Hilfen für das Schriftstudium
Ester
Nachdem der Perserkönig Artaxerxes seine erste Frau Waschti entthront hat, erwählt er Ester zur Königin. Ester hält ihre jüdische Abstammung auf Anraten ihres Vormunds Mordechai geheim, der Beamter am Hof des Artaxerxes ist. Mordechai beleidigt Haman, den Berater des Königs, der daraufhin einen Plan schmiedet, alle Juden im Reich töten zu lassen. Ester riskiert ihr Leben, als sie ohne Aufforderung vor den König tritt und Hamans Plan aufdeckt. Esters Einschreiten rettet ihr Volk. Das Blatt wendet sich: Haman wird hingerichtet und Mordechai geehrt.
Material
Hinweis: Wird eine Quelle zitiert, die nicht von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage herausgegeben wurde, bedeutet dies nicht, dass diese Quelle oder ihr Verfasser von der Kirche unterstützt wird oder den offiziellen Standpunkt der Kirche vertritt.
Hintergrund und Kontext
Was ist das Buch Ester?
Im Buch Ester wird die Geschichte von Königin Ester erzählt, die ihr Leben riskierte, um ihr Volk vor der Vernichtung zu retten. Die Ereignisse in diesem Buch spielen zur Zeit der Herrschaft von König Artaxerxes, gemeinhin als Xerxes I. bekannt, der Persien von 486 bis 465 v. Chr. regierte. Zwar waren einige Juden nach der Eroberung Babylons durch König Kyrus im Jahr 539 v. Chr. nach Jerusalem zurückgekehrt, doch viele blieben im Exil, so auch Ester. Der Bericht beschreibt, wie Ester Königin von Persien wurde und vor dem Dilemma stand, dass sie und ihr ganzes Volk hingerichtet werden könnten. Er schildert auch den Ursprung des jüdischen Purimfestes und zeigt auf, wie es zu begehen ist.
Zwar wird Gott im Buch Ester nicht direkt erwähnt, doch wird er darin stillschweigend vorausgesetzt, denn die Erzählung geht von einer schicksalhaften Vorsehung aus und das Fasten um Rettung wird erwähnt. Aufgrund von Unsicherheit hinsichtlich der historischen Genauigkeit stellen einige Wissenschaftler die Aufnahme des Buches Ester in die Bibel in Frage.
Das Buch Ester kann wie folgt unterteilt werden:
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Ester 1 und 2: König Artaxerxes ist über Königin Waschtis Verhalten verärgert und entthront sie. Artaxerxes erwählt Ester als neue Königin.
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Ester 3 bis 5: Nachdem Mordechai sich weigert, sich vor ihm zu verneigen, schmiedet Haman einen Plan, um alle Juden im Reich zu vernichten. Ester riskiert ihr Leben und geht zum König, ohne gerufen worden zu sein. Der König empfängt sie freundlich und willigt ein, mit Ester an einem Festmahl mit Haman teilzunehmen.
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Ester 6 bis 8: Ester erzählt dem König von Hamans Plan, die Juden töten zu lassen. Der König lässt Haman hängen, ehrt Mordechai und gewährt ihm und Ester, den Erlass zur Vernichtung der Juden zu widerrufen.
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Ester 9 und 10: Die Juden erhalten vom König die Erlaubnis, ihre Feinde im Reich zu töten. Sie führen das Purimfest ein, an dem der wundersamen Befreiung vom Plan Hamans gedacht wird.
Wo war Susa?
Ester lebte in Susa, einer der Hauptstädte des Persischen Reiches. Sie befand sich im heutigen westlichen Iran, etwa 325 Kilometer östlich des alten Babylon. Susa war auch der Ort, wo Nehemia dem König Artaxerxes als Mundschenk diente und wo Daniel eine Vision hatte.
Landkarten zur Bibel, Nr. 7, „Das Persische Reich“
Warum wurde Ester Hadassa genannt?
Wie andere verbannte Juden in Persien hatte Ester sowohl einen hebräischen als auch einen persischen Namen. Hadassa war ihr hebräischer Name und bedeutet „Myrte“. Ihr persischer Name Ester bedeutet „Stern“.
Warum saß Mordechai am Tor des königlichen Palastes?
Das Tor des königlichen Palastes war ein Versammlungsort am Eingang zum königlichen Anwesen. Am Tor des königlichen Palastes zu sitzen bedeutete, dass man eine offizielle Stellung zum Schutz des Königs innehatte. In dem Bericht wird wiederholt erwähnt, dass Mordechai in dieser Funktion diente, unter anderem, als er mitbekam, wie die Leibwächter planten, den König zu ermorden.
Warum mag Mordechai sich geweigert haben, vor Haman niederzufallen?
Das Niederfallen vor einem politischen Vorgesetzten war nach dem Gesetz des Mose nicht verboten. Ein Detail aus dem Text könnte jedoch erklären, warum Mordechai sich weigerte, vor Haman niederzufallen. In dem Bericht wird Haman als Agagiter bezeichnet, was wahrscheinlich bedeutet, dass er ein Nachkomme des amalekitischen Königs Agag war. Die Amalekiter waren langjährige Feinde der Israeliten. Mordechais Weigerung, vor Haman niederzufallen, und Hamans Entschlossenheit, die Juden töten zu lassen, mag der historischen Feindseligkeit zwischen diesen beiden Volksgruppen geschuldet gewesen sein.
Was bedeutete es, „das Pur zu werfen“?
Um festzulegen, an welchem Tag alle Juden in Persien getötet werden sollten, warfen Haman und seine Begleiter das Pur, also das Los. Das Los zu werfen, war im alten Nahen Osten eine gängiger Brauch, um Entscheidungen zu treffen oder das Schicksal zu bestimmen. Normalerweise warf man dabei kleine Gegenstände wie Steine, Knochen oder Elfenbein. Das jüdische Purimfest hat seinen Namen von Pur, dem persischen Wort für „Los“.
Warum zerriss Mordechai seine Kleider und hüllte sich in Sack und Asche?
In biblischen Zeiten war es üblich, Leid und Trauer auszudrücken, indem man sich die Kleidung zerriss, Sackleinen trug und sich Asche oder Staub auf den Kopf streute. Sackleinen war ein grober Stoff, aus dem in der Regel stabile Taschen hergestellt wurden.
Warum probierte Ester keine anderen Möglichkeiten aus, den König über Hamans Plan zu informieren?
Ester wusste, dass sie ihr Leben aufs Spiel setzte, wenn sie vor den König trat, ohne gerufen worden zu sein. Angesichts dieses Risikos fragt sich mancher, warum Ester nicht versucht hat, sich auf offiziellem Wege eine Audienz beim König zu sichern. Eine Möglichkeit ist, dass Ester dies vermied, um zu verhindern, dass ihre Botschaft über Haman weitergeleitet wurde, der ihren Plan zunichtegemacht hätte.
Was meinte Mordechai, als er zu Ester sagte, sie sei „gerade für eine Zeit wie diese jetzt“ Königin geworden?
Mordechai deutete an, dass der Herr vielleicht Ester als Königin eingesetzt hatte, damit sie sein Werkzeug bei der Rettung der Juden sein konnte. Neuzeitliche Führer der Kirche haben Ähnliches in Bezug auf das Wirken des Herrn in unserem Leben erklärt. Elder Neal A. Maxwell hat erklärt, dass nichts, was Gott tut, „Zufall“ ist, sondern sein Handeln stets „göttlicher Vorsehung“ entspringt. Elder Ronald A. Rasband hat bezeugt: „Sie werden von der Hand des Herrn geführt. Mit ‚göttlicher Vorsehung‘ hat er jede noch so kleine Einzelheit Ihres Lebens und auch die großen Meilensteine im Blick.“
Königin Ester, Darstellung von Minerva K. Teichert
Was war das „Buch der Denkwürdigkeiten, die Chronik“?
Das Buch, aus dem die Diener des Königs vorlasen, war ein offizieller Bericht über Ereignisse im Persischen Reich. Dieser Bericht wird auch an anderer Stelle in Ester und in Esra erwähnt. Es wird angedeutet, dass der Einfluss des Herrn den König veranlasste, gerade diesen Teil des Berichts zu lesen, was ihn veranlasste, sich an Mordechais Heldentat zu erinnern, die er einige Jahre zuvor vollbracht hatte.
Warum setzte sich Ester nach Hamans Tod immer noch für die Juden ein?
In dem Text heißt es, dass König Artaxerxes‘ Dekret, mit dem die Vernichtung der Juden angeordnet worden war, nicht rückgängig gemacht werden konnte. Also überredete Ester den König, ein weiteres Dekret zu erlassen, das es den Juden erlaubte, sich vor dem Tag, an dem sie niedergemetzelt werden sollten, zu verteidigen.
Was ist das Purimfest?
Um ihre Befreiung zu feiern, führten die Juden einen neuen Feiertag ein, den sie Purim nannten. Der Name stammt von dem Pur (Los), das Haman geworfen hat, um das Datum für die Vernichtung der Juden zu bestimmen. Auch heute noch begehen Juden das Purimfest. Im Gegensatz zur stillen Andacht an vielen anderen jüdischen Feiertagen soll Purim schwungvoll und ausgelassen sein. Es wird mit Speisen, Musik und anderen Festlichkeiten begangen, zum Beispiel macht man sich gegenseitig Geschenkte und beschenkt die Armen. An Purim versammeln sich Juden traditionell in Kostümen in der Synagoge, wo die gesamte Geschichte von Ester vorgelesen oder nachgespielt wird. Beim Zuhören wird oft jede Erwähnung Hamans mit Buhrufen, Zischen oder Krachmachern übertönt. Wenn der Name Mordechai genannt wird, jubelt das Publikum.
Mehr dazu
Esters Mut
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Thomas S. Monson, „Möget ihr Mut haben“, Liahona, Mai 2009
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Mary Ellen Smoot, „Gerade für diese Zeit“, Der Stern, Januar 1998
Medien
Videos
„Für eine Zeit wie diese“ (13:44)
„Sackcloth“ (00:32; in englischer Sprache)
Bilder
Ester, Darstellung von Dilleen Marsh
Königin Ester rettet Jehovas Volk, Darstellung von Sam Lawlor
Der Glaube von Königin Ester, Darstellung von Sandra Rast
Ester, Darstellung von James Johnson
Ester vor dem König, Darstellung von Minerva K. Teichert