2016
    Ist es das wirklich wert?
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    Ist es das wirklich wert?

    Brandon Comstock, Utah

    Unser vierjähriger Sohn Coleton präsentierte uns stolz einen Zettel, den er von seiner PV-Lehrerin bekommen hatte. Darauf stand sein Text für die Darbietung der Kinder in der Abendmahlsversammlung. Wir hatten nun zwei Wochen Zeit, ihm seine Textzeile beizubringen, die aus sechs Wörtern bestand.

    Am Montagabend machten wir aus dem Familienabend gleich eine Hauptprobe. Mit einem Grinsen im Gesicht startete Coleton dutzende Versuche, und meine Frau und ich gaben Tipps wie: „Bitte albere dabei nicht herum!“ oder „Denk daran, laut und deutlich zu sprechen!“

    Trotz all unserer Anstrengungen war ich am Ende nicht sicher, ob unser Üben irgendetwas gebracht hatte.

    Als wir uns am nächsten Sonntag für die Kirche bereitmachten, mussten wir nach zwei verlorengegangenen Socken suchen, ein acht Monate altes, zahnendes Baby beruhigen und einen weinenden Vierjährigen trösten.

    In der Abendmahlsversammlung war gerade erst das Anfangslied vorbei, da war ich schon zweimal mit einem weinenden Kind in den Flur hinausgegangen. Als sich der Chor zum Singen erhob, hatte ich schon fast die Hoffnung aufgegeben, irgendeiner aus unserer Familie könne heute noch erbaut werden. Ich hoffte nur, dass wir bis zum Ende der Versammlung durchhalten würden.

    Mit dem letzten Amen seufzte ich vor Erleichterung tief auf. Noch während ich im Stillen den Sieg feierte, stellte sich mir unausweichlich die Frage: Ist es das wirklich wert? Bringt es unseren Kindern irgendetwas, dass wir sie jede Woche in die Kirche mitnehmen?

    Da fiel mir ein, was Elder David A. Bednar vom Kollegium der Zwölf Apostel einmal gesagt hat: „Manchmal waren meine Frau und ich der Verzweiflung nahe, da die rechtschaffenen Gewohnheiten, die zu pflegen wir so eifrig bemüht waren, scheinbar nicht sofort das gewünschte und erhoffte Ergebnis brachten. …

    Meine Frau und ich dachten, der größte Erfolg läge darin, unseren Söhnen den Inhalt einer bestimmten Lektion oder einer konkreten Schriftstelle näherzubringen. Ein solcher Erfolg stellt sich jedoch nicht immer dann ein, wenn man gemeinsam liest, betet oder lernt. Die wichtigste Lektion war wohl die Beständigkeit unserer Absichten und unserer Anstrengung – eine Lektion, deren Wert uns damals gar nicht völlig bewusst war.“ („Zu Hause eifriger und besorgter“, Liahona, November 2009, Seite 19f.)

    Mit neuer Zuversicht fuhr ich nach Hause und übte eifrig weiter mit meinem Sohn. Als es dann so weit war, hörten wir ihm begeistert zu, wie er laut, deutlich und selbstsicher verkündete: „Jesus Christus ist der Sohn Gottes.“

    Wir hatten ihn diesen Satz dutzende Male vor der Darbietung sagen hören. Aber als er ihn hier, fort von zu Hause, ganz allein sagte, war es etwas ganz anderes und viel beglückender.

    Wir haben noch viel Erziehungsarbeit zu leisten, bevor aus unserem kleinen Jungen ein Mann wird, aber wir werden weiter unser Bestes geben: die Versammlungen besuchen, den Familienabend abhalten und das tägliche Gebet pflegen, in der Hoffnung, dass er sich eines Tages, wenn er nicht mehr Zuhause, sondern auf sich allein gestellt ist, an diesen unendlich wichtigen Satz erinnert: „Jesus Christus ist der Sohn Gottes.“