Hilfen für das Schriftstudium
Jesaja 50 bis 57
Durch Jesaja versichert der Herr den Israeliten, dass er sie nicht verlassen hat. Er fordert sie zur Umkehr auf und verheißt, sie erneut zu segnen. Er verheißt, dass Jerusalem rein und herrlich gemacht wird. Er prophezeit auch einen Tag, da die Boten des Herrn ermächtigt sein werden, die gute Nachricht von der Sammlung und Erlösung Israels zu überbringen. Eines Tages wird die Welt den Heiligen Israels erkennen und verehren. Jesaja erklärt, dass der Erretter verachtet, gemieden, geschlagen und gebeugt werden wird. Er wird unsere Schmerzen auf sich nehmen und für unsere Vergehen durchbohrt werden. Der Herr verheißt Israel, das sich in Gefangenschaft befindet, dass seine Zerstreuung nur vorübergehend ist, und erklärt ihm, dass seine mit dem Bund einhergehende Liebe ewig ist. Er fordert Israel auf, zu seiner Bündnisbeziehung mit ihm zurückzukehren und auf seine hoch erhabenen Wege zu vertrauen.
Material
Hinweis: Wird eine Quelle zitiert, die nicht von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage herausgegeben wurde, bedeutet dies nicht, dass diese Quelle oder ihr Verfasser von der Kirche unterstützt wird oder den offiziellen Standpunkt der Kirche vertritt.
Hintergrund und Kontext
Warum fragte der Herr nach einer „Scheidungsurkunde“ und nach einem „Gläubiger“?
Der Herr bediente sich des Bildes der Scheidung und des Verkaufs eines Sklaven, um zu verdeutlichen, dass er den ursprünglichen Bund, den er mit seinem Volk geschlossen hatte, nicht aufgegeben hatte, auch wenn Israels Abfall vom Glauben zu Zerstreuung und Gefangenschaft geführt hatte. Nach dem Gesetz des Mose musste ein Mann, der sich von seiner Frau scheiden ließ, eine schriftliche Scheidungsurkunde ausstellen, damit die Scheidung gültig war. Ebenso konnte man in alter Zeit sich selbst oder seine Kinder in die Sklaverei verkaufen, um seine Schulden zu tilgen. Aber der Herr hatte keine Gläubiger, und er hatte Israel auch keine Scheidungsurkunde ausgestellt. Vielmehr war es Israel, das sich durch Sünde vom Herrn abgesondert hatte.
Was bedeutet es, sich mit „Prunkgewändern“ zu bekleiden?
Nachdem Jesaja die körperliche und geistige Gefangenschaft beschrieben hatte, die Israel aufgrund von Sünde erleiden würde, rief er das Bundesvolk des Herrn auf, aufzuwachen, die Fesseln vom Hals zu lösen und die Gefangenschaft hinter sich zu lassen. Diese Prophezeiung erfüllte sich beispielsweise, als König Kyrus die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft befreite und ihnen ermöglichte, nach Jerusalem zurückzukehren, um den Tempel wieder aufzubauen. In unserer Zeit wird Israel in geistiger Hinsicht aufgeweckt und aus den Völkern gesammelt. Jesajas Aufforderung, sich mit „Prunkgewändern“ zu bekleiden, war wahrscheinlich ein symbolischer Aufruf, die Kleider der Sünde und der Knechtschaft abzulegen und sie durch die Kleider der Rechtschaffenheit und der Priestertumsvollmacht zu ersetzen.
Was bedeutet die Formulierung: „Wie willkommen sind auf den Bergen die Schritte des Freudenboten, der Frieden ankündigt“?
In alter Zeit wurden Botschaften von Boten überbracht. Jesaja veranschaulichte mit dem vertrauten Bild von Boten, die eine frohe Botschaft überbringen, wie schön es ist, eine gute Nachricht zu erhalten – und wie dankbar man dem Überbringer ist. Ein Beispiel für die frohe Botschaft, die Jesaja mit seiner Prophezeiung überbracht hat, war die Ankündigung, dass die Juden aus dem Exil nach Jerusalem würden zurückkehren dürften. In unserer Evangeliumszeit hat sich der Herr derselben Symbolik bedient, um Missionare zu beschreiben, die berufen sind, die frohe Nachricht seines Evangeliums zu verkünden.
Jesaja 52:8-10 wird im Buch Mormon viermal zitiert, darunter zweimal vom Erretter. Als die schlechten Priester König Noas Abinadi aufforderten, die Bedeutung dieser Verse zu erläutern, erklärte Abinadi, dass die „heiligen Propheten“ jene sind, die „Frieden verkündigt haben, die gute Nachricht von Gutem gebracht haben“. Weiter bezeugte er, dass der anmutigste aller Boten Jesus Christus ist. Abinadi erklärte: „Denn o wie anmutig sind auf den Bergen die Füße dessen, der gute Nachricht bringt, der der Urheber des Friedens ist, ja, nämlich der Herr, der sein Volk erlöst hat, ja, er, der seinem Volk die Errettung gewährt hat.“
Abdruck mit freundlicher Genehmigung von Havenlight
In all seiner Majestät, Darstellung von Yongsung Kim
Was sind die Geräte des Herrn?
Als König Nebukadnezzar und die Babylonier Jerusalem angriffen, nahmen sie „alle Schätze des Hauses des Herrn“ mit. Dazu gehörte alles, was aus Gold, Silber oder Bronze war, wie etwa Leuchter, Schalen und andere Geräte (oder Gefäße), die für die Gottesverehrung im Tempel verwendet wurden. Präsident Jeffrey R. Holland hat erklärt, dass sich das Gebot, rein zu sein, das für diejenigen galt, die die Gefäße des Herrn trugen, darauf bezog, „dass verschiedene heilige Geräte aus dem Tempel, die von König Nebukadnezzar nach Babel mitgenommen worden waren, nach Jerusalem zurückgebracht wurden. Der Herr erinnerte die Brüder von damals, die damit betraut waren, daran, wie heilig alles ist, was mit dem Tempel zu tun hat. Als sie dann diese Schüsseln, Becken, Becher und anderen Gefäße in ihre Heimat zurückbrachten, mussten sie selbst genauso rein sein wie die zeremoniellen Gegenstände, die sie trugen.“
Wer ist der Knecht, über den sich Könige und andere entsetzen würden?
Diese Verse gehören zu den „Gottesknechtsliedern“ Jesajas. Wir lesen, dass der Knecht in diesem Lied Erfolg haben wird, was bedeutet, dass er weise und einflussreich sein wird, und dass er jemand sein wird, über dessen Taten viele, auch Könige, sich entsetzen und darüber erstaunt sein werden. Die Formulierung „so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch“, lässt vermuten, dass großes Leid das Äußere des Knechts entstellen wird. In der Einheitsübersetzung der Bibel heißt es, dass dieser Knecht „viele Nationen entsühnen“ wird. In anderen Übersetzungen werden anstelle von „entsühnen“ Wörter wie „in Staunen versetzen“, „über … staunen“ und „überraschen“ verwendet. In der Joseph Smith Translation wird der Begriff „entsühnen“ durch „sammeln“ ersetzt.
Im Buch Mormon erklärt der Erretter, dass sich Jesaja 52:13 auch auf einen Diener bezieht, der an dem großen und wunderbaren Werk beteiligt ist, das der Vater in den Letzten Tagen vollbringt. Damit ist wahrscheinlich der Prophet Joseph Smith gemeint. Wie bei den anderen Gottesknechtsliedern ist Jesus Christus die endgültige Erfüllung dieser Prophezeiung. Einen leidenden Erretter der gesamten Menschheit würden die Menschen in der Welt normalerweise nicht erwarten.
Inwiefern erfüllt Jesus Christus Jesajas Beschreibung des leidenden Knechts?
Jesaja 53 ist eine der machtvollsten und bekanntesten Prophezeiungen, die Jesus Christus erfüllt hat. Es ist eine Fortsetzung des Gottesknechtslieds, das gegen Ende von Jesaja 52 beginnt. In diesem Teil des Liedes Jesajas geht es um den „leidenden Knecht“, der den Erretter symbolisieren kann. Jesaja 53 ist eine der im Neuen Testament am häufigsten zitierten Prophezeiungen über Jesus Christus. Auch zitierte Abinadi diese Prophezeiung im Buch Mormon und ging näher darauf ein.
Die folgende Übersicht veranschaulicht mögliche Arten und Weisen, wie Jesus Christus einige der Prophezeiungen in diesem Kapitel erfüllt hat.
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Formulierung aus Jesaja 53 |
Mögliche Erfüllung |
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Formulierung aus Jesaja 53 „Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden.“ (Jesaja 53:2.) | Mögliche Erfüllung Der Messias kam auf eine Weise, die niemand erwartet hatte. „Trockener Boden“ kann auch für die geistige Dürre oder den Abfall vom Glauben zur Zeit Jesu stehen. |
Formulierung aus Jesaja 53 „Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm.“ (Jesaja 53:2.) | Mögliche Erfüllung Nichts an der äußeren Erscheinung des Erretters im Erdenleben unterschied ihn von anderen oder hob ihn von ihnen ab. |
Formulierung aus Jesaja 53 „Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden.“ (Jesaja 53:3.) | Mögliche Erfüllung Jesus Christus wurde von seinem eigenen Volk abgelehnt und während seiner Gerichtsverhandlungen und seiner Kreuzigung angespuckt, geschlagen, gegeißelt und verspottet. |
Formulierung aus Jesaja 53 „Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen.“ (Jesaja 53:4.) | Mögliche Erfüllung Bei seinem Sühnopfer nahm der Erretter auch unsere Schmerzen, Bedrängnisse, Krankheiten und Schwächen auf sich. |
Formulierung aus Jesaja 53 „Er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.“ (Jesaja 53:5.) | Mögliche Erfüllung Jesus Christus hat für unsere Sünden gelitten, damit wir Vergebung, Frieden und geistige Heilung erlangen können. |
Formulierung aus Jesaja 53 „Er wurde bedrängt und misshandelt, aber er tat seinen Mund nicht auf.“ (Jesaja 53:7.) | Mögliche Erfüllung Jesus schwieg während des Verhörs vor Herodes. Auch während der Verhöre durch die Hohepriester und durch Pilatus schwieg er zeitweise. |
Formulierung aus Jesaja 53 „Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab und bei den Reichen seine Ruhestätte.“ (Jesaja 53:9.) | Mögliche Erfüllung Jesus wurde zwischen zwei Dieben gekreuzigt und im Grab eines reichen Mannes begraben. |
Formulierung aus Jesaja 53 „Der Herr hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten.“ (Jesaja 53:10.) | Mögliche Erfüllung Dies könnte bedeuten, dass sich der Vater im Himmel darüber freute, dass Jesus sich bereitwillig als Opfer für unsere Sünden hingab. |
Formulierung aus Jesaja 53 „Er [wird] Nachkommen sehen.“ (Jesaja 53:10.) | Mögliche Erfüllung Abinadi hat erklärt, dass mit „Nachkommen“ in diesem Vers diejenigen gemeint sind, die dem Zeugnis der Propheten für Jesus Christus Glauben schenken. |
Getsemani, Darstellung von J. Kirk Richards
Was bedeutet „Mach den Raum deines Zeltes weit … und deine Zeltpflöcke fest“?
Jesaja verglich Zion mit einem Zelt oder einem Offenbarungszelt, das durch Pflöcke – bzw. Pfähle – gesichert ist. Er prophezeite von einer Zeit, in der so viele rechtschaffene Menschen in Zion gesammelt werden würden, dass das Zelt vergrößert und mit zusätzlichen, stärkeren Pfählen gesichert werden müsse.
Der Erretter zitierte diese Prophezeiung im Buch Mormon und erklärte, dass sich eine ihrer Erfüllungen ereignen werde, wenn Israel in den Letzten Tagen gesammelt werde. Heute ist die Kirche in „Pfähle Zions“ organisiert, eine Bezeichnung, die an Jesajas Gleichnis angelehnt ist. „Jeder Pfahl Zions stützt die Kirche und hilft, sie aufrechtzuerhalten, wie ein Zelt oder das Offenbarungszelt durch seine Pfähle aufrechterhalten wird bzw. wurde. Ein Pfahl ist der Sammelplatz für die Überreste des zerstreuten Israel.“
Was bedeutet es, dass der Herr sein Volk mit „Erbarmen“ und „ewiger Huld“ sammeln wird?
Der Herr erklärte, dass Israels Leiden nur vorübergehend sei und seine Güte und Barmherzigkeit ewig währen werde. Der Herr verhieß, dass der „Bund [seines] Friedens“ dauerhafter sei als Berge und Hügel. Das hebräische Wort, das in Vers 8 und 10 mit „Huld“ übersetzt wird, lautet hesed. Damit ist die mit einem Bund einhergehende Liebe gemeint, die der Herr für sein Volk hat.
Präsident Russell M. Nelson hat erklärt: „Weil Gott denjenigen, die mit ihm einen Bund geschlossen haben, hesed entgegenbringt, liebt er sie. Er nimmt sich ihrer weiterhin an und bietet ihnen Gelegenheiten, sich zu ändern. Er vergibt ihnen, wenn sie umkehren. Sollten sie vom Weg abirren, hilft er ihnen, den Weg zu ihm zurück zu finden.“
Was hat der Herr Fremden und Eunuchen verheißen?
In der Einheitsübersetzung der Bibel bezieht sich das Wort „Fremder“ oft auf Nichtisraeliten, die unter dem Bundesvolk lebten. Diese Fremden genossen zwar einen gewissen gesetzlichen Schutz, durften aber an bestimmten religiösen Bräuchen nicht teilnehmen. So durften sie etwa nicht den Tempelhof betreten, um Gott zu verehren. Eunuchen waren entmannte Männer, die oft eine vertrauenswürdige Position an einem königlichen Hof bekleideten. Sie waren auch darin eingeschränkt, unter den Israeliten Gott zu verehren.
In Jesaja 56 stellt der Herr klar: Wenn Eunuchen und Fremde „an [seinem] Bund festhalten“, haben sie Anspruch auf die gleichen Segnungen und Vorzüge wie die anderen Israeliten. Diesen Außenseitern die Vorzüge des Bundes zu gewähren, bedeutete eine radikale Abkehr von der vorherrschenden Einstellung zu jener Zeit.
Mehr dazu
Bekleide dich mit deiner Macht, mit deinen Prunkgewändern
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David A. Bednar, „Bekleide dich mit deiner Macht, Zion!“, Liahona, November 2022
Das Leiden und das Sühnopfer Jesu Christi
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Dallin H. Oaks, „Gestärkt durch das Sühnopfer Jesu Christi“, Liahona, November 2015
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„Das Leiden des Erretters“, Für eine starke Jugend, April 2022
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Donald W. Parry, „Christus und die Kultur des Alten Testaments“, Liahona, Februar 2010
Mach den Raum deines Zeltes weit und deine Zeltpflöcke fest
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„Enlarge the Place of Thy Tent“, Ensign, April 2015
Medien
Video
„The Savior Understands Me“ (3:37; in englischer Sprache)
Musik
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„Getsemani“, Gesangbuch – für zuhause und für die Kirche
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„Isaiah Said“, Hymns – For Home and Church
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„Let Zion in Her Beauty Rise“, Hymns, Nr. 41
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„Herr, unser Erlöser“, Gesangbuch, Nr. 5
Bilder
Gemälde vom rennenden Elija, Darstellung von Robert T. Barrett
Wie anmutig auf den Bergen, Darstellung von Eva Timothy
Kyrus gibt die Gefäße des Tempels zurück, Darstellung von Gustave Doré
Die Verspottung Christi, Darstellung von Carl Bloch
Christus und Pilatus: Seht, der Mensch!, Darstellung von Marcus Vincent