2002
Unsere Pflicht vor Gott
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Unsere Pflicht vor Gott

„Es ist nicht nur eine sehr bedeutende Aufgabe, sondern auch ein außerordentlicher Vorzug, das Priestertum zu tragen und eure Pflicht vor Gott zu tun.“

Als junger Mann war ich von der Geschichte Samuels im Alten Testament sehr beeindruckt; seine dankbare Mutter Hanna hatte sein Leben Gott geweiht. Schon als kleiner Junge wurde er zum Tempel gebracht, wo er dann lebte und diente. Eines Nachts wurde er vom Herrn dreimal gerufen und antwortete jedes Mal: „Hier bin ich“1, weil er dachte, sein Lehrer, der Hohepriester Eli, hätte ihn gerufen. Der weise Eli wusste, dass der kleine „Samuel … den Herrn noch nicht [kannte] und ihm das Wort des Herrn … ihm noch nicht offenbart worden“ war2, und er erkannte, dass der Herr den Jungen gerufen hatte. Deshalb sagte er Samuel, wie er antworten sollte, und als Samuel das nächste Mal vom Herrn gerufen wurde, antwortete er: „Rede, denn dein Diener hört.“3

Wenn wir Samuels Leben verfolgen, erkennen wir, dass er seine Pflicht vor Gott tatsächlich erfüllte; und „Samuel wuchs heran und der Herr war mit ihm und ließ keines von all seinen Worten unerfüllt“.4 Und so wurde Samuel selbst ein großer Prophet und Führer.

Ich hoffe, dass euch, den jungen Männern im Aaronischen Priestertum, heute bewusst ist, dass ihr – genau wie Samuel – eine heilige Pflicht vor Gott habt. Samuel hatte eine heiligmäßige Mutter, Hanna, und einen großartigen Priestertumsführer, Eli. Die meisten von euch haben ebenfalls wunderbare Eltern und inspirierte Priestertumsführer, die sich um euch kümmern und bereit sind, euch und euren Eltern in dem Bestreben, eure Pflicht vor Gott zu erfüllen, zu helfen.

Präsident Gordon B. Hinckley hat von euch und eurer Generation gesagt: „Ich … habe mein ganzes Leben lang große Zuneigung für die Jungen und Mädchen in dieser Kirche empfunden. … Wir lieben euch sehr und beten unablässig darum, dass der Geist euch helfen möge. Ihr habt viele schwierige Entscheidungen zu treffen; ihr hegt Träume und Hoffnungen und sehnt euch nach etwas, was euch Frieden und Glück schenkt. …

Ich verheiße euch, dass Gott euch nicht im Stich lässt, wenn ihr, geführt von seinen Geboten, auf seinen Pfaden wandelt.“5

Mit dieser Verheißung im Sinn möchte ich euch an die in der Kirche vorhandenen Hilfsmittel erinnern, die euch helfen, eure Pflicht vor Gott zu erfüllen. Auch Elder Hales hatte sie ja schon erwähnt, und im Brief der Ersten Präsidentschaft wird ebenso darauf eingegangen. Die Ziele des Aaronischen Priestertums helfen euch:

  • euch zum Evangelium Jesu Christi zu bekehren und nach seinen Lehren zu leben.

  • treu in den Berufungen des Priestertums zu dienen und die Aufgaben eures Amts im Priestertum zu erfüllen.

  • auf sinnvolle Weise zu dienen.

  • euch auf das Melchisedekische Priestertum und die heiligen Handlungen des Tempels vorzubereiten.

  • euch auf eine Vollzeitmission vorzubereiten und sie dann ehrenhaft zu erfüllen.

  • so viel Bildung wie möglich zu erlangen.

  • euch darauf vorzubereiten, ein würdiger Ehemann und Vater zu werden.

  • Frauen, Mädchen und Kindern mit der nötigen Achtung zu begegnen.

Das Programm „Pflicht vor Gott“ hilft euch, diese Ziele des Aaronischen Priestertums zu erreichen. Um die Auszeichnung „Pflicht vor Gott“ zu verdienen, müsst ihr bestimmte Ziele des Aaronischen Priestertums erreichen und an Aktivitäten mit der Familie, besonderen Kollegiumsaktivitäten und an einem Dienstprojekt im Rahmen des Programms teilnehmen, Tagebuch führen und persönliche Ziele in allen vier Kategorien erreichen, nämlich:

  • Geistige Entwicklung

  • Physische Entwicklung

  • Entwicklungsbereiche Bildung und Ausbildung sowie persönliche Entwicklung

  • Entwicklung als Staatsbürger und Mitglied in der Gesellschaft

Wenn bei euch das Scoutprogramm durchgeführt wird, werdet ihr feststellen, dass ihr mit vielen Scoutaufgaben zugleich auch das erfüllen könnt, was für die Auszeichnung „Pflicht vor Gott“ erwartet wird. Sowohl die Aktivitäten in dem Programm „Pflicht vor Gott“ als auch die Scoutaktivitäten lehren uns, in allem, „was nötig ist“6, vorbereitet zu sein. Die Auszeichnung „Pflicht vor Gott“ und das Adlerscout-Abzeichen [oder eine vergleichbare Auszeichnung] sollen einander ergänzen und nicht miteinander konkurrieren.

Die Erste Präsidentschaft und die Mitglieder des Kollegiums der Zwölf Apostel lieben euch; sie möchten euch in dieser immer schwieriger werdenden Zeit stärken. Von dieser Liebe und diesem Wunsch geleitet, haben sie für euch die überarbeitete Broschüre Für eine starke Jugend – unsere Pflicht vor Gott erfüllen und zusätzliches Material für die Jungen Männer und die Jungen Damen und die Eltern und Führungskräfte herausgegeben.

Wenn ihr jungen Männer im Aaronischen Priestertum euch bemüht, die Auszeichnung „Pflicht vor Gott“ zu erlangen, wie die Jungen Damen ihrerseits in dem Programm „Mein Fortschritt“ arbeiten, tretet ihr mit ihnen gemeinsam als Zeugen Gottes auf. Euer Zeugnis zeigt sich in dem, was ihr sagt, aber auch in der Art, wie ihr lebt und die Gebote haltet.

Ihr wisst, dass das eigentliche Ziel nicht darin besteht, die Auszeichnung „Pflicht vor Gott“ zu erlangen; es geht vielmehr darum, Eigenschaften zu entwickeln, die euch helfen, euch mehr auf eure Pflicht vor Gott zu konzentrieren. Diese Eigenschaften halten euch auf dem richtigen Weg, so dass ihr würdig und fähig seid, den heiligen Aufgaben und Gelegenheiten gerecht zu werden, die vor euch liegen. Sie helfen euch, jetzt glücklich, rein und stark zu sein und euch zudem auf Ereignisse vorzubereiten, die für die Ewigkeit von Bedeutung sind, wie die Segnungen des Tempels zu empfangen, eine Mission zu erfüllen und schließlich die Siegelung an eine würdige Partnerin im Haus des Herrn.

Alma machte das mit zeitlosen Worten klar, als er im Land Gideon lehrte: „Und nun, meine geliebten Brüder, habe ich euch dies gesagt, damit ich in euch das Bewusstsein eurer Pflicht vor Gott erwecke, damit ihr untadelig vor ihm wandelt, damit ihr nach der heiligen Ordnung Gottes wandelt, nach der ihr aufgenommen worden seid.“7

Ihr, die ihr das Priestertum empfangen habt, wünscht euch sicher, nach dieser “heiligen Ordnung“ zu wandeln, zu der ihr berufen und ordiniert worden seid. Ihr erkennt, dass mit jedem verheißenen Segen Pflichten verbunden sind. Wenn ihr diese Pflichten erfüllt, erhaltet ihr Gelegenheit, anderen zu dienen und euch in geistiger Hinsicht weiterzuentwickeln. Das sind entscheidende Schritte in dem Bemühen, Jesus ähnlicher zu werden.

Der Erretter, der für uns alles ertrug8, sah sich teilweise ähnlichen Herausforderungen gegenüber wie wir in unseren ersten Jahren im Aaronischen Priestertum. Ihr wisst, was Jesus erlebte, als er ungefähr so alt war wie die meisten von uns, wenn sie Diakon werden. Er war mit seiner Familie und anderen zum Tempel gegangen. Als es Zeit war, wieder nach Hause zurückzukehren, war er nicht bei Maria und Josef. Sie müssen angenommen haben, dass er bei guten Freunden oder Verwandten war. Erst als er nach einer ganzen Weile nicht wiederkam, fingen sie an, sich Sorgen zu machen. Als pflichtbewusste Eltern taten Maria und Josef das, was unsere Eltern in einer ähnlichen Situation wohl ebenfalls getan hätten: Sie suchten nach ihm. Wahrscheinlich können nur Eltern und Großeltern ganz nachvollziehen, was in ihnen vorging, als sie Jesus im Tempel fanden. Einerseits waren sie erleichtert, dass er in Sicherheit war, andererseits aber vielleicht auch ein bisschen überrascht von seiner Reaktion. Hat einer von euch schon einmal etwas Ähnliches erlebt? Wir alle kennen den Wortwechsel, der sich daran anschloss: „Als seine Eltern ihn sahen, waren sie sehr betroffen und seine Mutter sagte zu ihm: Kind, wie konntest du uns das antun? Dein Vater und ich haben dich voll Angst gesucht. Da sagte er zu ihnen: Warum habt ihr mich gesucht? Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“9

Jesus hätte sagen können: Wisst ihr nicht, dass ich meine Pflicht vor Gott verrichte? Präsident Harold B. Lee hat gesagt, dass die Bedeutung der Frage Jesu in Lehre und Bündnisse, Abschnitt 64, zu finden ist.10 Präsident Lee hat gesagt: „Wenn jemand Träger des Priestertums wird, so wird er zum Bevollmächtigten des Herrn. Er soll seine Berufung so betrachten, als handle er im Auftrag des Herrn. Das heißt es, das Priestertum groß zu machen. Stellt euch vor, der Meister würde euch fragen: ‚Wisst ihr nicht, dass ihr eure Pflicht vor Gott verrichten müsst?‘ – was auch der junge Jesus seinen Eltern zu verstehen gab. Was auch immer ihr gemäß dem Willen des Herrn tut, ist die Angelegenheit des Herrn.“11 Es ist nicht nur eine sehr bedeutende Aufgabe, sondern auch ein außerordentlicher Vorzug, das Priestertum zu tragen und eure Pflicht vor Gott zu tun.

Manchmal habt ihr vielleicht das Gefühl, dass eure Eltern und Führer wie Maria und Josef reagieren. Nachdem Jesus mit der wichtigen Frage bezüglich der Pflicht gegenüber seinem Vater geantwortet hatte, lesen wir bei Lukas: „Doch sie verstanden nicht, was er damit sagen wollte.“12

Achtet jetzt trotzdem genau auf das, was Jesus dann tat! Es ist ein Beispiel für das, was wir tun müssen, wenn wir unsere Pflicht vor Gott wirklich erfüllen wollen. „Dann kehrte er mit ihnen nach Nazaret zurück und war ihnen gehorsam. … Jesus aber wuchs heran und seine Weisheit nahm zu und er fand Gefallen bei Gott und den Menschen.“13

Ihr dürft nicht vergessen, dass eure Pflicht gegenüber Gott sehr eng mit eurer Pflicht gegenüber eurer Familie, besonders gegenüber euren Eltern, verbunden ist. Sie besteht nicht nur darin, Gott gehorsam zu sein, sondern auch den Eltern und Priestertumsführern, so dass man seine Pflicht vor Gott wahrhaftig erfüllen kann. Mögen wir alle wie Samuel sein, der zum Herrn sagte: „Rede, denn dein Diener hört.“14 Im Namen Jesu Christi. Amen.

Anmerkungen

  1. Siehe 1 Samuel 3:4–8.

  2. 1 Samuel 3:7.

  3. 1 Samuel 3:10.

  4. 1 Samuel 3:19.

  5. Gordon B. Hinckley, Liahona, April 2001, Seite 30.

  6. LuB 88:119.

  7. Alma 7:22.

  8. Siehe Alma 7:11; LuB 18:11.

  9. Lukas 2:48,49.

  10. Siehe LuB 64:29.

  11. Harold B. Lee, Stand Ye In Holy Places, Seite 255.

  12. Lukas 2:50.

  13. Lukas 2:51,52.

  14. 1 Samuel 3:10.