Persönliche Offenbarung: Aussagen und Beispiele der Propheten
    Fußnoten

    Persönliche Offenbarung: Aussagen und Beispiele der Propheten

    Durch persönliche Offenbarung können wir die wichtigsten Grundsätze unseres Daseins erkennen.

    Zu Beginn der letzten Versammlung dieser historischen Konferenz möchte ich gemeinsam mit Ihnen meinen Dank bekunden, dass wir Präsident Henry B. Eyring als Ratgeber in der Ersten Präsidentschaft, Elder Quentin L. Cook im Kollegium der Zwölf Apostel und Elder Walter F. González als einen der sieben Präsidenten der Siebziger bestätigen durften. Ich grüße sie, biete ihnen meine Unterstützung an und bezeuge, dass sie von Gott durch einen lebenden Propheten, Präsident Gordon B. Hinckley, „gemäß dem Geist der Offenbarung und Prophezeiung“1 berufen wurden.

    Die Ereignisse gestern und heute zeigen uns, wie wichtig Offenbarung im Werk des Herrn und persönliche Offenbarung in unserem Leben sind. Durch persönliche Offenbarung können wir die wichtigsten Grundsätze unseres Daseins erkennen: Gott, unseren ewigen Vater, und seinen Sohn, Jesus Christus, gibt es wirklich, das wiederhergestellte Evangelium ist wahr, und Gott hat einen Plan für uns und führt uns.

    Fast alles, was ich über persönliche Offenbarung weiß, habe ich aus dem Beispiel der Propheten aus alter und neuer Zeit gelernt. Heute Nachmittag möchte ich über ein paar persönliche Beispiele sprechen und bete darum, dass sie einen jeden von uns inspirieren mögen, in seinem Leben nach den Segnungen persönlicher Offenbarung zu trachten.

    Als junger Regionalrepräsentant war ich beauftragt worden, Elder Marion G. Romney bei der Umbildung einer Pfahlpräsidentschaft zu unterstützen. Bei der langen, ruhigen Fahrt zu dieser Konferenz kamen wir auf die geistigen Aspekte unserer Aufgabe zu sprechen. Elder Romney erläuterte mir, wie der Herr uns mit Offenbarung segnet. „Robert“, sagte er, „ich habe festgestellt: Wenn wir im Auftrag des Herrn handeln, dann gibt er uns seinen Segen, um das zu vollbringen, womit wir beauftragt worden sind.“ Elder Romney erklärte weiterhin, dass wir in dieser weit entfernten Stadt ankommen würden, dass wir uns niederknien würden, um zu beten, Interviews mit Priestertumsträgern führen und uns wiederum zum Gebet niederknien würden, und dass der Heilige Geist uns dann offenbaren würde, wen der Herr als neuen Pfahlpräsidenten vorgesehen hat. Er versprach mir, dies werde eines der großen geistigen Erlebnisse in meinem Leben werden, und so war es auch.

    Wir alle sind von unserem Vater im Himmel auf die Erde gesandt worden, um uns ewiges Leben zu erarbeiten: „Das ist das ewige Leben: dich, den einzigen wahren Gott, zu erkennen und Jesus Christus, den du gesandt hast.“2 Wie können wir persönlich den Vater und den Sohn erkennen? Durch persönliche Offenbarung. Durch persönliche Offenbarung hilft uns der Vater im Himmel, ihn und seinen Sohn zu erkennen, das Evangelium zu verstehen und umzusetzen, in Rechtschaffenheit bis ans Ende auszuharren und ewiges Leben zu erlangen, also in ihre Gegenwart zurückzukehren.

    Sie fragen vielleicht: Wie trachtet man nach persönlicher Offenbarung? Paulus riet den Heiligen, sich mehr auf den Geist zu verlassen als auf die Weisheit der Welt.3 Um diesen Geist zu empfangen, ist der erste Schritt das Gebet. Bevor sich Präsident Lorenzo Snow der Kirche anschloss, hatte er sich mehrere Jahre mit dem Evangelium befasst. Aber erst zwei, drei Wochen nach seiner Taufe empfing er ein Zeugnis, als er sich zu einem stillen Gebet zurückzog. „Der Geist Gottes kam auf mich herab“, sagte er. „O welche Freude, welches Glück empfand ich, … [denn] ich empfing die Gewissheit, dass Gott lebt, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist und dass das heilige Priestertum und das Evangelium in seiner Fülle wiederhergestellt wurden.“4

    Ich habe festgestellt, dass das Gebet eine solide Grundlage für persönliche Offenbarung ist. Aber es gehört noch mehr dazu. In meiner Berufung als Regionalrepräsentant hatte ich die Gelegenheit, von einem weiteren Apostel zu lernen: Elder Boyd K. Packer. Wir waren beauftragt worden, eine neue Pfahlpräsidentschaft zu berufen, und knieten uns zunächst gemeinsam zum Beten nieder. Nachdem wir Interviews mit Priestertumsführern geführt und erneut gebetet hatten, schlug Elder Packer vor, wir sollten gemeinsam eine Runde um das Gebäude gehen. Während wir dies taten, demonstrierte er einen entscheidenden Grundsatz, wie man persönliche Offenbarung erlangt – einen Grundsatz, den der Herr auch Oliver Cowdery erläuterte: „Siehe, … du musst es mit deinem Verstand durcharbeiten.“5 Wir dachten über unsere Aufgabe nach, berieten uns und lauschten auf die Stimme des Geistes. Als wir wieder hineingingen, beteten und studierten wir weiter und waren dann bereit, Offenbarung zu empfangen.

    Offenbarung kommt nach dem Zeitplan des Herrn, und das bedeutet oft, dass wir gläubig vorwärtsgehen müssen, obwohl wir noch nicht alle Antworten erhalten haben, die wir uns wünschen. Als Generalautorität war ich damit beauftragt worden, unter der Leitung von Elder Ezra Taft Benson an der Berufung einer neuen Pfahlpräsidentschaft mitzuwirken. Nachdem wir gebetet und Interviews geführt hatten, nachdem wir in den Schriften studiert und wiederum gebetet hatten, fragte Elder Benson mich, ob ich wüsste, wer der neue Pfahlpräsident sein werde. Ich sagte, dass ich diese Inspiration noch nicht erhalten habe. Er sah mich lange an und sagte dann, er auch nicht. Wir waren allerdings dazu inspiriert worden, drei würdige Priestertumsträger zu bitten, bei der Pfahlkonferenzversammlung am Samstagabend zu sprechen. Kurz nachdem der dritte Sprecher angefangen hatte, gab der Geist mir ein, dass er der neue Pfahlpräsident werden solle. Ich schaute hinüber zu Präsident Benson und sah, dass ihm Tränen über das Gesicht liefen. Wir hatten beide eine Offenbarung erhalten – aber erst, nachdem wir uns weiter darum bemüht hatten, den Willen unseres Vaters im Himmel zu ergründen, und gläubig vorangingen.

    Am Anfang meines Dienstes in der Kirche erhielt ich von Elder Harold B. Lee eine Lektion, als er zur Gründung eines neuen Pfahles in unseren Distrikt kam. Ich war gerade als Bischof berufen worden, und Elder Lee fragte mich, ob ich ihn zu einer Pressekonferenz begleiten wolle. Dort forderte ein ehrgeiziger junger Reporter Elder Lee heraus: „Sie bezeichnen sich selbst als Propheten“, sagte er. „Wann hatten Sie denn das letzte Mal eine Offenbarung, und worauf bezog sie sich?“ Elder Lee schwieg kurz, dann blickte er ihm direkt in die Augen und erwiderte freundlich: „Das war gestern Nachmittag gegen 15:00 Uhr. Wir haben darüber gebetet, wer als Präsident des neuen Pfahles berufen werden solle, und es wurde uns kundgetan, wer dies sein soll.“ Das Herz des Reporters wurde berührt. Ich werde nie vergessen, welcher Geist diesen Raum erfüllte, als Elder Lee machtvoll Zeugnis gab, dass jeder, der gläubig danach trachtet, den Willen des Herrn zu tun, Offenbarung empfangen kann.

    Als glaubenstreue Kinder, Jugendliche, Eltern, Lehrer und Führungsbeamte können wir persönliche Offenbarung häufiger empfangen, als wir glauben. Je öfter wir persönliche Offenbarung erhalten und erkennen, desto stärker wird unser Zeugnis. Als Bischof wurde mein Zeugnis jedes Mal gestärkt, wenn ich eine Offenbarung in Bezug auf Berufungen für Gemeindemitglieder bekam. Dieses Zeugnis wird jedes Mal aufs Neue bestätigt, wenn ich miterlebe, wie Generalautoritäten und Beamte, Gebietssiebziger und Pfahlpräsidenten berufen oder mit neuen Aufgaben betraut werden. Vor allem aber werde ich durch die persönlichen Offenbarungen gestärkt, die ich in meiner Rolle als Sohn Gottes, als Ehemann und als Vater bekomme. Ich bin so dankbar dafür, dass der Geist uns zu Hause führt und leitet, wenn wir ihn in Familienangelegenheiten um Hilfe bitten.

    Für uns alle gilt, dass wir unsere persönlichen Offenbarungen nach demselben Muster wie die Propheten empfangen, so wie es in den heiligen Schriften beschrieben ist. Adam und Eva riefen den Namen des Herrn an und empfingen persönliche Offenbarung und auch Erkenntnis über den Erlöser.6 Henoch, Abraham und Mose sorgten sich um das Wohlergehen ihres Volkes und erhielten herrliche Offenbarungen, die in der Köstlichen Perle aufgezeichnet sind.7 An Elija erging persönliche Offenbarung durch die sanfte, leise Stimme,8 an Daniel in einem Traum.9 Petrus empfing durch persönliche Offenbarung das Zeugnis, dass Jesus der Messias ist.10 Lehi und Nephi erhielten Offenbarungen in Bezug auf den Heiland und den Erlösungsplan, und nahezu allen Propheten in der Bibel und im Buch Mormon wurden Offenbarungen zuteil, die ihnen und ihrem Volk Warnung, Belehrung, Stärkung und Trost waren.11 Nach langem Beten im Tempel empfing Präsident Spencer W. Kimball die Offenbarung über das Priestertum.12 Und nachdem Präsident Hinckley darüber gebetet hatte, wie man mehr Mitgliedern die Segnungen des Tempels zugänglich machen könne, empfing er die Offenbarung, kleinere Tempel zu bauen.13

    Propheten empfangen persönliche Offenbarung in Bezug auf ihr eigenes Leben und um die Angelegenheiten der Kirche auf Erden zu führen. Wir sind dazu verpflichtet, für unser eigenes Leben und für die uns vom Herrn übertragenen Aufgaben nach persönlicher Offenbarung zu trachten.

    Während der letzten Wochen hat Präsident Hinckley um Offenbarung im Hinblick auf die Berufungen getrachtet, die bei dieser Konferenz bekannt gegeben werden sollten. In unserer Versammlung im Tempel, die jeden Donnerstag mit der Ersten Präsidentschaft und dem Kollegium der Zwölf abgehalten wird, hörte ich vor etwa einem Monat, wie Präsident Hinckley in einem einfachen, aufrichtigen Gebet um geistige Führung bat. Die Antwort auf sein inniges Gebet wurde uns allen nun vorgelegt.

    Können wir das Muster der Offenbarung im Leben der Propheten erkennen? Sind die Fäden dieses Musters auch in unser Leben eingeflochten?

    Wir wissen, dass das Kernstück in diesem Muster das Sühnopfer ist.14 Wir empfangen die Segnungen des Sühnopfers, wenn wir von unseren Sünden umkehren und die Gebote halten. Das haben wir bei der Taufe gelobt, und wir erneuern dieses Bündnis jede Woche beim Abendmahl. Wenn wir weiterhin rechtschaffen leben, können wir wie Samuel sagen: „Rede, [Herr,] denn dein Diener hört.“15 Und der Herr erwidert: „Ihr aber seid selig, denn eure Augen sehen und eure Ohren hören.“16

    Wie die Propheten bereiten auch wir uns auf persönliche Offenbarung vor, indem wir in den heiligen Schriften lesen, fasten, beten und unseren Glauben stärken. Glaube ist der Schlüssel. Denken Sie daran, wie Joseph Smiths Vorbereitung auf die erste Vision aussah:

    „Fehlt es aber einem von euch an Weisheit, dann soll er sie von Gott erbitten …

    Wer bittet, soll aber voll Glauben bitten und nicht zweifeln.“17

    Durch unerschütterlichen Glauben können wir selbst erfahren, dass „durch Glauben … Wundertaten gewirkt“18 werden.

    Im Allgemeinen werden solche Wunder keine greifbaren Demonstrationen der Macht Gottes sein, indem sich das Rote Meer teilt, Tote auferweckt werden, Gefängnismauern einstürzen oder himmlische Boten erscheinen. Die meisten Wunder sind, und so ist es beabsichtigt, eine geistige Demonstration der Macht Gottes – seiner liebevollen Barmherzigkeit, die er uns durch Eindrücke, Gedanken oder eine Bestätigung sanft spüren lässt, wenn wir Lösungen für Probleme finden, wenn wir Stärke empfangen, um Herausforderungen zu meistern, oder Trost, um Enttäuschungen oder Kummer zu verkraften.

    Wir können solche Wunder erleben, wenn, wie es in den Schriften heißt, unser „Glaube geprüft“19 worden ist. Manchmal ist diese Glaubensprüfung die Zeit, die vergeht, ehe wir eine Antwort bekommen. Als Präsident David O. McKay als junger Mann Vieh hütete, bemühte er sich um ein Zeugnis, aber er empfing es erst viele Jahre später, als er seine Mission in Schottland erfüllte. Er sagte: „Es war eine Kundgebung, wie ich sie als zweifelnder Jugendlicher im Stillen erfleht hatte, und zwar im Gebirge wie auf freiem Feld. Das verlieh mir die Gewissheit, dass aufrichtiges Beten, irgendwann, irgendwo‘ erhört wird.“20

    Die Antwort lautet vielleicht: „Jetzt nicht – sei geduldig und warte.“

    Ich bezeuge, dass im Gebirge oder auf freiem Feld, in einem Wald oder im Kämmerlein, jetzt oder in den Ewigkeiten, die noch vor uns liegen, das Wort des Erlösers an jeden von uns erfüllt werden wird: „Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet.“21 Uns ist zwar geboten worden, nicht nach Zeichen zu trachten, doch uns ist geboten, „ernstlich nach den besten Gaben [zu] trachten“.22 Zu diesen Gaben gehören auch der Heilige Geist und persönliche Offenbarung. Diese Offenbarungen werden uns „Zeile um Zeile, … Weisung um Weisung“ gegeben werden, wie der Erlöser es gesagt hat, und „dem, der empfängt, …[wird der Herr] mehr geben“.23

    Am Ende dieser Konferenz möchte ich uns alle auffordern, mehr nach dem Geist Gottes zu trachten und ihn häufiger zu empfangen. Der Erlöser betete darum, dass seine Jünger in der Neuen Welt den Heiligen Geist empfangen. Dann gab er uns allen ein Beispiel. Er verließ seine Jünger und dankte dem Vater im Himmel im Gebet, dass er ihnen den Geist gewährt hatte.24 Folgen wir seinem Beispiel und beten wir um den Geist Gottes und danken wir für die wunderbaren Segnungen, die er in unserem Leben bewirkt.

    Ich gebe Ihnen mein besonderes Zeugnis, dass Jesus Christus lebt und seine Kirche durch einen lebenden Propheten, Präsident Gordon B. Hinckley, führt. Ich weiß, ich weiß, dass Präsident Hinckley diese Kirche durch Offenbarung führt. Wie Alma sagte: „Siehe, ich sage euch: [diese Dinge werden] mir durch den Heiligen Geist Gottes zu wissen gegeben. Siehe, ich habe viele Tage gefastet und gebetet … Und nun weiß ich für mich selbst, dass [sie wahr sind]; denn der Herr, Gott, hat [sie] mir durch seinen Heiligen Geist kundgetan; und dies ist der Geist der Offenbarung, der in mir ist.“

    Ich bete aufrichtig darum, dass jeder von uns diesen Geist empfangen, die Segnungen persönlicher Offenbarung erlangen und selbst erkennen möge, dass dies alles wahr ist. Im Namen Jesu Christi. Amen.

    Anmerkungen

    1. Alma 8:24

    2. Johannes 17:3

    3. Siehe 1 Korinther 2:11-16

    4. Zitiert in Eliza R. Snow Smith, Biography and Family Record of Lorenzo Snow, 1884, Seite 8

    5. LuB 9:8

    6. Siehe Mose 5:4-11

    7. Siehe Genesis 18:23-33; Exodus 3:1-3; 32:31-33; Mose 1:1,2; 6:26-37; 7:2-4; Abraham 1:1,2,15-19

    8. Siehe 1 Könige 19:11,12

    9. Siehe Daniel 2:16-20

    10. Siehe Matthäus 16:15-17

    11. Siehe 1 Nephi 2:16; 11:1,2; weitere Beispiele finden Sie in Mosia 3:1-4; Alma 43:23; Helaman 7, 8; Helaman 10:2-4; 3 Nephi 1:10-13; Mormon 8:34,35; Ether 3:1-6,13,14,25

    12. Siehe Schreiben der Ersten Präsidentschaft über die Offenbarung zum Priestertum, Tambuli, Juli 1978, Seite 31; Beamtenbestätigung, Ensign, November 1978, Seite 16

    13. Siehe „Gedanken zum Tempel, dazu, wie wir es erreichen, dass unsere neuen Mitglieder aktiv bleiben, und zum Missionsdienst“, Der Stern, Januar 1998, Seite 50

    14. Siehe Apostelgeschichte 9; Mosia 27; Alma 36

    15. 1 Samuel 3:10

    16. Matthäus 13:16

    17. Jakobus 1:5,6

    18. Moroni 7:37

    19. Ether 12:6

    20. Zitiert in Francis M. Gibbons, David O. McKay: Apostle to the World, Prophet of God, 1986, Seite 50

    21. Matthäus 7:7; Lukas 11:9; siehe auch 3 Nephi 14:7

    22. LuB 46:8

    23. 2 Nephi 28:30

    24. Siehe 3 Nephi 19:19-23

    25. Alma 5:46