2000–2009
Glauben in Drangsal bringt Frieden und Freude
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Glauben in Drangsal bringt Frieden und Freude

Wie finster die Zustände in dieser Welt heute auch scheinen mögen, welchen Stürmen wir persönlich auch ausgesetzt sein mögen, die Freude kann jetzt uns gehören.

Nachdem er die Menge belehrt hatte, setzten Jesus und seine Jünger an das östliche Ufer des Sees von Galiläa über. Es war Nacht, und der Erretter schlief bequem im Heck des Bootes auf einem Kissen. „Plötzlich erhob sich ein heftiger Wirbelsturm, und die Wellen schlugen in das Boot.“ Verängstigt weckten die Jünger ihn: „Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?“1 Er antwortete wie immer ganz ruhig: „Warum habt ihr solche Angst, ihr Kleingläubigen?“2 „Da stand er auf und drohte dem Wind und sagte zu dem See: Schweig, sei still. Und der Wind legte sich und es trat völlige Stille ein.“3

Er, der die Erde erschaffen hatte, gebot aufs Neue den Elementen.4 Verwundert fragten sich seine Jünger: „Was ist das für ein Mensch, dass ihm sogar der Wind und der See gehorchen?“5

Wir leben in einer unruhigen Zeit. Ein großer Sturm des Bösen fegt über die Erde hinweg. Die Winde der Schlechtigkeit umheulen uns; die Wogen des Krieges schlagen gegen unser Schiff. Wie Paulus an Timotheus schrieb: „In den letzten Tagen werden schwere Zeiten anbrechen. Die Menschen werden selbstsüchtig sein, habgierig, prahlerisch, überheblich, bösartig, ungehorsam gegen die Eltern, undankbar, ohne Ehrfurcht … Den Schein der Frömmigkeit werden sie wahren, doch die Kraft der Frömmigkeit werden sie verleugnen.“6

Es stimmt: Drohende Wolken ziehen sich um uns zusammen, aber so, wie die Worte des Erretters den Aposteln im Boot Frieden brachten, bringen sie heute auch uns Frieden: „Wenn ihr dann von Kriegen hört und Nachrichten über Kriege euch beunruhigen, lasst euch nicht erschrecken! Das muss geschehen. Es ist aber noch nicht das Ende.“7 „Wenn ihr bereit seid, werdet ihr euch nicht fürchten.“8

Zu Elija sagte Jahwe: „Komm heraus und stell dich auf den Berg vor den Herrn!“ Elija gehorchte, und nach einem Sturm, einem Erdbeben und einem Feuer hörte er schließlich „ein sanftes, leises Säuseln“. Der Herr fragte Elija, der sich in einer Höhle versteckt hatte: „Was willst du hier, Elija?“ Und Elija antwortete: „[Ich bin hier], weil die Israeliten deinen Bund verlassen, deine Altäre zerstört und deine Propheten mit dem Schwert getötet haben. Ich allein bin übrig geblieben und nun trachten sie auch mir nach dem Leben.“ Aber der Herr hatte ein wichtiges Werk für Elija und daher sagte er zu ihm: „Geh deinen Weg … zurück.“9 Daher ging Elija.

Auch wir müssen aus unserer sicheren Höhle kommen, denn wir haben ein wichtiges Werk zu tun. Durch die feine, leise Stimme seines Geistes wird der Herr uns schützen, helfen und leiten.

Denken Sie daran, dass er dem Bruder Jareds zeigte, wie er Schiffe für seine Familie bauen sollte, damit sie das weite Meer in Sicherheit überqueren konnten, vor Wind und Wellen geschützt waren und ins verheißene Land gebracht werden konnten.

Diese Schiffe waren ungewöhnlich in ihrer Form, aber sehr sicher: „Und es begab sich: Als sie in der Tiefe begraben waren, war da doch kein Wasser, das ihnen Schaden tat, … und kein Meeresungeheuer konnte sie zerschmettern, auch kein Wal konnte ihnen etwas anhaben.“10

Aber es gab kein Licht in den Schiffen. Dies bereitete Jareds Bruder Sorgen. Er wollte nicht, dass seine Familie die Reise im Dunkeln unternahm, also brachte er sein Anliegen vor den Herrn, statt darauf zu warten, dass ihm gesagt wurde, was er tun sollte. „Und der Herr sprach zu Jareds Bruder: Was willst du, dass ich tun soll, damit ihr Licht in euren Fahrzeugen habt?“11

Die Antwort, die Jareds Bruder auf diese Frage gab, erforderte Eifer und Mühe seinerseits: Er stieg auf den Berg Schelem „und schmolz aus einem Felsen sechzehn kleine Steine.“12 Dann bat er den Herrn, die Steine zu berühren, damit sie Licht brächten.

Als Eltern und Führer müssen wir bedenken, dass „es nicht recht [ist], dass [der Herr] in allem gebieten muss.“13 Wie Jareds Bruder müssen wir über die Bedürfnisse unserer Familie eingehend nachdenken, einen Plan erstellen, wie diese Bedürfnisse erfüllt werden können, und unseren Plan dann dem Herrn im Gebet vorlegen. Dies erfordert Glauben und Anstrengung unsererseits, aber er hilft uns, wenn wir ihn darum bitten und seinen Willen tun.

Nach seinem Erlebnis mit dem Herrn fuhr der Bruder Jareds damit fort, sich eifrig auf die Reise vorzubereiten, die vor ihnen lag.14 Genauso müssen auch wir auf die Lehren unserer Propheten hören. Die lebenden Propheten haben uns immer wieder geraten, unser Leben in Ordnung zu bringen – unsere Schulden abzutragen, Nahrungsmittel und andere unentbehrliche Gegenstände zu lagern, den Zehnten zu zahlen, eine angemessene Ausbildung zu erlangen und nach den Geboten zu leben. Haben wir diese grundlegenden Anweisungen befolgt?

Wenn wir unseren Kindern und Enkelkindern in die Augen blicken, sehen wir den Zweifel und die Angst unserer Zeit. Wohin auch immer in der Welt diese kostbaren Menschen gehen, sie hören von Arbeitslosigkeit, Armut, Krieg, Unmoral und Verbrechen. Sie fragen sich: Wie können wir diese Probleme bewältigen?

Die Antworten suchen sie in unseren Augen und in unseren Worten. Hören sie uns trotz der Drangsal unserer Zeit gläubig und voll Hoffnung sprechen?

Sie müssen sehen, dass wir nach wie vor beten und gemeinsam die heiligen Schriften studieren, den Familienabend und den Familienrat abhalten, glaubenstreu in unseren Berufungen in der Kirche dienen, regelmäßig den Tempel besuchen und unsere Bündnisse einhalten. Wenn sie sehen, dass wir die Gebote standhaft halten, legen sich ihre Ängste, und ihr Vertrauen in den Herrn wird stärker.

Wenn wir in Drangsal Glauben zeigen, versichern wir ihnen, dass die Wut des Widersachers nicht todbringend ist. Jesus betete für uns zum Vater: „Nicht dass du sie aus der Welt nimmst, sondern dass du sie vor dem Bösen bewahrst.“15 Dieses Gebet wird zu der Zeit, die der Herr bestimmt, und unserem Glauben gemäß beantwortet werden.

In der Zwischenzeit haben unsere irdischen Herausforderungen einen Sinn und Zweck. Denken Sie an den Propheten Joseph Smith: Sein ganzes Leben lang sah er sich beängstigendem Widerstand gegenüber – Krankheit, Unfällen, Armut, Missverständnissen, falschen Anschuldigungen und sogar Verfolgung. Man könnte versucht sein zu fragen: Warum hat der Herr seinen Propheten nicht vor derartigen Hindernissen bewahrt, ihn mit unbegrenzten Mitteln ausgestattet und seinen Anklägern den Mund verschlossen? Die Antwort ist: Jeder von uns muss bestimmte Erfahrungen durchmachen, um dem Erretter ähnlicher zu werden. In der Schule des Erdenlebens ist oft Schmerz und Drangsal der Tutor, doch die Lektionen sollen uns läutern, segnen und stärken, nicht vernichten. Der Herr sagte zum glaubenstreuen Joseph:

„Mein Sohn, Frieden deiner Seele! Dein Ungemach und deine Bedrängnisse sollen nur einen kleinen Augenblick dauern.“16

„Wenn du in die Tiefe gestürzt wirst, wenn die brausende See sich gegen dich verschwört, wenn wütende Winde deine Feinde werden, wenn sich am Himmel Finsternis zusammenzieht und alle Elemente sich verbünden, dir den Weg zu verlegen, … dann wisse mein Sohn, dass dies alles dir Erfahrung bringen und dir zum Guten dienen wird.“17

Trotz vieler widriger Umstände im Leben des Propheten Joseph Smith wurde für die Wiederherstellung des Evangeliums in diesen Letzten Tagen Großartiges bewirkt. Joseph erkannte, dass der Herr ihn nicht umkommen ließ, wenn er mit einem Problem zu kämpfen hatte, und er gab uns diese Erkenntnis weiter. Genauso lassen uns unsere Glaubensprüfungen auf unschätzbare Weise erkennen, wie sehr der Meister sich um das Wohlergehen unserer Seele sorgt, und dass er uns helfen wird, bis ans Ende auszuharren.

In unserer Zeit erreicht uns der stützende Arm des Herrn durch die heiligen Handlungen seines heiligen Tempels. Der Prophet Joseph sagte zu den ersten Heiligen in Nauvoo: „Sie brauchen ein Endowment, Brüder, damit Sie vorbereitet und in der Lage sind, alles zu überwinden.“18 Wie Recht er doch hatte! Durch die Tempelbündnisse gesegnet und mit Macht ausgerüstet, konnten die Heiligen der Letzten Tage Drangsal mit Glauben ertragen. Am Ende ihres Pionierzugs schrieb Sarah Rich: „Hätten wir nicht den Glauben und das Wissen gehabt, die wir in jenem Tempel erhalten haben, … dann wäre unsere Reise wie ein Sprung ins Ungewisse gewesen.“19

Mich berührt das Ausmaß der Drangsal, die der Erretter erfahren musste. Obwohl er der Einziggezeugte des Vaters war, trachteten ihm verschlagene Männer von Anfang an nach dem Leben. Während seines ganzen geistlichen Wirkens erhob sich ein Sturm des Aufruhrs, der Lügen und der Verfolgung, und begleitete ihn, wohin er auch ging.

Besonders beeindruckt bin ich, wenn ich über die Woche vor seinem Tod nachdenke: Die führenden Priester fochten seine Autorität an, versuchten, ihn in eine Falle zu locken, und planten zweimal, ihn zu töten. Während seine Jünger schliefen, litt er in Getsemani für die Sünden der ganzen Menschheit und blutete aus jeder Pore. Er wurde verraten, verhaftet, verhört, geschlagen, angespuckt und gegeißelt. Nach dem Verhör vor dem Hohen Rat wurde er von Herodes verspottet und schließlich zu Pilatus gebracht und einem wütenden Pöbel vorgeführt. Er wurde ausgepeitscht und mit Dornen gekrönt und gezwungen, sein Kreuz nach Golgota zu tragen. Nägel wurden ihm in die Hände und Füße getrieben. Sein Körper wurde zwischen gemeinen Dieben auf dem Kreuz emporgehoben. Soldaten warfen das Los um seine irdischen Besitztümer, und um seinen Durst zu stillen, gab man ihm Essig. Nach sechs Stunden20 befahl er seinen Geist in die Hände des Vaters und starb.

Wenn wir die letzte Woche im Leben des Erretters aus unserem irdischen Blickwinkel betrachten, sehen wir vielleicht zuerst das Leiden und die Zerstörung. Wir sehen vielleicht nur, wie die Mutter des Erretters und andere unter dem Kreuz weinen, die Soldaten erschrecken, die Erde in große Aufruhr gerät, Felsen sich spalten, der Vorhang des Tempels entzwei reißt und Finsternis drei Stunden lang das Land bedeckt. Ein ähnliches Bild von Stürmen und Zerstörung zeigt sich in der neuen Welt. Kurz, wir sehen den schrecklichen Sturm wüten.

Aber sehen Sie noch einmal hin – diesmal mit dem Auge des Glaubens.

Bedenken Sie, dass Jesus in diesen letzten, äußerst qualvollen Wochen seines Lebens die Menschen um sich herum belehrte, ihnen Zeugnis gab, sie erbaute, segnete und stärkte. Er erweckte Lazarus von den Toten, lehrte von seinem Vater, brachte den Tempel in Ordnung, erzählte mehrere Gleichnisse, sah, wie die Witwe ihre zwei kleinen Münzen beisteuerte, unterwies seine Jünger über die Zeichen seines Zweiten Kommens, besuchte das Haus von Simon, dem Aussätzigen, führte das Abendmahl ein, wusch den Aposteln die Füße und lehrte seine Jünger, einander zu lieben. Er bezeugte, dass er der Sohn Gottes ist, und sprach vom Tröster – dem Heiligen Geist. In seiner großen Fürbitte betete er zum Vater für seine Apostel und alle, die an ihre Worte glauben, „damit sie [seine] Freude in Fülle in sich haben“21

Das Licht des Friedens und der Freude verblasste in seiner finstersten Stunde nicht. Es wurde heller! Nach seinem Tod erschien er Maria aus Magdala. Welche Freude muss an jenem Morgen geherrscht haben, als sich die Nachricht verbreitete: „Er ist auferstanden!“22 Dann kam er zu den Frauen auf der Straße, zu Kleopas und einem Jünger, die beide auf dem Weg nach Emmaus waren, zu den Aposteln und Jüngern im oberen Raum, zu Thomas und zu anderen. Wieder herrschten Freude und Frohlocken über das Sühnopfer und die Auferstehung.23

Das war aber nicht alles. In einer Vision sah Präsident Joseph F. Smith – ein Prophet, Seher und Offenbarer – den Besuch des Erretters in der Geisterwelt.

„An dem einen Ort war die unzählbare Abteilung der Geister der Gerechten versammelt, die dem Zeugnis von Jesus treu gewesen waren, solange sie in der Sterblichkeit gelebt hatten. …

Sie alle waren aus dem Leben geschieden mit der festen Hoffnung auf eine herrliche Auferstehung …

Ich sah, dass sie von Freude und Frohsinn erfüllt waren und sich miteinander freuten, weil der Tag ihrer Befreiung nahe war.

Sie waren versammelt und warteten darauf, dass der Sohn Gottes in die Geisterwelt komme, um ihnen die Erlösung aus den Banden des Todes zu verkünden.“

Diese glaubenstreuen Geister wussten, was bald geschehen würde: „Ihre schlummernden Überreste würden wieder zu vollkommener Gestalt zusammengefügt werden, Knochen zu Knochen und darauf die Sehnen und das Fleisch, damit Geist und Leib wieder vereinigt seien und nie mehr getrennt würden, so dass sie eine Fülle der Freude empfangen könnten.“

Und „während diese riesige Menge wartete und sie miteinander redeten und sich auf die Stunde ihrer Befreiung von den Ketten des Todes freuten, erschien der Sohn Gottes und verkündete den Gefangenen, die treu gewesen waren, die Freiheit.“24

Brüder und Schwestern, wie finster die Zustände in dieser Welt heute auch scheinen mögen, welchen Stürmen wir persönlich zu Hause und in unserer Familie auch ausgesetzt sein mögen, diese Freude kann jetzt uns gehören. Manchmal verstehen wir Tod, Krankheit, geistige und körperliche Behinderungen, persönliche Tragödien, Krieg und andere Konflikte nicht. Einiges davon gehört notwendigerweise zu unserer irdischen Bewährungszeit. Anderes, wie Henoch es vorhersah, ist Teil der Vorbereitung auf das Zweite Kommen des Erretters, wenn „die Himmel [sich] verfinstern und ein Schleier der Finsternis … die Erde bedecken [wird]; und die Himmel werden erzittern und ebenso die Erde; und große Drangsale werden über die Menschenkinder kommen, aber“, sagt der Herr, „mein Volk werde ich bewahren.“ Und als Henoch dies alles sah, „empfing [er] eine Fülle der Freude“25

An diesem Morgen, zur Zeit der Geburt und Auferstehung des Erretters, gebe ich mit großer Freude insbesondere davon Zeugnis, dass er in diese Welt kam, dass er für unsere Sünden gelitten hat und dass er wiederkommen wird. Unser Glaube an ihn und der Gehorsam gegenüber seinen Geboten werden einen vollkommenen „Glanz der Hoffnung“26 hervorbringen und die Dunkelheit und das Gefühl der Verzweiflung in dieser schwierigen Zeit vertreiben. Derjenige, der die Macht hat, die Elemente der Erde zu beruhigen, hat auch die Macht, unsere Seele zu besänftigen, um uns eine Zuflucht in den Stürmen zu bieten: „Schweig, sei still.“27

Das bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.