Hilfen für das Schriftstudium
Jesaja 1 bis 12


Hilfen für das Schriftstudium

Jesaja 1 bis 12

Der Erretter hat verkündet: „Groß sind die Worte Jesajas“ (3 Nephi 23:1) und uns geboten, eifrig in Jesajas Prophezeiungen zu forschen. Jesaja war in der zweiten Hälfte des 8. Jahrhunderts v. Chr. ein Prophet im Südreich Juda. Sein geistliches Wirken fand zu der Zeit statt, als Assyrien das Nordreich Israel eroberte und drohte, das Gleiche mit Juda zu tun. Jesaja wurde von Gott in einer Vision berufen. Er übermittelte den Menschen seiner Zeit Botschaften der Warnung, des Gerichts und der Hoffnung. Er verurteilte ihre sündigen Taten, ihren Götzendienst und ihre Ungerechtigkeit und rief das Volk zur Umkehr auf. Jesaja prophezeite auch die Geburt Jesu Christi, die Wiederherstellung des Evangeliums in den Letzten Tagen und das Zweite Kommen des Erretters.

Material

Hinweis: Wird eine Quelle zitiert, die nicht von der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage herausgegeben wurde, bedeutet dies nicht, dass diese Quelle oder ihr Verfasser von der Kirche unterstützt wird oder den offiziellen Standpunkt der Kirche vertritt.

Hintergrund und Kontext

Was ist das Buch Jesaja?

Das Buch Jesaja enthält die Schriften und Prophezeiungen Jesajas, eines Propheten, der in der zweiten Hälfte des achten Jahrhunderts v. Chr. in Jerusalem lebte. Sein Name bedeutet „der Herr ist Errettung“. Dieser Gedanke spiegelt sich auch in seinen Schriften wider. Jesaja lebte in einer Zeit, in der Schlechtigkeit und politische Unruhen weit verbreitet waren. Das assyrische Reich war zu seiner Zeit die dominierende und bedrohlichste politische Macht. In vielen Prophezeiungen Jesajas geht es um die Gefahr, die Assyrien sowohl für das Nordreich Israel als auch für das Südreich Juda darstellte. Jesaja hatte einen besonders starken Einfluss auf König Hiskija von Juda.

Jesaja wird oft in anderen Büchern der heiligen Schriften zitiert – öfter als jeder andere alttestamentliche Prophet. Er sprach ausführlich über das Haus Israel und dessen Wiederherstellung in den Letzten Tagen. Der vielleicht wichtigste Teil von Jesajas Schriften ist sein Zeugnis vom Heiligen Israels, dem verheißenen Messias. Präsident Jeffrey R. Holland hat geschrieben: „Jesaja ist in jeder Hinsicht der Prophet des Alten Testaments, der den Messias ankündigt, und als solcher die eindringlichste prophetische Stimme in diesem Bericht.“ Als der auferstandene Jesus Christus den Nephiten und den Lamaniten auf dem amerikanischen Kontinent erschien, sagte er: „Das Gebot gebe ich euch, hierin eifrig zu forschen; denn groß sind die Worte Jesajas.“

Ein Mann sitzt am Schreibtisch und schreibt auf Schriftrollen

Viele von Jesajas Prophezeiungen sind in dem Sinne dualistisch, dass sich seine Botschaften zu seinen Lebzeiten erfüllten, aber auch Sinnbilder oder Symbole für Ereignisse waren, die sich erst viel später zutragen sollten. Präsident Dallin H. Oaks hat erläutert: „Das Buch Jesaja enthält zahlreiche Prophezeiungen, die sich offenbar mehrfach erfüllen. Einmal scheinen sie sich auf das Volk zur Zeit Jesajas oder auf die Lebensumstände der nachfolgenden Generation zu beziehen. Eine weitere, oft symbolische, Bedeutung scheint sich auf Ereignisse in der Mitte der Zeit zu beziehen. … Außerdem scheinen dieselben Vorhersagen auch auf Ereignisse hinzuweisen, die sich beim Zweiten Kommen des Herrn zutragen werden. Die Tatsache, dass viele dieser Prophezeiungen mehrere Bedeutungen haben können, unterstreicht, dass wir nach Offenbarung vom Heiligen Geist streben müssen, damit er uns hilft, sie auszulegen.“

Das Buch Jesaja lässt sich in folgende Abschnitte unterteilen:

  1. Jesaja 1 bis 12: Jesajas Berufung vom Herrn, seine warnende Botschaft und seine Prophezeiungen über die Zerstörung und Wiederherstellung Judas und Israels

  2. Jesaja 13 bis 23: Prophezeiungen von Gottes Richtersprüchen über schlechte Völker und eine Vision von Israels zukünftiger Bedeutung

  3. Jesaja 24 bis 35: Weitere Prophezeiungen über Gericht und Zerstörung

  4. Jesaja 36 bis 39: Historische Schilderung der assyrischen Invasion Jerusalems mit Parallelen zum Bericht in 2 Könige 18 bis 20

  5. Jesaja 40 bis 48: Verheißungen der Befreiung für die nach Babylon verbannten Juden

  6. Jesaja 49 bis 59: Prophezeiungen über Gottes Knechte, darunter auch über den Messias, der Israel die Errettung bringen würde

  7. Jesaja 60 bis 66: Verheißungen der endgültigen Wiederherstellung Israels, des Zweiten Kommens Jesu Christi und seiner Herrschaft im Millennium

Jesaja 1

Was ist an Jesaja 1 so bedeutsam?

Jesaja 1 wurde wahrscheinlich später geschrieben als viele andere Offenbarungen Jesajas. Es ist ein Prolog oder Vorwort zum Rest des Buches, ähnlich wie Abschnitt 1 im Buch Lehre und Bündnisse. In Kapitel 1 wird eine wichtige Aussage aus Jesaja zusammengefasst: Wenn Gottes Volk seinen Bund bricht, verliert es seine Segnungen und seinen Schutz. Doch wenn es zu ihm zurückkehrt, vergibt er ihm und segnet es über alle Maßen.

Jesaja 1:18

Was können wir aus der Symbolik von Scharlach, Purpur, Schnee und Wolle lernen?

Jesaja verglich Israels Sünden mit Scharlach und Purpur – Rottöne, die von Farbstoffen kommen. Er bat sein Volk inständig, sich zu waschen und zu reinigen. Jesaja bezeugte, dass die scharlach- und purpurroten Sünden des Volks „weiß wie Schnee“ und „wie Wolle“ werden könnten. Diese eindrucksvolle Bildsprache kann uns daran erinnern, dass die Sünden derer, die umkehren, „durch das Blut des Lammes weißgewaschen“ werden können.

Über diese Symbole hat Sharon Eubank, ehemals Mitglied der Präsidentschaft der Frauenhilfsvereinigung der Kirche, Folgendes gesagt: „Das Scharlachrot, das im Alten Testament als Färbemittel erwähnt wird, war nicht nur eine kräftige Farbe, sondern auch farbecht. Das heißt, die leuchtende Farbe blieb an der Wolle haften und verblasste nicht, ganz gleich, wie oft man sie wusch. Der Satan schüchtert uns mit diesem Vergleich ein: Weiße Wolle, die scharlachrot gefärbt wurde, kann nie wieder weiß werden. Doch Jesus Christus hat verkündet: ‚Hoch erhaben sind meine Wege über eure Wege.‘ [Jesaja 55:9.] Das Wunder seiner Gnade besteht darin, dass sein scharlachrotes Blut uns wieder rein macht, wenn wir von unseren Sünden umkehren. Es ist nicht logisch nachvollziehbar, aber dennoch wahr.“

Scharlachrot gefärbtes Tuch

Jesaja 2:1-3

Was ist der „Berg des Hauses des Herrn“?

Jesajas Prophezeiung erfüllt sich in mehrfacher Hinsicht. In ihrem unmittelbaren Zusammenhang weist sie auf eine Zeit hin, da der Herr in den Letzten Tagen seinen Tempel in Jerusalem errichten wird und Menschen aus allen Nationen herbeikommen werden, um Gott dort zu verehren. Neuzeitliche Propheten haben erklärt, dass sich diese Prophezeiung auch auf die Wiederherstellung der Kirche Jesu Christi und die Errichtung von Tempeln in aller Welt bezieht.

Jesaja 2:3

Was ist mit der Formulierung „Denn vom Zion zieht Weisung aus und das Wort des Herrn von Jerusalem“ gemeint?

Hier wird eine Form der hebräischen Dichtung verwendet, die als Parallelismus bekannt ist. In zwei Zeilen wird der gleiche Gedanke mit unterschiedlichen Worten ausgedrückt. Im Alten Testament wird das Wort Zion als Synonym für Jerusalem und den Tempelberg verwendet. Jesajas Prophezeiung weist darauf hin, dass in den Letzten Tagen das Wort des Herrn und sein heiliges Gesetz von Jerusalem ausgehen werden, wo der Tempel gebaut werden wird.

Jesajas Prophezeiung kann sich auch auf das Neue Jerusalem beziehen, das auf dem amerikanischen Kontinent errichtet werden wird und von dem aus Christus während des Millenniums regieren wird. Präsident Joseph Fielding Smith hat über diese beiden Städte Folgendes gesagt: „Das alte Jerusalem … soll eine heilige Stadt werden, wo der Herr wohnen wird und von wo er sein Wort an alle Völker aussenden wird. Gleichermaßen wird auf diesem Kontinent [Amerika] die Stadt Zion, das neue Jerusalem, gebaut werden, und auch von dort soll das Wort des Herrn ausgehen.“

Jesaja 3 und 4

Wer waren die „Töchter Zions“?

Die meisten Wissenschaftler sind sich einig, dass der Ausdruck Tochter Zion im Singular sich auf die Menschen in Jerusalem und Juda bezieht. Die Pluralform „Töchter Zions“ kommt im Alten Testament nur wenige Male vor. Sie kann eine andere Bedeutung haben als die Singularform und sich möglicherweise speziell auf die Frauen von Jerusalem oder die Bewohner des Nord- und des Südreichs beziehen. Unabhängig davon, was genau gemeint war, zeigt Jesajas Beschreibung der Töchter Zions, dass das Volk mittlerweile von Stolz und Überheblichkeit geprägt war.

Jesaja prophezeite, dass der Herr schließlich „den Kot der Töchter Zions“ abwaschen werde. Anstatt Israel im Stich zu lassen, ohne dass sich jemand um sein Volk kümmerte, wollte Gott weiterhin seinem Bund mit ihm treu bleiben. Jesaja prophezeite, dass der Herr in den Letzten Tagen mitten in Israel sein und ihm Schutz und Zuflucht bieten werde.

Jesaja 5:25

Was meint Jesaja, wenn er sagt, dass die Hand des Herrn „ausgestreckt [bleibt]“?

Die Formulierung „bei alldem hat sein Zorn sich nicht abgewandt und noch bleibt seine Hand ausgestreckt“ kommt in den ersten Kapiteln des Buches Jesaja mehrmals vor. In jedem dieser Fälle wird diese Formulierung mit der Bestrafung der Schlechten in Verbindung gebracht. Jesaja nutzte diese Formulierung, um zu betonen, dass Gottes Hand zum Gericht ausgestreckt bleiben werde, da frühere Strafen Israel nicht zur Umkehr gebracht hätten. Diese Schriftstellen zeigen vielleicht auch, dass mit den ausgestreckten Händen und Armen des Herrn seine Barmherzigkeit beschrieben wird.

Jesaja 6:2

Was sind Serafim?

Serafim sind engelhafte Wesen, die am Hof Gottes dienen. Die Flügel der Serafim sind ein Symbol für ihre Macht, sich zu bewegen oder zu handeln.

Jesaja 6:9,10

Hat der Herr Jesaja geboten, auf eine Weise zu unterweisen, die das Volk nicht verstehen würde?

Die Übersetzung von Vers 9 und 10 erweckt den Anschein, als sei Jesaja geboten worden, auf eine Weise zu prophezeien, die dazu führen würde, dass das Volk sein Herz verhärten und geistig taub und blind werden würde. Einige Wissenschaftler glauben, dass diese Verse den gegenwärtigen geistigen Zustand des Volkes beschreiben, während andere glauben, dass sie eine Prophezeiung darüber sind, wie das Volk auf Jesajas Botschaft reagieren würde. Eine andere Möglichkeit wäre, dass der Herr Jesaja anwies, seine Botschaft so vorzutragen, dass diejenigen mit verhärtetem Herzen sie nicht verstehen würden, diejenigen, die geistig vorbereitet waren, aber schon.

Jesaja 7:1-9

Was geschah zwischen Ahas, Rezin und Pekach?

Im Jahr 735 v. Chr. dehnte sich das Assyrische Reich rasch aus und stellte eine wachsende Bedrohung für die benachbarten Reiche dar. Dazu gehörten das Nordreich Israel (auch bekannt als Efraim) und das Reich Syrien (auch bekannt als Aram). Daraufhin schlossen Pekach, der König des Nordreichs, und Rezin, der König von Aram, ein Bündnis, um ihre Reiche gegen Assyrien zu verteidigen. Sie drängten Ahas, den König des Südreichs, sich ihnen anzuschließen, aber dieser lehnte ab. Zur Vergeltung griffen Pekah und Rezin Ahas’ Reich an, um Ahas durch einen Herrscher zu ersetzen, der sich ihrem Bündnis anschließen würde. In dieser Zeit prophezeite Jesaja dem König Ahas.

Siehe auch „2 Könige 16:7-9. Warum bat König Ahas die Assyrer um Hilfe?“

Jesaja 7:10-16

Welches Zeichen wurde Ahas gegeben?

Jesaja drängte Ahas und das Volk Juda, auf den Herrn zu vertrauen, um von den Heeren Pekachs (König von Israel) und Rezins (König von Aram) befreit zu werden. Er riet Ahas auch, Assyrien nicht um Hilfe zu bitten. Um Ahas’ Glauben an die Prophezeiung zu stärken, verhieß der Herr ein Zeichen: „Siehe, die Jungfrau hat empfangen, sie gebiert einen Sohn und wird ihm den Namen Immanuel geben.“ Das hebräische Wort, das mit „Jungfrau“ übersetzt wird, kann auch einfach eine junge Frau im heiratsfähigen Alter bedeuten. Der Herr versicherte Ahas, dass Pekah und Rezin vernichtet werden würden, bevor das Kind erwachsen würde.

Trotz Jesajas Rat entschied sich Ahas dafür, Assyrien um Hilfe zu bitten. So geriet Juda unter assyrische Herrschaft. Jesajas Prophezeiung begann sich im Jahr 732 v. Chr. zu erfüllen, als Assyrien das Bündnis zwischen Pekach und Rezin zerstörte und Damaskus in Aram (heutiges Syrien) und Teile des Reiches Israel eroberte.

Über den unmittelbaren historischen Kontext hinaus ist die Prophezeiung über Immanuel von tieferer Bedeutung. Im Matthäusevangelium wird sie als Prophezeiung über die Geburt Jesu Christi durch die Jungfrau Maria bezeichnet. Der Name Immanuel bedeutet „Gott mit uns“.

Maria hält das Jesuskind im Arm

Denn ein Kind wurde uns geboren, ein Sohn wurde uns geschenkt. (Jesaja 9:5.)

Jesaja 8:18

Was ist an den Namen der Söhne Jesajas so bedeutsam?

Jesaja hat verkündet: „Ich und die Kinder, die der Herr mir gegeben hat, sind zu Zeichen und Mahnmalen in Israel geworden.“ Die Namen Jesajas und seiner Söhne enthielten symbolische Botschaften, die die Erinnerung an Jesajas Prophezeiungen an das Volk wachhielten. Maher-Schalal-Hasch-Bas („schnelle Beute“, „rascher Raub“) deutete die Vernichtung an, die dem Volk bevorstand, wenn es in seiner Schlechtigkeit verharrte. Schear-Jaschub („der Überrest wird zurückkehren“) wies auf die spätere Sammlung Israels hin – zurück ins verheißene Land und zu Gottes immerwährendem Bund. Der Name Jesaja („Jehova ist Errettung“) stand für die Macht Jesu Christi, sein Volk zu erretten.

Jesaja 8:23; 9:1-6

Was meinte Jesaja, als er sagte: „Denn ein Kind wurde uns geboren“?

In Jesaja 8:23 prophezeite Jesaja eine Zeit des „Dunkels“ und der „Bedrängnis“. Wahrscheinlich meinte er damit die assyrischen Invasionen im Nordreich Israel im Jahr 732 v. Chr. Diese Invasionen stellten sowohl für das Nordreich als auch für das Südreich Juda eine erhebliche Bedrohung dar. Trotz dieser Gefahren prophezeite Jesaja „ein helles Licht“ und die Geburt eines Kindes, das Frieden und Gerechtigkeit bringen werde.

Im unmittelbaren Zusammenhang könnte sich diese Prophezeiung auf die Geburt König Hiskijas bezogen haben. Als Hiskija König von Juda wurde, brachte er dem Volk geistiges Licht, indem er es dazu brachte, sich vom Götzendienst abzuwenden und auf den Herrn zu vertrauen. Während der Herrschaft Hiskijas entging das Volk in Jerusalem durch ein Wunder der Vernichtung durch die Assyrer. Vor allem ist Jesus Christus die göttliche und endgültige Erfüllung von Jesajas Prophezeiung. Er ist das helle Licht, das für immer als König der Könige „auf dem Thron Davids“ sitzen wird.

Präsident Russell M. Nelson hat gesagt:

„Wie der Prophet Jesaja prophezeit hat und wie Händels Messias uns stets in Erinnerung ruft: Wenn Jesus Christus zurückkehrt, ‚offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alles Fleisch wird sie sehen‘ [Jesaja 40:5].

An jenem Tag wird ‚die Herrschaft … auf seine Schulter gelegt. Man [ruft] seinen Namen aus: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens‘ [Jesaja 9:5].“

Der Prophet Jesaja sagt die Geburt Christi vorher

Der Prophet Jesaja sagt die Geburt Christi vorher, Darstellung von Harry Anderson

Jesaja 10

Was prophezeite Jesaja über Assyrien?

Jesaja prophezeite in Jesaja 10 die Vernichtung Assyriens. Assyrien war eine dominierende Macht, die schließlich das Nordreich Israel eroberte und dessen Volk zerstreute. Assyrien stellte auch für das Südreich Juda eine ernste Bedrohung dar. Jesaja prophezeite, dass das assyrische Heer in Juda einfallen würde, und listete sogar die Namen der Städte auf, die entlang seines Weges fallen würden. Dann beschrieb er, wie sich das Heer Jerusalem nähern und so weit vorrücken werde, dass es „seine Hand gegen den Berg der Tochter Zion“ schwingen werde.

Trotz der Tatsache, dass Jerusalem kurz vor der Vernichtung stehen würde, prophezeite Jesaja, dass der Herr eingreifen und sein Volk retten würde. Er verglich Assyrien mit einem Wald aus Bäumen, der gerodet werden würde. Eine Erfüllung dieser Prophezeiung ereignete sich während der Regierungszeit König Hiskijas, als ein Heer von 185.000 Assyrern drohte, Jerusalem zu zerstören. Doch bevor die Assyrer mit ihrem Angriff begannen, ließ der Herr eine Plage über das assyrische Lager kommen, und Jerusalem blieb auf wundersame Weise verschont. Einige Jahrzehnte später wurde Assyrien von Babylon erobert und existierte als Reich nicht mehr.

Jesaja 11:1-9

Was sind der „Baumstumpf Isais“ und der Trieb, der daraus gewachsen ist?

Jesajas Prophezeiung erfüllt sich in mehrfacher Hinsicht. In gewisser Hinsicht kann Jesaja 11:1 als Synonymparallelismus angesehen werden, eine Form der hebräischen Dichtung, bei der der zweite Teil eines Satzes die Bedeutung des ersten Teils verstärkt. In diesem Fall kann Reis mit Trieb und Baumstumpf mit Wurzeln gleichgesetzt werden. Mit anderen Worten: Jesaja prophezeite von einem Reis oder einem Trieb, der aus einem Baumstumpf oder einer Baumwurzel wachsen würde. Dies erfüllte sich durch Jesus Christus, der ein Trieb war, der aus den Wurzeln Isais gewachsen war. Isai war der Vater von König David und ein Vorfahre von Jesus Christus.

Die heiligen Schriften der Wiederherstellung helfen uns, eine weitere Erfüllung der Prophezeiung Jesajas zu verstehen. Am Abend des 21. September 1823 erschien der Engel Moroni dem 17-jährigen Joseph Smith und erzählte ihm von dem Werk, das Gott für Joseph vorgesehen habe. Im Rahmen dieser Erscheinung zitierte Moroni zahlreiche Prophezeiungen aus dem Alten Testament, darunter auch Jesaja 11. Er sagte Joseph, die Erfüllung dieser Prophezeiung „stehe soeben bevor“. Fast 15 Jahre später, im März 1838, stellte der Prophet Joseph Smith Fragen zu Jesaja 11. In seinen inspirierten Antworten, die in Lehre und Bündnisse 113 stehen, werden einige Elemente dieser Prophezeiung erläutert.

Aus Lehre und Bündnisse 113:1,2 geht hervor, dass „der Baumstumpf [also der Stamm] Isais“ Jesus Christus ist. In Vers 3-6 wird erklärt, dass derjenige, der durch Reis und Wurzel symbolisiert wird, ein Nachkomme Isais und Efraims ist, der die „Schlüssel des Reiches … und zur Sammlung [des] Volkes [des Herrn] in den letzten Tagen“ innehat. Wahrscheinlich ist damit der Prophet Joseph Smith gemeint.

Zeichnung eines Baumstumpfes

Jesaja 11:10-12

Was ist das „Feldzeichen für die Nationen“?

Zur Zeit Jesajas war ein Feldzeichen eine Flagge oder ein Banner, das ein Heer mit sich führte und das zeigte, welcher Nation es angehörte. Das Feldzeichen wurde während der Schlacht hochgehalten, damit sich die Soldaten des Heeres darunter sammeln oder hinter ihm hermarschieren konnten. Das Feldzeichen, von dem in Jesaja 11:10 die Rede ist und nach dem die Völker einst fragen würden, ist der immerwährende Bund, also das Evangelium Jesu Christi. Die wiederhergestellte Kirche Jesu Christi ist ein Feldzeichen, um das zerstreute Israel für ihn zu sammeln und zu ihm zurückzubringen.

Jesaja 11:16

Was könnte die „Straße für den Rest“ darstellen?

Jesaja sprach von einer Straße, die die zerstreuten Stämme zurück nach Israel führen sollte. Es ist zwar möglich, dass Jesaja sich auf eine physische Straße bezog, aber er könnte auch symbolisch den engen und schmalen Weg der Bündnisse gemeint haben.

Mehr dazu

Hilfen zum besseren Verständnis von Jesaja

Sünden rot wie Scharlach sollen weiß werden wie Schnee

  • „Scarlet, Crimson, Snow, and Wool“, New Era, Februar 2016

Denn ein Kind wurde uns geboren

Ein Feldzeichen für die Nationen

  • „An Ensign to the Nations“, Ensign, September 2018

Medien

Musik

Videos

„Jesaja prophezeite von Christus“ (4:51)

4:51

„Understanding Isaiah and Other Challenging Scriptures“ (3:03; in englischer Sprache)

3:1

Bilder

Ein Schaubild der Reiche Israel und Juda
Der Prophet Jesaja

Jesaja, Darstellung von Ted Henninger

Abidjan-Tempel in der Elfenbeinküste
Karte des Heiligen Landes
Der kleine Jesus schläft in eine weiße Decke gewickelt in einem Bett aus Heu

Denn uns ist ein Kind geboren, Darstellung von Simon Dewey

Der Engel Moroni erscheint Joseph Smith

Der Engel Moroni erscheint Joseph Smith, Darstellung von Tom Lovell

Anmerkungen

  1. Siehe RoseAnn Benson und Shon D. Hopkin, „Finding Doctrine and Meaning in Book of Mormon Isaiah“, Religious Educator, 15. Jahrgang, Nr. 1, 2014, S. 107; siehe auch Bible Dictionary, Stichwort „Isaiah“; Jesaja 12:2,3

  2. Siehe Schriftenführer, Stichwort „Jesaja“, Archiv Kirchenliteratur; siehe auch Richard Neitzel Holzapfel et al., Jehovah and the World of the Old Testament: An Illustrated Reference for Latter-day Saints, 2009, S. 294

  3. Siehe Bible Dictionary, Stichwort „Isaiah“. Jesaja ist der am häufigsten zitierte Prophet im Neuen Testament wie auch im Buch Mormon und im Buch Lehre und Bündnisse (siehe Russell M. Nelson, „Remnants Gathered, Covenants Fulfilled“, in: Sperry Symposium Classics: The Old Testament, Hg. Paul Y. Hoskisson, 2005, S. 5ff.); siehe auch 3 Nephi 23:1-3; 2 Nephi 25:7,8

  4. Jeffrey R. Holland, Christ and the New Covenant: The Messianic Message of the Book of Mormon, 1997, S. 75

  5. 3 Nephi 23:1

  6. Dallin H. Oaks, „Scripture Reading and Revelation“, Ensign, Januar 1995, S. 8

  7. Viele Wissenschaftler sind der Ansicht, dass die Kapitel 40 bis 66 in Jesaja von jemand anderem als Jesaja verfasst worden sein könnten. Sie weisen auf Unterschiede in Sprache, Schreibstil und Themen im Vergleich zu Kapitel 1 bis 39 hin. Auch wenn wir durch bloßes Studium nicht beweisen können, wer das Buch Jesaja geschrieben hat, können wir doch darauf vertrauen, dass es inspirierte heilige Schrift ist. Neuzeitliche Propheten und Apostel verwenden das Buch Jesaja beim Unterweisen und zitieren oft daraus in ihren Botschaften. Zudem enthält das Buch Mormon Auszüge aus der ersten und zweiten Hälfte des Buches Jesaja. Aus diesem Grund glauben viele Wissenschaftler, die der Kirche Jesu Christi angehören, dass Jesaja das ganze Buch geschrieben hat (siehe Kerry Muhlestein, Learning to Love Isaiah, 2021, S. 2f.; Holzapfel et al., Jehovah and the World of the Old Testament, S. 295; D. Kelly Ogden und Andrew C. Skinner, Verse by Verse: The Old Testament, Band 2, 2013, S. 253f.). Andere Wissenschaftler, die der Kirche angehören, bieten zusätzliche Perspektiven im Hinblick auf die Frage, ob Jesaja der Autor ist (siehe Joshua M. Sears, „Deutero-Isaiah in the Book of Mormon: Latter-day Saint Approaches“, in: They Shall Grow Together: The Bible in the Book of Mormon, Hg. Charles Swift und Nicholas J. Frederick, 2022, S. 365–392).

  8. Siehe Schriftenführer, Stichwort „Jesaja“, Archiv Kirchenliteratur; Jeffrey R. Chadwick, „The Great Jerusalem Temple Prophecy: Latter-day Context and Likening unto Us“, in: Ascending the Mountain of the Lord: Temple, Praise, and Worship in the Old Testament, Hg. David Rolph Seely et al., 2013, S. 368f.

  9. Siehe Muhlestein, Learning to Love Isaiah, S. 11

  10. Siehe „Scarlet, Crimson, Snow, and Wool“, New Era, Februar 2016, S. 8f.

  11. Alma 13:11. Siehe auch Offenbarung 7:14; Terry B. Ball, „Isaiah and the Messiah“, in: Jesus Christ: Son of God, Savior, Hg. Paul H. Peterson et al., 2002, S. 88

  12. Sharon Eubank, „Christus – das Licht, das in der Finsternis leuchtet“, Liahona, Mai 2019, S. 75

  13. Siehe Chadwick, „The Great Jerusalem Temple Prophecy“, S. 371–374. Dieselben Verse finden sich auch in Micha 4:1-5. Es ist nicht bekannt, ob sie zuerst Jesaja oder Micha offenbart wurden.

  14. Siehe Gary E. Stevenson, „Unvergessliche Tage“, Liahona, November 2024, S. 90; Ronald A. Rasband, „Die Erfüllung von Prophezeiung“, Liahona, Mai 2020, S. 76f.; Jeffrey R. Holland, „Den Völkern ein Zeichen“, Liahona, Mai 2011, S. 111; Bruce R. McConkie, The Millennial Messiah: The Second Coming of the Son of Man, 1982, S. 275. Präsident Gordon B. Hinckley hat über Jesaja 2:2-5 gesagt: „Ich glaube, dass sich diese Prophezeiung auf den historischen, wundervollen Salt-Lake-Tempel bezieht. Aber ich glaube auch, dass sie sich auf dieses schöne [Konferenzzentrum] bezieht. Denn von diesem Pult aus wird das Gesetz des Herrn - in Verbindung mit dem Wort und dem Zeugnis des Herrn – ausgehen.“ („Dieses großartige Millenniumsjahr“, Liahona, Januar 2001, S. 82.)

  15. Siehe Chadwick, „The Great Jerusalem Temple Prophecy“, S. 374f.

  16. Siehe Schriftenführer, Stichwort „Neues Jerusalem“ und „Zion“, Archiv Kirchenliteratur

  17. Doctrines of Salvation, Hg. Bruce R. McConkie, 1956, 3:69–71; siehe auch Russell M. Nelson, „Der Herr Jesus Christus wird wiederkommen“, Liahona, November 2024 S. 121, einschließlich der Schriftstellen in Anmerkung 6

  18. Siehe Jesaja 3:16-24; 4:4; Hohelied 3:11

  19. Siehe Donald W. Parry et al., Understanding Isaiah, 1998, S. 43, Anmerkung zu Jesaja 3:16; siehe auch Adele Berlin und Marc Zvi Brettler, Hg., The Jewish Study Bible, 2. Auflage, 2014, S. 773, Anmerkung zu Jesaja 3:16 bis 4:1; Ball, „Isaiah and the Messiah“, S. 91–94. Jesajas Beschreibung des Stolzes der Töchter Zions folgt auf seine Beschreibung des Stolzes und der Missetaten der Männer in Juda (siehe Jesaja 2:10-22).

  20. Jesaja 4:4

  21. Siehe Jesaja 4:1

  22. Siehe Jesaja 4:5,6; siehe auch Muhlestein, Learning to Love Isaiah, S. 38, Anmerkung zu Jesaja 4:5,6

  23. Siehe Jesaja 5:25; 9:11,16,20; 10:4

  24. Siehe John Gee, „A Different Way of Seeing the Hand of the Lord“, Religious Educator, 16. Jahrgang, Nr. 2, 2015, S. 113f.

  25. Siehe 2 Nephi 28:32; Jakob 6:4; Alma 5:33; 3 Nephi 9:14; siehe auch Jeffrey R. Holland, „Es sind wiederum Propheten im Land“, Liahona, November 2006, S. 106f.

  26. Siehe Bible Dictionary, Stichwort „Seraphim“

  27. Siehe Lehre und Bündnisse 77:4

  28. Siehe Paul Y. Hoskisson, „A Latter-day Saint Reading of Isaiah: The Example of Isaiah 6“, in: Sperry Symposium Classics: The Old Testament, Hg. Paul Y. Hoskisson, 2005, S. 215f.

  29. Siehe Berlin und Brettler, The Jewish Study Bible, S. 779f., Anmerkung zu Jesaja 6:8-10

  30. Siehe Muhlestein, Learning to Love Isaiah, Seite 55f., Anmerkung zu Jesaja 6:9,10

  31. Siehe Holzapfel et al., Jehovah and the World of the Old Testament, S. 296; siehe auch „2 Könige 16:7.Wer waren die Assyrer?“

  32. Siehe Jesaja 7:3-17

  33. Jesaja 7:14. Die Identität der jungen Mutter ist unbekannt. Manche meinen, sie könnte Jesajas Frau gewesen sein. Andere vermuten, dass sie die Frau von König Ahas war (siehe Jason R. Combs, „‚From King Ahaz’s Sign to Christ Jesus‘: The ‚Fulfillment‘ of Isaiah 7:14“, in: Prophets and Prophecies of the Old Testament, Hg. Aaron P. Schade et al., 2017, S. 101–105).

  34. Combs, „From King Ahaz’s Sign to Christ Jesus“, S. 104

  35. Siehe Jesaja 7:15,16

  36. Siehe Holzapfel et al., Jehovah and the World of the Old Testament, S. 296

  37. Siehe Matthäus 1:18-25

  38. Schriftenführer, Stichwort „Immanuel“, Archiv Kirchenliteratur

  39. Jesaja 8:18

  40. Jesaja 8:1; siehe auch Jesaja 8:1-4

  41. Jesaja 7:3

  42. Benson und Hopkin, „Finding Doctrine and Meaning in Book of Mormon Isaiah“, S. 107

  43. Jesaja 8:23

  44. Siehe Holzapfel et al., Jehovah and the World of the Old Testament, S. 294

  45. Jesaja 9:1

  46. Siehe Jesaja 9:5,6

  47. Siehe Berlin und Brettler, The Jewish Study Bible, S. 784, Anmerkung zu Jesaja 9:1-6

  48. Siehe 2 Könige 18 und 19; „2 Könige 18:7-13. Warum lehnte sich Hiskija gegen Assyrien auf?“; „2 Könige 19. Wie hat der Prophet Jesaja Hiskija geholfen?“

  49. Siehe Matthäus 4:12-16; Johannes 1:5

  50. Jesaja 9:6

  51. Russell M. Nelson, „Der Herr Jesus Christus wird wiederkommen“, S. 121

  52. Siehe 2 Könige 17; siehe auch „2 Könige 17:5-23. Was geschah mit den Stämmen Israels, nachdem sie von Assyrien besiegt worden waren?“

  53. Siehe Jesaja 10:28-32

  54. Jesaja 10:32

  55. Siehe Jesaja 10:33,34

  56. Siehe 2 Könige 19; Jesaja 37; siehe auch „2 Könige 19. Wie hat der Prophet Jesaja Hiskija geholfen?“

  57. Siehe Holzapfel et al., Jehovah and the World of the Old Testament, S. 285f.

  58. Siehe RoseAnn Benson, „Joseph Smith and the Messiah: Prophetically Linked“, Religious Educator, 3. Jahrgang, Nr. 3, 2002, S. 69

  59. Siehe Schriftenführer, Stichwort „Isai“, Archiv Kirchenliteratur

  60. Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:40; siehe auch Joseph Smith – Lebensgeschichte 1:33-41

  61. Lehre und Bündnisse 113:6

  62. Siehe Bruce R. McConkie, The Millennial Messiah, S. 339f.

  63. Siehe Schriftenführer, Stichwort „Panier“ (oder „Feldzeichen“), Archiv Kirchenliteratur

  64. Siehe Lehre und Bündnisse 45:9.

  65. Siehe Lehren der Präsidenten der Kirche: Gordon B. Hinckley, S. 62, 69. Siehe auch Lehre und Bündnisse 115:4-6

  66. Siehe auch Lehre und Bündnisse 133:26-34

  67. Siehe Parry et al., Understanding Isaiah, S. 124f., Anmerkung zu Jesaja 11:16; siehe auch Gerrit W. Gong, „Das Wunder der Zugehörigkeit durch Bündnisse“, Liahona, Februar 2019, S. 28