Prophetischer Rat
Allen Nationen, Geschlechtern und Sprachen
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Allen Nationen, Geschlechtern und Sprachen

Wir können auf unsere Art Teil der Erfüllung der Prophezeiungen und Verheißungen des Herrn werden – Teil des Evangeliums, das der Welt ein Segen ist

Liebe Brüder und Schwestern, vor kurzem habe ich unter Einhaltung der COVID-19-Richtlinien eine Siegelung im Tempel vollzogen. Braut und Bräutigam hatten beide treu eine Mission erfüllt und wurden nun von ihren Eltern und sämtlichen Geschwistern begleitet. Das war nicht einfach. Die Braut war das neunte von zehn Kindern. Ihre neun Geschwister saßen vom Ältesten zum Jüngsten und natürlich mit Abstand in einer Reihe.

Die Familie war überall, wo sie wohnte, um ein gutes Verhältnis zu den Nachbarn bemüht. An einem Ort wurde sie jedoch nicht gut aufgenommen, weil sie – so berichtete die Brautmutter – der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage angehörte.

Die Familie tat alles, um in der Schule Freunde zu finden, sich zu beteiligen und akzeptiert zu werden – jedoch ohne Erfolg. Sie betete immer wieder, den Menschen möge das Herz erweicht werden.

Eines Nachts hatte die Familie das Gefühl, dass die Gebete erhört worden waren, wenn auch auf ganz unerwartete Weise. Ihr Haus fing Feuer und brannte bis auf die Grundmauern nieder. Doch es geschah noch etwas. Das Feuer hatte den Nachbarn das Herz erweicht.

Die Nachbarn und die Schule sammelten Kleidung, Schuhe und anderes für diese Familie, die alles verloren hatte. Mit dieser guten Tat nahm das Verständnis zu. Die Familie hatte nicht gehofft oder erwartet, dass ihre Gebete auf diese Art erhört wurden. Sie ist jedoch dankbar für das, was sie aus schmerzlichen Erfahrungen und unerwarteten Antworten auf innige Gebete gelernt hat.

Für diejenigen mit gläubigem Herzen und sehendem Auge zeigt sich die liebevolle Barmherzigkeit des Herrn wahrhaftig mitten in des Lebens Schwierigkeiten. Mit Glauben überwundene Schwierigkeiten und Opfer führen die Segnungen Gottes herbei. In unserem Erdenleben mögen wir so manches verlieren und auf manches eine Weile warten, doch am Ende finden wir das, was am wichtigsten ist.1 Das ist Gottes Verheißung.2

Unsere Proklamation zum 200. Jahrestag im Jahr 2020 beginnt mit der allumfassenden Zusicherung, „dass Gott seine Kinder in jedem Land der Welt liebt“3. Gott wendet sich in allen Nationen, Geschlechtern, Sprachen und Völkern4 mit Verheißungen und Bündnissen an jeden von uns und fordert uns auf, zu ihm zu kommen und an seiner überaus großen Freude und Güte teilzuhaben.

Dass Gott alle Menschen liebt, wird überall in den heiligen Schriften bestätigt.5 Diese Liebe zeigt sich im Bund Abrahams, in der Sammlung seiner verstreuten Kinder6 und im Plan Gottes für unser Glücklichsein.

Im Haushalt des Glaubens darf es keine Fremden ohne Bürgerrecht7 geben, keine Reichen oder Armen8 oder Außenseiter. Als „Mitbürger der Heiligen“9 sind wir gefordert, die Welt zum Besseren zu verändern, von innen nach außen, einen Menschen nach dem anderen, eine Familie, eine Ortschaft nach der anderen.

Dies geschieht, wenn wir das Evangelium leben und weitergeben. Zu Beginn dieser Evangeliumszeit erhielt der Prophet Joseph Smith eine bemerkenswerte Prophezeiung, wonach der Vater im Himmel möchte, dass alle Menschen überall Gottes Liebe entdecken und von ihm die Kraft erhalten, zu wachsen und sich zu ändern.

Diese Prophezeiung wurde hier empfangen – im Blockhaus der Familie Smith in Palmyra, New York.10

Das Haus der Familie Smith wurde auf seinem ursprünglichen Fundament nachgebaut und 1998 fertiggestellt. Das Schlafzimmer im zweiten Stock hat mit etwa fünfeinhalb mal neun mal drei Metern die gleichen Maße wie damals, als Moroni, ein herrlicher Bote Gottes, am Abend des 21. September 1823 dem jungen Joseph Smith erschien.11

Wir erinnern uns an die Schilderung des Propheten Joseph Smith:

„[Moroni sagte,] Gott habe eine Arbeit für mich zu tun; und mein Name werde bei allen Nationen, Geschlechtern und Sprachen für gut und böse gelten.

[Moroni] sagte, es sei ein Buch verwahrt, … darin sei die Fülle des immerwährenden Evangeliums enthalten.“12

Halten wir kurz inne. Wir verehren Gott, den ewigen Vater, und seinen Sohn Jesus Christus, nicht den Propheten Joseph Smith oder irgendeinen anderen Menschen.

Aber sehen Sie nur, wie sich die Prophezeiungen Gottes an seine Knechte erfüllen!13 Einige gehen früher in Erfüllung, andere später – aber alle gehen in Erfüllung.14 Wenn wir auf den Geist der Prophezeiung des Herrn hören, können wir auf unsere Art Teil der Erfüllung seiner Prophezeiungen und Verheißungen werden, ja, Teil des Evangeliums, das der Welt ein Segen ist.

1823 war Joseph ein unbekannter 17-jähriger Junge, der in einem abgelegenen Dorf eines Landes lebte, das gerade erst unabhängig geworden war. Wenn es nicht wahr wäre, wie könnte er da auf die Idee kommen zu behaupten, er werde ein Werkzeug im Werk Gottes sein und durch die Gabe und Macht Gottes eine heilige Schrift übersetzen, die überall bekannt sein würde?

Doch weil es wahr ist, können Sie und ich bezeugen, dass sich diese Prophezeiung erfüllt, zumal wir ja auch aufgefordert sind, bei ihrer Erfüllung mitzuwirken.

Brüder und Schwestern auf der ganzen Welt, wir alle, die an dieser Herbst-Generalkonferenz 2020 teilnehmen, gehören zu den Nationen, Geschlechtern und Sprachen, von denen die Rede ist.

Heute leben Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage in 196 Ländern und Territorien und haben 3446 Pfähle in 90 Ländern.15 Wir sind geografisch weit verbreitet und haben starke Zentren.

Wer hätte sich 1823 vorstellen können, dass es im Jahr 2020 drei Länder mit jeweils mehr als einer Million Mitgliedern dieser Kirche geben würde, nämlich die Vereinigten Staaten, Mexiko und Brasilien?

Oder 23 Länder mit jeweils mehr als 100.000 Mitgliedern der Kirche – drei in Nordamerika, 14 in Mittel- und Südamerika, eins in Europa, vier in Asien und eins in Afrika?16

Präsident Russell M. Nelson bezeichnet das Buch Mormon als „ein wunderbares Wunderwerk“17. Die Zeugen des Buches verlautbaren: „Allen Nationen, Geschlechtern, Sprachen und Völkern … sei es kundgetan.“18 Die Generalkonferenz kann man inzwischen in 100 Sprachen verfolgen. Präsident Nelson hat in 138 Nationen Zeugnis für Jesus Christus und sein wiederhergestelltes Evangelium abgelegt, und es werden immer mehr.

Seit den 5000 Stück der Erstausgabe des Buches Mormon von 1830 wurden etwa 192 Millionen Exemplare des gesamten Buches Mormon oder eines Teils davon in 112 Sprachen veröffentlicht. In vielen Sprachen ist die Übersetzung des Buches Mormon auch digital abrufbar. Das Buch Mormon wurde in die meisten der 23 Weltsprachen mit mindestens 50 Millionen Sprechern übersetzt, sodass es etwa 4,1 Milliarden Menschen in ihrer Muttersprache erreicht.19

Durch Kleines und Einfaches – woran jeder von uns sich beteiligen darf – wird Großes zustande gebracht.

Einmal fragte ich die Teilnehmer einer Pfahlkonferenz in Monroe, Utah, einem Ort mit 2200 Einwohnern, wie viele von ihnen auf Mission waren. Fast jeder hob die Hand. In den letzten Jahren waren aus diesem einen Pfahl 564 Missionare in allen 50 US-Bundesstaaten und in 53 Ländern auf allen Kontinenten auf Mission, mit Ausnahme der Antarktis.

Apropos Antarktis: Selbst in Ushuaia an der Südspitze Argentiniens erlebte ich die Erfüllung einer Prophezeiung, als nämlich unsere Missionare das wiederhergestellte Evangelium Jesu Christi an einem Ort verkündeten, der als das „Ende der Welt“ bezeichnet wird.20

Das Gemälde, das aus den Umschlagseiten der vier Bände der Reihe Heilige entsteht,21 stellt die Früchte des Evangeliums dar, die alle treuen Heiligen in aller Welt erhalten. Die Geschichte unserer Kirche ist im gelebten Zeugnis und im Evangeliumsweg eines jeden Mitglieds verankert, darunter auch Mary Whitmer, die treue Schwester, der Moroni die Platten des Buches Mormon gezeigt hat.22

Die ab Januar 2021 neu erscheinenden drei weltweiten Kirchenzeitschriften Kleiner Liahona, Für eine starke Jugend und Liahona sind eine Einladung, sich unserer weltweiten Glaubensgemeinschaft zugehörig zu fühlen, von Erfahrungen zu berichten und Zeugnis zu geben.23

Brüder und Schwestern, wenn wir unseren Glauben an den Vater im Himmel und Jesus Christus vertiefen, die Segnungen empfangen, die sich einstellen, wenn man nach den wiederhergestellten Evangeliumswahrheiten und heiligen Bündnissen lebt, und wenn wir uns mit der fortdauernden Wiederherstellung befassen, darüber nachdenken und anderen davon erzählen, beteiligen wir uns an der Erfüllung von Prophezeiung.

Wir ändern uns und die Welt auf die Weise des Evangeliums, wodurch Menschen überall gesegnet werden.

Eine Schwester aus Afrika erzählt: „Der Priestertumsdienst meines Mannes macht ihn geduldiger und freundlicher. Und ich werde eine bessere Ehefrau und Mutter.“

Ein mittlerweile angesehener internationaler Unternehmensberater aus Mittelamerika erzählt, bevor er Gottes wiederhergestelltes Evangelium entdeckte, habe er ziellos auf der Straße gelebt. Jetzt haben er und seine Familie ihre Identität, einen Sinn und Kraft gefunden.

Ein kleiner Junge aus Südamerika züchtet Hühner und verkauft die Eier, um seiner Familie zu helfen, Fenster für ihr neues Haus zu kaufen. Doch zuerst zahlt er den Zehnten. Er wird erleben, wie sich ihm buchstäblich die Schleusen des Himmels öffnen.

Am Vierstaateneck Four Corners im Südwesten der USA lässt eine Ureinwohnerfamilie einen wunderschönen Rosenbusch in der Wüste blühen – als Symbol für den Glauben an das Evangelium und für Eigenständigkeit.

Ein Überlebender eines erbitterten Bürgerkriegs – ein Bruder aus Südostasien – war verzweifelt und meinte, das Leben hätte keinen Sinn. Er fand Hoffnung durch einen Traum, in dem ein ehemaliger Klassenkamerad Abendmahlsgeschirr trug und für die errettenden Verordnungen und das Sühnopfer Jesu Christi Zeugnis gab.

Der Vater im Himmel möchte, dass alle Menschen seine Liebe verspüren und durch Bildung, ehrliche Arbeit, eigenständiges Dienen und jene Mischung aus guten Taten und Glücklichsein, die wir aus seiner wiederhergestellten Kirche kennen, lernen und wachsen.

Wenn wir Vertrauen zu Gott finden – vielleicht, weil wir in unseren dunkelsten, einsamsten und unsichersten Augenblicken zu ihm flehen –, stellen wir fest, dass er uns besser kennt und uns mehr liebt, als wir uns selbst kennen oder lieben.

Deshalb brauchen wir Gottes Hilfe, um dauerhafte Rechtschaffenheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Frieden in unserer Familie und unserem Umfeld zu schaffen. Am aufrichtigsten, innigsten, echtesten empfinden wir ein Erlebnis, einen Ort, eine Zugehörigkeit, wenn wir Gottes erlösende Liebe spüren, durch das Sühnopfer seines Sohnes nach Barmherzigkeit und Wundern trachten und durch heilige Bündnisse dauerhafte Beziehungen schaffen.

In der überladenen, lauten und verschmutzten Welt von heute brauchen wir göttliches Wohlwollen und Weisheit. Wie sonst sollten wir den menschlichen Geist erfrischen, inspirieren und erbauen?24

Das Pflanzen von Bäumen in Haiti ist nur eines von Hunderten Beispielen dafür, wie Menschen zusammenkommen, um Gutes zu tun. Die dortige Bevölkerung, darunter 1800 Mitglieder unserer Kirche, pflanzte gemeinsam fast 25.000 von der Kirche gespendete Bäume.25 Bei diesem mehrjährigen Aufforstungsprojekt wurden bereits über 121.000 Bäume gepflanzt. Es sollen noch Zehntausende weitere folgen.

Diese gemeinsame Anstrengung bringt Schatten, schont den Boden und beugt künftigen Überschwemmungen vor. Die Gegend wird verschönert, eine Gemeinschaft entsteht, die Früchte schmecken, und die Seele wird genährt. Wenn man die Haitianer fragt, wer die Früchte von diesen Bäumen erntet, sagen sie: „Wer hungrig ist.“

Gut achtzig Prozent der Weltbevölkerung sind religiös.26 Religionsgemeinschaften reagieren bereitwillig auf unmittelbare Bedürfnisse nach Naturkatastrophen, aber auch auf langfristigen Bedarf an Nahrung, Unterkunft, Bildung, Alphabetisierung und Berufsausbildung. Überall auf der Welt helfen unsere Mitglieder, Freunde und die Kirche Ortschaften bei der Unterstützung von Flüchtlingen und mit der Bereitstellung von Wasser, sanitären Einrichtungen, Mobilität für Behinderte und Augenbehandlungen – immer ein Mensch, ein Dorf, ein Baum nach dem anderen.27 Überall sind wir bestrebt, gute Eltern und gute Bürger zu sein und in unserer Nachbarschaft und in der Gesellschaft einen Beitrag zu leisten, auch durch die Latter-day Saint Charities.28

Gott gibt uns sittliche Entscheidungsfreiheit, aber auch sittliche Verantwortung. Der Herr hat gesagt: „Ich, Gott, der Herr, mache euch frei, darum seid ihr wirklich frei.“29 Indem er „den Gefangenen Freilassung [zuruft]“30, verheißt der Herr, dass sein Sühnopfer und der Weg des Evangeliums zeitliche und geistige Bande lösen können.31 Dank der Gnade Gottes erstreckt sich diese erlösende Freiheit auch auf diejenigen, die schon von uns gegangen sind.

Vor einigen Jahren erzählte mir ein Priester aus Mittelamerika, er beschäftige sich mit der „Taufe für Verstorbene“ bei den Heiligen der Letzten Tage. „Es erscheint mir gerecht“, sagte der Priester, „dass Gott jedem Menschen die Gelegenheit gibt, die Taufe zu empfangen, egal wann und wo er gelebt hat, außer kleinen Kindern, die ,in Christus lebendig‘32 sind. Der Apostel Paulus“, so der Priester, „spricht von den Toten, die auf die Taufe und die Auferstehung warten.“33 Von Stellvertretern durchgeführte Tempelverordnungen ermöglichen allen Nationen, Geschlechtern und Sprachen, dass „der Mensch von Sünde frei, nicht mehr der Hölle Sklave sei“34.

Wenn wir Gott entdecken, verschaffen uns manchmal unverhoffte Antworten auf Gebete Geborgenheit und Gemeinschaft, vertreiben Dunkelheit aus der Seele und führen uns in der Obhut seiner Bündnisse und beständigen Liebe zu geistiger Sicherheit und Zugehörigkeit.

Großes beginnt oftmals klein, aber Gottes Wunder werden täglich offenbar. Wie dankbar können wir sein für die himmlische Gabe des Heiligen Geistes, das Sühnopfer Jesu Christi und seine offenbarten Lehren, Verordnungen und Bündnisse in seiner wiederhergestellten Kirche, die nach ihm benannt ist.

Mögen wir freudig Gottes Aufforderung nachkommen, seine verheißenen und prophezeiten Segnungen zu empfangen und allen Nationen, Geschlechtern und Sprachen zu bringen. Das ist meine Bitte im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.