2000–2009
Treu in dem Glauben
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Treu in dem Glauben

Lassen Sie uns hier und jetzt beschließen, dass wir dem geraden Weg folgen, der zurück zu unser aller Vater führt.

Vor vielen Jahren hatte ich bei einem Auftrag auf den schönen Inseln von Tonga die besondere Gelegenheit, die Liahona Highschool, eine Schule unserer Kirche, zu besuchen, wo unsere Jugendlichen von Lehrern, die den gleichen Glauben haben, Schulung des Verstandes und Vorbereitung fürs Leben erhalten. Als ich ein Klassenzimmer betrat, fiel mir auf, wie gebannt die Kinder ihrem einheimischen Lehrer zuhörten. Lehrer und Schüler hatten ihre Bücher geschlossen auf den Tischen liegen. In der Hand hielt er einen seltsam aussehenden Angelköder, der aus einem runden Stein und großen Muscheln hergestellt war. Dies, so erfuhr ich, war ein maka-feke, eine Tintenfisch-Falle. In Tonga ist Tintenfischfleisch eine Delikatesse.

Der Lehrer erklärte, dass die tongaischen Fischer über ein Riff gleiten, ihre Auslegerkanus mit einer Hand paddeln und mit der anderen den maka-feke über den Rand hängen lassen. Ein Tintenfisch schießt aus seiner Felsenhöhle und schnappt sich den Köder, den er für eine begehrenswerte Mahlzeit hält. Der Griff des Tintenfischs ist so hartnäckig und sein Instinkt so fixiert darauf, die begehrte Beute nicht loszulassen, dass der Fischer ihn direkt ins Boot holen kann.

Es war für den Lehrer ein einfacher Übergang, die eifrigen und aufmerksamen Kinder darauf hinzuweisen, dass der Böse – nämlich der Satan – so genannte maka-fekes hergestellt hat, mit denen er ahnungslose Menschen verführen und ihr Schicksal in die Hand nehmen will.

Heutzutage sind wir von maka-fekes umgeben, die der Böse uns in Aussicht stellt und mit denen er versucht, uns anzulocken und dann zu verführen. Hat man so einen maka-feke erst einmal ergriffen, ist es umso schwerer – und manchmal fast unmöglich – ihn wieder loszulassen. Um sicher zu sein, müssen wir ihn als das, was er ist, erkennen und dann standhaft entschlossen bleiben, ihn zu meiden.

Ständig ist der maka-feke der Unsittlichkeit vor uns. Wohin wir uns auch wenden – fast überall gibt es Menschen, die uns glauben machen wollen, dass das, was früher als unmoralisch galt, jetzt annehmbar sei. Da muss ich an die Schriftstelle denken: „Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die Finsternis als Licht und Licht als Finsternis hinstellen.“1 Genau das ist der maka-feke der Unsittlichkeit. Im Buch Mormon werden wir daran erinnert, dass Keuschheit und Tugend wertvoller sind als alles andere.

Wenn Versuchungen kommen, sollten wir an den weisen Rat des Apostels Paulus denken, der sagte: „Noch ist keine Versuchung über euch gekommen, die den Menschen überfordert. Gott ist treu; er wird nicht zulassen, dass ihr über eure Kraft hinaus versucht werdet. Er wird euch in der Versuchung einen Ausweg schaffen, sodass ihr sie bestehen könnt.“2

Als Nächstes lockt uns der Böse mit dem maka-feke Pornografie. Er will uns glauben machen, dass das Betrachten von Pornografie ja eigentlich niemandem schadet. Wie gut passt da doch Alexander Popes Klassiker Essay vom Menschen:

Das Laster ist grausam, es lässt dich erblassen,

du musst es nur sehen, um es zu hassen.

Doch nimmst du sein Angesicht häufig in Kauf,

wird Leid dir zu Mitleid und froh nimmst du’s auf.3

Einige Verleger und Drucker prostituieren ihre Pressen, indem sie täglich pornografisches Material in Millionenauflage drucken. Es wird an nichts gespart, um ein Produkt herzustellen, das garantiert angesehen und wieder angesehen wird. Eine der zugänglichsten Quellen für Pornografie ist heutzutage das Internet; man schaltet nur den Computer an und hat sofort Zugriff auf zahllose Seiten mit pornografischem Inhalt. Präsident Gordon B. Hinckley hat gesagt: „Leider spielt sich das wohl bei einigen von Ihnen zu Hause ab. Das ist verwerflich. Es ist unanständig und schmutzig. Es ist verlockend und macht süchtig. Es führt [Sie] so sicher wie irgendetwas auf dieser Welt hinunter zur Vernichtung. Diese widerliche Unmoral macht ihre Ausbeuter reich und ihre Opfer arm.“4

Ebenso verdorben sind die Filmproduzenten, Programmmacher im Fernsehen und die Entertainer, die Pornografie einsetzen. Die Beschränkungen vergangener Jahre gelten schon lange nicht mehr. Das Ziel ist so genannter Realismus, mit dem Ergebnis, dass wir heute von diesem Schmutz umgeben sind.

Vermeiden Sie alles, was nur den Anschein von Pornografie hat. Es stumpft den Geist ab und unterhöhlt das Gewissen. Im Buch Lehre und Bündnisse wird uns gesagt: „Was nicht erbaut, das ist nicht von Gott, sondern ist Finsternis.“5 Das trifft auf Pornografie zu.

Als Nächstes komme ich zum maka-feke der Drogen, zu denen auch der Alkohol gehört. Bei diesem maka-feke ist es besonders schwer, ihn wieder loszuwerden, wenn man ihn erst einmal ergriffen hat. Drogen und Alkohol trüben das Denken, nehmen Hemmungen, zerbrechen Familien, zerstören Träume und verkürzen das Leben. Sie sind überall zu finden und werden der anfälligen Jugend absichtlich in den Weg gelegt.

Jeder von uns hat einen Körper, der uns von einem liebevollen himmlischen Vater anvertraut wurde. Uns wurde geboten, für ihn zu sorgen. Können wir unseren Körper absichtlich missbrauchen oder verletzen, ohne dafür zur Rechenschaft gezogen zu werden? Nein! Der Apostel Paulus hat verkündet: „Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt? … Gottes Tempel ist heilig, und der seid ihr.“6 Mögen wir unseren Körper – unseren Tempel – fit und rein und frei von schädlichen Stoffen halten, die das Wohlergehen von Körper, Verstand und Geist zerstören.

Der letzte maka-feke, den ich heute ansprechen möchte, ist einer, der unsere Selbstachtung vernichtet, Beziehungen zerstört und uns verzweifelt zurücklässt. Es ist der maka-feke der unmäßigen Schulden. Wir Menschen neigen dazu, uns das zu wünschen, was uns Bedeutung und Ansehen bringt. Wir leben in einer Zeit, wo man leicht Geld borgen kann. Wir können uns fast alles, was wir uns nur wünschen, mit einer Kreditkarte oder über einen Kredit kaufen. Besonders beliebt sind Kredite auf das Eigenheim, bei denen man die Summe leihen kann, die dem Wert entspricht, den man in Gütern zu Hause hat. Was uns dabei vielleicht nicht klar ist, ist, dass dieser Kredit auf das Eigenheim einer zweiten Hypothek gleichkommt. Der Tag der Abrechnung wird kommen, wenn wir beständig über unsere Verhältnisse leben.

Liebe Brüder und Schwestern, leben Sie nicht nach der Devise, dass das, was gestern noch Luxus war, heute schon lebensnotwendig sei. Es wird erst dann eine Notwendigkeit, wenn wir es dazu machen. Viele gehen langfristige Schulden ein und stellen dann fest, dass sich Änderungen ergeben: Sie werden krank oder erwerbsunfähig, Firmen gehen Pleite oder verkleinern sich, Arbeitsplätze gehen verloren, Naturkatastrophen kommen über uns. Aus vielen Gründen können die Raten für große Schulden nicht mehr erbracht werden. Unsere Schulden hängen dann wie ein Damoklesschwert über uns und drohen, uns zu vernichten.

Ich bitte Sie eindringlich, im Rahmen Ihrer Mittel zu leben. Man kann nicht mehr ausgeben, als man verdient, und trotzdem solvent bleiben. Ich verheiße Ihnen, dass Sie dann glücklicher sein werden, als wenn Sie sich ständig sorgen müssten, wie Sie die nächste Rate für unnötige Schulden begleichen sollen. Im Buch Lehre und Bündnisse lesen wir: „Bezahle die Schulden, die du … eingegangen bist. … Befreie dich aus der Knechtschaft.“7

Es gibt natürlich noch zahllose andere maka-fekes, mit denen der Böse uns vom Pfad der Rechtschaffenheit locken will. Der himmlische Vater hat uns jedoch das Leben und damit die Fähigkeit gegeben, zu denken, zu überlegen und zu lieben. Wir haben die Macht, jeder Versuchung zu widerstehen, und können den Weg, den wir gehen, und die Richtung, die wir einschlagen, bestimmen. Unser Ziel ist das celestiale Reich Gottes. Unser Vorsatz ist es, einen unbeirrbaren Kurs in diese Richtung einzuschlagen.

Alle, die den Weg des Lebens gehen, warnt unser himmlischer Vater: Hütet euch vor Umwegen, verborgenen Fallgruben und Fallen. Diese schlau getarnten und listig platzierten maka-fekes verlocken uns, sie zu ergreifen und das zu verlieren, was wir am meisten ersehnen. Lassen Sie sich nicht täuschen. Halten Sie inne, um zu beten. Hören Sie auf die leise, sanfte Stimme, die in der Tiefe unserer Seele die liebevolle Aufforderung des Herrn ausspricht: „Komm und folge mir nach!“8 Wenn wir dies tun, wenden wir uns von der Zerstörung, dem Tod ab und finden Glück und ewiges Leben.

Und doch gibt es diejenigen, die nicht hören, die nicht gehorchen wollen, die den Verlockungen des Bösen lauschen, die nach diesen maka-fekes greifen, bis sie sie nicht mehr loslassen können und alles verloren ist. Ich denke an einen dieser Machtmenschen, einen geistlichen Herrn, den Kardinal Wolsey. Die kunstfertige Feder des William Shakespeare beschreibt die majestätischen Höhen und den Gipfel der Macht, zu denen Kardinal Wolsey aufsteigt. Dieselbe Feder beschreibt, wie Grundsätze durch eitlen Ehrgeiz, durch Opportunismus und durch die Gier nach Bedeutung und Ansehen ausgehöhlt werden. Dann kommt der tragische Niedergang, die schmerzliche Wehklage eines, der alles gewonnen und dann verloren hat.

Kardinal Wolsey sagt zu Cromwell, seinem treuen Diener:

O Cromwell, Cromwell,

hätt ich nur Gott gedient mit halb dem Eifer,

den ich dem König weiht’, er gäbe nicht

im Alter nackt mich meinen Feinden preis!9

Der inspirierte Auftrag, der Kardinal Wolsey hätte in Sicherheit bringen können, wurde durch das Streben nach Macht und Bedeutung, das Trachten nach Reichtum und Stellung zerstört. Wie so viele vor ihm und noch viele mehr, die nach ihm kamen, fiel Kardinal Wolsey.

Zu einer früheren Zeit wurde ein Diener Gottes von einem schlechten König auf die Probe gestellt. Mit Hilfe himmlischer Eingebung übersetzte Daniel die Schrift an der Wand für König Belschazzar. Hinsichtlich der angebotenen Belohnung – königlicher Kleidung und einer goldenen Kette – sagte Daniel: „Behalte deine Gaben oder schenk sie einem andern!“10

Darius, ein späterer König, hatte ebenfalls Achtung vor Daniel und erhob ihn in die höchste und bedeutendste Stellung. Das rief den Neid der Massen, die Eifersucht von Prinzen und die Ränke ehrgeiziger Männer hervor.

Aufgrund von Betrügerei und Schmeichelei unterzeichnete König Darius ein Dekret, dass jeder, der an irgendeinen Gott oder Menschen, außer an den König, eine Bitte richtete, in die Löwengrube geworfen werde. Es war verboten zu beten. Was das betraf, nahm Daniel keine Weisung von einem irdischen König an, sondern nur vom König des Himmels und der Erde, seinem Gott. Daniel wurde bei seinem täglichen Gebet ergriffen und vor den König gebracht. Dieser sprach zögerlich die Strafe aus. Daniel sollte in die Löwengrube geworfen werden.

Mir gefällt der nun folgende Bericht aus der Bibel sehr:

„Früh am Morgen, als es gerade hell wurde, stand der König auf und ging in Eile zur Löwengrube.

Als er sich der Grube näherte, rief er mit schmerzlicher Stimme …: Daniel, … [h]at dein Gott, dem du so unablässig dienst, dich vor den Löwen erretten können?

Daniel antwortete ihm: …

Mein Gott hat seinen Engel gesandt und den Rachen der Löwen verschlossen. Sie taten mir nichts zuleide …

Darüber war der König hoch erfreut. … So wurde Daniel aus der Grube herausgeholt; man fand an ihm nicht die geringste Verletzung, denn er hatte seinem Gott vertraut.“11

Zu der Zeit, da Daniel dringend göttlichen Schutz und einen sicheren Ort für seine Gottesverehrung brauchte, wurde ihm dies aufgrund seiner Entschlossenheit, treu und gläubig zu bleiben, gewährt.

Die Uhr der Geschichte gibt wie der Sand in der Sanduhr den Verlauf der Zeit wieder. Auf der Bühne des Lebens bewegen sich neue Figuren. Die Probleme der heutigen Zeit zeichnen sich beunruhigend vor uns ab. Wir sind von den Herausforderungen des modernen Lebens umgeben und halten himmelwärts Ausschau nach zuverlässiger Führung, damit wir einen klugen und richtigen Kurs festlegen und ihm folgen können. Der himmlische Vater wird unser Bittgesuch nicht zurückweisen.

Wenn ich an rechtschaffene Menschen denke, fallen mir schnell Gustav und Margarete Wacker ein. Ich möchte das erklären. Ich lernte die Wackers kennen, als ich 1959 berufen wurde, über die Kanada-Mission zu präsidieren. Sie stammten aus Deutschland und waren nach Kingston, Ontario, ausgewandert.

Bruder Wacker verdiente seinen Lebensunterhalt als Frisör. Seine Mittel waren begrenzt, aber er und seine Frau zahlten immer mehr als ein Zehntel als Zehnten. Als Zweigpräsident richtete Bruder Wacker einen Missionarsfonds ein, und über Monate hinweg zahlte er als Einziger ein. Wenn in der Stadt Missionare waren, gaben die Wackers ihnen zu essen und kümmerten sich um sie; nie gingen die Missionare aus dem Haus der Wackers ohne eine materielle Spende für ihre Arbeit und ihr Wohlergehen.

Das Zuhause von Gustav und Margarete Wacker war ein Himmel. Sie waren nicht mit Kindern gesegnet, waren aber für ihre vielen Besucher von der Kirche wie Mutter und Vater. Gebildete und geistreiche Leute besuchten diese einfachen, ungebildeten Diener Gottes und schätzten sich glücklich, wenn sie eine Stunde in ihrer Gegenwart verbringen durften. Die Wackers sahen ganz gewöhnlich aus, ihr Englisch war unsicher und etwas schwer verständlich, ihr Zuhause ganz schlicht. Sie hatten kein Auto und kein Fernsehen, auch taten sie nichts, worauf die Welt gewöhnlich achtet. Und doch kamen die Glaubenstreuen oft zu ihnen, um an dem Geist, der dort herrschte, teilzuhaben.

Im März 1982 wurden Bruder Wacker und seine Frau als Vollzeit-Tempelarbeiter in den Washington-D.C.-Tempel berufen. Am 29. Juni 1983, Bruder Wacker und seine Frau waren noch immer im Tempel tätig, ging Bruder Wackers Erdenleben friedlich zu Ende, und er ging ein zu seinem ewigen Lohn. Seine geliebte Frau war an seiner Seite. Hier passen die Worte: „Wer Gott ehrt, den ehrt Gott.“12

Liebe Brüder und Schwestern, lassen Sie uns hier und jetzt beschließen, dass wir dem geraden Weg folgen, der zurück zu unser aller Vater führt, damit wir die Gabe des ewigen Lebens – des Lebens in der Gegenwart des himmlischen Vaters – erlangen können. Sollte es etwas geben, was verändert oder richtig gestellt werden muss, um dies zu erreichen, dann fordere ich Sie auf, sich jetzt darum zu kümmern.

Um es mit einem bekannten Kirchenlied zu sagen: Seien wir immer …

treu in dem Glauben, den Eltern uns lehrten,

treu stets der Wahrheit, die Helden begehrten!

Gott zugewandt Aug, Herz und Hand,

standhaft und treu sei stets unser Stand.13

Dass wir alle dies tun, ist mein demütiges Gebet, im Namen Jesu Christi. Amen.