Jesus von Nazaret
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    Jesus von Nazaret

    Wir alle stehen tief in seiner Schuld, denn wir sind durch das Vergießen seines unschuldigen Blutes erkauft.

    Ich bete um Ihren Glauben und Ihre Gebete, wenn ich jetzt von Christus Zeugnis gebe. Im Herzen aller Menschen, gleich welcher Rasse oder welchen Standes, wohnt das unbestimmbare Verlangen, etwas zu haben, was man noch nicht besitzt. Dieses Verlangen hat der fürsorgliche Schöpfer uns eingepflanzt.

    Die Absicht des himmlischen Vaters ist, daß dieses Verlangen des menschlichen Herzens zu dem einen führen soll, der es stillen kann - zu Jesus von Nazaret, der im großen Rat vor der Erschaffung der Erde vorherordiniert wurde.

    Vor seiner Geburt sagte Jesus zum Bruder Jareds:

    „Siehe, ich bin es, der von der Grundlegung der Welt an bereitet war, mein Volk zu erlösen. Siehe, ich bin Jesus Christus. … In mir sollen alle Menschen Leben haben, und das ewiglich, ja, die an meinen Namen glauben werden." (Ether 3:14.)

    Heute ist Ostern, ein Tag, an dem wir feierlich der körperlichen Auferstehung des Erretters der Welt gedenken. Für uns als Mitglieder seiner wiederhergestellten Kirche ist es unabdingbar, daß wir uns nach besten Kräften bemühen, seinen vorirdischen Auftrag, sein frühes Wirken, seine unrechtmäßige Kreuzigung, sein unermeßliches Leiden, das schließliche Opfer und seine Auferstehung besser zu verstehen. Wir alle stehen tief in seiner Schuld, denn wir sind durch das Vergießen seines unschuldigen Blutes erkauft. Wir sind wahrhaftig verpflichtet, seiner Ermahnung zu folgen, an seinen Namen zu glauben und von ihm und seinem Wort Zeugnis zu geben.

    Einige meiner Ausführungen verdanke ich den Augenzeugenberichten von Christi Leben, die im Neuen Testament zu finden sind, andere den Propheten aus alter und neuer Zeit, besonders dem Propheten Joseph Smith, der bezeugt hat, daß Gott der Vater und sein Sohn leben, und der dem Auftrag Gottes gefolgt ist und die Fülle des ewigen Evangeliums hervorgebracht hat, die im Buch Mormon und in den übrigen heiligen Schriften der Letzten Tage zu finden ist. Ich bin den Aposteln Elder James E. Talmage, Elder Bruce R. McConkie und anderen verpflichtet, und zwar für ihre Schriftwerke, ebenso dem Theologen und Gläubigen Frederic W. Farrar. Unsere heiligen Schriften lehren uns die Wahrheit, und inspirierte Autoren schenken uns einen tieferen Einblick.

    Wir haben erfahren, daß sich Jesus während der letzten Tage seines irdischen Lebens aus allem öffentlichen Lehren zurückgezogen hatte und den Mittwoch vor Pascha in Betanien in Abgeschiedenheit verbrachte. Am nächsten Tag, am Donnerstag, wies Jesus Petrus und Johannes an, nach Jerusalem zu gehen, wo sie einen Raum vorbereitet finden würden, so daß sie sich dort versammeln konnten. In diesem Raum kam Jesus mit den Zwölfen zusammen, und sie ließen sich zum Essen nieder.

    Wenn damals jemand einen Raum betrat, war es üblich, daß er seine Sandalen am Eingang ablegte und ihm die Füße gewaschen wurden, um den Straßenstaub zu entfernen. Normalerweise übernahm ein Diener diese niedere Tätigkeit, doch an diesem heiligen Abend „stand Jesus selbst in ewiger Demut und Selbstverleugnung von seinem Platz am Tisch auf, um diesen geringen Dienst zu verrichten." (Frederic W. Farrar, The Life of Christ, Seite 557.)

    Jesus sagte zu ihnen:

    „Ihr sagt zu mir Meister und Herr, und ihr nennt mich mit Recht so; denn ich bin es. Wenn nun ich, der Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, dann müßt auch ihr einander die Füße waschen." (Johannes 13:13,14.)

    „Er, der Herr und Meister, wusch ihnen die Füße. Es war ein Akt der Güte und Gnade, und solcherart sollte ihr ganzer Umgang miteinander sein. Er hatte es getan, um sie Demut zu lehren, … Selbstverleugnung … (und) Liebe." (Farrar, The Life of Christ, Seite 559.)

    Im Verlauf des Mahls enthüllte er die schreckliche Nachricht, daß einer unter ihnen ihn verraten würde, und tiefe Traurigkeit überkam sie. Jesus wandte sich an Judas: „Was du tun willst, das tu bald!" (Johannes 13:27.) Und Judas verließ den Raum und vollbrachte seine furchtbare Tat. Jesus war sich dessen bewußt, was ihm bevorstand, und so öffnete er den erwählten Elf sein Herz. Er sprach:

    „Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht. … Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, … Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen. … Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben. Daran werden alle erkennen, daß ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt. (Johannes 13:31,33-35.)

    Während sie in jenem Raum im Obergeschoß waren, setzte Jesus das Abendmahl ein, indem er Brot nahm, es brach, das Dankgebet sprach und es seinen Jüngern mit den Worten austeilte: „Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Tut dies zu meinem Gedächtnis!" Dann reichte er den Kelch herum und sagte: „Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird." (Lukas 22:19,20.)

    Der Erretter betete für die Apostel und alle Gläubigen zum Vater:

    „Vater, die Stunde ist da. Verherrliche deinen Sohn, damit der Sohn dich verherrlicht.

    Denn du hast ihm Macht über alle Menschen gegeben, damit er allen, die du ihm gegeben hast, ewiges Leben schenkt.

    Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen, und Jesus Christus, den du gesandt hast." (Johannes 17:1-3.)

    Die Zeit, die ihm dann noch blieb, war kurz. Er erzählte ihnen vom Heiligen Geist, den er ihnen zu Trost und Führung in alle

    Wahrheit senden wollte. An jenem Abend im Obergeschoß lehrte er sie vieles, während er versuchte, sie auf das vorzubereiten, was er kommen sah.

    Sie erhoben sich vom Tisch, sangen ein Lied, verließen den Raum und gingen gemeinsam zum Garten Getsemani und zu dem, was sie dort erwartete.

    „Die furchtbare Stunde seines tiefsten (Leidens) war da. … Nichts blieb mehr, … nur die Tortur körperlichen Schmerzes und … geistiger Qual. … Er … sammelte seinen Geist durch Beten und durch Einsamkeit für die Stunde, in der alles Böse in der Macht des Satans auf das Allerschlimmste über den Unschuldigen und Heiligen hereinbrach. Und diese Stunde mußte er allein ertragen." (Farrar, The Life of Christ, Seite 575.)

    „Meine Seele", sagte er, „ist zu Tode betrübt." (Ibid., Seite 576.) Es war nicht die Qual und die Furcht vor Schmerzen und Tod, sondern „die Last … der Sünden der Welt, die schwer auf seinem Herzen lag". (Ibd., Seite 579.)

    „Er zog sich zurück und fand den einzigen Trost im Gespräch mit [seinem Vater]. Und dort fand er alles, was er brauchte. Noch ehe diese Stunde um war, war er bereit für das Schlimmste, was Satan oder Mensch ihm antun konnte." (Ibd., Seite 580.)

    „Aus dem schrecklichen Ringen im Garten Gethsemane ging Christus als Sieger hervor. Obwohl er in der dunklen Trübsal jener furchtbaren Stunde gefleht hatte, der bittere Kelch möge von seinen Lippen genommen werden, … niemals verlor der Sohn das Ziel aus den Augen, nämlich den Willen des Vaters zu tun." (James E. Talmage, Jesus der Christus, Seite 499.)

    Und dann kam Judas mit dem Kuß des Verräters; es kamen Christi Selbstauslieferung an seine Feinde, die Verhaftung des Sohnes Gottes, die drei vorgetäuschten Verhandlungen vor den Priestern und dem Sanhedrin, die Beleidigungen und der Spott der Menschenmenge, Christi Auftreten vor Pontius Pilatus, dann vor Herodes und wieder vor Pilatus. Dann kam das schließliche Urteil des Pilatus. Nachdem drei Aufrufe an die Menge der Juden, doch einen der Ihren zu verschonen, auf taube Ohren gestoßen war, ließ er Jesus geißeln.

    „Das Geißeln war das übliche Vorspiel der Kreuzigung. … Der … Verurteilte wurde öffentlich entkleidet, an einen Pfahl gebunden und mit einer Lederpeitsche geschlagen, deren Riemen mit ausgezackten Knochen oder Steinen beschwert waren. Das Opfer verlor meist das Bewußtsein, manche starben auch." (Farrar, The Life of Christ, Seite 624.)

    Als das Kreuz bereit war, lud man es Jesus auf die Schultern und führte ihn nach Golgota. „Jesus war aber geschwächt … durch die Stunden … gewalttätiger Behandlung, … einen Abend tiefster Emotionen, … die geistige Qual im Garten, die drei Verhandlungen und die drei Todesurteile durch die Juden. … Das alles und die … Wunden der Geißelung (und der Blutverlust) hatten … seine physische Kraft völlig erschöpft." (Ibd., Seite 634f.) So wurde ein Zuschauer dazu verpflichtet, das schwere Kreuz zu tragen.

    Auf dem Kalvarienberg wurde Christus auf das Kreuz gelegt. „Seine Arme wurden entlang dem Querbalken ausgestreckt; auf die Mitte jeder Handfläche wurde die Spitze eines großen Nagels gestellt … und durch das zitternde Fleisch ins Holz getrieben." (Ibd., Seite 639.) Auch die Füße wurden ans Kreuz genagelt, und dann wurde es langsam aufgerichtet und fest im Boden verankert. „Alle Stimmen um ihn herum schrien Blasphemie und Hohn, und in der langen Agonie des Sterbens vernahm sein Ohr kein Wort des Dankes, des Bedauerns oder der Liebe." (Ibd., Seite 644.)

    Jeder Augenblick war betäubender Schmerz in den frischen Wunden in Händen und Füßen. „Schwindelgefühl, … Durst, … Schlaflosigkeit, … Fieber, … Scham, lange (Stunden) der Folter … - das war der Tod, zu dem Christus verurteilt war." (Ibd., Seite 641.)

    Jesus wurde an diesem schicksalschweren Freitagmorgen vermutlich zwischen neun und zehn Uhr ans Kreuz geschlagen. „Zur Mittagszeit wurde das Licht der Sonne verdunkelt, und eine schwarze Finsternis breitete sich über das ganze Land aus. Die schreckenerregende Düsternis hielt drei Stunden lang an. … Es war ein passendes Zeichen der tiefen Trauer der Erde über den bevorstehenden Tod ihres Schöpfers." (Jesus der Christus, Seite 537.)

    Um die neunte Stunde rief Christus gequält aus: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?" „In dieser schweren Stunde war der sterbende Christus allein. … Damit das größte Opfer des Sohnes in seiner ganzen Fülle vollendet würde, scheint der Vater den Beistand seiner unmittelbaren Gegenwart zurückgezogen zu haben, damit dem Heiland der Menschen der Ruhm des vollständigen Sieges über die Mächte der Sünde und des Todes überlassen sei." (Ibd., Seite 537f.)

    Später „in der vollen Erkenntnis, daß er nicht mehr verlassen sei, sondern daß sein Sühnopfer vom Vater angenommen und seine Mission im Fleische zu ihrer herrlichen Vollendung geführt worden war, rief er mit der Stimme heiligen Triumphs laut aus;, Es ist vollbracht!' Voll Ehrerbietung, Entsagung und Erleichterung sprach er zum Vater und sagte:, Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände!' Er neigte sein Haupt und gab freiwillig sein Leben auf". (Ibd., Seite 538.)

    „In diesem Augenblick riß der Vorhang im Tempel von oben bis unten entzwei. Ein Erdbeben erschütterte die Erde. … Die Menschenmenge, nun völlig ernüchtert, kehrte nach Jerusalem zurück." (Farrar, The Life of Christ, Seite 651f.)

    Der Leichnam Christi wurde liebevoll vom Kreuz genommen, auf feines weißes Leinen gelegt, daß Josef aus Arimathäa gekauft hatte, mit wohlriechenden Salben bedeckt und in einen Garten in der Nähe gebracht, wo Josef ein neues Grab besaß.

    Es war nun später Nachmittag „und die Vorbereitungen mußten in Eile geschehen, denn mit dem Sonnenuntergang begann der Sabbat. Alles, was man also tun konnte, war, den Leichnam zu waschen … und ihn zu salben, den Kopf in ein weißes Tuch zu hüllen, den geschundenen Körper sorgsam mit feinem Leinen zu umwickeln und den Leichnam in eine Aushöhlung im Felsen zu betten". (Ibd., Seite 659.) Dann wurde ein großer Stein vor den Eingang des Grabes gelegt.

    In der Dämmerung jenes allerersten Ostermorgens kamen die beiden Frauen namens Maria und andere Frauen mit kostbaren Ölen und Salben zum Grab, um die Behandlung des Leichnams abzuschließen. Sie fragten sich, wer ihnen wohl helfen könne, den Stein vom Grab zu entfernen. Zu ihrem Erstaunen fanden sie den Stein weggerollt; der Leichnam Jesu war verschwunden, und zwei Engel mit weißen Gewändern gaben Zeugnis, daß er von den Toten auferstanden sei. Die Frauen eilten mit der Nachricht zu den Jüngern. Johannes und Petrus liefen zum Grab und stellten fest, daß es so war. Das Grab war leer.

    Maria aus Magdala kam noch einmal zum Grab zurück, und dort sagte sie: „Man hat meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wohin man ihn gelegt hat." (Johannes 20:13.) Und Jesus selbst stand da und sagte zu ihr: „Maria!" Da erkannte sie ihn, doch er sagte sanft: „Halte mich nicht fest, denn ich bin noch nicht zum Vater hinaufgegangen. Geh aber zu meinen Brüdern und sag ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott." Eilends gehorchte sie. (Siehe Johannes 20:13-17.)

    Nachdem Jesus drei Tage nach der Kreuzigung aus dem Grab auferstanden war, erschien er nicht nur Maria, sondern auch den anderen Frauen. Als drittes erschien er dem Petrus. Am selben Tage waren zwei der Jünger auf dem Weg nach Emmaus, als Christus sich ihnen zugesellte. Noch einmal, das fünfte Mal an diesem denkwürdigen Ostertag, tat Jesus sich seinen Jüngern kund. Zehn von ihnen hatten sich versammelt, um Trost zu finden, da erschien Christus vor ihnen. „Friede sei mit euch!" sprach er zu ihnen.

    „Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Faßt mich doch an und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht." (Lukas 24:36,39.) Später, als der Erretter und die Jünger in Galiläa am Seeufer saßen und Fisch aßen, wandte sich Jesus an Petrus: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese?"

    „Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe." „Weide meine Lämmer!"

    „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?" „Ja, Herr, du weißt, daß ich dich liebe."

    „Weide meine Schafe!" Und ein drittes Mal: „Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich?"

    Traurig sagte Petrus: „Herr, du weißt alles; du weißt, daß ich dich liebhabe."

    Und wieder gab der Erretter zurück: „Weide meine Schafe!" (Siehe Johannes 21:15-17.)

    Als Ort für seine Himmelfahrt wählte Jesus den Ölberg. Dort auf dem Berg wies der Erretter die Apostel und die von ihm Beauftragten an:

    „Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiß: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." (Matthäus 28:19,20.)

    Das ist unser Auftrag. Darum gehen wir zu allen Völkern und verkünden das Evangelium.

    Eliza R. Snow, die dieses Werk so sehr liebte - wie ich auch -, schrieb diese schönen Zeilen:

    Wie groß die Weisheit und die Lieb am hohen Himmelsthron, daß uns zum Trost und Heil gesandt der Herr als Menschensohn.

    Sein teures Blut gab er dahin, sein Leben für die Welt; für unsre Schuld ward Gottes Sohn als Opfer dargestellt.

    Wie groß, wie herrlich und wie schön

    ist der Erlösungsplan,

    wo Lieb, Gerechtigkeit und Gnad

    uns führen himmelan.

    (Siehe Gesangbuch.)

    Der Prophet Alma hat erklärt, der Plan der Barmherzigkeit erfordere, daß Gott selbst ein Sühnopfer bringe, „um die Forderungen der Gerechtigkeit zu befriedigen", damit Gott ein vollkommener, gerechter und barmherziger Gott sein könne (siehe Alma 42:15). Ich bezeuge, daß er lebt, daß er unser Erretter ist. Er ist der Weg zu wahrem Glücklichsein. Das verkünde ich in seinem heiligen Namen, im Namen Jesu Christi. Amen.