2002
Schreiben wir uns doch die Grundsätze des Evangeliums ins Herz
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Schreiben wir uns doch die Grundsätze des Evangeliums ins Herz

„Erkenntnis allein reicht nicht aus. Wir müssen uns die Zeit nehmen, die Grundsätze auch anzuwenden.“

Englisch ist die Sprache der Wiederherstellung. In dieser Konferenzversammlung ist die englische Sprache, mit Akzent gesprochen, ein Symbol für das Wachstum der Kirche in der ganzen Welt. Ich komme aus Südamerika, wo die Kirche gewaltig wächst. Als ich mich vor 30 Jahren taufen ließ, hatten wir 108 000 Mitglieder und 6 Pfähle. Wir hatten damals auf unserem Kontinent keinen Tempel. Jetzt haben wir 2 600 000 Mitglieder und 557 Pfähle. Elf Tempel sind in Betrieb und zwei im Bau befindlich. Nephi, der Sohn Lehis, hat gesagt: „Aber ich, Nephi, habe geschrieben, was ich geschrieben habe, und ich erachte es als von großem Wert, besonders für mein Volk. Denn ich bete beständig für sie bei Tag, und ihretwegen benetzen meine Augen mein Kissen bei Nacht.“ (2 Nephi 33:3.) Dieser tief empfundene Ruf wird in unserer Zeit durch das Buch Mormon erhört. Nephi betete, die Worte, die er in seiner Schwäche geschrieben hatte, möge Gott für die Menschen stark machen: „Denn das bewegt sie dazu, dass sie Gutes tun; es bringt ihnen Kunde von ihren Vätern; und es spricht von Jesus und überzeugt sie, an ihn zu glauben und bis ans Ende auszuharren, und das ist ewiges Leben.“ (2 Nephi 33:4.)

Ich erlebe, wie sich in Südamerika immer mehr Mitglieder von der Lehre und den Grundsätzen des Evangeliums leiten lassen. Unsere Aufgabe besteht in Südamerika und andernorts darin, auch weiterhin nach den Grundsätzen zu suchen, die in den heiligen Schriften und den Lehren der Propheten zu finden sind, und sie aufzuschreiben, und zwar „nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes, nicht auf Tafeln aus Stein, sondern – wie auf Tafeln – in Herzen von Fleisch“ (2 Korinther 3:3). Die Grundsätze des Evangeliums so fest zu etablieren dauert seine Zeit. Wir brauchen Zeit, um die Wahrheiten des Evangeliums überhaupt kennen zu lernen, und wir brauchen Zeit, um sie dann anzuwenden.

Für die meisten Mitglieder in Südamerika begann das Kennenlernen der Evangeliumsgrundsätze damit, dass wir uns die Zeit nahmen, uns die Lektionen und das Zeugnis der Missionare anzuhören. Wir nahmen uns die Zeit, zuzuhören, und müssen den Missionaren, die in unserem Land dienen, einfach zutiefst dankbar sein. Unser tief empfundener Dank gilt nicht nur den Missionaren, sondern auch ihrer Familie, die sie ausgesandt hat. (Jetzt senden Tausende von Südamerikanern auch ihre Kinder aus, eine Mission zu erfüllen und die frohe Botschaft des wiederhergestellten Evangeliums zu verkünden.) Wir Mitglieder der ersten Generation sind auch sehr dankbar für unsere Eltern, die sich, auch wenn sie selbst keine Mitglieder waren, die Zeit nahmen, uns rechtschaffene Grundsätze zu lehren, die uns darauf vorbereiteten, die Evangeliumsbotschaft zu erkennen und freudig aufzunehmen.

Die Missionare standen am Anfang – mit ihnen begann unsere Aufgabe, die Lehre und die Grundsätze des Evangeliums zu lernen; das Evangelium im Herzen zu bewahren ist jedoch eine fortdauernde Aufgabe, die Zeit erfordert. Erkenntnis allein reicht nicht aus. Wir müssen uns die Zeit nehmen, die Grundsätze auch anzuwenden. Nephi wusste beispielsweise, dass der Herr unser Beten erhört. Er beherzigte diese Erkenntnis vor vielen hundert Jahren, was uns immerwährende Segnungen einbringt. Wenn wir gründlich lesen, sehen wir, dass Nephi mit großem Glauben zu Gott betete, weil er wusste, Gott würde sein „Rufen“ vernehmen (siehe 2 Nephi 33:3). Wir sind so dankbar dafür, dass Nephi sich die Zeit genommen hat, seine Erkenntnis in die Tat umzusetzen. Wir sind so dankbar dafür, dass Nephi sich diese Erkenntnis ins Herz schrieb, und zwar „nicht mit Tinte, sondern mit dem Geist des lebendigen Gottes“.

Wie die Gelehrsamkeit braucht auch das Jüngersein Zeit. Manchmal erkennen wir, dass ein bestimmter Grundsatz wahr ist, ändern aber unsere Prioritäten nicht so, dass wir Zeit gewinnen, nach dem Grundsatz zu leben. Dadurch verpassen wir wertvolle Gelegenheiten, eine Herzenswandlung zu erfahren, wie der Heilige Geist es lehrt. Denken Sie doch an das Beispiel des Enos, der es aufschob, die Erkenntnis zu beherzigen, die sein Vater ihm vermittelt hatte. Später nahm er sich doch noch die Zeit, nach dieser Erkenntnis zu leben, und wir sind dadurch gesegnet. Enos berichtet, er sei in den Wald gegangen, um zu jagen, und da seien ihm die Lehren seines Vaters über das ewige Leben und die Freude der Heiligen zu Herzen gegangen, so dass er beschloss, sich die Zeit zu nehmen, zu beten (siehe Enos 1:3,4). Der Herr antwortete Enos und verhieß ihm mit einem Bund, er werde die Aufzeichnungen zu der von ihm bestimmten Zeit für die Lamaniten hervorbringen (siehe Enos 1:16). Gott erhört unsere Gebete. Enos entnahm diesen Grundsatz den Steintafeln und schrieb ihn sich ins Herz, wodurch er auf eine höhere Ebene der Erkenntnis gelangte. Das gereichte ihm und uns in der heutigen Evangeliumszeit zum Segen.

Alles Mögliche kann unsere gute Absicht vereiteln, Zeit dafür aufzubringen, dass wir die Grundsätze des Evangeliums lernen und vor allem nach ihnen leben. Beispielsweise kann die Fülle an Informationen zu einem beliebigen Thema, die die verschiedenen Medien bringen, überwältigend sein. Eine solche Fülle an Informationen kann dazu führen, dass manche „immer lernen und … doch nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen können“ (2 Timotheus 3:7).

Jeder von uns kann sich selbst beurteilen und feststellen, was ihn davon abhält, sich die Zeit zu nehmen, nach einem Grundsatz des Evangeliums zu leben; er kann dann umkehren und die nötigen Änderungen vornehmen, so dass er genug Zeit hat, nach diesem Grundsatz zu leben. Für den Fall, dass wir das tun, hat der Herr uns verheißen, dass wir seine Wahrheiten zunehmend verstehen, so wie Enos. Der Erretter hat gesagt: „Wer bereit ist, den Willen Gottes zu tun, wird erkennen, ob diese Lehre von Gott stammt oder ob ich in meinem eigenen Namen spreche.“ (Johannes 7:17.)

Wenn wir uns die Zeit nehmen, die Grundsätze des Evangeliums zu lernen, darüber nachzusinnen und vor allem danach zu leben, erfahren wir die Freude und den Frieden, die der Geist schenkt. Die Kirche wird in Südamerika und andernorts in der Welt weiter aufblühen, weil immer mehr Mitglieder die Grundsätze des Evangeliums nicht mit Tinte aufschreiben, sondern mit dem Heiligen Geist – nicht auf Tafeln aus Stein, sondern – wie auf Tafeln – in ihrem Herzen. Ich bezeuge: Wenn wir uns die Zeit nehmen, die Wahrheiten aus den heiligen Schriften in unser Leben aufzunehmen, dann bleibt es nicht dabei, dass wir sie mit dem Verstand würdigen, sondern sie führen dazu, dass wir Christus ähnlicher werden. Ich weiß, dass der Erretter der lebendige Messias ist. Dies alles bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.