1990–1999
Das Priestertum - eine heilige Verpflichtung
Fußnoten

Hide Footnotes

Farbschema

Das Priestertum - eine heilige Verpflichtung

[Jesus Christus, unser Herr], … ist unser Vorbild und unser Führer. Auf seinen Spuren müssen wir wandeln, wenn wir in unserer Priestertumsberufung erfolgreich sein wollen.

Wie feierlich es mich doch stimmt, wenn ich an die vielen Priesterumsträger denke, die hier im Tabernakel auf dem Tempelplatz und in Hunderten von Kirchengebäuden auf der ganzen Welt versammelt sind! Ich bete darum, daß der Geist heute Abend meine Worte leitet.

Die Anwesenheit der Träger des Aaronischen Priestertums erinnert mich an meine eigenen Erfahrungen: wie ich aus der Primarvereinigung entlassen wurde, wo ich die Glaubensartikel auswendig gelernt hatte; wie ich dann das Aaronische Priestertum und das Amt und die Berufung des Diakons empfing. Das Abendmahl auszuteilen war ein Vorzug, und das Fastopfer einzusammeln war eine heilige Verpflichtung. Ich wurde als Sekretär des Diakonskollegiums eingesetzt, und von dem Augenblick an hatte ich das Gefühl, daß die Kinderzeit vorüber und ich nun ein junger Mann war.

Könnt ihr junge Männer euch den Schock vorstellen, als ich eine Beamtenversammlung anläßlich der Gemeindekonferenz besuchte, jemand von der Pfahlpräsidentschaft nach einigen Priestertums- und Hilfsorganisationsführern ohne Vorwarnung meinen Namen und mein Amt nannte und mich bat, einen Bericht über meine Treuhandschaft zu geben und meine Gefühle hinsichtlich meiner Berufung als Sekretär des Diakonskollegiums und als Gemeindebeamter auszudrücken? Ich weiß nicht mehr, was ich damals sagte, aber ein Verantwortungsbewußtsein überkam mich, das mich nie wieder verlassen hat.

Ich hoffe sehr, daß sich jeder Diakon, Lehrer und Priester der Bedeutung seiner Priestertumsordinierung und des Vorzugs bewußt ist, durch Teilnahme an der Vorbereitung und dem Austeilen des Abendmahls jeden Sonntag eine überaus wichtige Rolle im Leben eines jeden Mitglieds zu spielen.

Als ich das Aaronische Priestertum trug, haben wir zu Beginn der Priestertumsversammlung anscheinend immer dieselben Lieder gesungen, nämlich „Ihr Söhne Gottes", „Kommt, all ihr Söhne Zions", „O fest wie ein Felsen", „Israel, der Herr ruft alle" und ein paar andere. Unsere Stimmen waren nicht die besten, und das Volumen reichte auch nicht aus, aber wir lernten den Text und kannten die Aussage eines jeden Liedes.

Ich muß heute noch schmunzeln, wenn ich an das denke, was ich einmal über Bruder Thaies Smith und seinen Dienst als Ratgeber von Bischof Israel Heaton gehört habe. Eines Sonntagmorgens rief Schwester Heaton bei Bruder Smith an und sagte, daß ihr Mann krank sei und daher nicht zur Priestertumsversammlung kommen könne. Bruder Smith teilte dies später den versammelten Brüdern mit und bat den Bruder, der das Anfangsgebet sprechen sollte, Bischof Israel Heaton ins Gebet einzubeziehen. Dann gab er den Titel des Anfangsliedes bekannt: „Israel, der Herr ruft". Es wurde wohl viel eher gelächelt als die Stirn gerunzelt. Und Bischof Heaton wurde wieder gesund.

Die Eröffnung der Priestertumsversammlung mag kurz sein, doch soll sie in jeder Gemeinde ausnahmslos stattfinden. Sie bringt den Versammelten den Geist der Einigkeit und der Bruderschaft des Priestertums nahe und erinnert uns auf schöne Weise an unsere heiligen Pflichten.

Jeder, der das Priestertum trägt, hat Gelegenheit, dem himmlischen Vater und seinen Kindern hier auf Erden zu dienen. Es läuft dem Geist des Dienens zuwider, wenn man egoistisch für sich selber lebt und die Bedürfnisse seiner Mitmenschen übersieht. Der Herr führt uns und läßt uns den Herausforderungen gewachsen sein, denen wir gegenüberstehen. Halten Sie sich seine Verheißung und seinen Rat vor Augen: „Die Kraft und Vollmacht des höheren oder Melchisedekischen Priestertums ist es, die Schlüssel aller geistigen Segnungen der Kirche innezuhaben:

„Sie genießen den Vorzug, daß sie die Geheimnisse des Himmelreichs empfangen, daß sich ihnen die Himmel auftun, daß sie mit der Allgemeinen Versammlung und Kirche des Erstgeborenen in Verbindung stehen und sich der Gemeinschaft mit Gott dem Vater und mit Jesus Christus, dem Mittler des Neuen Bundes, und deren Gegenwart erfreuen." (LuB 107:18,19.)

Um sich diese Segnung zu verdienen, muß sich jeder von uns vor Augen führen, von wem jede Gabe und jede Segnung kommt. „Die Seelen haben großen Wert in den Augen Gottes"1 - das ist keine leere Phrase, sondern uns vom Himmel zu unserer Erleuchtung und Führung gegeben. Wir müssen immer daran denken, wer wir sind, und wie wir nach Gottes Willen werden sollen. Diese Perle der Philosophie ist in dem Musical Anatevka zu finden, wo Vater Tevje seinen heranwachsenden Töchtern Rat erteilt. Auch in anderen zeitgenössischen Stücken finden sich Gedanken, dies es wert sind, daß wir uns damit befassen, während wir uns auf den Dienst vorbereiten.

Aus dem Stück Camelot kommt folgende Feststellung: „Gewalt ist keine Stärke, und Mitgefühl ist keine Schwäche." Aus Shenandoah: „Wenn wir nichts versuchen, dann tun wir nichts; und wenn wir nichts tun, wozu sind wir dann da?" Eliza Doolittle, die Schülerin von Professor Higgins in My Fair Lady, erklärt Colonel Pickering ihre Philosophie so: „Der Unterschied zwischen einer Dame und einem Blumenmädchen liegt nicht darin, wie sie sich benimmt, sondern wie man sie behandelt. Für Professor Higgins werde ich immer ein Blumenmädchen sein, weil er mich immer wie ein Blumenmädchen behandelt, und so bleibt es auch. Aber ich weiß: Für Sie kann ich eine Dame sein, weil Sie mich immer als Dame behandeln, und so bleibt es auch." Noch einmal Camelot -König Artus sagt zu Gweneviere: „Wir dürfen nicht zulassen, daß unsere Leidenschaften unsere Träume zerstören." Das läßt sich so fortsetzen. In Wahrheit ist jede dieser fabelhaften Bemerkungen eine Umschreibung der Lehren unseres Herrn Jesus Christus. Er ist unser Vorbild und unser Führer. Auf seinen Spuren müssen wir wandeln, wenn wir in unserer Priestertumsberufung erfolgreich sein wollen.

Ich möchte Ihnen heute Abend weise Gedanken von Mitdienern nahe bringen, die in unseren Reichen gewirkt haben, nun aber in die Ewigkeit eingegangen sind.

Zunächst Worte eines Pfahlpräsidenten an einen jungen Bischof: „Die Arbeit ist überwältigend, aber halten Sie sich die folgenden Richtlinien für einen guten Bischof vor Augen: Die Armen speisen, keine Lieblinge haben, keine Schlechtigkeit dulden." In bezug auf die letzte dieser Richtlinien hat Präsident Spencer W. Kimball gesagt: „Wenn Sie mit Übertretung zu tun haben, machen Sie den Verband groß genug, um die Wunde zu bedecken - nicht größer, nicht kleiner."2

Zweitens: Vor der Gründung des Pfahles Toronto im Jahre 1960 erzählte Elder ElRay L. Christiansen, damals Assistent des Rates der Zwölf, den Priestertumsführern eine Begebenheit aus der Zeit, als er selbst gerade als Präsident des Pfahles East Cache in Logan, Utah, berufen worden war. Er berichtete, daß seine Ratgeber und er darüber gesprochen hätten, was die Mitglieder am meisten brauchten und welche Evangeliumsprinzipien der Pfahl besonders betonen sollte. Die Vorschläge reichten von der Anwesenheit in der Abendmahlsversammlung bis zur Sabbatheiligung, und dazwischen war ein weites Feld. Schließlich einigten sie sich darauf, daß das dringendste Bedürfnis das nach geistiger Gesinnung war. Sie befanden die folgende Feststellung für wahr: Wenn man sich mit Gemeinplätzen befaßt, hat man nur selten Erfolg. Wird man aber konkret, hat man nur selten einen Mißerfolg.

Dann stellten Präsident Christiansen und seine Ratgeber einen phantastischen Vierjahresplan auf. Erstes Jahr: Wir fördern die geistige Gesinnung der Mitglieder des Pfahles East Cache, indem jede Familie das Familiengebet pflegt. Zweites Jahr: Wir fördern die geistige Gesinnung der Mitglieder des Pfahles East Cache, indem jedes Mitglied jede Woche zur Abendmahlsversammlung kommt. Drittes Jahr: Wir fördern die geistige Gesinnung der Mitglieder des Pfahles East Cache, indem jedes Mitglied ehrlich den Zehnten zahlt. Viertes Jahr: Wir fördern die geistige Gesinnung der Mitglieder des Pfahles East Cache, indem jedes Mitglied den Sabbat heilig hält.

Nach Ablauf der vier Jahre war jedes der vier Ziele erreicht, aber was noch wichtiger ist, die geistige Gesinnung der Mitglieder des Pfahles East Cache war bemerkenswert erstarkt. Geistig gesinnt wird man nicht einfach, indem man sich das wünscht, sondern vielmehr still und unmerklich, indem man dient. Der Herr sagt: „Wenn ihr den Wunsch habt, Gott zu dienen, seid ihr zu dem Werk berufen." (LuB 4:3.) Vor vielen Jahren berief ich auf einer Distriktskonferenz in Ottawa, Kanada, zwei Männer aus einem kleinen Zweig zu verantwortungsvollen Ämtern im Dienst des Herrn. Ich habe ihre Reaktionen aufgeschrieben und möchte ihnen heute diese Worte aus der Vergangenheit wiederholen. Bruder John Brady: „Ich habe Bündnisse geschlossen; ich werde treu dienen." Bruder Walter Dank: „Das Evangelium ist das Wichtigste in meinem Leben; ich werde dienen."

Präsident John Taylor hat sich auf sehr direkte Weise an uns Träger des Priestertums gewandt: „Wenn Sie Ihre Berufung nicht groß machen, dann wird Gott Sie für diejenigen zur Rechenschaft ziehen, die Sie durch Pflichterfüllung hätten erretten können."3

Ich meine, wenn wir uns immer vor Augen halten, wem wir eigentlich dienen und in wessen Auftrag wir wirken, dann kommen wir der Quelle der Inspiration näher, nämlich unserem Herrn und Erretter.

Präsident Harold B. Lee hat auf meine Frau und mich und auf unsere drei Kinder großen Einfluß gehabt. Hin und wieder machte er unseren Kindern ein kurzes Kompliment, und zwar in einem Ton, der eine tiefe geistige Gesinnung, aufrichtiges Interesse und inspirierten Rat erkennen ließ.

Clark, unser jüngster Sohn, stand kurz vor dem zwölften Geburtstag, als wir zufällig Bruder Lee auf dem Parkplatz der Verwaltung der Kirche trafen. Bruder Lee fragte Clark, wie alt er sei. Der antwortete: „Ich bin bald zwölf."

Frage: „Und was geschieht, wenn du zwölf bist?"

Antwort: „Dann empfange ich das Aaronische Priestertum und werde zum Diakon ordiniert." Freundlich lächelnd drückte Bruder Lee ihm die Hand und sagte: „Gott segne dich, mein Junge."

Als unsere Tochter, Ann, noch ein junger Teenager war, waren wir einmal mit ihr unterwegs und trafen Bruder Lee; wir stellten ihm Ann vor. Bruder Lee nahm Anns Hand in die seine und sagte mit liebevollem Lächeln: „Du, meine Liebe, bist innerlich ebenso schön wie äußerlich. Was für eine besondere junge Dame du doch bist!"

Bei einem ernsteren Anlaß traf ich mich mit Bruder Lee vor dem LDS-Krankenhaus in Salt Lake City. Wir hatten den Auftrag, meinem ältesten Sohn, Tom, einen Segen zu geben. Er war damals fast zwanzig und stand vor einer Operation, die sehr schwerwiegend werden konnte. Bevor wir die Treppe zum Eingang hinaufgingen, gab Bruder Lee mir die Hand, sah mir in die Augen und sagte: „Tom, in diesem Augenblick möchte ich nirgendwo anders sein als an deiner Seite, um gemeinsam mit dir deinem Sohn einen heiligen Segen zu geben." Wir gingen ins Krankenzimmer, und er sagte zu meinem Sohn: „Wir sind im Begriff, dir einen Segen zu geben, ja, eine heilige Handlung des Priestertums an dir zu vollziehen. Wir tun das in Demut, denn wir beherzigen den Rat des Propheten Joseph Smith, der gesagt hat:, Wenn die Träger des Priestertums bei dieser heiligen Handlung jemandem die Hände auflegen, dann ist es so, als legte der Herr ihm die Hände auf/" Der Segen wurde gespendet, und die Operation erwies sich als geringfügig. Aber wir lernten daraus, wir achteten auf die geistige Gesinnung dieses großen Mannes, und wir hatten ein Beispiel bekommen, nach dem wir handeln sollten.

Brüder, unter euch sind Zehntausende Priestertumsträger, die durch Gleichgültigkeit, verletzte Gefühle, Schüchternheit oder Schwäche nicht in der Lage sind, ihre Frau und ihre Kinder in vollem Umfang zu segnen - von denen ganz zu schweigen, die sie außerdem noch aufrichten und segnen könnten. Wir haben die feierliche Pflicht, eine Änderung herbeizuführen, indem wir so jemanden bei der Hand nehmen und ihm helfen, sich zu erheben und in geistiger Hinsicht gesund zu werden. Wenn wir das tun, dann werden die Frauen uns gesegnet nennen, und dankbar werden die Kinder über „Papas" Veränderung staunen, weil Menschen sich ändern und errettet werden.

Wenn ich als Mitglied der Zwölf eine Pfahlkonferenz besuchte, dann achtete ich immer besonders auf die Pfähle, denen es gelungen war, die Brüder zu aktivieren, deren Talente und Führungsqualitäten brachgelegen hatten. Dort fragte ich immer: „Wie haben Sie das zustande gebracht? Was haben Sie getan, und wie haben Sie es getan?" So war es auch im Pfahl North Carbon, über den Präsident Cecil Broadbent präsidierte. 87 Männer waren reaktiviert worden und waren im Laufe eines Jahres mit Frau und Kindern in den Manti-Tempel gegangen. Auf meine Frage wandte Präsident Broadbent sich an seinen Ratgeber, Präsident Stanley Judd, einen großen und gutmütigen Bergmann, und sagte: „In der Pfahlpräsidentschaft ist Präsident Judd dafür zuständig. Er kann das beantworten."

Ich wiederholte Präsident Judd meine Frage und schloß mit der Bitte: „Würden Sie mir das bitte sagen, damit andere auch solchen Erfolg haben können?" Lächelnd entgegnete er: „Nein." Ich war verblüfft. Er fuhr fort: „Wenn ich's Ihnen sage, dann wird jemand anders noch besser sein als wir." Augenzwinkernd setzte er dann hinzu: „Aber für zwei Eintrittskarten zur Generalkonferenz verrate ich es Ihnen."

Die Karten wurden besorgt, und das Erfolgsrezept wurde offenbart. Präsident Judd hielt den Vertrag aber noch nicht für erfüllt und hat, bis er Patriarch wurde, zu jeder Konferenz um zwei Karten gebeten und sie auch erhalten.

Im großen und ganzen war die Erfolgsformel in diesem Zusammenhang in allen Pfählen die gleiche. Sie bestand aus vier Teilen: 1. auf Gemeindeebene ansetzen, 2. den Bischof einbeziehen, 3. für inspirierten Unterricht sorgen, und 4. nicht versuchen, sich auf alle Brüder gleichzeitig zu konzentrieren, sondern statt dessen sich immer nur um wenige Ehepaare gleichzeitig bemühen und sie dann mithelfen lassen, wenn Sie sich anderen Ehepaaren zuwenden.

Ausgefeilte Verkaufstechniken sind nicht die Lösung in Fragen der Priestertumsführung. Statt dessen wirken hingebungsvolle Pflichterfüllung, ständiges Bemühen, uneingeschränkte Liebe und die geistige Gesinnung zusammen, um das Herz anzurühren und die Wandlung zu veranlassen und die hungernden Kinder des Herrn an seinen Tisch zu bringen, Kinder, die in der Wildnis der Welt umherwanderten und nun nach Hause zurückgekehrt sind.

Vor etlichen Jahren habe ich den Pfahl Star Valley umgebildet; damals wurde sein legendärer Führer, Präsident E. Francis Winters, entlassen. Er hatte viele Jahre lang treu und hervorragend gedient.

Der Sabbat war angebrochen, die Mitglieder kamen von weit und breit zusammen und füllten das Gemeindehaus von Afton in Wyoming. Jeder einzelne Platz war besetzt. Als die Umgestaltung der Pfahlpräsidentschaft beendet war, tat ich etwas, was ich nie zuvor getan hatte. Ich fühlte mich zu einer bescheidenen Übung bewegt und bat: „Würde bitte jeder, der von Francis Winters getauft, konfirmiert oder als Kind gesegnet worden ist, bitte einmal aufstehen und kurz stehen bleiben." Viele standen auf. Dann fuhr ich fort: „Nun möchten bitte alle aufstehen und stehen bleiben, die von Francis Winters ordiniert oder eingesetzt worden sind." Noch mehr Menschen standen auf. „Und schließlich: Würden bitte alle aufstehen und stehen bleiben, die von Francis Winters einen Segen empfangen haben." Da standen alle übrigen auf.

Ich wandte mich an Präsident Winters und sagte mit Tränen in den Augen: „Präsident Winters, vor sich sehen Sie die Ergebnisse Ihres Dienstes als Pfahlpräsident. Der Herr hat Gefallen daran." Viele nickten, und Schluchzen war zu hören, und jeder zog ein Taschentuch aus der Tasche. Es war eins der geisterfülltesten Erlebnisse meines Lebens. Keiner von den vielen Menschen, die dabei waren, wird je die Gefühle dieser Stunde vergessen.

Nachdem alle Arbeit im Zusammenhang mit jener Konferenz getan war und wir uns verabschiedet hatten, machte ich mich auf den Heimweg. Dabei sang ich mein Lieblingslied aus der Sonntagsschulzeit meiner Kindheit:

Danket der Sonntagsschul, preiset die Zeit,

da frei von den Lasten des Alltags ihr seid.

Danket den Lehrern, die treu sich bemühn

in euch zu entzünden der Wahrheit Erglühn.

Laßt uns am Morgen des Lebens verstehn,

daß doch nur die Reinen einst Gott werden sehn.

Streben nach Edlem in Wort und in Tat

, bekämpfen das Böse, ist göttlicher Rat.

Singet den Lobgesang, stimmt alle ein!

Freude soll ja in der Sonntagsschul sein.

Groß wird der Lohn dann all derer einst sein

, die hier durch dies Leben im Herrn wandeln rein!4

Ich war allein im Auto - oder etwa nicht? Die Meilen flogen vorbei. Tagträumend dachte ich an die Ereignisse der Konferenz. Francis Winters, Buchhalter bei der örtlichen Käsefabrik, ein Mann mit bescheidenen Mitteln und einem schlichten Zuhause, war den Weg gegangen, den Christus gegangen ist, und wie der Herr ging er umher und tat Gutes.5 Er entsprach der Beschreibung, die der Erretter von Natanael gab, als er ihn von weitem auf sich zukommen sah: „Ein echter Israeli:, ein Mann ohne Falschheit."6

Brüder, heute abend bete ich darum, daß wir alle, wo in der Kirche wir auch dienen mögen, es verdienen, daß der Herr sanft die Hand auf unsere Schulter legt und uns so begrüßen kann, wie einst Natanael. Daß wir am Ende unseres Lebenswegs von Gott die Worte hören: „Sehr gut, du bist ein tüchtiger und treuer Diener" 7, das ist mein Gebet. Im Namen Jesu Christi. Amen.