Damit sein Geist immer mit uns sei
    Fußnoten

    Damit sein Geist immer mit uns sei

    Wir müssen bemüht sein, zu erkennen, wenn wir uns „vom Geist des Herrn entfernen“, und auf die Entscheidungen und Einflüsse achten, die uns vom Heiligen Geist trennen, und daraus lernen.

    Heute richte ich einige Worte zur Erinnerung und zur Ermahnung an diejenigen von uns, die Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage sind. Ich bete um den Heiligen Geist und lade ihn ein, mir und Ihnen zu helfen, während wir nun gemeinsam lernen.

    Die Taufe durch Untertauchen zur Sündenvergebung ist die „einführende heilige Handlung des Evangeliums“ Jesu Christi, ihr gehen der Glaube an den Erretter und aufrichtige und vollständige Umkehr voraus. Der Taufe im Wasser muss die Taufe durch den Geist folgen, damit sie vollständig ist (siehe Schriftenführer, „Taufe“, Seite 197). So sagte der Erretter zu Nikodemus: „Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.“ (Johannes 3:5.) In meinen Worten heute Nachmittag geht es um die Taufe durch den Geist und um die Segnungen, die daher rühren, dass man den Heiligen Geist als Begleiter hat.

    Die Taufe und der Bund, der zu ihr gehört

    Bei unserer Taufe sind wir einen feierlichen Bund mit unserem himmlischen Vater eingegangen. Ein Bund ist eine Übereinkunft zwischen Gott und seinen Kindern auf der Erde. Dabei muss uns klar sein, dass Gott die Bedingungen aller Evangeliumsbündnisse festlegt. Sie und ich entscheiden nicht über das Wesen und die Bestandteile eines Bundes. Vielmehr üben wir unsere sittliche Entscheidungsfreiheit aus und nehmen die Bedingungen und Voraussetzungen eines Bundes so an, wie unser ewiger Vater sie festgelegt hat (siehe Schriftenführer, „Bund“, Seite 27).

    Die errettende heilige Handlung Taufe muss von jemandem vollzogen werden, der von Gott die Vollmacht dazu erhalten hat. Die grundlegenden Bedingungen des Bundes, in den wir im Wasser der Taufe eingetreten sind, sind folgende: Wir haben bezeugt, dass wir bereit sind, den Namen Jesu Christi auf uns zu nehmen, immer an ihn zu denken und seine Gebote zu halten. Die verheißene Segnung dafür, dass wir diesen Bund einhalten, ist, dass wir seinen Geist immer mit uns haben können (siehe LuB 20:77). Mit anderen Worten: Die Taufe durch Wasser leitet dazu über, dass wir das Recht empfangen, stets vom dritten Mitglied der Gottheit begleitet zu werden.

    Die Konfirmierung und die Taufe durch den Geist

    Nach der Taufe wurden einem jeden von uns von Priestertumsträgern die Hände aufgelegt – wir wurden als Mitglieder der Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage bestätigt, und der Heilige Geist wurde uns übertragen (siehe LuB 49:14). Die Aussage „empfange den Heiligen Geist“ in unserer Konfirmierung war eine Aufforderung, uns um die Taufe durch den Geist zu bemühen.

    Der Prophet Joseph Smith hat gesagt: „Man kann ebensogut einen Sandsack taufen wie einen Menschen, wenn es nicht im Hinblick auf die Sündenvergebung und zur Erlangung des Heiligen Geistes geschieht. Die Taufe mit Wasser ist nur die halbe Taufe; sie nützt nichts ohne die andere Hälfte, und das ist die Taufe vom Heiligen Geist.“ (Lehren des Propheten Joseph Smith, Seite 320.) Wir sind durch Untertauchen im Wasser zur Sündenvergebung getauft worden. Wir müssen auch durch den Geist des Herrn getauft und von ihm durchdrungen werden, „dann kommt die Vergebung [unserer] Sünden durch Feuer und durch den Heiligen Geist“(2 Nephi 31:17).

    Während wir mit dem Heiligen Geist Erfahrungen sammeln, lernen wir, dass das Maß, in dem wir den Einfluss des Geistes spüren, nicht immer das gleiche ist. Starke, dramatische geistige Eindrücke haben wir nicht oft. Auch wenn wir versuchen, glaubenstreu und gehorsam zu sein, gibt es Zeiten, in denen die Leitung, der Zuspruch und der Friede durch den Geist in unserem Leben nicht so offenkundig sind. Im Buch Mormon erfahren wir beispielsweise von gläubigen Lamaniten, die „mit Feuer und mit dem Heiligen Geist getauft wurden, und sie wussten es nicht“ (3 Nephi 9:20).

    Der Einfluss des Heiligen Geistes wird in den heiligen Schriften als „ein sanftes, leises Säuseln“ (1 Könige 19:12; vgl. auch 3 Nephi 11:3) und eine „Stimme von vollkommener Milde“ (Helaman 5:30) beschrieben. Der Geist des Herrn spricht also gewöhnlich zu uns in stiller, feinfühliger und fast unmerklicher Weise.

    Wenn wir uns vom Geist des Herrn entfernen

    In unserem persönlichen Studium und im Unterricht betonen wir immer wieder, dass es darauf ankommt, dass wir die Inspiration und die Eingebungen, die wir vom Geist des Herrn erhalten, erkennen. Und dieser Ansatz ist richtig und nützlich. Wir müssen uns unablässig bemühen, die Eingebungen zu erkennen und zu beherzigen, sobald wir sie erhalten. Allerdings wird ein wichtiger Gesichtspunkt der Taufe durch den Geist in unserer geistigen Entwicklung häufig übersehen.

    Wir müssen auch bemüht sein, zu erkennen, wenn wir uns vom Geist des Herrn entfernen, sodass er keinen Platz in uns hat, um uns auf den Pfaden der Weisheit zu führen, damit wir gesegnet seien, es uns wohl ergehe und wir bewahrt bleiben (siehe Mosia 2:36). Eben gerade weil uns der Segen verheißen ist, dass sein Geist immer mit uns ist, müssen wir auf die Entscheidungen und Einflüsse achten, die uns vom Heiligen Geist trennen, und daraus lernen.

    Der Maßstab ist eindeutig. Wenn etwas, was wir denken, sehen, hören oder tun, uns vom Heiligen Geist entfernt, müssen wir aufhören, es zu denken, zu sehen, zu hören oder zu tun. Wenn etwa das, was uns unterhalten soll, uns dem Heiligen Geist entfremdet, dann ist diese Art von Unterhaltung sicherlich nichts für uns. Da der Geist nicht bei dem bleiben kann, was vulgär, roh oder unanständig ist, kommt derlei für uns keinesfalls in Frage. Wenn wir uns an etwas beteiligen, bei dem klar ist, dass wir uns davon fernhalten sollten, entfremden wir uns vom Geist des Herrn. Deshalb dürfen wir uns auf so etwas nicht einlassen.

    Ich weiß, dass wir gefallene Männer und Frauen sind, die in einer irdischen Welt leben, und dass wir vielleicht nicht jede Sekunde, jede Minute, jede Stunde, jeden Tag den Heiligen Geist bei uns haben. Allerdings kann der Heilige Geist oft, wenn nicht gar die meiste Zeit bei uns verbleiben – und ganz gewiss kann der Geist häufiger bei uns sein, als er nicht bei uns ist. Je mehr wir vom Geist des Herrn durchdrungen sind, desto mehr müssen wir danach trachten, seine Eingebungen zu erkennen, wenn wir sie erhalten, wie auch die Einflüsse oder Geschehnisse, die uns vom Heiligen Geist entfernen.

    Es ist möglich und in einer Welt, die immer schlechter wird, für unser geistiges Wachstum und Überleben unumgänglich, dass wir „[uns] den Heiligen Geist als … Führer nehmen“ (LuB 45:57). Manchmal reden oder verhalten wir uns als Heilige der Letzten Tage so, als sei es eine Seltenheit oder Ausnahme, dass in unserem Leben der Einfluss des Heiligen Geistes sichtbar wird. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass uns in einem Bund verheißen wurde, dass sein Geist immer mit uns sein wird. Dieser Segen des Himmels erstreckt sich auf jedes Mitglied der Kirche, das getauft, konfirmiert und aufgefordert wurde, „den Heiligen Geist [zu empfangen]“.

    Der Liahona als Muster für unsere Zeit

    Heutzutage ist unsere erste Quelle, wenn es darum geht, wie wir den Heiligen Geist einladen können, immer bei uns zu bleiben, das Buch Mormon. Das Buch Mormon beschreibt den Liahona, der Lehi und seiner Familie auf ihrer Reise durch die Wildnis als Wegweiser oder Kompass gedient hat. Diese Beschreibung wurde speziell als Muster für unsere Zeit und als wesentliche Lektion darüber, was zu tun ist, um die Segnungen des Heiligen Geistes genießen zu können, in den Bericht aufgenommen.

    Wenn wir versuchen, unsere Einstellung und unser Handeln mit Rechtschaffenheit in Einklang zu bringen, wird der Heilige Geist für uns heute das, was der Liahona für Lehi und seine Familie in ihrer Zeit war. Die gleichen Faktoren, die bewirkten, dass der Liahona für Lehi eine Hilfe war, werden auch den Heiligen Geist in unser Leben einladen. Und die gleichen Faktoren, die damals bewirkten, dass der Liahona nicht funktionierte, bewirken heute, dass wir uns vom Heiligen Geist entfernen.

    Der Liahona – sein Zweck und die damit verbundenen Grundsätze

    Ich bezeuge: Wenn wir uns über den Zweck des Liahonas und die Grundsätze, nach denen er funktionierte, Gedanken machen, erhalten wir Inspiration, die auf unsere persönlichen und familiären Umstände und Bedürfnisse zugeschnitten ist. Dann können wir beständig vom Heiligen Geist geleitet werden und diese Segnung wird uns auch zuteil.

    Der Liahona wurde vom Herrn bereitet und Lehi und seiner Familie gegeben, nachdem sie Jerusalem verlassen hatten und durch die Wildnis zogen (siehe Alma 37:38 und LuB 17:1). Der Kompass oder Richtungsweiser zeigte den Weg, den Lehi und seine Karawane einschlagen sollten (siehe 1 Nephi 16:10), ja, „den geraden Weg ins verheißene Land“ (Alma 37:44). Die Zeiger im Liahona arbeiteten „gemäß dem Glauben und dem Eifer und der Beachtung“ (1 Nephi 16:28) der Reisenden und versagten ihren Dienst, wenn Familienmitglieder stritten, roh, träge oder unachtsam waren (siehe 1 Nephi 18:12,21; Alma 37:41,43).

    Der Kompass war auch ein Mittel, das Lehi und seine Familie „die Wege des Herrn verstehen ließ“ (1 Nephi 16:29). Der Liahona diente also während der langen und anstrengenden Reise primär sowohl dazu, die Richtung anzugeben, als auch zur Belehrung. Der Richtungsweiser war ein fassbares Werkzeug, das als äußeres Zeichen ihres inneren, ihres geistigen Standes vor Gott diente. Er funktionierte auf der Grundlage von Glauben und Eifer.

    So, wie Lehi in früherer Zeit gesegnet wurde, haben heutzutage auch wir alle einen geistigen Richtungsweiser, der uns auf unserer irdischen Reise führen und lehren kann. Der Heilige Geist wurde Ihnen und mir übertragen, als wir die Welt hinter uns ließen und durch Taufe und Konfirmierung in die Kirche des Erretters eintraten. Durch die Vollmacht des heiligen Priestertums wurden wir als Mitglieder der Kirche bestätigt und ermahnt, danach zu trachten, den „Geist der Wahrheit“ immer bei uns zu haben, „den die Welt nicht empfangen kann, weil sie ihn nicht sieht und nicht kennt. Ihr aber kennt ihn, weil er bei euch bleibt und in euch sein wird.“ (Johannes 14:17.)

    Solange wir auf unserem Lebensweg vorwärts streben, erhalten wir Leitung durch den Heiligen Geist, so wie Lehi durch den Liahona geleitet wurde. „Denn siehe, abermals sage ich euch, wenn ihr auf dem Weg eintretet und den Heiligen Geist empfangt, wird er euch alles zeigen, was ihr tun sollt.“ ( 2 Nephi 32:5.)

    Der Heilige Geist wirkt in unserem Leben genauso wie der Liahona bei Lehi und seiner Familie, nämlich gemäß unserem Glauben, unserem Eifer und unserer Beachtung.

    „Lass Tugend immerfort deine Gedanken zieren; dann wird dein Vertrauen in der Gegenwart Gottes stark werden. …

    Der Heilige Geist wird dein ständiger Begleiter sein und dein Zepter ein unwandelbares Zepter der Rechtschaffenheit und Wahrheit.“ (LuB 121:45,46.)

    Und der Heilige Geist ist für uns heute das Mittel, mit dessen Hilfe wir „durch Kleines und Einfaches“ (Alma 37:6) tiefere Erkenntnis der Wege des Herrn erlangen können. „Der Beistand aber, der Heilige Geist, den der Vater in meinem Namen senden wird, der wird euch alles lehren und euch an alles erinnern, was ich euch gesagt habe.“ (Johannes 14:26).

    Der Geist des Herrn kann unser Führer sein und wird uns mit Führung, Leitung und geistigem Schutz auf unserer Reise durch das Erdenleben segnen. Wir laden den Heiligen Geist durch inhaltsvolle persönliche Gebete und Familiengebete in unser Leben ein, indem wir uns am Wort Christi laben, durch eifrigen und genauen Gehorsam, durch Glaubens- und Bündnistreue und durch Tugend, Demut und Dienen. Und wir müssen standhaft alles meiden, was unanständig, anstößig, ordinär, sündhaft oder böse ist und dazu führt, dass wir uns vom Heiligen Geist entfernen.

    Wir laden den Heiligen Geist auch ein, immer bei uns zu bleiben, wenn wir jeden Sabbat würdig vom Abendmahl nehmen: „Und damit du dich selbst noch mehr von der Welt unbefleckt halten mögest, sollst du an meinem heiligen Tag ins Haus des Betens gehen und deine heiligen Handlungen darbringen.“ (LuB 59:9.)

    Durch das Abendmahl erneuern wir unseren Taufbund und können Sündenvergebung empfangen und uns diese bewahren (siehe Mosia 4:12,26). Außerdem wird uns jede Woche die Verheißung vor Augen geführt, dass sein Geist immer mit uns sein kann. Wenn wir uns bemühen, uns rein und unbefleckt von der Welt zu halten, werden wir würdige Gefäße, in denen der Geist des Herrn immer wohnen kann.

    Im Februar 1847 erschien der Prophet Joseph Smith in einem Traum oder einer Vision Brigham Young. Präsident Young fragte den Propheten, ob er eine Botschaft an die Brüder habe. Der Prophet Joseph Smith antwortete: „Sagt den Menschen, sie sollen demütig und treu sein und darauf achten, dass sie den Geist des Herrn behalten, dann führt er sie recht. Sie sollen darauf achten, dass sie sich nicht von der sanften, leisen Stimme abwenden; sie wird sie lehren, was sie tun sollen; sie wird die Frucht des Gottesreiches hervorbringen.“ (Siehe Lehren der Präsidenten der Kirche: Brigham Young“ Seite 41; Hervorhebung hinzugefügt.) Von allen Wahrheiten, die der Prophet Joseph Smith in diesem heiligen Moment Brigham Young hätte nahe bringen können, betonte er, dass man den Geist des Herrn erlangen und behalten muss.

    Meine lieben Brüder und Schwestern, ich gebe Zeugnis, dass Gott, der ewige Vater, sein Sohn, Jesus Christus, und der Heilige Geist wirklich leben. Mögen wir alle so leben, dass sein Geist immer mit uns ist, und uns dadurch bereitmachen, mit der Führung, der Leitung und dem Schutz gesegnet zu werden, die wir in diesen Letzten Tagen so dringend brauchen. Im heiligen Namen Jesu Christi. Amen.