2000–2009
O denkt daran, denkt daran
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O denkt daran, denkt daran

„O denkt daran, denkt daran“, ist eine inständige Bitte, die die Propheten im Buch Mormon häufig aussprachen.1 Mir geht es darum, Ihnen ans Herz zu legen, dass Sie Möglichkeiten finden, Gottes Güte zu erkennen und sich daran zu erinnern.

Ich bin dankbar für die Sendung mit dem Tabernakelchor heute Morgen, in der es um den Erlöser ging. Dank erfüllte mich auch, als ich sah, dass der Text eines Liedes, das der Chor darbot, nämlich „Es ist der Herr“, von Präsident James E. Faust verfasst worden ist. Als ich mich neben Bruder Newell setzte, lehnte ich mich zu ihm hinüber und fragte: „Wie geht es Ihren Kindern?“ Er sagte: „Als Präsident Faust in diesem Sessel saß, hat er mich das auch immer gefragt.“ Das überrascht mich nicht, denn Präsident Faust war stets ein vollkommenes Beispiel für einen Jünger, wie er in der Sendung mit dem Tabernakelchor beschrieben worden ist. Als ich heranwuchs, wollte ich immer so ein Mensch sein, wie Präsident Faust es war. Vielleicht bleibt mir noch Zeit.

Als unsere Kinder noch sehr klein waren, begann ich damit, immer einiges von dem aufzuschreiben, was jeden Tag geschah. Ich möchte Ihnen erzählen, wie es dazu kam. Ich kam von einem Auftrag in der Kirche spät nach Hause. Es war bereits dunkel. Als ich auf die Haustür zuging, war ich überrascht, meinen Schwiegervater zu sehen, der in unserer Nähe wohnte. Er trug eine ganze Ladung Rohre auf der Schulter, ging sehr schnell und trug Arbeitskleidung. Ich wusste, dass er dabei war, ein Leitungssystem zu bauen, um Wasser von einem tiefer liegenden Bach zu unserem Grundstück hinaufzupumpen.

Er lächelte, sprach leise mit mir und eilte dann an mir vorbei und verschwand in der Dunkelheit, um seine Arbeit fortzusetzen. Ich ging weiter auf das Haus zu und dachte darüber nach, was er da für uns tat. Gerade als ich die Tür erreicht hatte, vernahm ich in Gedanken – und es war nicht meine Stimme, die da sprach – folgende Worte: „Diese Erlebnisse gebe ich dir nicht, damit du sie für dich behältst. Schreib sie auf.“

Ich betrat das Haus. Ich ging nicht zu Bett. Ich war zwar müde, doch ich nahm etwas Papier zur Hand und begann zu schreiben. Und als ich das tat, verstand ich die Botschaft, die ich in Gedanken vernommen hatte. Ich sollte aufschreiben, wie ich erlebt hatte, dass unsere Familie durch Gottes Hand gesegnet wurde, damit meine Kinder es irgendwann einmal in der Zukunft lesen könnten. Großvater musste nicht tun, was er für uns tat. Er hätte es jemand anderen tun lassen können oder sich auch gar nicht darum kümmern müssen. Aber er diente uns, seiner Familie, in der Art und Weise, wie Jünger Jesu Christi, die mit dem Herrn einen Bund geschlossen haben, es immer tun. Ich wusste, dass das wahr war. Also schrieb ich es auf, damit meine Kinder einmal die Erinnerung daran hätten, wenn sie es brauchten.

Jahrelang schrieb ich täglich ein paar Zeilen. Ich ließ nie einen Tag aus, wie müde ich auch war oder wie früh ich am nächsten Tag auch aufstehen musste. Vor dem Schreiben dachte ich über die Frage nach: Habe ich heute bemerkt, dass Gott seine Hand ausgestreckt hat, um auf uns oder unsere Kinder oder unsere Familie einzuwirken? Ich blieb ausdauernd, und mit der Zeit geschah etwas. Wenn ich auf den Tag zurückblickte, konnte ich erkennen, was Gott für einen von uns getan hatte – etwas, was ich während des geschäftigen Tages gar nicht bemerkt hatte. Als das geschah, und es geschah oft, erkannte ich, dass mein Bemühen, mich zu erinnern, Gott ermöglichte, mir zu zeigen, was er getan hatte.

Bei mir nahm nicht nur die Dankbarkeit im Herzen zu. Auch mein Zeugnis wuchs. Meine Gewissheit wurde stärker, dass der himmlische Vater unsere Gebete vernimmt und erhört. Ich empfand mehr Dankbarkeit dafür, dass unser Herz durch das Sühnopfer des Erretters Jesu Christus erweicht und geläutert wird. Außerdem wuchs mein Vertrauen, dass der Heilige Geist uns an alles erinnern kann – selbst an etwas, was wir gar nicht bemerkt oder beachtet hatten, als es geschah.

Die Jahre sind vergangen. Meine Söhne sind nun erwachsen. Und nun sagt ab und zu einer von ihnen ganz unerwartet zu mir: „Vater, ich habe in meiner Kopie des Tagebuchs gelesen, wie es war, als …“, und dann erzählt er mir, dass ihm dadurch, dass er etwas über ein längst vergangenes Ereignis gelesen hat, etwas bewusst geworden ist, was Gott in jüngerer Zeit für ihn getan hat.

Mir geht es darum, Ihnen ans Herz zu legen, dass Sie Möglichkeiten finden, Gottes Güte zu erkennen und sich daran zu erinnern. Unser Zeugnis wird dadurch wachsen. Vielleicht führen Sie kein Tagebuch. Vielleicht zeigen Sie Ihren Lieben und anderen, denen Sie dienen, nichts von dem, was Sie in irgendeiner Form aufgezeichnet haben. Aber Sie und die anderen werden gesegnet sein, wenn Sie sich an das erinnern, was der Herr getan hat. Sicher kennen Sie das Lied, das wir manchmal singen: „Sieh den Segen, denke ständig dran, sieh den großen Segen, sieh, was Gott getan!“2

Es wird nicht leicht sein, sich daran zu erinnern. Da uns ja ein Schleier vor die Augen gelegt wurde, können wir uns nicht daran erinnern, wie es war, im vorirdischen Dasein bei unserem himmlischen Vater und seinem geliebten Sohn, Jesus Christus, gelebt zu haben. Ebenso wenig können wir mit den physischen Augen oder dem Verstand allein die Hand Gottes in unserem Leben erkennen. Um das zu erkennen, brauchen wir den Heiligen Geist. Und es ist nicht leicht, in einer schlechten Welt würdig dafür zu sein, dass der Heilige Geist einen begleitet.

Deshalb gab es schon immer, seit Anbeginn der Welt, unter Gottes Kindern das Problem, dass sie Gott vergaßen. Denken Sie an die Zeit des Mose, als Gott für Manna sorgte und seine Kinder auf wunderbare und sichtbare Weise führte und beschützte. Dennoch warnte der Prophet das Volk, das so gesegnet worden war, so wie die Propheten immer gewarnt haben und immer warnen werden: „Nimm dich in Acht, achte gut auf dich! Vergiss nicht die Ereignisse, die du mit eigenen Augen gesehen, und die Worte, die du gehört hast. Lass sie dein ganzes Leben lang nicht aus dem Sinn!“3

Die Aufforderung, sich zu erinnern, war schon immer für diejenigen am schwierigsten, die reich gesegnet wurden. Wer glaubenstreu zu Gott steht, ist behütet und gedeiht. Vorraussetzung dafür ist, dass man Gott dient und seine Gebote hält. Aber mit diesen Segnungen kommt auch die Versuchung, dass man vergisst, woher sie kommen. Leicht beginnt man zu glauben, dass die Segnungen nicht einem liebenden Gott, auf den wir angewiesen sind, sondern unserer eigenen Kraft zu verdanken sind. Die Propheten haben immer wieder geklagt:

„Und so können wir erkennen, wie falsch und auch wie wankelmütig die Menschenkinder im Herzen sind; ja, wir können sehen, dass der Herr in seiner großen, unendlichen Güte diejenigen segnet und gedeihen lässt, die ihr Vertrauen in ihn setzen.

Ja, und wir können sehen, genau zu der Zeit, wenn er sein Volk gedeihen lässt, ja, indem ihre Felder, ihr Kleinvieh und ihre Herden und ihr Gold und ihr Silber und allerlei Kostbarkeiten jeder Gattung und Art zunehmen; indem er ihr Leben schont und sie aus den Händen ihrer Feinde befreit; indem er ihren Feinden das Herz erweicht, sodass sie ihnen nicht den Krieg erklären; ja, und kurz gesagt, indem er alles für das Wohlergehen und Glücklichsein seines Volkes tut, ja, dann ist die Zeit, dass sie ihr Herz verhärten und den Herrn, ihren Gott, vergessen und den Heiligen mit Füßen treten – ja, und dies wegen ihrer Unbeschwertheit und ihres überaus großen Wohlstandes.“

Und der Prophet sagt weiter:

„Ja, wie schnell, im Stolz überheblich zu werden, ja, wie schnell, zu prahlen und allerart dessen zu tun, was von Übel ist, und wie langsam sind sie doch, sich des Herrn, ihres Gottes, zu erinnern und seinen Ratschlägen Gehör zu schenken, ja, wie langsam, auf den Pfaden der Weisheit zu wandeln!“4

Leider ist Wohlstand nicht der einzige Grund dafür, warum Menschen Gott vergessen. Es kann auch schwierig sein, an ihn zu denken, wenn es uns schlecht geht. Wenn wir uns – und so geht es vielen – in erdrückender Armut abmühen oder wenn unsere Feinde sich gegen uns behaupten oder eine Krankheit nicht geheilt wird, kann uns der Feind unserer Seele seine üble Botschaft senden, dass es keinen Gott gibt oder dass er, falls es ihn gibt, sich nicht um uns kümmert. Dann kann es für den Heiligen Geist schwer sein, uns an all die Segnungen zu erinnern, die wir von Kindheit an und inmitten unserer Bedrängnis vom Herrn bekommen haben.

Es gibt ein einfaches Heilmittel gegen das schreckliche Übel, Gott, seine Segnungen und seine Botschaften an uns zu vergessen. Jesus Christus hat es seinen Jüngern verheißen, kurz bevor er gekreuzigt werden, auferstehen und dann aus ihrer Mitte genommen werden sollte, um in Herrlichkeit zu seinem Vater aufzufahren. Sie machten sich darüber Sorgen, wie sie bestehen könnten, wenn er nicht mehr bei ihnen war.

Dies ist die Verheißung. Sie erfüllte sich damals für sie. Sie kann sich auch heute für uns alle erfüllen:

„Das habe ich zu euch gesagt, während ich noch bei euch bin.

Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“5

Der Schlüssel zu jenem Erinnern, das ein Zeugnis entstehen lässt und bewahrt, ist, dass man den Heiligen Geist als Begleiter empfängt. Es ist der Heilige Geist, der uns erkennen lässt, was Gott für uns getan hat. Es ist der Heilige Geist, der auch diejenigen, denen wir dienen, erkennen lassen kann, was Gott für sie getan hat.

Der himmlische Vater hat uns eine einfache Anleitung dafür gegeben, wie wir den Heiligen Geist in unserem unruhigen Alltag nicht nur einmal, sondern stets empfangen können. Diese Anleitung wird im Abendmahlsgebet wiederholt: Wir versprechen, dass wir immer an Jesus Christus denken werden. Wir versprechen, dass wir seinen Namen auf uns nehmen. Wir versprechen, dass wir seine Gebote halten. Sofern wir das tun, so wird uns verheißen, wird sein Geist mit uns sein.6 Diese Versprechen wirken auf wundervolle Weise zusammen, um unser Zeugnis zu stärken und mit der Zeit durch das Sühnopfer unser Wesen zu verändern, wenn wir unseren Teil des Versprechens einhalten.

Es ist der Heilige Geist, der bezeugt, dass Jesus Christus der geliebte Sohn des himmlischen Vaters ist, der uns liebt und möchte, dass wir als Familie ewiges Leben bei ihm haben. Selbst wenn dieses Zeugnis gerade erst entsteht, spüren wir den Wunsch, ihm zu dienen und seine Gebote zu halten. Wenn wir das beharrlich tun, erlangen wir die Gaben des Heiligen Geistes und dadurch Macht in unserem Dienst. Wir werden die Hand Gottes deutlicher erkennen, so deutlich, dass wir letztlich nicht nur an ihn denken, sondern ihn auch lieben lernen und ihm durch die Macht des Sühnopfers ähnlicher werden.

Vielleicht fragen Sie: „Aber wie kommt dieser Prozess bei jemandem in Gang, der nichts von Gott weiß und sagt, er erinnere sich an überhaupt keine geistigen Erlebnisse?“ Jeder hat schon einmal geistige Erlebnisse gehabt, die er vielleicht nicht als solche erkannt hat. Jeder Mensch hat beim Eintritt in diese Welt den Geist Christi erhalten. Wie dieser Geist wirkt, wird im Buch Moroni beschrieben:

„Denn siehe, jedem Menschen ist der Geist Christi gegeben, damit er Gut von Böse unterscheiden könne; darum zeige ich euch den Weg zu urteilen; denn alles, was einlädt, Gutes zu tun, und dazu bewegt, dass man an Christus glaubt, geht von der Macht und Gabe Christi aus; darum könnt ihr mit vollkommenem Wissen wissen, dass es von Gott ist.

Aber alles, was den Menschen dazu bewegt, dass er Böses tut und nicht an Christus glaubt und ihn verleugnet und nicht Gott dient, davon könnt ihr mit vollkommenem Wissen wissen, dass es vom Teufel ist; denn auf diese Weise arbeitet der Teufel, denn er bewegt keinen Menschen dazu, dass er Gutes tut, nein, nicht einen; auch seine Engel tun das nicht; auch die tun das nicht, die sich ihm unterwerfen. …

Darum flehe ich euch an, Brüder, im Licht Christi eifrig zu forschen, damit ihr Gut von Böse unterscheiden könnt; und wenn ihr alles Gute ergreift und es nicht verwerft, dann seid ihr gewiss ein Kind Christi.“7

Daher haben Menschen geistige Erlebnisse, bevor sie das Recht auf die Gaben des Heiligen Geistes erhalten, wenn sie als Mitglied der Kirche bestätigt werden, ja sogar bevor der Heilige Geist ihnen vor der Taufe die Wahrheit bestätigt. Der Geist Christi hat sie schon von Kindheit an aufgefordert, Gutes zu tun, und er hat sie vor dem Bösen gewarnt. Sie haben Erinnerungen an diese Ereignisse, selbst wenn sie nicht erkannt haben, woher sie kamen. Diese Erinnerungen kommen zurück, wenn Missionare oder wir ihnen das Wort Gottes bringen und sie es hören. Sie erinnern sich an das Gefühl der Freude oder der Trauer, wenn ihnen die Wahrheiten des Evangeliums nahegebracht werden. Und diese Erinnerung an den Geist Christi erweicht ihnen das Herz, sodass der Heilige Geist ihnen Zeugnis geben kann. Das bringt sie dann dazu, dass sie die Gebote halten und den Namen Christi auf sich nehmen wollen. Und wenn sie das tun – in den Wassern der Taufe und wenn sie von einem bevollmächtigten Diener Gottes bei der Konfirmierung die Worte hören „Empfange den Heiligen Geist“ –, dann nimmt auch ihre Kraft zu, immer an Gott zu denken.

Ich bezeuge Ihnen, dass das warme Gefühl, das Sie verspürt haben, als Sie der Wahrheit, die bei dieser Konferenz verkündet wurde, zugehört haben, vom Heiligen Geist stammt. Der Erlöser, der versprochen hat, dass der Heilige Geist kommen würde, ist der geliebte, verherrlichte Sohn unseres himmlischen Vaters.

Wenn Sie heute und morgen am Abend beten und nachdenken, stellen Sie sich diese Fragen: Hat Gott eine Botschaft gesandt, die nur für mich bestimmt war? Habe ich seine Hand in meinem Leben oder im Leben meiner Kinder gesehen? Ich werde das tun. Und dann werde ich eine Möglichkeit finden, diese Erinnerung für den Tag zu bewahren, an dem ich und meine Lieben daran denken müssen, wie sehr Gott uns liebt und wie sehr wir ihn brauchen. Ich bezeuge, dass er uns liebt und segnet, mehr als die meisten von uns bis jetzt erkannt haben. Ich weiß, dass dies wahr ist, und es macht mir Freude, an ihn zu denken. Im Namen Jesu Christi. Amen.