1990–1999
Was sollen wir tun?
Fußnoten

Hide Footnotes

Farbschema

Was sollen wir tun?

Das Evangelium gibt uns die Antwort und die Verheißung göttlicher Führung. Es ist ein Pfad, dem wir nur Schritt für Schrittfolgen können, mit Geduld, Hoffnung und Glauben.

Vor einigen Jahren befand sich die /Welt an einem politischen Wendepunkt. Die Menschen meinten, die Völker würden den lange erwarteten Frieden zustande bringen. Viele übersahen jedoch, daß wir in Gesellschaftssystemen und Kulturen leben, in denen die Normen und Werte sich wandeln und in denen weltliche Reformen häufig das Wesen von Männern und Frauen bestimmen. An die Stelle der einen Ungerechtigkeit tritt oft nur eine andere Ungerechtigkeit. Wir leben in einer Zeit unklarer moralischer Auffassungen, in der kaum Führung gegeben wird. Wir stehen vor derselben Frage, wie sie den Jüngern nach der Auferstehung Christi gestellt wurde: Was sollen wir tun? (Siehe Apostelgeschichte 2:37.)

Diese Frage stellen wir uns in Ungewissen Zeiten oder wenn wir vor neuen Herausforderungen stehen. Wir reagieren darauf vielleicht, indem wir unüberlegt handeln in der Hoffnung, die Lösung nur durch die Ergebnisse zu erzielen. Zum Glück versteht der Herr uns besser als wir uns selbst. Das Evangelium lehrt uns, zuerst nachzusinnen und Glauben zu entwickeln. Erst wenn wir uns auf der Grundlage des Evangeliums zugunsten des Guten entschieden haben, können wir rechtschaffene Taten hervorbringen.

Aktiver Glaube führt zu guten Werken, wir empfangen die Kraft von oben, auf das Rechte zuzustreben. Große Werke und Taten bleiben jedoch nicht in sich selbst erhalten. Wenn große Taten anhalten sollen, ist unsere gehorsame Hingabe und die Hingabe kommender Generationen gefordert.

Das Evangelium Jesu Christi ist der einzige Plan, in dem keine Fehler einkalkuliert sind. Nach der Bergpredigt warnte der Herr seine Jünger vor kommenden widrigen Umständen und daß gerechte Werke nötig seien. Er erklärte, daß sie sich beim Dienst nicht auf die eigene Kraft verlassen dürften, sondern auf seinen Namen und darauf, daß sie von ihm berufen sind. Auch wir sind Jünger und leben in einer Welt, die viele Bedürfnisse hat, seien sie nun geistig, materiell oder seelisch. Durch den Dienst im Evangelium lassen sich unsere ewigen Bedürfnisse stillen, und wir können wahrhaftig in der Welt dienen. Unsere Bedürfnisse lassen sich nicht durch das Streben nach dem Vergänglichen stillen, sondern durch das Entdecken des Ewigen. Wenn wir die Antworten im Ewigen suchen, sichern wir unsere Beziehung zu Gott und erlangen ein besseres Verständnis unserer Mitmenschen. Somit können wir dienen; das ist der Zweck des Lebens.

Der sichtbare Ausdruck, daß wir Gottes Willen tun, führt oft zu persönlichem Frohmut; einer stillen, sonnigen Klarheit und Lebensfreude, Gefühle, die in den Psalmen besungen werden. Wir leben jedoch nicht ohne widrige Umstände und möglicherweise Augenblicke tiefer Verzweiflung. Unser Umfeld verlockt uns zum Vergänglichen, zur Ungerechtigkeit und zum Ungehorsam. Wenn wir die Oberhand gewinnen wollen, müssen wir im Einklang mit den Evangeliumsprinzipien handeln. Wir können nicht mehr verlangen, als den wahren Sinn des Lebens zu finden. „Wer das Leben gewinnen will, wird es verlieren; wer aber das Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen." (Matthäus 10:39.) Wir haben die Verheißung, daß wir reichlich empfangen und das ewige Leben erlangen, wenn wir das aufgeben, was der Herr von uns erwartet.

Wir entscheiden uns für oder gegen das Evangelium Christi. Das menschliche Leben wurde auf der Grundlage der Entscheidungsfreiheit geschaffen. Gott will freie Menschen, die ihm freiwillig dienen. Darum ist jeder gefordert, den engen, schmalen Weg zu wählen und ein Leben zu vermeiden, dem die ewige Richtung fehlt. Es gibt wahrscheinlich Zeiten in unserem Leben, wo wir uns fragen, ob es andere Wege oder Abkürzungen gibt. Das Evangelium gibt uns die Antwort und die Verheißung göttlicher Führung. Es ist ein Pfad, den wir nur Schritt für Schritt einschlagen können, mit Geduld, Hoffnung und Glauben. Die Entscheidungen, die wir heute treffen, werden den zukünftigen Kurs bestimmen, unsere zukünftigen Stärken und Fähigkeiten.

Thomas Carlyle hat einmal bemerkt: „Kenne deine Bestimmung und folge ihr." Wir sind heute hier, weil wir glauben, daß unsere Bestimmung darin besteht, ewige Erhöhung zu erlangen. Das ist das höchste Ziel im Leben, und es fordert all unsere Kraft, Hingabe und Arbeit. Es ist unmöglich, unsere höchstmögliche Bestimmung ohne Anleitung und Führung zu erreichen. Der Herr versorgt uns mit geistigen „Wegweisern", denen wir folgen müssen. Einige Wegweiser des Lebens lauten:

Erstens: Seien Sie treu. Treten Sie für die Propheten und die Schriften ein. Wir wollen wie Nephi sagen können:

„… wir reden von Christus, wir freuen uns über Christus, wir predigen Christus, wir prophezeien von Christus, und wir schreiben gemäß unseren Prophezeiungen, damit unsere Kinder wissen mögen, von welcher Quelle sie Vergebung ihrer Sünden erhoffen können." (2 Nephi 25:26.)

Zweitens: Halten Sie das erste der Zehn Gebote. „Du sollst neben mir keine anderen Götter haben." (Exodus 20:3.) Aufgrund der Entscheidungen und Versuchungen der Welt verlieren wir oft die wahren Werte aus den Augen und wenden unser Herz dem Reichtum, dem Beruf, den Hobbys, den Leuten, Ehre, Stolz und, was am schlimmsten ist, der Befriedigung unseres Egos zu.

Drittens: Unterscheiden Sie zwischen Sein und Schein. Gott kennt unser Herz, und er läßt sich nicht täuschen. Wir können vielleicht die Welt eine Weile zum Narren halten, Gott aber nicht. Wir werden niemals die Freude einer liebevollen und vertrauensvollen Beziehung zu unseren Mitmenschen kennen, wenn sie nicht auf Ehrlichkeit gegründet ist. Der Psalmist David sagt über den Herrn:

„Herr, du … kennst mich. Ob ich sitze oder stehe, du weißt von mir. Von fern erkennst du meine Gedanken. … Noch liegt mir das Wort nicht auf der Zunge - du, Herr, kennst es bereits." (Psalm 139:1,2,4.)

Viertens: Erheben Sie sich über die Selbstsucht. Dazu gehört die geistige Selbstsucht, wenn man nur auf die persönliche Erbauung und Stärkung achtet und nur an der eigenen Errettung interessiert ist. Gesegnet zu sein ist kein Selbstzweck, wir müssen den anderen ein Segen sein. Alle Menschen haben das Talent, auf die eine oder andere Weise das Leben anderer zu berühren und zu inspirieren. Lassen Sie uns nicht nur in uns hineinschauen und sagen: „Alles ist wohl in Zion; ja, Zion gedeiht …" (2 Nephi 28:21), sondern lassen Sie uns einer chaotischen Welt ein Licht sein.

Sind wir in der Lage, solche Ermahnungen zu beherzigen? Wie oft haben wir Vorsätze gefaßt und dann nicht ausgeführt? Die einzige Antwort auf diese Fragen ist, daß wir uns selbst verpflichten, dem Herrn zu dienen und seinen Forderungen gerecht zu werden. Wie Moroni gesagt hat, ist die Gnade des Herrn ausreichend für alle Menschen, die sich vor ihm demütigen. Wenn wir uns demütigen und Glauben an ihn haben, wird er Schwaches für uns stark werden lassen (siehe Ether 12:27). Er gibt uns Kraft, unsere Herausforderungen zu meistern, und vieles wird sich von selbst erledigen. Der Geist Gottes stärkt uns körperlich, geistig und seelisch. Jetzt müssen wir den Weg wählen! Caterina Di Genova, die im Mittelalter als Märtyrerin starb und Generationen nach ihr inspirierte, soll gesagt haben: „Sobald Gott den Willen eines Menschen besitzt, wird Gott in diesem Menschen wohnen und ihn zur Vollkommenheit führen." In dieser Welt ohne Gott zu bestehen ist schwierig. Durch Gott ist jedoch alles möglich.

Sollen wir für unsere Bemühungen Lohn erwarten oder erbitten? Die Jünger fragten Jesus nach Lohn. Statt sie zu züchtigen, antwortete er: „Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen." (Matthäus 19:29.)

Die Übel der heutigen Welt und der flüchtige soziale Friede sind das Ergebnis vergangener Übeltaten und der Mißachtung göttlicher Grundsätze. Die geistige Kraft jeder Generation wurzelt in der Gottesliebe der Eltern und Großeltern und deren Gehorsam gegenüber dem Evangelium. Als einzelne und als Kirche müssen wir uns fragen, welchen Beitrag wir unseren Mitmenschen leisten. Als die Schweiz 1862 zu Beginn ihrer Föderation im Begriff war, sich politisch zu konsolidieren, stellte der schweizer Dichter und Schriftsteller Gottfried Keller Fragen, die denen in unserer Zeit gleichen. Er schrieb:

„Habe ich mich und mein Haus so geführt, daß ich imstande bin, dem Ganzen zum Nutzen und zur bescheidenen Zierde zu gereichen, und zwar nicht in den Augen der unwissenden Welt, sondern in den Augen des höchsten Richters? Und wenn sodann alle zusammen sich fragen: Wie stehen wir heute da als Volk vor den Völkern, und wie haben wir das Gut verwaltet, das uns gegeben wurde? So dürfen wir nicht mit eitlem Selbstruhm vor den Herrn aller Völker treten, der alles Unzureichende durchschaut und das Glück von ehrlicher Mühewaltung, das Wesen vom Scheine zu unterscheiden versteht."

Erforschen wir unser Herz, und stellen wir uns die Frage: „Was sollen wir tun?", und befolgen wir Josuas Rat:

„Entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt. … Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen." (Josua 24:15.)Im Namen Jesu Christi. Amen.