2000–2009
Man sieht es dir an
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Man sieht es dir an

Ihr spiegelt sein Licht wider. Euer Beispiel wird sich auf der Erde machtvoll zum Guten auswirken.

Es hat noch nie eine bessere Zeit auf der Erde gegeben als die heutige. Es sind „unvergessliche Tage“.1 Diese Tage gehören euch, und sie sind wundervoll. Auch ihr seid wundervoll! Wenn ich euch so in die Augen schaue und eure strahlenden Gesichter sehe, wundere ich mich, wie ihr in einer so schwierigen Welt so gut, so stark und so rein sein könnt. Das erinnert mich an ein Gedicht, das mein Großvater immer aufsagte, als ich etwa so alt war wie ihr. Er sagte:

Du musst gar nicht sagen, wie den Tag du verbracht,

musst gar nicht verraten, was du alles gemacht –

ein untrüglich Zeichen beweist, wer du bist,

du musst gar nichts sagen, man sieht, wie es ist:

Bist Gott du recht nah, ist er gnädig dir dann –

da musst du nichts sagen, man sieht es dir an!2

Ich habe dieses einfache Gedicht nie vergessen und mich immer bemüht, so zu leben, dass man mir meine Lebensweise wirklich ansieht. Ich kann sehen, dass auch ihr das tut. Das Leuchten in eurem Gesicht kommt daher, dass ihr mit dem Vater im Himmel und seinem Sohn, Jesus Christus, Bündnisse eingegangen seid und sie haltet und dass ihr Entscheidungen trefft, die euch das Recht geben, den Heiligen Geist bei euch zu haben. Ich bewundere jede Einzelne von euch.

Präsident Gordon B. Hinckley nennt euch „die beste [und stärkste] Generation junger Leute, die es in der Geschichte der Kirche je gegeben hat“.3 Ich denke, ihr seid bereit gemacht und zurückbehalten worden, um jetzt zur Erde zu kommen, wo die Möglichkeiten, aber auch die Herausforderungen am größten sind. Ich denke, der Herr erwartet von euch, dass ihr führend in der Sache der Rechtschaffenheit seid und dass ihr „allzeit und in allem und überall“, als Zeugen Gottes auftretet.4 Man kann von euch wirklich sagen, dass ihr „eine strahlend leuchtende Hoffnung“5 für die Zukunft seid.

Ich glaube, der Apostel Petrus hat auch euch gemeint, als er sagte: „Ihr aber seid ein auserwähltes Geschlecht, eine königliche Priesterschaft, ein heiliger Stamm, ein Volk, das sein besonderes Eigentum wurde, damit ihr die großen Taten dessen verkündet, der euch aus der Finsternis in sein wunderbares Licht gerufen hat.“6

Dieses Licht ist das Licht des Erretters. Es ist das Licht des wiederhergestellten Evangeliums Jesu Christi. Durch die Art und Weise, wie ihr das Evangelium lebt, spiegelt ihr dieses Licht wider. Euer Beispiel wird sich auf der Erde machtvoll zum Guten auswirken. „Erhebt euch und lasst euer Licht leuchten, damit es den Nationen ein Banner sei“7 – das ist ein Aufruf, der euch allen gilt. Es ist der Ruf, euch auf eine höhere Ebene zu begeben. Es ist der Ruf, führend zu sein, was Anstand, Reinheit, Bescheidenheit und Heiligkeit betrifft. Es ist der Ruf, andere an dem Licht teilhaben zu lassen. Es ist an der Zeit, euch zu erheben und euer Licht leuchten zu lassen.

Kann eine einzelne rechtschaffene Junge Dame die Welt verändern? Die Antwort ist ein unmissverständliches Ja! Ihr habt den Heiligen Geist, dass er euch führt, und er „wird … euch alles zeigen, was ihr tun sollt“.8 Das, was ihr beständig – Tag für Tag – tut, gibt euch die Kraft, zu führen und ein Vorbild zu sein: täglich beten, täglich in den heiligen Schriften lesen, täglich gehorsam sein, täglich dem Nächsten dienen. Wenn ihr all das tut, kommt ihr dem Erretter näher und werdet ihm immer ähnlicher. Wie bei Mose und Abinadi und anderen glaubenstreuen Führern9 wird auch euer Gesicht dann durch das Feuer eures Glaubens erstrahlen. „Habt ihr sein Abbild in euren Gesichtsausdruck aufgenommen?“10 „Erhebt euch und lasst euer Licht leuchten.“

1856 schloss sich Mary im Alter von 13 Jahren mit ihrer Familie in England der Kirche an. Sie fuhr nach Amerika und zog mit der Handkarrenabteilung Martin mit. In ihrer Lebensgeschichte berichtet sie über die Schwierigkeiten dieser Reise – wie ihr kleiner Bruder als Baby und dann auch ein älterer Bruder starben, wie ihr die Füße abfroren und wie schließlich noch ihre jüngste Schwester und ihre Mutter starben. Als sie im Salzseetal ankam, amputierte ihr ein Arzt die Zehen, aber der Prophet, Brigham Young, gab ihr die Verheißung, dass ihr die Füße erhalten bleiben werden. Sie berichtet: „Eines Tages saß ich da … und weinte. Meine Füße taten mir so weh! Da klopfte eine kleine, alte Frau an die Tür. Sie sagte, sie spüre, jemand brauche sie hier ein paar Tage lang. … Ich zeigte ihr meine Füße. … Sie sagte: ‚Ja, und mit der Hilfe des Herrn werden wir sie trotzdem retten.‘ Sie rührte einen Brei an und legte mir den Umschlag auf die Füße. Jeden Tag kam sie, nachdem der Arzt fortgegangen war, und wechselte den Umschlag.Nach drei Monaten waren meine Füße heil.“11

Mary hatte aber so lange auf dem Stuhl gesessen, dass die Bänder in ihren Beinen steif geworden waren und sie die Beine nicht strecken konnte. Als ihr Vater ihren Zustand sah, weinte er. Er rieb ihr die Beine mit Öl ein und versuchte sie zu strecken, aber es ging nicht. Eines Tages sagte er: „Mary, ich habe mir etwas ausgedacht, was dir helfen kann. Ich nagle ein Brett an die Wand, und wenn ich dann bei der Arbeit bin, versuchst du, dort heranzukommen.“ Das hat sie dann, wie sie sagt, etliche Tage lang von früh bis spät versucht, bis sie schließlich an das Brett herankam. Daraufhin setzte ihr Vater das Brett ein wenig höher. So ging es noch drei Monate weiter, und da sie sich täglich Mühe gab, konnte sie ihre Beine schließlich wieder strecken und lernte wieder laufen.12

Ich glaube, dass auch ihr, wie Mary Goble, lernt, euch noch ein wenig mehr zu strecken, um das Brett zu erreichen, das unsere Führer höher gesetzt haben, und wenn ihr euch immer mehr streckt, je höher die Ideale angesetzt sind, könnt ihr der Zukunft mit Zuversicht begegnen.

In den Gesichtern der Jungen Damen in Westafrika leuchtet das strahlende Licht des Heiligen Geistes. Sie leben nach den Maßstäben aus der Broschüre Für eine starke Jugend, lassen sich vom Geist leiten und bereiten sich darauf vor, eines Tages Führerinnen zu sein. Sie lieben den Herrn und sind dankbar, dass er ihnen sein Licht gegeben hat. Einige dieser Mädchen sind drei Stunden gelaufen, um mir Zeugnis zu geben. Ihr Beispiel hat einen anderen Menschen aus mir gemacht.

Als ich in Südamerika war, sangen die Jungen Damen und ihre Führerinnen: „Ich möchte so sein wie Jesus.“13 Sie sangen die Worte nicht nur, sondern meinten auch, was sie sangen. In Asien, in Indien sind die Jungen Damen beispielhaft, was Glauben, anständige Kleidung und Reinheit angeht. Ihre Augen leuchten, und sie sind glücklich. Die Jungen Damen in England, Irland und Wales stehen an ihren Schulen für Wahrheit und Rechtschaffenheit ein. In einer Welt, die sich immer mehr verfinstert, heben sie sich ab. Einige unter euch sind die einzigen Mitglieder in ihrer Familie oder an ihrer Schule. Ihr hebt euch ab. Ihr führt in Rechtschaffenheit.

Vor nicht allzu langer Zeit wanderte ich mit einer Gruppe Jugendlicher auf den Ensign Peak hinauf. Von dort sahen wir auf Salt Lake City und den Tempel hinab und sprachen über die Opfer, die so viele um des Evangeliums willen gebracht hatten. Dann rollte jeder Jugendliche eine Fahne auf. Auf ihren Fahnen hatten sie symbolisch dargestellt, was sie der Welt zu sagen hatten – wofür sie in diesen Letzten Tagen einstehen wollten. Ich war begeistert, als ich miterlebte, wie fest entschlossen alle waren und was für ein Zeugnis sie hatten. Wir sangen dann „Hoch auf des Berges Höhn“14, und die Jugendlichen riefen alle zusammen: „Hurra, Israel!“15 Diese Worte möchte ich heute aufgreifen. Ein Hurra euch allen! Ich hoffe, ihr zögert nie, „euer Licht vor den Menschen leuchten [zu lassen], damit sie eure guten Werke sehen und euren Vater im Himmel preisen“.16 Ich hoffe, auch ihr haltet eure Fahne hoch. Ich weiß: Wenn ihr in Rechtschaffenheit führend tätig seid, geht diese Schriftstelle inJesaja in Erfüllung: „Denn siehe, … über dir geht leuchtend der Herr auf, seine Herrlichkeit erscheint über dir.“17 Sie wird gut zu erkennen sein, und „Völker wandern zu deinem Licht und Könige zu deinem strahlenden Glanz“.18

Ich sehe eine Zeit, da wird die Welt auf euch schauen und fragen: „Wer seid ihr? Wer sind diese jungen Frauen, die solch ein Licht ausstrahlen? Weshalb seid ihr so glücklich? Woher wisst ihr, wo ihr in dieser verworrenen Welt hinwollt?“ Und ihr werdet euch erheben, aufrecht dastehen und voller Überzeugung sagen: „Wir sind Töchter unseres himmlischen Vaters, der uns liebt und den wir lieben. Wir wollen allzeit und in allem, wo auch immer wir uns befinden, als Zeugen Gottes auftreten.“19

Mein Aufruf an euch ist derselbe, den auch Moroni ausgesprochen hat: „Erwache und erhebe dich …, o Tochter Zion.“20 Er hat euch gesehen. Er hat unsere heutige Zeit gesehen. Es ist eure Zeit! Es liegt an euch, ob ihr euch entschließt, euch zu erheben und euer Licht leuchten zu lassen. Ich glaube, wenn ihr euch erhebt und euer Licht leuchten lasst, dann wird es den Völkern als Maßstab dienen, und ich glaube auch, dass eure Maßstäbe den Völkern ein Licht sein werden. Ihr seid anders. Ihr habt euch schon im vorirdischen Dasein hervorgehoben. Eure Abstammung bringt ein Bündnis und Verheißungen mit sich. Ihr habt die geistigen Eigenschaften der Glaubenstreuen geerbt – ja, die von Abraham, Isaak und Jakob. Euer ureigenstes Wesen spiegelt euer göttliches Erbe und eure göttliche Bestimmung wider. Die Tatsache, dass ihr als Mädchen zur Welt gekommen seid, ist kein Zufall. Eure göttlichen Züge werden zunehmen, wenn ihr andere führt und euch zu eurem göttlichen Potenzial aufschwingt. Naht euch dem Erretter.Er lebt! Er ist das Licht, das Leben und die Hoffnung der Welt. Er wird euch führen und euch den Mut geben, euer Licht leuchten zu lassen. Wie sagte doch mein Großvater? „Bist Gott du recht nah, ist er gnädig dir dann – da musst du nichts sagen, man sieht es dir an.“ Im Namen Jesu Christi. Amen.