1990–1999
Der Vater und die Familie
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Der Vater und die Familie

Die Familie ist in der Kirche in Sicherheit. Wir zweifeln nicht, welchen Weg wir gehen müssen. Er ist von Anfang an festgelegt worden, und von oben kommt Führung, wann immer sie gebraucht wird.

Wenn ein junger Mann und eine junge Frau von den unwiderstehlichen Kräften der Natur zueinander hingezogen werden, nimmt eine Familie ihren Anfang. Die beiden bieten einander das, was sie als Mann und Frau unterscheidet. Vor allem anderen wollen sie den Menschen finden, dem sie ihre Liebe vorbehaltlos schenken können. Sie wollen Kinder haben - eine Familie gründen.

Diesen Anziehungskräften der Natur soll man nicht widerstehen; man soll sie nur vorsichtig angehen und die lebensschaffenden Kräfte schützen, bis gegenseitige Versprechen gegeben wurden, Bündnisse mit dem Herrn geschlossen wurden und eine Zeremonie nach dem Gesetz vollzogen, bezeugt und aufgezeichnet wurde.

Dann und nur dann, als Ehemann und Ehefrau, dürfen sie sich in dem Ausdruck von Liebe vereinigen, durch den Leben geschaffen wird.

Die letztliche Absicht allen Lehrens und jeder Aktivität in der Kirche besteht darin, daß die Eltern und ihre Kinder zu Hause glücklich, in ewiger Ehe gesiegelt und über die Generationen hin miteinander verbunden sind.

Die letztliche Absicht des Widersachers dessen Wut groß ist, weil er weiß, daß ihm nur noch eine kurze Frist bleibt1 - besteht darin, das Zuhause und die Familie zu zerbrechen und zu vernichten.

Wie ein Schiff ohne Kompaß driften wir fort von den Wertbegriffen der Familie, an denen wir in der Vergangenheit verankert waren. Nun stecken wir in einer so starken Strömung, daß die Zivilisation, wie wir sie kennen, mit Sicherheit in Stücke gehen wird, wenn wir unseren Kurs nicht korrigieren.

Sittliche Wertbegriffe und das Beten werden aus den Schulen verbannt, weil man sagt, daß sittliche Unterweisung Sache der Religion sei. Gleichzeitig wird der Atheismus, die profane Religion, in den Unterricht eingelassen, und unsere Kinder werden dazu bekehrt, sich unsittlich zu verhalten.

Die weltlichen Führer und die Richter sind sich darüber einig, daß die Familie erhalten bleiben muß, wenn wir überleben wollen. Gleichzeitig gebrauchen sie jedoch Wörter wie Freiheit und Wahlfreiheit als Werkzeuge dazu, die Schutzvorrichtungen der Vergangenheit abzuschaffen und die Gesetze über Ehe, Abtreibung und Geschlechtlichkeit zu lockern. Dadurch fördern sie gerade das, was die Familie bedroht.

Nichts davon ist neu. Im Buch Mormon spricht der Prophet Jakob zum Volk Nephi: „Viel mehr als je zuvor bedrückt mich heute, daß ich das Wohlergehen eurer Seele wünsche und deshalb besorgt bin. …

Und es schmerzt mich auch, daß ich in bezug auf euch so rückhaltlos sprechen muß, ja, vor euren Frauen und Kindern, deren Gemüt vielfach überaus zart und keusch und empfindsam ist vor Gott, was ja Gott wohlgefällig ist."2

Diese Krise der Familie überrascht die Kirche nicht. Wir haben mit Sicherheit gewußt, was kommen würde.

Ich weiß kein besseres Zeugnis dafür, daß wir von Propheten geführt werden, als unsere Vorbereitung auf die gegenwärtige Notlage.

Die Schrift spricht von den Propheten als „Wächter auf dem Turm" die den Feind sehen, „solange er noch weit weg ist"3, und die Dinge sehen, „die für das natürliche Auge nicht sichtbar sind. … (Denn) einen Seher hat der Herr für sein Volk erweckt."4

Vor dreiunddreißig Jahren warnten die Führer der Kirche uns vor der Auflösung der Familie und wiesen uns an, uns vorzubereiten. Die Erste Präsidentschaft und das Kollegium der Zwölf Apostel kündigten an, daß die Kirche umstrukturiert werden solle.

Der wöchentliche Familienabend wurde von der Ersten Präsidentschaft eingeführt, und die Brüder sagten, daß die Familie die Grundlage für ein rechtschaffenes Leben sei; nichts könne ihren Platz einnehmen oder ihre überaus wichtigen Funktionen erfüllen.5

Die Eltern bekommen ausgezeichnetes Material zur Unterweisung ihrer Kinder an die Hand, verbunden mit der Verheißung, daß die Glaubenstreuen gesegnet werden.6

Die Lehre und die offenbarte Organisation sind unverändert geblieben, doch alle Tätigkeiten der Kirche wurden in ihren Beziehungen untereinander und zur Familie neu gestaltet.

So gründlich waren die Änderungen, daß der gesamte Lehrplan der Kirche umgestaltet wurde - auf der Grundlage der heiligen Schrift gibt es hervorragende Leitfäden zu jedem Kurs.

Es hat Jahre gedauert, neue Ausgaben der Bibel, des Buches Mormon, des Buches Lehre und Bündnisse und der Köstlichen Perle zu erstellen. Außer, daß Druckfehler berichtigt und dem Buch Lehre und Bündnisse drei Offenbarungen hinzugefügt wurden, blieb der Text der heiligen Schrift unverändert.

Querverweise und andere Hilfsmittel wurden angefügt, um die Schrift zugänglicher zu machen. Im Stichwortverzeichnis gibt es beispielsweise unter dem Eintrag Jesus Christus auf achtzehn Seiten - mit engem Zeilenabstand und kleinem Druck - die umfassendste Sammlung von Schrifthinweisen auf den Herrn, die es in der Weltgeschichte je gegeben hat.

Die neue Ausgabe der Schriften ist in Englisch und Spanisch bereits fertig, und in Dutzenden von Sprachen ist sie in Arbeit.

Wir können uns nur vorstellen, wie wir daständen, wenn wir erst jetzt auf die schreckliche Neudefinition der Familie reagieren müßten. Das ist aber nicht der Fall. Wir zappeln nicht hektisch herum und versuchen zu entscheiden, was zu tun ist. Wir wissen, was zu tun und zu lehren ist.

Die Familie in der Kirche ist sehr lebendig, und es geht ihr gut. Hunderttausende glückliche Familien gehen das Leben mit unerschütterlichem Glauben an die Zukunft an. Den Weg, den wir gehen, haben wir uns nicht selbst zurechtgemacht. Der Erlösungsplan, der große Plan des Glücklichseins, wurde uns offenbart, und die Propheten und Apostel empfangen auch weiterhin Offenbarungen, wenn die Kirche und ihre Mitglieder dessen bedürfen.

Wie Jakob müssen wir „gemäß dem strengen Gebot Gottes" lehren, und zwar „trotz des Ausmaßes der Aufgabe". Wie Jakob riskieren wir auch, „die Wunden derer, die bereits verwundet sind, zu vergrößern, statt sie zu trösten und ihre Wunden zu heilen".7

Wenn wir offen über Scheidung, Mißhandlung, sexuelle Orientierung, Empfängnisverhütung, Abtreibung und Vernachlässigung durch die Eltern sprechen, dann halten uns einige für weltfremd oder rücksichtslos. Manch einer fragt, ob wir eigentlich wissen, wie vielen Menschen wir wehtun, wenn wir so offen sprechen. Wissen wir um Ehen, die in Schwierigkeiten sind, die vielen Menschen, die unverheiratet bleiben, Familien mit nur einem Elternteil, Ehepaare, die keine Kinder bekommen können, Eltern mit widerspenstigen Kindern, und diejenigen, die Schwierigkeiten mit ihrer sexuellen Orientierung haben? Wissen wir davon? Kümmern wir uns nicht darum?

Wer so fragt, der hat keine Ahnung, wie sehr wir uns darum kümmern, der weiß nichts von den schlaflosen Nächten, den endlosen Stunden der Arbeit, des Betens, des Studiums und der Reisen. Und all das für das Glücklichsein und die Erlösung der Menschheit.

Eben weil wir darum wissen und weil wir uns darum kümmern, müssen wir die Regeln für das Glücklichsein lehren, und zwar unverfälscht, ohne Entschuldigung und Drumherumreden. Das ist unsere Berufung.

Ich habe einmal von einer Missions-FHV-Leiterin etwas Wertvolles gelernt. Auf einer Konferenz gab sie bekannt, daß einige Verfahren gestrafft werden würden. Eine Schwester stand auf und sagte trotzig: „Diese Regeln sind auf uns nicht anwendbar! Sie verstehen uns nicht! Wir sind eine Ausnahme."

Die wunderbare FHV-Leiterin entgegnete: „Liebe Schwester, wir wollen uns nicht zuerst um die Ausnahmen kümmern. Zunächst führen wir die Regel ein, und dann widmen wir uns den Ausnahmen." Ich habe oft aus ihrer Weisheit geschöpft und war dankbar für das, was sie mich gelehrt hat.

Gemäß dem Beispiel Jakobs spreche ich nun zu den Männern in der Kirche. Die meisten von ihnen sind gute Väter und Ehemänner, die tun, was sie zu tun haben. Doch es gibt auch Frauen, denen das Herz gebrochen wurde8, und Kinder, die vernachlässigt und sogar mißhandelt werden. Wenn wir diesen helfen wollen, müssen wir mit den Männern beginnen. Die nächsten Pfahl- und Regionalkonferenzen werden sich damit befassen, die Lehren und

Prinzipien verantwortungsvollen und würdigen Mannestums zu lehren.

Einige von Ihnen hatten kein gutes Vorbild, dem sie nacheifern können, und geben nun die Mißhandlungen oder die Vernachlässigung, die sie von ihren Eltern erfahren haben, an Frau und Kinder weiter.

Wissen Sie, Brüder, daß wir so viel Wert auf das Lehren aus den Schriften legen, weil die Schriften beständig sind? Aus ihnen erfahren wir vom Zweck des Lebens und von den Gaben des Geistes. Aus ihnen erfahren wir von persönlicher Offenbarung und wie man Gut von Böse, Wahrheit von Irrtum unterscheidet. Die Schriften geben das Muster und die Grundlage für die richtige Lehre ab.

Aus der Lehre erfahren wir Verhaltensgrundsätze und wie man auf die alltäglichen Probleme reagiert, ja, sogar auf Fehlschläge, denn auch mit denen befaßt sich die Lehre.

Wenn Sie den großen Plan des Glücklichseins verstehen und befolgen, dann hat alles, was in der Welt geschieht, keinen Einfluß darauf, ob Sie glücklich sind. Sie werden erprobt, denn das gehört zum Plan, denn „dein Ungemach und deine Bedrängnis sollen nur einen kleinen Augenblick dauern, und dann, wenn du sie gut bestehst, wird Gott dich hoch erhöhen".9

Ihre Aufgabe als Vater und Ehemann ist wichtiger als alle anderen Interessen im Leben. Es ist undenkbar, daß ein Heiliger der Letzten Tage seine Frau betrügt oder die Kinder verläßt, die er gezeugt hat, oder sie vernachlässigt oder mißhandelt.

Der Herr hat „euch geboten, eure Kinder in Licht und Wahrheit auf zuziehen".10

Sie sind dafür verantwortlich - Sie seien denn behindert -, für den materiellen Unterhalt Ihrer Frau und Ihrer Kinder zu sorgen.11 Sie müssen sich dem widmen und sogar dafür aufopfern, Ihre Kinder in Licht und Wahrheit auf zuziehen.12

Das erfordert absolute sittliche Treue gegenüber Ihrer Frau, die keinerlei Anlaß haben darf, an Ihrer Treue zu zweifeln.13

In der zarten und engen Beziehung zwischen Mann und Frau darf es niemals Dominanz oder unwürdiges Verhalten geben. Ihre Frau ist Ihre Partnerin in der Führung der Familie und muß völlige Kenntnis und volles Mitbestimmungsrecht in allen Entscheidungen hinsichtlich der Familie haben. Führen Sie Ihre Kinder zur Kirche, zu den Bündnissen und Verordnungen. Wir sind bestrebt, Länge und Anzahl der Versammlungen und Aktivitäten außerhalb der Familie zu reduzieren.

Ich kann nicht sagen, wie tief ich für meine Frau und meine Kinder, deren Ehepartner und ihre Kinder empfinde. Ich habe von ihnen weit mehr gelernt, als sie von mir. Dieses Lernen geschieht im ganz normalen Rahmen, in Freud und Leid des Alltags.

Von einem kleinen Jungen habe ich die Identität und den Wert der menschlichen Seele gelernt. Vor einigen Jahren rauften zwei unserer kleinen Jungen auf dem Boden miteinander. Sie hatten den Punkt erreicht, wo aus Lachen Weinen wird. Sanft schob ich meinen Fuß dazwischen und hob den älteren, der damals gerade vier Jahre alt war, in eine sitzende Stellung. Dabei sagte ich: „He, kleiner Affe, beruhige dich jetzt lieber." Er verschränkte die Ärmchen und sah mich überraschend ernst an. Er war beleidigt und protestierte: „Ich bin nicht Affe, Papa, ich bin Mensch."

Die Liebe zu ihm übermannte mich. Mir wurde klar, daß er ein Kind Gottes war. Wie sehr wollte ich doch, daß er „eine Person" wurde, und zwar eine von ewigem Wert. Aus so normalen Erfahrungen habe ich gelernt, die Lehre zu verstehen. „Kinder sind" in der Tat „eine Gabe des Herrn".14

Die Familie ist in der Kirche in Sicherheit. Wir zweifeln nicht, welchen Weg wir gehen müssen. Er ist von Anfang an festgelegt worden, und von oben kommt Führung, wann immer sie gebraucht wird.

Indem wir diesem Weg folgen, kommt alles andere von allein, so sicher wie die Nacht dem Tag folgt.

Der Abstand zwischen der Kirche und der Welt, die sich auf einem Weg befindet, dem wir nicht folgen können, wird sich immer mehr vergrößern.

Einige werden abfallen, ihre Bündnisse brechen und den Erlösungsplan durch ihre eigenen Regeln ersetzen.

Aus aller Welt werden die Zehntausende, die jetzt kommen, unausweichlich als Flut dorthin kommen, wo die Familie in Sicherheit ist. Hier werden sie den Vater im Namen Christi verehren, und durch die Gabe des Heiligen Geistes werden sie wissen, daß das Evangelium der große Plan des Glücklichseins ist. Das bezeuge ich im Namen Jesu Christi. Amen.