2002
Die Macht eines starken Zeugnisses
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Die Macht eines starken Zeugnisses

„Wie sicher und glücklich Sie persönlich sind, hängt davon ab, wie stark Ihr Zeugnis ist, denn es lenkt Ihr Tun, wenn Ihnen Prüfungen und Ungewissheit begegnen.“

Einiges ändert sich auch in unserer unsicheren Welt niemals: Der himmlische Vater liebt jeden von uns mit vollkommener Liebe. Wir können wissen, dass es ihn gibt und dass er uns immer hört. Absolute Wahrheiten ändern sich nie. Den Plan des Glücklichseins gibt es wirklich. Wir können gewiss sein, dass wir das Leben durch Glauben an Jesus Christus und Gehorsam gegenüber seinen Lehren wegen der erlösenden Macht des Sühnopfers erfolgreich meistern können. Es gibt ein Leben nach dem Tod, und unser Zustand dort hängt unweigerlich davon ab, wie wir hier leben. Ob man diese Wahrheiten nun annimmt oder nicht, ändert nichts an ihrer Gültigkeit. Sie stellen die Grundpfeiler eines lebendigen Zeugnisses dar. Ein starkes Zeugnis bildet das unerschütterliche Fundament für ein fest verankertes und sinnvolles Lebens, in dem Frieden, Zuversicht, Glück und Liebe gedeihen können. Es beruht auf der Überzeugung, dass der allwissende Gott sein Werk leitet. Er scheitert nicht. Er hält, was er verheißen hat.

Ein starkes Zeugnis ist die grundlegende Kraft, durch die man auf Dauer im Leben besteht. Das Wesen einen solchen Zeugnisses besteht darin, dass man die Eigenschaften Gott Vaters, Jesu Christi und des Heiligen Geistes versteht. Es wird dadurch gefestigt, dass man ihnen bereitwillig vertraut. Ein machtvolles Zeugnis fußt auf der persönlichen Gewissheit, dass der Heilige Geist unsere täglichen Handlungen leiten und zum Guten führen kann.

Ein Zeugnis wird durch geistige Eindrücke gefestigt, die die Gültigkeit einer Lehre oder einer rechtschaffenen Handlung oder die eine Warnung vor drohender Gefahr bestätigen. Oft gehen mit dieser Führung machtvolle Gefühle einher, so dass die Stimme nahezu versagt und die Augen sich mit Tränen füllen. Ein Zeugnis ist aber nicht nur ein Gefühl. Es macht unseren eigentlichen Charakter aus, denn es besteht aus vielen kleinen Einzelfäden, die durch unzählige richtige Entscheidungen entstanden sind. Diese Entscheidungen trifft man voll Vertrauen und Glauben an das, woran man glaubt, was man aber– zumindest anfangs – nicht sehen kann.1 Ein starkes Zeugnis bringt Frieden, Trost und Zuversicht. Es führt zu der Gewissheit, dass das Leben schön und die Zukunft sicher sein wird, sofern man beständig die Lehren des Erretters befolgt, und dass man imstande sein wird, die Hindernisse auf dem Weg zu überwinden. Ein Zeugnis wächst, wenn man Wahrheiten begreifen lernt, die einem durch Gebet und Nachsinnen über die Lehren der heiligen Schriften zuteil werden. Es wird genährt, indem man gläubig nach diesen Wahrheiten lebt und fest darauf vertraut, dass das verheißene Ergebnis zustande kommen wird.

Den Propheten aller Zeiten hat ihr starkes Zeugnis Kraft gegeben. Es hat sie gestärkt, so dass sie in schwierigen Zeiten mutig und entschlossen handeln konnten. Ein machtvolles Zeugnis vermag das auch bei Ihnen zu bewirken. Je mehr Sie Ihr ganz persönliches Zeugnis festigen, desto mehr sind Sie imstande, sich richtig zu entscheiden, so dass Sie dem Druck einer immer verderbteren Welt unerschütterlich standhalten können. Wie sicher und glücklich Sie persönlich sind, hängt davon ab, wie stark Ihr Zeugnis ist, denn es lenkt Ihr Tun, wenn Ihnen Prüfungen und Ungewissheit begegnen.

Prüfen Sie ernsthaft Ihren Lebenswandel. Wie stark ist Ihr Zeugnis? Ist es wirklich eine tragende Säule für Sie, oder hoffen Sie eher, dass das, was Sie gelernt haben, wahr sei? Ist es mehr als die vage Annahme, dass gewisse gute Konzepte und Lebensregeln für Sie irgendwie vernünftig und logisch sind? Ein solch verstandesmäßiges Befürworten reicht bei den ernsten Herausforderungen nicht aus, die unweigerlich auf Sie zukommen werden. Führt Ihr Zeugnis Sie zu richtigen Entscheidungen? Dazu müssen Ihnen grundlegende Wahrheiten in Fleisch und Blut übergegangen sein. Sie müssen Teil Ihres ureigensten Wesen geworden sein und Ihnen lieber sein als das Leben selbst. Wenn Sie bei einer ehrlichen Bewertung Ihres Zeugnisses feststellen, dass es nicht so stark ist, wie es sein sollte, wie können Sie es dann stärken?

Ihr Zeugnis lässt sich dadurch stärken, dass Sie Glauben an Jesus Christus und an seine Lehren üben und daran, dass er die unbegrenzte Macht hat, zustande zu bringen, was er verheißen hat.2 Das Schlüsselwort lautet „Glauben üben“. Wahrer Glaube verfügt über gewaltige Macht, aber um diese Macht zu entfesseln, müssen gewisse Grundsätze befolgt werden. Moroni lehrt: „Glaube ist, wenn man etwas erhofft, was man doch nicht sieht; darum zweifelt nicht, weil ihr nicht seht, denn ein Zeugnis empfangt ihr erst dann, wenn euer Glaube geprüft ist.“3 Das heißt, Sie müssen nach der Wahrheit oder dem Grundsatz leben, an den Sie glauben. Wenn Sie das konsequent tun, wird Ihnen durch die Macht des Heiligen Geistes bezeugt, dass er wahr ist. Oft ist das ein friedvolles Gefühl; vielleicht ist es aber auch eine innere Erregung. Ein weiteres Anzeichen ist auch, wenn sich Ihnen neue Wahrheiten erschließen. Wenn Sie geduldig auf eine Bestätigung warten, wird sie auch kommen. Denken Sie daran, dass der Herr Sie in die Lage versetzen wird, durch persönliche Erfahrung die Wahrheit seiner Lehren zu erkennen und zu erproben. Er wird Ihnen unmissverständlich bestätigen, dass seine Gesetze zu den verheißenen Ergebnissen führen, wenn man sie nur willig und konsequent befolgt.

Ein machtvolles Zeugnis kommt auch dadurch zustande, dass man im Stillen betet und darüber nachsinnt, welche Eindrücke sich dabei einstellen. Wer demütig und vertrauensvoll betet, dem werden Ruhe, Trost, Beistand, Führung und Frieden zuteil, wie sie ein Unwürdiger nie erfährt.

Einige Erkenntnisse über das Beten können Ihnen dabei helfen. Der Herr hört es, wenn Sie beten, weil Sie etwas brauchen. Er beantwortet jedes Gebet. Diese Antwort stellt sich jedoch in der Regel nicht während des Betens ein, selbst dann nicht, wenn Sie eine sofortige Antwort erflehen. Man muss nach einem bestimmten Schema vorgehen. Sie müssen nach der Antwort auf Ihr Gebet suchen und sich dann von ihrer Richtigkeit überzeugen.4 Befolgen Sie des Herrn Rat, „es mit dem Verstand [durchzuarbeiten]“.5 Oft findet man selbst die Lösung. Streben Sie dann nach der Bestätigung, dass Ihre Antwort richtig ist. Das kann Ihnen beim Beten zuteil werden oder beim Nachsinnen über die Schriften, mitunter trägt auch ein anderer dazu bei6, oder Sie kommen durch die Führung des Geistes selbst darauf.

Gelegentlich erwartet der Herr, dass Sie vertrauensvoll voranschreiten, auch wenn Sie noch eine Bestätigung empfangen haben. Seine Hilfe setzt sich meist aus vielen kleinen Elementen zusammen. Befolgen Sie ein jedes glaubensvoll, dann wird es sich mit den anderen zu einer Antwort zusammenfügen. Wer nach diesem Schema vorgeht, muss Glauben üben. Das ist manchmal sehr schwer, führt aber zu großem persönlichen Wachstum. Gelegentlich gibt der Herr eine Antwort, bevor man gefragt hat. Das geschieht dann, wenn Sie sich einer Gefahr nicht bewusst sind oder etwas Falsches in der Annahme tun, es sei richtig.

Alma hat aufgezeigt, wie Fasten und Beten ein Zeugnis stärken. Er hat gesagt:

„Ich bezeuge euch, ich weiß, dass das, wovon ich gesprochen habe, wahr ist. Und wie, meint ihr, weiß ich denn, das es richtig ist?

Siehe, ich habe viele Tage gefastet und gebetet, um dies selbst wissen zu können. Und nun weiß ich selbst, dass es wahr ist; denn der Herr Gott hat es mir durch seinen Heiligen Geist kundgetan.“7

Präsident Romney hat ein Beispiel aus seinem Leben angeführt, das zeigen soll, wie sehr die Schriften unser Zeugnis stärken können:

Ich bitte Sie, befassen Sie sich mit [dem Buch Mormon]. Lesen Sie es Ihren Kindern vor. Sie sind nicht zu klein; sie können es bereits verstehen. Ich weiß noch, wie ich einmal mit einem meiner Jungen im Buch Mormon gelesen habe, Er war damals noch recht klein. … Ich lag im unteren Stockbett, und er lag im oberen. Wir lasen aus den letzten drei Kapiteln des 2 Nephi abwechselnd je einen Vers. Ich hörte, wie ihm die Stimme versagte, und dachte, er sei erkältet. … Nachdem wir die Kapitel durchgelesen hatten, fragte er …: ‚Vati, weinst du manchmal, wenn du im Buch Mormon liest?‘

‚Ja, mein Sohn, … manchmal bezeugt der Geist des Herrn meiner Seele ganz nachdrücklich, dass das Buch Mormon wahr ist, und dann weine ich.‘

‚Dann ist mir heute’, sagte er, ‚genau das passiert.‘“8

Ihr Zeugnis wird gestärkt, indem Sie bereitwillig das Gesetz des Zehnten befolgen und sich am Fastopfer beteiligen. Der Herr wird Sie dafür reich segnen. Je fester Ihr Zeugnis wird, desto mehr wird der Satan Sie versuchen wollen. Halten Sie stand! Sie werden dann stärker und sein Einfluss auf Sie immer schwächer.9

Der Satan darf die Welt deshalb immer mehr beeinflussen, weil ein Klima entstehen soll, in dem man sich bewähren muss. Trotz allem, was der Satan heute anrichtet, wurde sein endgültiges Schicksal bereits durch das Sühnopfer und die Auferstehung Jesu Christi entschieden. Damals wurde Luzifers Los besiegelt. Der Böse wird nicht triumphieren.

Selbst jetzt muss der Satan sich in den Grenzen bewegen, die der Herr ihm gesetzt hat. Er kann niemandem eine verdiente Segnung wegnehmen. Er kann einen aus rechtschaffenen Entscheidungen geformten Charakter nicht ändern. Er hat nicht die Macht, den in einem heiligen Tempel auf ewig geschlossenen Bund zwischen Mann, Frau und Kindern zu zerstören. Er kann wahren Glauben nicht auslöschen. Er kann Ihnen Ihr Zeugnis nicht wegnehmen. Freilich kann man dies alles verlieren, wenn man seinen Verlockungen nachgibt. Aber aus sich selbst heraus vermag er nichts davon zu zerstören.

Diese Wahrheit steht so fest wie die anderen. Ob Sie selbst davon überzeugt sind, hängt von Ihrer eigenen Erkenntnis der Wahrheit ab und wie Sie das Gesetz Gottes anwenden und wie bereitwillig Sie nach dem bestätigenden Zeugnis durch den Geist trachten. Beginnen mag Ihr Zeugnis damit, dass Sie die Lehren des Herrn für vernünftig halten. Wachsen muss es, indem man die Gesetze befolgt. Dann werden sie durch Ihr eigenes Erleben bestätigt, und die verheißenen Ergebnisse stellen sich ein. Diese Bestätigung kommt nicht mit einem Schlag. Ein starkes Zeugnis entsteht Zeile um Zeile, Weisung um Weisung und erfordert Glauben, Zeit, ständigen Gehorsam und Opferbereitschaft.

Ein starkes Zeugnis kann nicht auf einem schwachen Fundament errichtet werden. Machen Sie sich also nicht vor, dass Sie etwas glauben, wenn Sie sich dessen nicht wirklich sicher sind. Trachten Sie nach einem Zeugnis, das es Ihnen bestätigt. Ringen Sie in machtvollem Gebet, leben Sie rechtschaffen, und bitten Sie um eine geistige Bestätigung. Das Schöne an den Lehren des Herrn liegt darin, dass sie wahr sind und dass man sie für sich selbst bestätigt bekommen kann. Pflegen Sie Ihre geistige Aufnahmebereitschaft, indem Sie stets aufmerksam auf die Weisung durch die leise, sanfte Stimme des Geistes achten. Teilen Sie dem Vater im Himmel mit, was Sie fühlen und brauchen, worum Sie sich sorgen, was Sie erhoffen und wünschen. Wenden Sie sich voller Vertrauen an ihn – im Bewusstsein, dass er Sie hört und dass er Ihnen antwortet, und schreiten Sie dann geduldig voran, indem Sie tun, was Sie als recht erkannt haben. Beziehen Sie Ihre Zuversicht aus Glauben und Rechtschaffenheit und warten Sie geduldig auf die Antwort, die auf die Art und Weise des Herrn und zu dem Zeitpunkt eintreffen wird, den der Herr für den geeignetsten hält.10

Warum konnte Joseph Smith etwas tun, was seine persönlichen Fähigkeiten überstieg? Es lag an der Macht seines Zeugnisses, das ihn dazu brachte, gehorsam zu sein, Glauben an den Herrn zu haben und fest entschlossen seinen Willen zu tun. Ich bezeuge Ihnen, dass Ihnen in dem Maß, wie Ihr Zeugnis wächst, Inspiration zuteil werden kann, wie Sie sie brauchen und verdienen, und Sie werden wissen, was Sie tun sollen. Bei Bedarf werden Ihnen auch Macht oder Fähigkeiten von Gott gegeben, so dass Sie etwas vollbringen können, was nötig ist.11 Joseph Smith hat seine Fähigkeit, sich vom Herrn führen zu lassen, durch Selbstdisziplin immer mehr vervollkommnet. Er hat nicht zugelassen, dass eigene Wünsche, seine Bequemlichkeit oder die Überredung durch Menschen dem entgegenstehen. Tun Sie es ebenso!

Wenn Sie anhaltend Frieden und Sicherheit haben wollen, müssen Sie irgendwann einmal, in Momenten stiller Betrachtung, zu der festen Erkenntnis kommen, dass es einen Gott im Himmel gibt, der Sie liebt, der über alles wacht und der Ihnen hilft. Dieses Wissen ist der Kern eines starken Zeugnisses.

In wenigen Augenblicken wird Präsident Gordon B. Hinckley die letzte Ansprache dieser Konferenz halten. Heute Vormittag haben wir ihn, den Propheten des Herrn, ernüchternden und doch tröstlichen Rat in Bezug auf die Herausforderungen, denen wir gegenüberstehen, erteilen hören. Er hat uns aufgefordert, demütig zum Vater im Himmel um Führung und Stärke zu beten, damit wir das Böse bekämpfen können. Unsere Sicherheit liegt in Gott Vater und seinem geliebten Sohn, Jesus Christus. Ich weiß, dass der Erretter Sie liebt. Er wird Ihre Bestrebungen zur Stärkung Ihres Zeugnisses bekräftigen, so dass Ihr Zeugnis die höchste Macht zum Guten in Ihrem Leben wird – eine Macht, die Ihnen in jeder Notlage Kraft gibt und Ihnen in diesen unruhigen Zeiten Frieden und Zuversicht schenkt.

Als einer seiner Apostel bin ich berechtigt, von ihm Zeugnis zu geben, und ich bezeuge feierlich, dass ich weiß, dass der Erretter lebt und dass er ein auferstandenes, verherrlichtes Wesen voller vollkommener Liebe ist. Er ist unsere Hoffnung, unser Mittler, unser Erlöser.

Im Namen Jesu Christi. Amen.

Anmerkungen

  1. Siehe Ether 12:6; Hebräer 11:1.

  2. Siehe Alma 26:22; LuB 3:1–10; LuB 82:10.

  3. Ether 12:6, Hervorhebung hinzugefügt.

  4. Siehe LuB 6:23,36; LuB 8:2,3,10; LuB 9:9.

  5. LuB 9:8.

  6. Siehe Spencer W. Kimball, The Teachings of Spencer W. Kimball; Hg. Edward L. Kimball, Bookcraft, (1982), Seite 252.

  7. Alma 5:45,46.

  8. In Conference Report, April 1949, Seite 41.

  9. Siehe David O. McKay, „Let Virtue garnish Thy Thoughts“, Improvement Era, Juni 1969, Seite 28.

  10. Siehe David O. McKay, „The Times Call for Courageous Youth and True Manhood“, Improvement Era, Juni 1969, Seite 117.

  11. Siehe LuB 43:16.