1990–1999
Der besondere Stand der Kinder
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Der besondere Stand der Kinder

Es war die Absicht des himmlischen Vaters, daß jedem Kind der liebevolle Schutz und die Führung fürsorglicher Eltern zuteil wird.

Zu einer Zeit, in der „… eines der größten Probleme in unserer Gesellschaft die Vernachlässigung von Kindern ist, weil Eltern ihre Kinder nicht mehr führen" (Richard Lloyd Andersen, Understanding Paul, Seite 354), hat die Erste Präsidentschaft gebeten, „daß wir erneut betonen, daß alle erwachsenen Mitglieder ein Auge auf unsere Kinder haben und unablässig bestrebt sein müssen, ihnen zu helfen, daß sie lernen, die Lehren des Erretters zu befolgen". Wir wurden ferner aufgefordert, daß „wir uns erneut dafür einsetzen, sie in geistiger und zeitlicher Hinsicht zu umhegen und zu umsorgen." (Brief der Ersten Präsidentschaft, 1. August 1993.)

Es mag hilfreich sein, auf einige der Lehren in der Schrift in bezug auf den besonderen Stand der Kinder einzugehen. Sie gibt Weisung denen, die Kinder großziehen, und Trost denen, die ein Kind im zarten Alter durch Tod verloren haben.

Es war die Absicht des himmlischen Vaters, daß jedem Kind der liebevolle Schutz und die Führung fürsorglicher Eltern zuteil wird. Das Muster wurde durch Adam und Eva, unsere ersten Eltern, festgelegt. Josef, der Nachkomme Davids, war bereit, der Ersatzvater Jesu, des Sohnes Gottes, zu werden, als er nach einem Besuch des Engels Gabriel Maria zur Frau nahm. In Nazareth wurde Josef als Vater Jesu betrachtet. (Matthäus 13:35.)

Christus wuchs in einem bescheidenen Zuhause auf, wo Josef seinen Lebensunterhalt als Zimmermann verdiente und wo auch Jesus dieses Handwerk erlernte. (Markus 6:3.) Da waren noch weitere Familienmitglieder. Maria und Josef hatten vier weitere Söhne und mindestens zwei Töchter, die in der Dorfgemeinschaft als Brüder und Schwestern Jesu galten (siehe Matthäus 13:55,56; Markus 6:3). Das Beispiel Josefs und Marias in bezug darauf, wie sie ihrer großen Familie ein angemessenes Zuhause boten, war dergestalt, daß Lukas schrieb: „Das Kind [Jesus] wuchs heran und wurde kräftig; Gott erfüllte es mit Weisheit, und seine Gnade ruhte auf ihm." (Lukas 2:40.)

Der Herr gewährt den Kindern besonderen Schutz und teilt sich mit den irdischen Eltern die Verantwortung, solange wir uns ihrer Gegenwart erfreuen. Sie können erst dann sündigen, wenn sie das Alter der Verantwortlichkeit erreicht haben, das der Herr als das Alter von acht Jahren festgelegt hat. (LuB 18:42; 29:47.) Ja, sogar die Macht, sie in Versuchung zu führen, ist dem Satan genommen. Der Prophet Moroni hat gelehrt: „… kleine Kinder aber sind gesund, denn sie sind nicht fähig, Sünde zu begehen, … die kleinen Kinder sind in Christus lebendig, ja, von der Grundlegung der Welt an; wäre es nicht so, dann wäre Gott ein parteiischer Gott und auch ein veränderlicher Gott und würde bei den Menschen Unterschiede machen - denn wieviel kleine Kinder sind doch ohne Taufe gestorben!" (Moroni 8:8,12.) Da sie nicht sündigen können, brauchen sie weder die Umkehr noch die Taufe. Adams Übertretung hat aufgrund des Sühnopfers Jesu Christi keine Geltung. Mormon hat die Taufe kleiner Kinder als „ein feierliches Gespött vor Gott" erklärt, denn Umkehr und Taufe gelten für diejenigen, die „zurechnungsfähig und imstande sind, Sünde zu begehen" (Moroni 8:9,10).

Da alle Kinder, die vor dem Alter der Verantwortlichkeit sterben, rein, schuldlos und gänzlich frei von Sünde sind, sind sie im celestialen Reich des Himmels errettet (LuB 137:10; siehe auch Mosia 3:18). Wer den besonderen Stand kleiner Kinder aufgrund ihres reinen und schuldlosen Wesens vor Gott begreift, erlangt Einsicht in das Gebot Gottes, nämlich: „Ihr müßt umkehren und wie kleine Kinder werden und euch in [m]einem Namen taufen lassen …" (3 Nephi 11:37). Die kindlichen Eigenschaften, auf die der Herr sich bezieht, erlangt man, indem man „den Einflüsterungen des Heiligen Geistes nachgibt", um so „fügsam, sanftmütig, demütig, geduldig, voll von Liebe" zu werden, „willig, sich allem zu fügen, was der Herr für richtig hält, [einem] aufzuerlegen, ja, wie eben ein Kind sich seinem Vater fügt". Wahrlich, so jemand wird ein Heiliger, wie König Benjamin sagt. (Mosia 3:19.)

Die Eltern in Zion haben die besondere Aufgabe, ihre Kinder zu belehren und in Rechtschaffenheit zu unterweisen. Sie müssen sie lehren, „die Lehre von der Umkehr, vom Glauben an Jesus Christus, den Sohn des lebendigen Gottes, und von der Taufe und der Gabe des Heiligen Geistes durch Händeauflegen zu verstehen, wenn sie acht Jahre alt sind …" Andernfalls, so hat der Herr erklärt, „sei die Sünde auf dem Haupt der Eltern" (LuB 68:25). Diese Unterweisung muß stattfinden, ehe das Kind das Alter der Verantwortlichkeit erreicht, nämlich solange es schuldlos und frei von Sünde ist. Das ist die geschützte Zeit, in der Eltern die Kinder die Grundsätze und Verordnungen der Errettung lehren können - ohne Beeinträchtigung durch den Satan. Es ist die Zeit, in der die Eltern die Kinder für den Kampf gegen die Sünde wappnen können. Wenn diese Vorbereitungszeit vernachlässigt wird, sind sie dem Feind ausgeliefert. Wenn man zuläßt, daß ein Kind ohne Glauben an den Herrn Jesus Christus und ohne Einsicht in die Grundprinzipien des Evangeliums in diesen Abschnitt seines Lebens eintritt, in dem er vom Bösen geschlagen und in Versuchung geführt wird, so setzt man es einer Welt der Schlechtigkeit aus. In diesen Jahren, wo es unschuldig und formbar ist, kann ein Kind falsches Verhalten lernen. Das ist aber nicht die Folge der Versuchungen des Satans, sondern der falschen Lehren und dem schlechten Beispiel anderer. In diesem Zusammenhang läßt sich das harte Urteil des Erretters gegen die Erwachsenen, die Kinder zum Bösen verführen, besser verstehen, wenn er sagt: „Es wäre besser für ihn, man würde ihn mit einem Mühlstein um den Hals ins Meer werfen, als daß er einen von diesen Kleinen zum Bösen verführt." (Lukas 17:2.)

Wir verführen ein Kind zum Bösen durch jede Belehrung, jedes Beispiel, durch das ein Kleines dazu verleitet wird, ein moralisches Gesetz zu brechen, wodurch es zu Fall gebracht, in die Irre geführt und zum Zorn gereizt wird, wodurch im Kind Ressentiments geweckt werden und es unangenehm und unfreundlich wird. Angesichts der Anklage des Erretters gegen jeden, der ein Kind zum Bösen verführt, ist jeder, der dessen schuldig ist, in ernsthafter Gefahr.

Jedes Kind hat Anspruch darauf, wie Jesus in einer Familie zu leben, in der es das Umfeld zuläßt, an Evangeliumserkenntnis zuzunehmen, wo jeder an Geist zunehmen und das Leben eines jeden mit Weisheit er-

füllt sein kann, so daß die Gnade Gottes auf ihm ruhen wird (siehe Lukas 2:40). Diese kostbaren Kleinen sind wie Engel unter uns.

Die Belehrung unserer Kinder hängt nicht von dem gesellschaftlichen Stand, von Wohlstand oder von der Position ab. Ja, die wirksamste Belehrung mag am bescheidensten Herd stattfinden. Manch einer mag verstandesmäßige Ausflüchte gebrauchen, weil er diese Weisung Gottes nicht befolgt hat, und anführen, ein Kind im zarten Alter sei nicht imstande, Evangeliumsgrundsätze zu verstehen. Eltern, die ihre Kinder belehrt haben, wissen es besser. Der Familienabend bietet eine besondere Gelegenheit, die Familie im Evangelium zu unterweisen. Die Eltern eines Fünfjährigen machten sich Sorgen, wie sie ihrem Sohn die Begegnung Nephis mit dem schlechten Laban vermitteln konnten. Dieser hatte sich wiederholt geweigert, die kostbaren Messingplatten, die einen religiösen Bericht enthielten, Nephi auszuhändigen, und hatte danach getrachtet, Nephi und seine Brüder umzubringen, nachdem er ihnen den Familienbesitz abgenommen hatte. Als Nephi auf den betrunkenen Laban stieß, wies der Geist ihn an, Laban zu töten.

„Siehe, der Herr tötet die Schlechten, um seine rechtschaffenen Absichten zu verwirklichen. Es ist besser, ein einzelner Mensch geht zugrunde, als daß ein ganzes Volk in Unglauben verfällt und zugrunde geht." (l Nephi 4:13.)

Als dieser kleine Junge, mein Enkel, an jenem Abend bei seinem Bett kniete, wurde in seinem Gebet deutlich, daß er diese Lektion verstanden hatte und er sie persönlich anwenden konnte. Er sagte: „Und hilf mir, Vater im Himmel, gehorsam zu sein wie Nephi, auch wenn es schwer ist."

Indem wir diese Grundsätze der Wahrheit leben, wie sie in den Schriften gelehrt und in den verschiedenen Lebensumständen angewandt werden, schaffen wir im Leben der Kinder Einsicht und Gehorsam. Auch die Primarvereinigung lehrt die Kinder das Evangelium Jesu Christi. Diese wertvolle Unterstützung läßt die Kirche den Eltern und Kindern angedeihen.

Ich bezeuge, daß unser gütiger und liebevoller Vater für die Kinder besondere Vorkehrungen getroffen hat, die mit ihrer Schuldlosigkeit und dem ewigen Prinzip der Entscheidungsfreiheit im Einklang sind. Ich bezeuge auch, daß er den Eltern und allen Erwachsenen die Pflicht übertragen hat, sie angemessen zu belehren und zu beschützen. Wer diese Kinder verführt, setzt sich göttlichem Zorn aus. Die Aufforderung des Erretters, wie ein kleines Kind zu werden, ist eine Einladung, unser Leben rein zu machen, so daß auch wir schuldlos vor ihm stehen können. Im Namen Jesu Christi. Amen.