustrengen, kann der Herr mit dir arbeiten. Deine missionarischen Fähigkeiten verbessern sich aber nur, wenn du dich darin übst, Fragen stellst, dir helfen lässt und dir weiter Mühe gibst. Wenn du meinst, man sei einfach von Natur aus gut (oder von Natur aus schlecht), wenn es um die Missionsarbeit, das Erlernen einer Sprache, ein Zeugnis oder die Beziehung zu anderen geht, wirst du es schwer haben.

    Ein Missionar sagte einmal zu mir: „Ich musste lernen, dass es das Werk des Herrn ist, nicht meines. Es ist völlig in Ordnung, wenn ich mich unzulänglich fühle, weil ich unzulänglich bin. Ich werde nie gut genug sein, das zu tun, was nur Gott tun kann. Ich kann viel tun, um mich zu verbessern, aber ich muss es nicht alles alleine schaffen. Ich kann mich auf Gott verlassen.“

    Bemühe dich, etwas Neues zu tun, etwas, was dir schwerfällt. Dann lernst du, Gefühle der Unzulänglichkeit nicht zu schwer zu nehmen. Zum Beispiel:

    • Unternimm etwas, was dich Überwindung kostet: Such dir beispielsweise einen neuen Job oder mach etwas völlig Neues in deiner Freizeit oder belege einen Kurs zu einem dir unbekannten Thema. Stell Fragen, lass dir helfen, analysiere Fehler und gib nicht auf. Nimm etwas in Angriff, was du üben und woran du arbeiten musst, damit du lernst, dir selbst zuzutrauen, dass du dich verbessern wirst, wenn du dich anstrengst.

    • Verscheuche den Gedanken aus deinem Kopf, dass man Talente, Intelligenz und soziale Kompetenzen entweder von Geburt an besitzt oder eben nicht. Die besten Sportler, Musiker und Gelehrten – und Missionare – erleiden auf ihrem Weg zum Erfolg viele Rückschläge und üben viele Stunden.

    Die Kompetenz, mögliche (und tatsächliche) Ablehnung zu ertragen

    Ablehnung und Enttäuschung sind auf Mission eine tägliche Erfahrung. Übe dich darin, Risiken einzugehen und Ablehnung in Kauf zu nehmen, damit du lockerer damit umgehen kannst.

    • Bewirb dich um eine Stelle, geh zu Vorstellungsgesprächen, arbeite in Teilzeit oder Vollzeit.

    • Bewirb dich um die Aufnahme in eine Mannschaft oder eine Theatergruppe.

    • Lade jemanden ein, etwas mit dir zu unternehmen.

    • Wenn etwas nicht gut läuft, dann achte darauf, welche Gedanken und Verhaltensweisen dir helfen, besser damit zurechtzukommen und dich besser zu fühlen.

    • Lerne aus Rückschlägen und starte einen neuen Versuch.

    The Hardest Part of Being a Missionary

    Die Kompetenz, sich selbst zu motivieren

    Wir alle müssen herausfinden, wie wir uns selbst motivieren können, wenn wir gelangweilt sind, und wie wir uns selbst beruhigen können, wenn wir überlastet sind.

    • Wenn du einmal gelangweilt bist oder es einfach nicht vorwärtsgehen will, sei neugierig und finde heraus, was falsch läuft und wie man es in Ordnung bringen kann. Mach dir ein Spiel daraus oder überlege, was du daraus lernen kannst.

    • Achte bewusst darauf, ob du überlastet bist, und finde heraus, wie du wieder zur Ruhe kommst (mit jemandem reden, sich entspannen, etwas aufschreiben, singen, spazieren gehen). Es soll etwas sein, was du auch auf Mission machen kannst. Tritt einen Schritt zurück, schlüssle das Problem auf, lass dir von anderen helfen, geh kleine Schritte, bete und unterlasse negative Selbstgespräche.

    The Hardest Part of Being a Missionary

    Die Kompetenz, mit Meinungsverschiedenheiten und Unterschieden zurechtzukommen

    Mitarbeiter, Führer in der Kirche, Mitglieder, Freunde der Kirche werden, so wunderbare Menschen sie auch sind, doch auch manchmal deine Geduld auf die Probe stellen.

    Du könntest schon einmal mit deinen Geschwistern oder Freunden Folgendes üben:

    • Frag andere, weshalb sie so handeln, wie sie handeln. Dann lernst du sie noch mehr schätzen.

    • Übernimm Verantwortung und bitte aufrichtig um Entschuldigung, wenn du jemanden durch dein Verhalten verletzt hast, auch wenn es unabsichtlich war.

    • Überleg dir, ob es für das Verhalten eines anderen nicht auch eine verständliche Erklärung gibt. Hege keinen Groll.

    • Sprich ein Problem offen an und bitte um Hilfe dabei, es zu lösen, anstatt anderen die Schuld zuzuschieben oder dich nur aufzuregen.

    • Sprich bei Meinungsverschiedenheiten mit sanfter Stimme und zeige Achtung vor den Gefühlen anderer.

    • Wähle einen Zimmergenossen aus, der ganz anders ist als du. Sei positiv und interessiere dich für seine Vorlieben.

    Die Kompetenz, gut zu kommunizieren

    Unabhängig davon, ob du introvertiert (schüchtern) oder extrovertiert (kontaktfreudig) bist, kannst du lernen, gut zu kommunizieren. Du wirst es auf Mission und dein Leben lang brauchen.

    Wenn du eher introvertiert bist:

    • Setz dir zum Ziel, dich jede Woche fünf Minuten mit jemandem zu unterhalten, den du noch nicht kennst (vor allem mit einem Erwachsenen).

    • Lächle, interessiere dich für Menschen und lerne, gute Fragen zu stellen, die den anderen zum Reden ermuntern.

    • Finde verschiedene Möglichkeiten heraus, wie man ein Gespräch beginnen und wie man es höflich beenden kann.

    • Sei aufmerksam und nimm wahr, wenn andere ein Gespräch mit dir beginnen wollen. Sei offen und aufgeschlossen.

    Wenn du eher extrovertiert bist:

    • Stelle Fragen, um andere aus der Reserve zu locken.

    • Übe dich darin, ein guter Zuhörer zu sein.

    • Achte auf Anzeichen, ob dein Gesprächspartner des Zuhörens müde wird. Gib anderen genügend Raum.

    The Hardest Part of Being a Missionary

    Die Kompetenz, sich um sein körperliches Wohlbefinden zu kümmern

    Als Missionspräsident führte mein Mann einmal ein Gespräch mit einem Missionar, der Probleme hatte und sehr niedergeschlagen war. Mein Mann hatte das Gefühl, er solle ihn fragen: „Elder, was haben Sie heute zum Frühstück gegessen?“

    „Eiskrem.“

    „Was haben Sie zu Mittag gegessen?“

    „Pommes frites.“

    „Was haben Sie zum Abendessen gegessen?“

    „Pommes frites und Eiskrem.“

    „Wie lange ernähren Sie sich schon von Pommes frites und Eiskrem?“

    „Seit etwa einem Monat.“

    „Dann erhalten Sie jetzt von mir den Auftrag, nach Hause zu gehen und etwas Grünes zu essen – aber kein Pfefferminzeis!“

    Ernährung und Bewegung wirken sich auch auf unsere Lebenseinstellung aus. Beginne jetzt hiermit:

    • Informiere dich über eine gute Ernährung. Ernähre dich gesund. Wenn du wählerisch bist, probiere etwas Neues aus.

    • Treibe Sport. Regelmäßige Bewegung hilft jedem, mit Angst und Niedergeschlagenheit besser zurechtzukommen. Beginne mit kleinen Schritten und steigere dich allmählich. Mach beispielsweise einen Abendspaziergang (vielleicht mit einem Freund oder mit Musik), geh während der Werbepausen im Fernsehen auf der Stelle oder mach ein paar Rumpfbeugen oder Liegestütze.

    • Lerne, auf deine Sachen achtzugeben, deine Kleidung zu pflegen, gut mit deinem Geld und deiner Zeit umzugehen.

    • Eigne dir gute Schlafgewohnheiten an. Wenn dir das Einschlafen oder das Aufstehen schwerfällt, bitte andere um hilfreiche Tipps. Lege dir eine Routine für das Schlafengehen und das Aufstehen zurecht, die dir auch als Missionar nützlich sein wird.

    Die Kompetenz, positiv eingestellt zu sein

    • Entwickle einen Sinn für Humor. Lach über dich selbst, nicht über andere. Nimm nicht alles so ernst, dass du total gestresst bist.

    • Bitte zurückgekehrte Missionare, dir zu sagen, was ihnen besonders schwergefallen ist und wie sie damit klargekommen sind. Hol dir dadurch Anregungen, die dir nützlich sein können.

    • Erstelle eine Liste mit Schriftstellen und Kirchenliedern, die dich aufbauen und deinen Glauben stärken.

    • Verscheuche negative Gedanken, die dir in den Sinn kommen, mit etwas Positivem. Wenn etwas sarkastisch, herabsetzend, beschämend, wütend oder grausam ist oder dir das Gefühl gibt, alles sei hoffnungslos oder du seist hilflos, kommt es nicht vom Herrn. Er macht uns immer Hoffnung und Mut und ist immer mitfühlend, vor allem, wenn man sich Mühe gibt.

    Die Kompetenz, sich um sein geistiges Wohlbefinden zu kümmern

    • Bete von ganzem Herzen. Bitte den Vater im Himmel, sich zu dir zu setzen, und sprich ganz offen mit ihm über deine Probleme, deine Wünsche und deine Dankbarkeit. Übe dich darin, laut zu beten, beim Beten Stift und Papier bereitzulegen und Eingebungen aufzuschreiben oder im Gebet einfach nur zu danken.

    • Vertiefe dich in die heiligen Schriften. Suche und erwarte Antworten auf deine Fragen und Anliegen.

    • Sei schon jetzt ein Missionar. Begleite die Vollzeitmissionare, komm im täglichen Gespräch mit deinen Freunden auf Evangeliumsthemen zu sprechen und gib in der Kirche aufrichtig Zeugnis. Die Begeisterung für Missionsarbeit entsteht durch Missionsarbeit!