2000–2009
Der Teufelsschlund
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Der Teufelsschlund

Helft uns bitte dabei, die Welt zurückzudrängen. Wir müssen uns gegen den Wind stemmen. Manchmal müssen wir uns unbeliebt machen und einfach sagen: „Das ist nicht richtig!“

Meine lieben Brüder im Priestertum, ich richte heute meine Worte an Sie alle, aber insbesondere an die jungen Männer. Meine Absicht ist es, euch die Gefahren, die vor euch liegen, aufzuzeigen und euch davor zu warnen, aber ich möchte euch auch sagen, dass ich euch liebe und in euch, die heranwachsende Generation, großes Vertrauen setze.

Ich habe als junger Mann eine Mission in Brasilien erfüllt. Dies war ein wunderbares Erlebnis. Die Iguaçu-Fälle in diesem herrlichen Land sind eines der Weltwunder. In der Regenzeit ist die Wassermenge, die sich über die Kante ergießt, die größte weltweit. Innerhalb von Minuten stürzen Millionen von Litern Wasser in den Abgrund hinab. Ein Teil der Fälle, dort wo die Flut am stärksten ist, wird Teufelsschlund genannt.

Einige große Felsen ragen unmittelbar vor der Stelle auf, wo das Wasser in den Teufelsschlund stürzt. Vor Jahren haben leichtsinnige Bootsführer Passagiere in Kanus mitgenommen, damit sie sich auf die Felsen stellen und in den Teufelsschlund hinabblicken konnten. Das Wasser oberhalb der Fälle ist normalerweise still und fließt nur langsam, alles ist ruhig. Nur das Tosen des Wassers unten warnt vor der Gefahr, die nur wenige Meter entfernt lauert. Durch eine plötzliche, unerwartete Strömung kann ein Kanu schnell in das reißende Wasser und in den Teufelsschlund hinabgezogen werden. Wer so dumm ist, das Kanu zu verlassen, um sich auf diese tückischen, nassen Felsen zu stellen, kann leicht den Halt verlieren und in die wirbelnde Strömung hinabgerissen werden.

Mir ist klar, dass sich einige von euch als richtige Draufgänger sehen, bereit, es mit jeder Herausforderung aufzunehmen. Aber einige dieser aufregenden Ausflüge werden euch unvermeidlich in den Teufelsschlund hinabziehen. Der einzig sichere Kurs ist der, von den Gefahren des Teufelsschlunds weit entfernt zu bleiben. Präsident George Albert Smith hat eindrücklich gewarnt: „Wenn Sie nur einen Zentimeter auf die Seite des Teufels gehen, sind Sie in der Macht des Versuchers, und wenn er Erfolg hat, können Sie nicht einmal mehr vernünftig denken, denn Sie haben den Geist des Herrn verloren.“1

Einige von euch jungen Männern lassen es möglicherweise zu, dass andere die Maßstäbe für sie setzen. Ihr verteidigt euch, indem ihr sagt: „Wer hat gesagt, dass wir dies oder jenes nicht tun dürfen?“ Es gibt so viele Schattierungen von richtig und falsch, dass jeder von euch entscheiden muss, wo die Grenze liegt. Ich bitte euch inständig: Wenn ihr euch im Verstand oder im Herzen fragt, ob euer Verhalten richtig oder falsch ist, dann tut es nicht. Jeder von uns besitzt die sittliche Entscheidungsfreiheit, und die Gabe des Heiligen Geistes schärft unsere Wahrnehmung, ob etwas richtig oder verkehrt, wahr oder falsch ist. Die Aufgabe der Propheten Gottes ist es, das Wort Gottes zu lehren, und nicht jedes menschliche Verhalten bis aufs i-Tüpfelchen festzulegen. Wenn wir gewissenhaft versuchen, nicht nur das Böse selbst, sondern jeden Anschein des Bösen zu meiden, dann handeln wir bewusst und lassen nicht über uns bestimmen.2

Vieles, was vom Teufel kommt, ist verführerisch und verlockend. Es glitzert und spricht den sinnlichen Teil unseres Wesens an. Seine Botschaft klingt vernünftig und lässt sich leicht rechtfertigen. Seine Stimme ist meist sanft und faszinierend. Wäre sie schroff oder unangenehm, würde niemand zuhören, niemand ließe sich verlocken. Einige der überzeugendsten Botschaften des Satans lauten: Jeder tut es; wenn es niemand anders weh tut, ist es in Ordnung; wenn du nicht das Gefühl hast, es sei schlimm, dann ist es okay; das zu tun ist richtig „cool“. Der Satan ist der größte Imitator, ein meisterlicher Betrüger, der Erztäuscher und der größte Fälscher in der Geschichte der Welt. Er tritt wie ein Dieb in der Nacht in unser Leben. Seine Maskierung ist so vollkommen, dass es schwer fällt, ihn oder seine Methoden zu erkennen. Er ist ein Wolf im Schafspelz.

Schon immer hat es zwei rivalisierende Mächte in der Welt gegeben. Dies hatte schon vor der Erschaffung der Welt seinen Anfang. Diese gegensätzlichen Kräfte sind die Kräfte des Guten und des Bösen. Zwischen diesen machtvollen Kräften wird jeder von uns in eine Art Tauziehen verwickelt. Ganz einfach gesagt: Das, was gut ist, kommt von Gott, und das, was böse ist, kommt vom Teufel.3 Man kann nicht beides haben und wirklich glücklich werden; einige haben es versucht, aber auf lange Sicht hat es niemand geschafft. Wenn einer von euch jungen Männern meint, er könne beides haben, dann betrügt er sich selbst. So funktioniert es nicht. Das hat es nie getan und wird es auch nicht.

Meine lieben jungen Freunde, es gibt noch eine andere große Wahrheit, die ihr jungen Männer lernen müsst: Alles hat seinen Preis! Ob für Erfolg, Erfüllung, erreichte Ziele oder Freude, für alles muss ein Preis gezahlt werden. Nichts ist umsonst. Wenn ihr den Preis für den Erfolg nicht zahlt, dann werdet ihr den Preis des Versagens zahlen. Vorbereitung, Arbeit, Fleiß und Dienen sind notwendig, um wahres Glück zu finden. Für Ungehorsam und mangelnde Vorbereitung zahlt man einen schrecklichen Preis. Ein Teil des Preises, den wir als Priestertumsträger dieser Kirche zahlen müssen, ist, dass wir anders leben als die Welt. Wir besitzen und bewahren die gebietenden Kräfte, die die Macht des Satans auf der Erde im Zaum halten können und dies auch tun. Ich bitte euch von ganzem Herzen, uns dabei zu helfen, die Welt zurückzudrängen. Wir müssen uns gegen den Wind stemmen. Manchmal müssen wir uns unbeliebt machen und einfach sagen: „Das ist nicht richtig!“

Wir alle wollen herausfinden, wer wir wirklich sind und wo unser Platz in der Welt ist. Einige von euch jungen Leuten versuchen ihre Identität zu finden, indem sie sich durch das, wofür sie einstehen, von ihren Eltern und ihrer Familie unterscheiden. Gott hat uns alle so erschaffen, dass wir anders sind als jeder andere auf der Welt. Das können wir an unserer DNA und unseren Fingerabdrücken sehen. Ihr müsst euch nicht um eine eigene Identität bemühen, ihr habt sie bereits.

Einige junge Leute wollen sich gegen Beschränkungen auflehnen. Einige von euch finden es nicht „cool“, den Eltern zu gehorchen oder den Rat eures Bischofs oder Kollegiumspräsidenten zu befolgen. Bischof Richard C. Edgley hat von einem Erlebnis aus seiner Kindheit erzählt, das zeigt, welche Folgen Leichtsinn und Ungehorsam haben:

„Als ich ein Junge war, standen unsere Garage und die des Nachbarn etwa anderthalb Meter voneinander entfernt. Die Garage des Nachbarn war sehr alt und baufällig, und einige der Bretter waren brüchig. Gelegentlich kletterte ich auf unsere Garage und sprang von einer Garage zur anderen und spielte darauf. Mein Vater hatte mir gesagt ‚Bleib von den Garagen weg‘, aber ich tat es nicht. Als ich einmal auf ihnen spielte, sprang ich von unserer Garage ab und fiel durch das Dach der Nachbargarage und schrammte mir den Rücken und die Beine heftig auf. Weil ich ungehorsam gewesen war, beschloss ich dummerweise, niemandem zu sagen, dass ich mich verletzt hatte. Ich ging ins Haus und wusch die Schrammen und Kratzer so gut ich konnte aus, aber ich kam an die auf dem Rücken nicht heran, um das Antiseptikum aufzutragen oder sie wenigstens zu reinigen. Tagelang litt ich unter den Schmerzen, der Angst, dass sich etwas entzünden könnte, und der Schuld, während sich langsam die Heilung vollzog.“4

Jemand hat einmal gesagt: „Ein Junge zu sein ist mit das Schönste auf der Welt, man braucht dafür keinerlei Erfahrung, aber man braucht Übung, um ein guter Junge zu sein.“5

Einige von euch sind vielleicht von dem Gedanken getäuscht worden, dass es aufregend ist, es einmal mit Drogen, Alkohol, Pornografie oder unerlaubtem Geschlechtsverkehr zu versuchen. Ich warne euch: Diese Verlockungen sind genauso schlüpfrig und gefährlich wie die Felsen am Teufelsschlund und sie führen euch nur auf das Territorium des Satans. Der Weg aus so einer Gefahr heraus ist schwierig, und es wird weit mehr zurückbleiben als nur ein paar Schrammen und Kratzer.

Ihr jungen Männer arbeitet zu einer interessanten Zeit an eurer ewigen Bestimmung. In Zukunft wird es weiterhin zunehmend wissenschaftliche Entdeckungen und Erfindungen geben, die vielen das Leben bequemer und einfacher machen. Zweifellos wird die Medizin weiterhin neue Behandlungsformen und Heilverfahren entwickeln, die heute nicht verfügbar sind. Andererseits werden die weltlichen Einflüsse des Bösen gleichermaßen zunehmen und mehr Menschen werden anfällig für die Täuschungen und Verlockungen des Satans werden. Ihr jungen Männer müsst geistig und sittlich stärker werden, um den Versuchungen und Fallstricken der Welt zu widerstehen. Vielleicht wurden aus diesem Grund solch besondere Geister für die heutige Zeit zurückbehalten.

Ich glaube außerdem, dass der Widerstand des Satans in Zukunft sowohl raffinierter als auch offener sein wird. In mancher Hinsicht mag er dann unverhohlener sein, aber er wird sich auch mit größerer Subtilität und Verschlagenheit maskieren. Wir brauchen eine stärkere geistige Gesinnung, um alle Formen des Bösen zu erkennen, und mehr Kraft, um ihm zu widerstehen.

Viele Länder stehen jetzt der Gefahr des Terrorismus gegenüber. Der Krieg liefert Menschen körperlicher Gefahr aus, aber man kann auch sittlicher Gefahr ausgesetzt sein. Diejenigen von uns, die in Kriegszeiten im Militärdienst standen, haben erfahren, welcher Bruch im Leben dadurch entsteht, dass man aus dem Zuhause und der Familie herausgerissen wird, aus guten Beziehungen und dem Einfluss der Kirche. Ich warne diejenigen, die jetzt Militärdienst leisten oder noch leisten werden, vor den Fallgruben bei diesen Veränderungen im Leben. Sie können uns direkt in den Rachen des Teufelsschlunds bringen.

Viele Aktivitäten, an denen Sie teilnehmen werden, erleben Sie als Gruppe und Sie können nicht immer Ihre Begleitung auswählen. Aber Sie können Ihre Maßstäbe wählen. In der Armee gehören Sie zu einer Gruppe, deren Stärke zum Teil auf der Einheit ihrer Mitglieder beruht. Sie müssen den Mitgliedern Ihrer Einheit gegenüber treu sein, denn der Kamerad neben Ihnen könnte Ihnen morgen das Leben retten! Aber das bedeutet nicht, dass Sie Ihre sittlichen Maßstäbe herabsetzen müssen. In jeder Gemeinschaft sind nur einer oder einige nötig, die aufstehen und sagen: „Was wir da tun, ist nicht richtig.“ Das erfordert Zivilcourage!

Die Kirche hat vor kurzem die Soldatenausgabe von Grundsätze des Evangeliums für alle Mitglieder der Kirche, die überall in der Welt Militärdienst leisten, herausgegeben. Derzeit ist das Buch nur auf Englisch erhältlich, es wird jedoch in andere Sprachen übersetzt werden. Dieses hervorragende Buch enthält Anweisungen im Hinblick auf Aktivität in der Kirche, das Tragen des Garments im Militärdienst, heilige Handlungen und Priestertumssegen, dazu Evangeliumsthemen und einige ausgewählte Kirchenlieder. Wir, die wir während des Zweiten Weltkriegs Militärdienst leisteten, hatten ein ähnliches Buch zur Verfügung. Für mich erwies es sich als unbezahlbar.

Das Aussieben ist in vollem Gange. Das erinnert uns an das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen. In diesem Gleichnis sagt der Herr: „Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Mann, der guten Samen auf seinen Acker säte“, doch während er schlief, kam sein Feind und säte Unkraut unter den Weizen, und als die Saat des Weizens aufging, spross auch das Unkraut. Die Knechte des Mannes begriffen nicht, wie das Unkraut auf das Feld gekommen war und fragten, ob sie gehen und das Unkraut ausreißen sollten. Der Eigentümer des Ackers sagte nein, denn wenn man das Unkraut ausreißt, reißt man auch den Weizen aus. Er riet daher, den Weizen und das Unkraut gemeinsam wachsen zu lassen, bis die Zeit der Ernte da war, wenn der Weizen getrennt vom Unkraut gebündelt wird.6

Die Jünger Jesu baten den Erretter um eine Auslegung des Gleichnisses, und der Erretter antwortete: „Der Mann, der den guten Samen sät, ist der Menschensohn;

der Acker ist die Welt; der gute Samen, das sind die Söhne des Reiches; das Unkraut sind die Söhne des Bösen;

der Feind, der es gesät hat, ist der Teufel; die Arbeiter bei dieser Ernte sind die Engel.

Wie nun das Unkraut aufgesammelt und im Feuer verbrannt wird, so wird es auch am Ende der Welt sein.“7

Dieses Gleichnis bestätigt die Aussage Almas, die ich wiederholen möchte: „Alles, was gut ist, kommt von Gott, und alles, was böse ist, kommt vom Teufel.“ 8

Brüder, wir leben in einer Zeit der Herausforderungen, und es ist für uns eine Zeit, in der wir fest und standhaft sein und unseren Aufgaben in der Familie und im Priestertum nachkommen müssen. Wir dürfen uns nicht umherwehen lassen „wie eine Welle, die vom Wind im Meer hin und her getrieben wird“. 9 Wir müssen im Glauben vorangehen und dürfen vor nichts Angst haben, außer davor, zu dicht am Teufelsschlund zu sein. Wir werden gestärkt und bewahrt, wenn wir dem Rat und den Weisungen von Präsident Gordon B. Hinckley folgen, der die Zügel in der Hand hält. Ich habe ein besonderes Zeugnis, dass er unser Prophet, Seher und Offenbarer ist. Er ist der jetzige Sprecher Gottes auf Erden. Ich bete, dass der Segen des Herrn mit uns allen sein möge, im Namen Jesu Christi. Amen.