1990–1999
Heilung finden
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Heilung finden

Der sicherste, wirksamste und kürzeste Weg zur Heilung führt über die Anwendung der Lehren Jesu Christi in Ihrem Leben.

Ostern erinnert uns an den Erretter, an sein Leben, an sein Sühnopfer, an die Auferstehung und an seine Liebe. Er ist vom Tod auferstanden - „mit Heilung in seinen Flügeln".1

O wie sehr wir alle die Heilung brauchen, die der Erretter bringen kann! Ich habe eine Botschaft der Hoffnung für Sie alle, die Sie sich nach Erleichterung von der schweren Last sehnen, die Ihnen ohne Ihr bewußtes Zutun auferlegt wurde, obwohl Sie ein würdiges Leben geführt haben. Sie stützt sich auf die Grundsätze, die in den Lehren des Erretters zu finden sind. Ihre Herausforderung mag in einer schweren Körperbehinderung, dem Kampf gegen eine schleichende Krankheit oder dem täglichen Ringen mit einer tödlichen Erkrankung bestehen. Sie mag ihren Ursprung im Tod eines geliebten Menschen haben, in der Qual, die jemand verursacht, der in Sünde verstrickt ist, oder von Mißbrauch in einer seiner bösen Erscheinungsformen stammen. Was auch immer die Ursache ist, ich bezeuge, daß dauerhafte Linderung unter den vom Herrn festgelegten Bedingungen gespendet wird.

Die Hilfe vom Herrn folgt immer ewigem Gesetz. Je besser Sie das Gesetz verstehen, desto leichter können Sie seine Hilfe erlangen. Auf einige der Grundsätze, auf denen die Heilung beruht, möchte ich heute eingehen.

Wir müssen verstehen: Heilung durch ihn kann bedeuten, daß wir von einer Krankheit genesen, daß uns die Last leichter wird oder daß wir erkennen, daß es wert ist, geduldig bis ans Ende auszuharren, denn Gott braucht tapfere Söhne und Töchter, die sich bereitwillig veredeln lassen, wenn er das in seiner Weisheit wünscht.

Machen Sie sich bewußt, daß manch eine Herausforderung nicht hier auf Erden gelöst wird. Paulus flehte dreimal, daß der Stachel in seinem Fleisch entfernt werde. Der Herr erwiderte einfach: „Meine Gnade genügt dir; denn sie erweist ihre Kraft in der Schwachheit."2 Er gab Paulus die Kraft, einen Ausgleich zu finden, so daß er ein sinnerfülltes Leben führen konnte. Er möchte, daß Sie erfahren, wie Sie Heilung finden können, wenn das sein Wille ist, und wie Sie Kraft bekommen können, mit Ihren Herausforderungen zu leben, wenn er diese zu einem Werkzeug Ihres Wachstums machen will. Der Erlöser wird Sie in jedem Fall unterstützen. Darum hat er gesagt: „Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir. … Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht."3

Wenn Sie das Gefühl haben, Sie können nicht mehr, legen Sie ihm Ihre Herausforderungen vorerst einmal zu Füßen. Die Schrift sagt Ihnen wie. Das unterdrückte Volk Almas beispielsweise schüttete „das Herz vor ihm aus; und er wußte ihre Herzensgedanken". Dann segnete der Herr sie mit den Worten: „Ich will auch die Last, die euch auf die Schultern gelegt ist, leicht machen, so daß ihr sie nicht mehr … spüren könnt. … damit ihr … wissen könnt, daß ich, der Herr Gott, mein Volk in seinen Bedrängnissen besuche.

Und … der Herr stärkte sie, so daß sie ihre Last mühelos tragen konnten, und sie unterwarfen sich frohgemut und mit Geduld in allem dem Willen des Herrn."

Wenn Sie sich „frohgemut mit Geduld" gänzlich seinem Willen unterwerfen, lernen Sie kostbare, wenn auch schwierige Lektionen sowie ewige Wahrheiten, die Segnungen einbringen.5 Das Beispiel von Alma und Amulek spricht für sich. Obwohl sie im Volk Ammoniha Gutes tun wollten, wurden sie gefangengenommen. Amulek vertraute auf seinen erfahreneren Gefährten Alma, der ihn zu einem größeren Vertrauen in den Herrn führte. Als sie ansehen mußten, wie Frauen und Kinder vom Feuer verzehrt wurden, sagte Amulek: „Vielleicht werden sie uns auch verbrennen." Alma antwortete: „Dies geschehe gemäß dem Willen des Herrn" - ein lebenswichtiges Prinzip. „Aber … unser Werk ist noch nicht getan; darum verbrennen sie uns nicht. 6

Der oberste Richter und andere schlugen sie, spien sie an, versagten ihnen Nahrung, verhörten und quälten sie mit spöttischen Worten und Drohungen. Obwohl ihnen geboten wurde zu sprechen, hielten sie stand, gebunden und nackt, und warteten still und geduldig, daß der Herr ihnen eingebe, was sie tun sollen. Dann „war die Macht Gottes auf Alma und Amulek, und sie erhoben sich". Alma schrie: „Gib uns Stärke gemäß unserem Glauben, den wir in Christus setzen, ja, daß wir befreit werden. Und sie zerrissen die Stricke, mit denen sie gebunden waren."7 Die Erde bebte, die Mauern des Gefängnisses zerbrachen. Alle, die Alma und Amulek geschlagen hatten, wurden getötet, und sie waren frei. Ein anderes Mal betete Alma: „O Herr, … sei barmherzig zu diesem Mann, und heile ihn gemäß seinem Glauben, den er in Christus setzt."8

Diese beiden Beispiele zeigen uns den wesentlichen Schlüssel zur Heilung. Der Herr spendet Linderung mit göttlicher Macht, wenn Sie demütig und mit Glauben an Jesus Christus nach Erlösung streben.

Sagen Sie nicht: „Keiner versteht mich; ich komme damit nicht zu Rande; ich kriege nicht die Hilfe, die ich brauche." Solche Äußerungen sind selbstzerstörend. Niemand kann Ihnen ohne Glauben und Bemühungen Ihrerseits helfen.9 Ihr persönliches Wachstum erfordert das. Streben Sie nicht nach einem Leben, das praktisch frei von Unbehagen, Schmerz, Druck, Herausforderungen oder Kummer ist, denn genau das sind die Mittel, mit denen ein liebevoller Vater unser persönliches Wachstum und Verständnis anregt. Wie die Schrift wiederholt bestätigt, empfangen Sie in dem Maß Hilfe, wie Sie Glauben an Jesus Christus üben.10 Dieser Glaube äußert sich in der Bereitschaft, auf seine Verheißungen zu vertrauen, die er durch seine Propheten11 gegeben hat, und auf die Schriften, die sein Wort enthalten. Sie mögen noch nicht ganz verstehen, wie das geht, vertrauen Sie aber darauf, daß er Ihnen helfen wird, unter Verwendung Ihrer Entscheidungsfreiheit die Tür zu öffnen, so daß die Heilung stattfinden kann. An Jesus Christus glauben bedeutet, daß wir auf ihn vertrauen, auf seine Lehren vertrauen. Das führt zu Hoffnung,

und Hoffnung bringt Nächstenliebe mit sich, die reine Christusliebe - das friedliche Gefühl, das uns erfüllt, wenn wir seine Anteilnahme und seine Liebe spüren und seine Fähigkeit, uns mit seiner heilenden Kraft zu heilen oder uns die Last leichter zu machen.

Gibt es in Ihrem Leben eine potentiell destruktive Verhaltensweise? Fühlen Sie sich in Momenten der Mutlosigkeit überwältigt, und wenden Sie sich in Verzweiflung an andere, um Ihre Probleme zu lösen, wobei Sie Ihre eigene Fähigkeit, besser zu werden, aus den Augen verlieren? Verstehen Sie, daß es nötig ist, daß Sie das tun, was Sie tun können, damit der Herr das tun kann, was er will, um Ihnen zu helfen?

Zum Erretter können Sie auf verschiedenen Wegen gelangen. Der direkteste und oft sicherste führt über das demütige, vertrauensvolle Gebet zum Vater im Himmel, das durch den Heiligen Geist beantwortet wird.12 Wenn Sie das glaubensvolle Beten erlernen, fällt es manchmal schwer, diese Hilfe zu erflehen und zu erkennen. Ist das der Fall, beginnen Sie anderswo. Vertrauen Sie jemandem, der Ihnen nahe steht; wenn Sie es dann lernen, erstreckt sich das Vertrauen auf Gott und seine heilende Kraft.13 Beginnen Sie mit einem Freund oder einem Bischof, der die Lehren des Erretters kennt. Oft hat so jemand selbst Heilung gefunden, weil er die Wahrheit voller Glauben an den Erlöser angewandt hat. Er kann Ihnen zeigen, wie es geht. Oder beginnen Sie, indem Sie lesen, nachsinnen und die Lehren der Schrift anwenden. Sie sind eine machtvolle Quelle der Hilfe.14 Wenn Ihnen auch Beispiele und Anekdoten einen Grundsatz klarmachen können, so werden Sie feststellen, daß man aus der in der Schrift enthaltenen Lehre Macht gewinnt, wie die folgenden Zitate zeigen:

  • „Ich sehe, daß ihr genügend Glauben habt, so daß ich euch heilen kann."15

  • „ … mit voller Herzensabsicht zu mir kommen.., "16

  • „ … wollt ihr nicht jetzt zu mir zurückkommen und von euren Sünden umkehren und euch bekehren, damit ich euch heile …"17

  • „… [wendet] euch mit voller Herzensabsicht zum Herrn … und [setzt] euer Vertrauen in ihn … und [dient] ihm mit allem Eifer eures Sinnes … - wenn ihr dies tut, wird er euch aus der Knechtschaft befreien, wie er will und wie es ihm gefällt."18

Auch wenn ein Priestertumsführer unbegrenzt Zeit und Mittel hätte, was nicht der Fall ist, könnte er nicht immer Hilfe leisten. Er ist ein Beauftragter des Herrn, und dessen Gesetz erfordert, daß Sie Ihr Teil tun. Der Priestertumsführer zeigt Ihnen den Weg. Er kann Priestertumssegen erteilen.19 Ihr Glaube20 und sein Glaube, Ihre Reinheit und seine Reinheit und Ihr Gehorsam und sein Gehorsam haben eine große Auswirkung auf das, was er im Segen sagt, und auf die Erfüllung des Segens. Zur Heilung kann es schon beim Segen kommen, meist kommt es dazu erst zu einem Zeitpunkt, der vom Glauben und Gehorsam des Betreffenden sowie vom Willen des Herrn abhängt.21 Ich bin der Meinung, daß der Zeitraum im allgemeinen von dem Betreffenden selbst bestimmt wird, und nicht vom Herrn. Er erwartet, daß Sie sonstige verfügbare Quellen nutzen; dazu gehört gegebenenfalls fachliche Hilfe. Dann tut er, gemäß seinem Willen das, was nötig ist.22

Liebe hat eine große Heilkraft. Da der Satan das weiß, möchte er Sie von der Macht der Liebe Gottes, der Familie und der Freunde, die helfen wollen, trennen. Er möchte Ihnen einreden, daß Sie in der Falle sitzen und es weder einen Ausweg noch Hilfe gibt. Er möchte Sie glauben machen, daß Sie sich nicht selbst helfen können und es sonst niemanden gibt, der Interesse hat. Wenn es ihm gelingt, treibt er Sie tiefer in die Verzweiflung und in den Kummer. Seine Strategie besteht darin, Sie zu überzeugen, daß niemand Sie schätzt, liebt oder daß Sie unerwünscht sind, so daß Sie sich aus Verzweiflung der Selbstkritik zuwenden und im Extremfall sogar verachten und sich als böse empfinden, obwohl das nicht stimmt. Bedenken Sie die Worte des Herrn, daß „meine Weisheit größer ist als die Schlauheit des Teufels".23 Wenn Ihnen solche Gedanken kommen, durchbrechen Sie doch dieses Gefühl der Hilflosigkeit, indem Sie voller Liebe auf andere Menschen in Not zugehen. Das mag grausam und herzlos klingen, wenn Sie selbst so sehr der Heilung bedürfen, aber es gründet sich auf Wahrheit. Paulus hat gesagt: „Einer trage des anderen Last; so werdet ihr das Gesetz Christierfüllen."24

Liebe entsteht, wenn man lernt, sie voller Vertrauen anderen zu schenken. Wenn Sie sich nicht geliebt fühlen, fällt das schwer. Wenn Sie sich jedoch anderer annehmen und ihnen beistehen, läßt das in den ändern Anteilnahme und Liebe entstehen. Sie fühlen sich gebraucht. Sie werden ein Werkzeug, wodurch der Herr andere segnen kann. Der Geist läßt Sie die Anteilnahme und das Interesse des Erretters und anschließend die Herzlichkeit und Kraft seiner Liebe spüren. Präsident Kimball hat gesagt: „Gott nimmt uns zur Kenntnis, und er wacht über uns. Gewöhnlich wird er aber unseren Bedürfnissen durch andere Menschen gerecht. Darum mssen wir einander dienen."25

Die Herausforderungen werden uns als Prüfung seitens eines weisen Vaters zuteil, damit wir Erfahrung erlangen, reif werden, an Einsicht zunehmen und seine Wahrheiten anwenden. Wenn Sie würdig sind, fördert eine Herausforderung das Wachstum, statt es zu beeinträchtigen. Ganz gleich, woher die Schwierigkeit kommt und wie Sie zur Linderung kommen - sei es durch einen qualifizierten Therapeuten, Arzt, Priestertumsführer, Freund, durch die Eltern oder sonstige liebe Menschen -, ganz gleich, wie man beginnt, diese Quellen werden niemals eine umfassende Antwort bieten. Letzten Endes erfährt man Heilung durch den Glauben an Jesus Christus und an seine Lehren, durch ein reuiges Herz und einen zerknirschten Geist und Gehorsam gegenüber seinen Geboten. Darum muß an die Stelle der menschlichen Reaktion auf die Herausforderungen im Leben, die zu Haß, Verzagtheit, Mißtrauen, Zorn und Rache führt, die Barmherzigkeit unseres himmlischen Vaters und seines geliebten Sohnes Jesus Christus treten. Wenn ein anderer durch böses Handeln Qualen verursacht, muß es Strafe und Wiedergutmachung geben. Das darf aber nicht vom Geschädigten ausgehen. Überlassen Sie das denen, die dafür verantwortlich sind. Lernen Sie zu vergeben; auch wenn es schrecklich schwer fällt, so wird es Sie frei machen und Ihnen den Weg zu einem neuen Leben eröffnen.26 Die Zeit, die ein Geschädigter aufwendet, um für die Bestrafung des Übertreters zu sorgen, ist in bezug auf den Heilungsprozeß vergeudete Zeit. Zusammenfassend gesagt: Tun Sie, was Sie tun können, Schritt für Schritt. Trachten Sie danach, den Grundsatz der Heilung

durch die Schrift und das Gebet zu verstehen. Helfen Sie anderen. Vergeben Sie. Unterwerfen Sie sich frohgemut und mit Geduld dem Willen des Herrn.27 Vor allem: Üben Sie Glauben an Jesus Christus.

Ich bezeuge: Der sicherste, wirksamste und kürzeste Weg zur Heilung führt über die Anwendung der Lehren Jesu Christi in Ihrem Leben. Er beginnt damit, daß Sie die Grundsätze, die sittliche Entscheidungsfreiheit und das Sühnopfer Jesu Christi verstehen und schätzen. Er führt zum Glauben an ihn und zum Gehorsam gegenüber seinen Geboten; und das bringt Heilung.

Wenn Sie auf dem Weg zu geistiger Heilung nicht weiterkommen und keinen Fortschritt zu machen scheinen, wenn Sie anscheinend ständig auf die Hilfe anderer Menschen angewiesen sind, blicken Sie voll Glauben auf zu Jesus Christus. Ich weiß, daß der Meister Sie liebt und Sie Ihrem Glauben gemäß heilen kann. Im Namen Jesu Christi. Amen.