2000–2009
Heilige Stätten, heiliger Raum
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Heilige Stätten, heiliger Raum

Unsere Fähigkeit, nach Heiligem zu trachten, es zu erkennen, ihm mit Ehrfurcht zu begegnen und es dem Unheiligen und Weltlichen vorzuziehen, bestimmt unsere geistige Gesinnung.

Auf die Frage des Pilatus „Bist du der König der Juden?“, erwiderte der Erretter: „Mein Königtum ist nicht von dieser Welt.“ (Johannes 18:33,36.) Mit diesen wenigen Worten erklärte Jesus sein Königtum als von dieser Welt unabhängig und getrennt. Seine Unterweisung, seine Lehre und sein Beispiel setzen für jeden, der wahrhaft an ihn glaubt, einen göttlichen Maßstab, der verlangt, dass man sowohl das Auge als auch den Sinn nur auf die Herrlichkeit Gottes richtet (siehe LuB 4:5; 88:68). Die Herrlichkeit Gottes umfasst alles, was heilig ist. Unsere Fähigkeit, nach Heiligem zu trachten, es zu erkennen, ihm mit Ehrfurcht zu begegnen und es dem Unheiligen und Weltlichen vorzuziehen, bestimmt unsere geistige Gesinnung. Ohne das Heilige haben wir in der Tat nur noch das Unheilige und Weltliche.

Inmitten des geschäftigen Treibens der irdischen Welt mit ihrer unvermeidlichen Unsicherheit muss es Orte geben, die geistige Zuflucht, Erneuerung, Hoffnung und Frieden bieten. Es gibt tatsächlich solche Orte. Sie sind überaus heilig. Es sind Orte, an denen wir dem begegnen, was göttlich ist, und den Geist des Herrn finden.

Dreimal gebietet der Herr seinem Volk in Lehre und Bündnisse, „an heiligen Stätten zu stehen“ (siehe LuB 45:32; 87:8; 101:22). Der Zusammenhang, in dem dieser Rat gegeben wurde, nimmt an Bedeutung zu, wenn wir den gegenwärtigen Zustand der Welt betrachten. Verheerende Krankheiten, Verfolgung und Kriege sind uns nur allzu bekannt; sie drängen sich in unser tägliches Leben. Angesichts solch bestürzender Probleme rät der Herr: „Siehe, es ist mein Wille, dass alle, die meinen Namen anrufen und mich gemäß meinem immerwährenden Evangelium anbeten, sich sammeln und an heiliger Stätte stehen.“ (LuB 101:22.)

Heilige Stätten waren für die richtige Gottesverehrung immer wesentlich. Für die Heiligen der Letzten Tage gehören dazu Schauplätze von historischer Bedeutung, unser Zuhause, die Abendmahlsversammlung und der Tempel. Viel von dem, was wir verehren, und von dem wir unsere Kinder lehren, es heilig zu halten, spiegelt sich an diesen Orten wider. Der Glaube und die Ehrfurcht, die mit diesen Stätten verbunden sind, und die Achtung, die wir für das empfinden, was dort geschieht oder geschehen ist, machen sie heilig. Die Bedeutung, die heilige Stätten und heiliger Raum bei unserer Gottesverehrung haben, kann man kaum überschätzen.

Wir müssen uns gründlich vorbereiten, damit wir den geistigen Nutzen daraus ziehen, der damit verbunden ist, an heiligen Stätten zu stehen. Heilige Stätten heben sich auch durch das Opfer ab, das sie verlangen. Elder M. Russell Ballard hat erklärt, das englische Wort für Opfern bedeute buchstäblich, heilig zu machen oder zu heiligen. („The Law of Sacrifice“, Ensign, Oktober 1998, Seite 7.) Das Wort sakral – also heilig – und der englische Begriff für opfern haben dieselbe Wurzel. Man kann Heiliges nicht erlangen, ohne zunächst etwas dafür zu opfern. Ohne Opferbereitschaft kann es keine Heiligkeit geben. Opferbereitschaft heiligt das Heilige.

Für viele ist der Wald in der Nähe der alten Farm der Familie Smith im Norden des Staates New York einfach nur schön und friedlich. Für Heilige der Letzten Tage in der ganzen Welt ist er jedoch, aufgrund des Glaubens und der Ehrfurcht, mit denen wir diesen Ort betreten, und wegen des großen Opfers, für das er steht, heilig.

Vor einigen Monaten saßen meine Frau und ich an einem schönen Tag im Spätherbst in jenem Wald. Es war wirklich sehr schön und wir genossen den Frieden der Abgeschiedenheit, den wir dort fanden. Es war jedoch sehr viel mehr als dies, denn wir saßen in der unmittelbaren Umgebung der Stelle, wo Gott der Vater und sein Sohn Jesus Christus dem jungen Propheten Joseph Smith erschienen sind. Der Glaube und die Ehrerbietung, die wir ihrem Erscheinen und dem Opfer entgegenbringen, das sowohl im Leben des Propheten als auch im Leben unserer eigenen Vorfahren daraus hervorging, heiligte die Umgebung und verwandelte diesen schönen Ort in eine heilige Stätte.

Andere heilige Stätten überall in der Welt, die mit der Geschichte und Verbreitung dieser Kirche in Zusammenhang stehen, wecken ähnlich tiefe und ehrfürchtige Gefühle. Diese heiligen Stätten regen unseren Glauben an und ermutigen uns, jenem Glauben treu zu sein und trotz der Herausforderungen, die sich uns vielleicht in den Weg stellen, voranzugehen.

Unser Zuhause ist gleichermaßen eine heilige Stätte und heiliger Raum. Auch wenn unser Zuhause nicht immer ruhig ist, kann es vom Geist des Herrn erfüllt sein. Die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel verkünden in der Proklamation an die Welt zur Familie: „Ein glückliches Familienleben kann am ehesten erreicht werden, wenn die Lehren des Herrn Jesus Christus seine Grundlage sind. Erfolgreiche Ehen und Familien gründen und sichern ihren Bestand auf den Prinzipien Glaube, Gebet, Umkehr, Vergebungsbereitschaft, gegenseitige Achtung, Liebe, Mitgefühl, Arbeit und sinnvolle Freizeitgestaltung.“ (Der Stern, Januar 1996, Seite 93.)

Ein solches Zuhause erfordert Opferbereitschaft. Der Herr hat zum Propheten Joseph Smith gesagt: „Deine Familie muss notwendigerweise umkehren und von einigem lassen.“ (LuB 93:48.) Jede Familie wird mit einer breiten Auswahl an Aktivitäten und Unterhaltung konfrontiert, die nicht alle zuträglich und gut sind – und vieles davon ist gewiss nicht notwendig. Muss unsere Familie, wie die des Propheten, ebenfalls umkehren und von einigem lassen, sodass wir den heiligen Charakter unseres Zuhauses besser aufrechterhalten können? In welchem Maße wir unser Zuhause zu einer heiligen Stätte machen, zeigt, wie groß das Opfer ist, das wir für unsere Familie zu bringen bereit sind.

Die Abendmahlsversammlung ist in Wirklichkeit sehr viel mehr als nur eine Versammlung. Es sind heilige Momente an einer heiligen Stätte. In diesen Augenblicken denken wir jede Woche über das barmherzigste Opfer nach, das diese Welt je gesehen hat. Wir sinnen über die Liebe Gottes nach, der seinen einziggezeugten Sohn gab, damit wir ewiges Leben haben können. Wenn wir das Abendmahl nehmen, denken wir an ihn und bringen unsere Bereitschaft zum Ausdruck, seinen Namen auf uns zu nehmen und seine Gebote zu halten. Sorgfältige Vorbereitung, darunter die Opferbereitschaft eines reuigen Herzens und eines zerknirschten Geistes, ist Voraussetzung für die regelmäßige geistige Erneuerung, die uns durch die würdige Teilnahme offen steht. Wir müssen willens und fähig sein, uns ein paar Augenblicke von der Welt zu lösen, um über Heiligeres nachzudenken. Ohne diese geistige Erneuerung wird unser Glaube leicht von Weltlichem und Unheiligem überwältigt.

Vor vielen Jahren, als unsere Söhne noch sehr klein waren, machte ich beim Essen eine Bemerkung über die hervorragende Abendmahlsversammlung und wie viel ich dabei gelernt hatte. Sie antworteten mit einem Blick, der mir zu verstehen gab, dass sie sich fragten, ob wir überhaupt in derselben Versammlung gewesen waren. Der Unterschied zwischen meinem und ihrem Erlebnis bestand schlicht in ein wenig Reife und Vorbereitung. Die geistige Erneuerung, die wir in der Abendmahlsversammlung erfahren, wird nicht unsere Vorbereitung und unsere Bereitschaft und unseren Wunsch, unterwiesen zu werden, übersteigen.

Die Tempel mit der Inschrift „Heilig dem Herrn“ gehören zu den heiligsten Stätten auf der Erde. Sie sind ein Beweis für die Liebe, die Gott allen seinen Kindern – den bereits verstorbenen und den jetzt lebenden – entgegenbringt. Die Segnungen des Tempels sind untrennbar mit bedeutenden Opfern verbunden. Die heiligen Handlungen, die darin vollzogen werden, machen es uns möglich, alle Segnungen des Sühnopfers des Erretters zu erlangen. Dies allein würde den Tempel schon heilig machen. Wir müssen aber auch selbst Opferbereitschaft mitbringen. Wir opfern Zeit bei der Suche nach unseren Vorfahren und Zeit, um uns unseren Aufgaben im Tempel zu widmen. Wir bemühen uns auch, nach den höchsten Maßstäben der Würdigkeit zu leben, die uns dafür bereitmachen, das geweihte Innere dieser überaus heiligen Stätte zu betreten.

An heiligen Stätten und in heiliger Umgebung finden wir geistige Zuflucht, Erneuerung, Hoffnung und Frieden. Ist dies nicht jedes notwendige Opfer wert? Brüder und Schwestern, möge jeder von uns das Heilige in seinem Leben ehren und achten. Und mögen wir dies auch unseren Kindern vermitteln. Stehen wir doch alle an heiligen Stätten geistigen Friedens!

Ich gebe Zeugnis vom Herrn und Erretter Jesus Christus, dem Fürsten des Friedens und der Hoffnung. Im Namen Jesu Christi. Amen.